Buch, Deutsch, Band 8, 118 Seiten, Paperback, Format (B × H): 135 mm x 215 mm, Gewicht: 171 g
Reihe: edition mss. reprobatorum
ein jahrmarkt dentaler gedichte
Buch, Deutsch, Band 8, 118 Seiten, Paperback, Format (B × H): 135 mm x 215 mm, Gewicht: 171 g
Reihe: edition mss. reprobatorum
ISBN: 978-3-6957-5131-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Schmerzlich aufwühlend und gleichzeitig amüsant erzählt das eigene und fremde Gebiss von traurigen, aber auch tröstlichen Geschichten zwischen Leben und Tod.
Derart spannt die Gedichtsammlung "milch und gräuelzahn" den lyrischen Bogen von den ersten Milchzähnen bis zum allerletzten, absterbenden Weisheitszahn im Alter.
Und wie viele Sorgen bereiten bis zuletzt korrigierte, kaputte und künstliche Zähne zwischen einschüchterndem Glas und Metall der Zahnarztpraxen und dem beruhigenden Herumblättern in bunten Heftchen im mütterlich seifigen Desinfektionsmitteldunst ihrer Wartezimmer.
Auch wenn das Zahnweh laut Paul Valéry (1871-1945) für Momente "das Universum zum Verschwinden bringt", als lyrisches Thema bleibt es doch weit hinter den Schmerzen der Schinderei eines Marsyas zurück. Dabei hat Ernst Jandl (1925-2000) schon in den 1960er Jahren ironisch verspielt, geradezu in der Tradition der komisch absurden Nonsens-Sonette des Florentiner Barbiers Domenico di Giovanni genannt Burchiello (1404-49), mit dem ersten seiner "kuren"-Lautgedichte das alles erschütternde Bohren beim Zahnarzt poetisiert, ganz im Sinne des heutigen Spoken Word. Und in den 1990er Jahren knüpfte er mit dem Zahnarzt-Gedicht "AIDS" an die satirische Epigrammatik eines Martial (40-ca. 104), darin durchaus vergleichbar mit einzelnen Gedichten von Christoph Meckel (1935-2020) im Lyrikband "Zähne". Aber auch das Gedicht der "Schreckliche Zahnarzt" vom früh verstorbenen Jwani Mwaikusa (1952-2010) aus Tansania zeigt, wie schnell man von der Zahnheilkunde selbst in der düstersten Politik landen kann oder im absurdesten Aberglauben, wie bei Carl Sandburg (1878-1967), dem großen Dichter Chicagos, in seinem Langgedicht "The People, Yes" von 1936.




