Buch, Deutsch, Band 1, 184 Seiten, Format (B × H): 150 mm x 209 mm, Gewicht: 356 g
Reihe: insBesondere Kinder
Buch, Deutsch, Band 1, 184 Seiten, Format (B × H): 150 mm x 209 mm, Gewicht: 356 g
Reihe: insBesondere Kinder
ISBN: 978-3-906183-46-6
Verlag: Kwasi Verlag
Rabea erlebt einen rabenschwarzen Tag. Dabei meint sie es nur gut: Als sie den Pausenplatz besprayt, will sie Leben retten! Auch wenn es nur das Leben von Adrian sein sollte. Aber die Schulleiterin sieht das völlig anders, und jetzt müssen Rabeas Eltern die Spezialreinigung zahlen. Dabei haben sie doch so wenig Geld. Zu Hause gibt es Streit mit Papa wegen ihrem Schlagzeug, und sie muss ihre drei kleinen Geschwister hüten – mithilfe von Oma, die aus Ägypten gekommen ist. Aber Oma verschwindet spurlos. Leander ist sich sicher, dass sie von der Mafia entführt worden ist. Leo glaubt, sie ist zurück nach Ägypten gereist, weil es ihr hier nicht gefällt. Rabea hat keine Ahnung und dirigiert ihren Suchtrupp durch die Stadt, ausgerechnet während das Achtelfinale der Fußball-WM läuft!
Zielgruppe
Kinder ab 9, Familien, Heilpädagogik, Lehrpersonen
Weitere Infos & Material
1 Das Kapitel, in dem Rabea eine gute Tat vollbringt
2 Das Kapitel, in dem Rabea Ärger kriegt
3 Das Kapitel, in dem Rabea eine böse Überraschung erlebt
4 Das Kapitel, in dem Papa nichts wiedergutmachen kann
5 Das Kapitel, in dem Rabea jede Menge Arbeit hat
6 Das Kapitel, in dem etwas Wichtiges verloren geht
7 Das Kapitel, in dem ein Plan ausgeheckt wird
8 Das Kapitel, in dem Rabea an einer falschen Adresse wohnt
9 Das Kapitel, in dem einer von Leanders Plänen aufgeht
10 Das Kapitel, in dem Rabea plötzlich viele Omas hat
11 Das Kapitel, in dem etwas baden geht
12 Das Kapitel, in dem der Zug abgefahren ist
13 Das Kapitel, in dem Rabea zusehen muss, wie Leander verschluckt wird
14 Das Kapitel, in dem alle verloren gehen
15 Das Kapitel, in dem Rabea nach Ägypten gelangt
16 Das Kapitel, in dem sich herausstellt, dass es die Oma schwer getroffen hat
17 Das Kapitel, in dem Rabea abtaucht
18 Das Kapitel, in dem ein chinesischer Opa die Rettung ist
19 Das Kapitel, in dem viel geschrieben wird
20 Das Kapitel, in dem viel geredet wird
21 Das Kapitel, in dem Rabea unerwartet Hilfe bekommt
22 Das Kapitel, in dem fast das Schlimmste passiert
Nach gefühlten zehn Minuten lockert Oma endlich die Umarmung, lässt mich aber noch längst nicht los. Sie hält mich eine kurze Armlänge von sich, mustert mich von Kopf bis Fuß und ruft etwas auf Arabisch. Ich werde rot, dabei verstehe ich noch nicht mal, was sie sagt. Wahrscheinlich so etwas wie: »Du bist aber gewachsen!« Oder: »Was für ein schönes Mädchen!«
Ich hingegen könnte ausrufen: »Wie klein du geworden bist!« Ich sehe kaum was von ihr. Nur die bunten, flatternden Kleider und ein schrumpeliges, altes Gesicht, das nur knapp aus dem Kopftuch schaut. Und schon redet und gestikuliert sie weiter. Mama nickt und lacht, obwohl sie auch kein Arabisch versteht, schon gar nicht dieses undeutliche Genuschel. Aber mir ist es recht, dass die beiden sich gegenseitig beschäftigen. Ab in mein Zimmer!
