Buch, Deutsch, 352 Seiten, Format (B × H): 210 mm x 297 mm, Gewicht: 1805 g
Reihe: Limes und Legion
Eine quellenkritische Analyse anhand der Kleinfunde der Kalkriese-Niewedder Senke
Buch, Deutsch, 352 Seiten, Format (B × H): 210 mm x 297 mm, Gewicht: 1805 g
Reihe: Limes und Legion
ISBN: 978-3-7520-0940-8
Verlag: Reichert Verlag
Seit Jahrzehnten fasziniert der frührömische Fundort Kalkriese im Osnabrücker Land die Wissenschaft wie kaum ein anderer Ort. Gilt er vielen als Schauplatz der legendären Varusschlacht 9 n. Chr., bei der germanische Stämme erfolgreich gegen die römische Armee kämpften. Doch ein näherer Blick offenbart ein sehr komplexes Geflecht aus archäologischen und historischen Quellen, was eine eindeutige Beurteilung des Platzes bisher nicht ermöglichte. Was geschah wirklich im frühen 1. Jahrhundert nach Christus in dieser Landschaft? Welche römischen Truppen kämpften hier – und gegen wen? Und wie zuverlässig ist das, was wir zu wissen glauben?
Die richtungsweisende Studie von Uta Schröder, entstanden als Dissertation an der Ludwig-Maximilians-Universität München, liefert erstmals eine umfassende, kritische Gesamtschau von rund 5.400 kaiserzeitlichen Kleinfunden – darunter über 1.100 bislang völlig unpublizierte Objekte. Die Arbeit schließt damit die Lücke eines jahrelangen Forschungsdesiderates. In akribischer Detailarbeit untersucht die Archäologin Datierung, Funktion und Verteilung der Artefakte und eröffnet damit einen neuen, bislang fehlenden Zugang zur Chronologie und zum Charakter des Fundplatzes.
Die Analyse führt zu einem zentralen Ergebnis: Zweifelsfrei lässt sich eine Schlacht mit Beteiligung römischer Infanterie und Kavallerie für die spätaugusteisch-tiberische Zeit nachweisen. Gleichzeitig wird deutlich, wie sehr landwirtschaftliche Eingriffe, die Auswahl von Grabungsarealen und ungleichmäßige Prospektionen die bisherige Interpretation des Fundplatzes verzerrt haben. Viele vermeintliche Gewissheiten geraten ins Wanken – vom „Kalkriese-Horizont“ bis zur Frage nach dem tatsächlichen Schlachtgeschehen.
Dieses Werk zeigt Kalkriese als einen der bedeutendsten, aber zugleich anspruchsvollsten archäologischen Fundorte der römischen Kaiserzeit in Europa. Es legt offen, wo die Forschung steht, welche Fehlschlüsse korrigiert werden müssen und welches enorme Potenzial zukünftige Untersuchungen bergen.
Ein Standardwerk für Archäologie, Alte Geschichte und alle, die verstehen wollen, wie Wissenschaft aus Funden Geschichte schreibt – und wie viel Geschichte im Boden noch unerzählt schlummert.




