Trägheit wird meist mit Faulheit verwechselt, was daran liegt, dass es echt anstrengend ist, die genauen Unterschiede nachzuschlagen. Und so leiden wir im Gegenwarts-Deutschland an dem furchtbaren Missverständnis, Faulheit könnte tatsächlich eine Sünde sein. Dabei hat wirklich kein Kirchenvater je etwas gegen Lifestyle-Teilzeit gesagt. Die echte Trägheit wiederum, großes Problem. Denn sie steht für Melancholie und Überdruss, für Angst und für Aktionismus, der vom Wichtigen ablenkt, der eigenen Bestimmung, oder kurz: vom Leben. Zwei Autoren, die in Sachen Müßiggang alle Kosten und Mühen sparen, schreiben über Arbeit und Achtsamkeit, Wachstum und Eucharistie, über Effizienz, KI und unsere allzu trägen Herzen.
Pollatschek, Nele
Nele Pollatschek promovierte in Oxford über das Problem des Bösen im literarischen Realismus. Ihr Debütroman "Das Unglück anderer Leute" erschien 2016. Es folgte das Sachbuch "Dear Oxbridge" (2020) und der Roman "Kleine Probleme" (2023). Sie war Kulturjournalistin des Jahres 2024 und erhielt den Deutschen Reporterpreis. Nele Pollatschek schreibt für DIE ZEIT.
Rammstedt, Tilman
Tilman Rammstedt studierte Philosophie und Literaturwissenschaft. Für seine Romane, unter anderem „Der Kaiser von China“, „Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters“ und „Morgen mehr“ wurde er vielfach ausgezeichnet, darunter mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis, dem Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis und dem Preis des Kulturkreises der Deutschen Wirtschaft. Darüber hinaus schreibt er Theaterstücke, Drehbücher und Reisereportagen für DIE ZEIT.