- Neu
Buch, Deutsch, Band 18, 144 Seiten, Format (B × H): 140 mm x 210 mm, Gewicht: 283 g
Reihe: PRO LYRICA Grundversorgung
Neue Gedichte um einen alten Bekannten
Buch, Deutsch, Band 18, 144 Seiten, Format (B × H): 140 mm x 210 mm, Gewicht: 283 g
Reihe: PRO LYRICA Grundversorgung
ISBN: 978-3-907551-98-1
Verlag: PRO LYRICA
In «der Tod sei mir Freund – neue Gedichte um einen alten Bekannten» von Peter Rudolf betritt der Tod als vielgestaltiger Begleiter die Bühne. Die über einen Zeitraum von 35 Jahren entstandenen Gedichte verbinden unterschiedlichste lyrische Formen – vom Sonett bis zum freien Vers – und vereinen Tradition und
Moderne, Kühnheit und Konvention.
Mit Sprachwitz und inhaltlicher Tiefe beleuchtet die Sammlung existenzielle Erfahrungen wie Schmerz, Zweifel und Krise, lässt aber auch Raum für Freude, Dankbarkeit und Versöhnung. Der Tod erscheint dabei nicht nur als Ende, sondern als Gegenüber, ja Spiegel des Lebens.
Das Buch lädt dazu ein, innezuhalten und über grundlegende Fragen von Leben, Menschsein und Vergänglichkeit nachzudenken – weit über ein blosses Sinnieren über den Tod hinaus.
Zielgruppe
Lyrikaffine und lebenssinnige Menschen
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
der Tod sei mir Freund
Der Tod sei mir nicht Feind.
Der Tod sei mein Freund.
Ein freundlicher Freund
vielleicht
ein fremder Freund.
Dass er kein wahrer Freund sein könnte
steht nicht zu befürchten.
Aufrichtig und wahr wünsche ich mir
meine Freunde.
In der Schlussnote zu seinem Gedichte-Reigen rund «um einen alten Bekannten», den Tod, warnt der Autor Peter Rudolf davor, dass dieses Buch Gedichte enthalte. Tatsächlich regt die schiere Vielfalt der im Band gesammelten lyrischen Formen, welche sich zum bisweilen wilden danse macabre einfinden, dazu an, darüber nachzudenken, was Gedichte heute noch sein und welche Wirkung sie entfalten können.
Von Sonett zu Ballade, über Klage und Gesang bis hin zum freien Vers der Gegenwartslyrik präsentieren sich die Kompositionen mal romantisch, mal drängend, wahlweise auch post-modern. Ihr Verfasser versteht sich auf die punktgenaue Kürze des Haiku ebenso wie aufs gesetzte Mass und eine getragene Länge. Die Sprachbilder sind breit angelegt: teils fussen sie auf gestandener literarischer Tradition, teils überspielen und überspitzen sie auch Bekanntes, oder aber sie unterlaufen jeglichen üblichen Sinn. Das Kühne und das Konventionelle verbindet sich, reibt sich auch in manchem Fall. Auf diese Weise entsteht ein vertraut unvertrauter Eindruck von diesem «Freund», der da ist der Tod. Lesend begegnen wir ihm in vielgesichtiger, mitunter undurchschaubarer Gestalt.
Im Gang der Gedichte schreiten wir durch verschiedene Tore und gedankliche Über- wie Untergänge. Skelette und Engel bieten sich uns dar, es begegnen uns Eulen und weiteres Federvieh, wir fahren auf Kähnen, Schiffchen und Schiffen, begehen Wege wie Stege, betrachten wiederkehrende Folgen von Schwarz – Weiss – Rot. Die Titel der Gedichte vermögen es, in ihrer eingängigen Reduziertheit zu einer Mehrschichtigkeit des Sinns beizutragen. Auch erwecken sie mit der konsequent gewählten Kleinschreibung am Titelanfang den Eindruck, als wären die einzelnen Gedichte selbst Momentaufnahmen, welche über die Zeit aus dem Unendlichen ins Endliche und zurück in Unendlichkeit geflossen sind.
Die Abfolge gestaltet sich gemäss Eigenaussage des Autors intuitiv, ohne zwingende chronologische oder thematische Bündelung. Vielmehr flicht sich stetig Neues zwischen Altes, denn gewachsen ist die vorliegende Sammlung über einen langen Zeitrahmen von 35 Jahren. Man merkt ihr sorgsame Pflege und Aufmerksamkeit an, es wurde an ihr wie an einer Bildhauer-Skulptur gehauen, gemeisselt, geschliffen und poliert. Manche Kerben sind tiefer geschlagen und rauer, andere rundum geglättet. Ein wenig mutet dies an wie das Leben selbst, das auch uns hauend und schleifend in Gestalt bringt. Und so spürt man deutlich, dass diese Gedichte dem Autor zur Bearbeitung existentieller Lagen dienten; Ohnmacht, Zweifel, Trauer und Schmerz halten – und erhalten – so manchen tiefen Raum. Dazwischen funkelt jedoch immer wieder ein Zwischenhoch der Freude, Dankbarkeit, Einsicht und Versöhnung.
Durchdringung der Materie vom Privatesten bis hin zum Öffentlichsten geht unter die Haut und teils, vielleicht, über eine individuelle Schmerzgrenze hinaus. Zugegen ist die stille Kammer des Dichters wie auch die grosse Weltbühne, das Profane reiht sich zwanglos ans Sakrale. Humor und Trauer reichen sich bisweilen unerlöst die Hand, manches geht auf die leichte Schippe oder aber lastet sich auf eine schwere Schulter. Denn das Leben ist keine Ente, sagt der Verfasser. Der Tod ist ein Schwan.
Überblickend ist die Lektorin versucht zu sagen, dass sich zuletzt allfällig so etwas wie Sehnsucht regt und als narratives Bindeglied anbietet – in Hoffnung auf einen lösenden Aufstieg ins nun endlich geweitete Blau eines Horizontes vor wie nach dem Tod. Ein längst zum Kalenderspruch herabgewirtschaftetes carpe diem überrascht dazu passend mit der Frage: bist du bereit, gepflückt zu werden? Viel wurde am Ende gesagt auf 123 Seiten, und doch lange nicht alles. Manches blieb ausgeschwiegen oder gar völlig offen. Wurde einiges vielleicht zu deutsch und deutlich ausgesprochen? Dies zu entscheiden, bleibt dem persönlichen Empfinden der Leserschaft überlassen. In jedem Fall bietet sich in «der Tod sei mir Freund» die Gelegenheit, für eine achtsame Weile innezuhalten und über grundsätzliche Verhältnisse nachzudenken: zu sich selbst, zum Menschsein, zur Welt im Ganzen, zum Alltag im Kleinen – und zum etwaig unverhofften Wunder. Weit über ein blosses Sinnieren über den Tod hinaus. Milica Langhart