Puh, Tür zu. Dieses wohlige Gefühl von Alleinsein ist doch das Beste! Aber da schleicht sich auch schon wieder dieser blöde Gedanke in meinen Kopf, dass ich das Zimmer nicht mehr lange für mich haben werde. Weil Mama findet, dass Kija bei mir schlafen soll, sobald sie ein Jahr alt ist. Dabei ist es ja nur logisch, dass Kija zu den Zwillingen ins Zimmer gehört: ein Zimmer für die Kleinen, eins für mich, die Große. Ich bin schließlich bald jugendlich. Nur noch zwei Monate, dann werde ich elf. Und dann dauert es nicht mehr lange, bis ich dreizehn bin. Ein Teenager! Wooh!
Upps, mein Rucksack knallt gegen die Wand, statt aufs Bett! Flugbahn falsch berechnet, weil ich schon wieder die Spraydosen vergessen habe. Mit dem Zusatzgewicht fliegt der natürlich weiter. Aber wenigstens ist das eine prima Erinnerung. Ich bring sie lieber gleich raus. Kenne mich ja: bäm, vergessen. Wobei Papa vielleicht gar nicht schimpft, da ja seine Mama hier ist. Vielleicht würde er es noch nicht mal merken, dass die Dosen fehlen. Aber vielleicht doch. Also Rucksack wieder grapschen und ... Was ist das? Was liegt denn da? Faustgroß, rosa und weiß. Ist das mein Geschenk von Oma? Was soll das sein? Immerhin kein Plüschtier! Hä? Hart und feucht, und irgendwie grinst es mich an! Es erinnert mich an etwas ... Es ist ... Uäh! Weg damit! Ich hab ein Gebiss angefasst! Mit der ganzen Spucke dran! Echt mal! Und es grinst mich immer noch an! Das sieht so spooky aus. Sicher träume ich heute Nacht davon, wie mich ein zum Leben erwachtes Gebiss angreift ... Ob es Oma gehört? Und warum liegt Omas Gebiss in meinem Zimmer? Das macht mich echt fertig. Da hilft nur eine Runde Schlagzeug. Nichts bringt mich so sicher zurück in die Spur. Ich zögere nur, weil ich dann das Gebiss im Rücken liegen habe. Es könnte sich anschleichen und mir in den Po beißen! Ach, ich spinne wirklich.
Ich reiße meinen Blick vom Gebiss los und ... Mich trifft der Schlag! Ich starre auf mein Schlagzeug – oder eher auf die Ecke, wo es stehen sollte. Und es dauert einen Moment, bis die Murmel ins Loch fällt: Mein Schlagzeug steht da nicht mehr. Nicht in der Ecke. Und auch sonst nirgends!
Träume ich? Hatte das Gebiss Hunger? Im Ernst: Wo ist mein Schlagzeug?!
Ich bücke mich und sehe die Abdrücke im Teppich – ich täusche mich also nicht: Ich hatte ein Schlagzeug. Wäre auch schwierig zu erklären, worauf ich all die Jahre gespielt habe. Und jetzt? Ich schaue mich um wie eine Fremde – ist das überhaupt mein Zimmer? Hat jemand heimlich die Türen vertauscht oder das Portal in eine andere Welt geöffnet? »Immer mit der Ruhe, Rabea«, ermahne ich mich. »Wir machen das jetzt Schritt für Schritt. Wenn das mein Zimmer ist, müsste hier mein Schrank stehen. Check! Daneben mein Bett. Check! Allerdings mit dem Gebiss! Das gehört definitiv in die Kategorie Portal in eine andere Welt. Dann der Stuhl für die Kleider, den ich nie benutze. Alles da. Aber etwas ist zu viel, gehört nicht hier rein: ein Koffer und Taschen, in denen mein Schlagzeug verstaut sein könnte. Was es natürlich nicht ist. Dafür ist es dann doch viel zu groß, mit all den Trommeln und Becken und Ständern. Und warum sollte Mama mein Schlagzeug verräumt haben? Die Nachbarn beschweren sich zwar immer mal wieder, dass es zu laut sei, aber das machen sie ja schon lange.




