Buch, Deutsch, Band 20, 381 Seiten, Format (B × H): 220 mm x 310 mm, Gewicht: 1500 g
Reihe: marru
Der Alte Orient im Bühnenbild (1850–1930)
Buch, Deutsch, Band 20, 381 Seiten, Format (B × H): 220 mm x 310 mm, Gewicht: 1500 g
Reihe: marru
ISBN: 978-3-96327-334-6
Verlag: Zaphon
Dieses Buch ist aus der Sicht der Altorientalistik geschrieben und legt den Schwerpunkt auf die Erforschung der Vorbilder für Bühnenbilder, die verdeutlichen, wie ausgiebig der Alte Orient in der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts rezipiert wurde. Besonders seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden zahlreiche neue Bühnen. Gleichzeitig hatten Ausgrabungen innerhalb und außerhalb Europas zahlreiches archäologisches Material gesammelt, das nun der breiten Bevölkerung nicht nur in Museen und durch Enzyklopädien, sondern auch bei Theateraufführungen nahegebracht werden sollte. Das wachsende Bildungsbürgertum war das ideale Publikum. Die Entdeckungen der assyrischen Städte Nimrud, Ninive und Khorsabad um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden nicht nur durch wissenschaftliche Ausgrabungsberichte, sondern auch durch Zeitungen und Ausstellungen verbreitet. Wie ließen sich hierdurch die Bühnenbildner inspirieren? Zu welchen Publikationen hatten sie Zugang? Was konnten sie von Museumsbesuchen kennen? Einhergehend damit: Inwieweit waren die archäologischen Funde in der allgemeinen Bevölkerung bekannt? Denn dies war eine Voraussetzung, sie für Bühnendekorationen zu verwenden. Nach den Entdeckungen der assyrischen Königsstädte war 1853 „Sardanapalus“ in London die erste Aufführung mit Bühnenbildern, die sich nach assyrischen Vorbildern richtete. Dem Stück von Lord Byron meinte man nun erst gerecht werden zu können, indem man es in ein assyrisches Setting setzte. Im Folgenden waren es vor allem Opern und Theaterstücke mit biblischen Themen, die bei ihren Bühnenbildern auf assyrische Motive setzten, oft gepaart mit achämenidischen Säulen – auch wenn die Stücke weder in Assyrien noch in Persien spielten. Allerdings konnten sich nicht alle Häuser eigene Ausstattungswerkstätten für Kostüme und Bühnenbilder leisten, weswegen in dieser Zeit vermehrt von den Spielstätten unabhängige private Ateliers gegründet wurden. Gleichzeitig entstand das „Ausstattungstheater“, das ganz im historistischen Sinn versuchte, das „originale“ Ambiente der Stücke auf die Bühne zu bringen. Die Spannbreite der hier vorgestellten Aufführungen reicht von konventionellen Opern über zeitgenössische, kritische Schauspiele bis zu Passionsspielen. Diese Aufführungen unterlagen zwangsläufig stark dem Zeitgeist mit der Folge, dass viele einst populäre Stücke heute gar nicht mehr auf die Bühne kommen.




