Sous | Vom Glück verfolgt | Buch | 978-3-88747-428-7 | www.sack.de

Buch, Deutsch, 128 Seiten, Format (B × H): 150 mm x 210 mm, Gewicht: 200 g

Sous

Vom Glück verfolgt

Erzählungen
Erstausgabe
ISBN: 978-3-88747-428-7
Verlag: Transit Buchverlag GmbH

Erzählungen

Buch, Deutsch, 128 Seiten, Format (B × H): 150 mm x 210 mm, Gewicht: 200 g

ISBN: 978-3-88747-428-7
Verlag: Transit Buchverlag GmbH


Ob Großvater Hein, eine rheinische Frohnatur, mit Pappnase auf die Welt gekommen, im Mai 1939 mit dem Fahrrad von Stolberg zum Reichsjägermeister Göring nach Berlin fährt, um seinen erschossenen Dackel zu rächen, ob ein Kriegsdienstverweigerer von einem reichen Italiener bestochen wird, ihm heimlich eine tödliche Dosis Hennessy zu besorgen, ob ein vielversprechender Jungautor, zum ersten Mal auf der Buchmesse, in den achtziger Jahren von einem gewieften DDR-Autor um seinen Auftritt betrogen wird oder auf einem Trödelmarkt ein dramatischer Streit um ein Sachbuch namens »Mein Kampf« ausbricht – immer snd es Geschichten, die haarscharf an einer Katastrophe vorbeischrammen, die von gekonnt inszenierter Situationskomik nur so strotzen und doch immer, manchmal auch versteckt und unerwartet, das Quäntchen Glück servieren, ohne das unser Alltag nicht auszuhalten wäre.

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Am Morgen des zweiten Tages nach der Operation reichte Eugen Maggionni mir eine schriftliche Mitteilung, in der er mich bat, eine Flasche Cognac der Marke Hennessy VSOP zu besorgen und ihm durch den Nasenschlauch einzuflößen. An den Zettel hatte er einen großen Geldschein geheftet. Ich lächelte, aber er meinte es ernst. In Zeichensprache verlangte er Papier und Stift, schrieb: 100 DM Trinkgeld.
Ich lande im Knast, sagte ich.
Am nächsten Morgen bereitete ich Eugens Frühstück zu. Flüssige Schonkost, langweilig wie Astronautennahrung. In einem Moment, den ich für unbeobachtet hielt, gab ich fahrig einige Spritzer Cognac zu der Pampe, versteckte die Flasche wieder in meinem Spind.
Es dauerte wenige Tage, und der Lottomillionär löste Alarm aus. Er war unzufrieden mit der verabreichten Dosis, trommelte aufgebracht mit beiden Fäusten auf seine Bettdecke, verlangte mindestens eine Viertel Flasche.

Ich war geliefert, wenn das rauskam. Und es würde rauskommen, der frischoperierte, besondere Privatpatient wurde regelmäßig untersucht.

Maggionni kriegte wieder Luftnot, er zerrte an den Infusionsnadeln. Auf einmal war mir alles egal. Ich zog in der Umkleide die Nährspritze bis zum Anschlag mit Cognac auf, transportierte die Alkoholbombe wie im Nebel unter frischer Bettwäsche versteckt zum Bestimmungsort.
Die nächste Botschaft, in euphorischen Großbuchstaben verfasst, lautete: Danke, mein Sohn, du wirst adoptiert.«


Sous, Dietmar
Dietmar Sous, 1954 in Stolberg (Rheinland) geboren, überlebte dort eine Leistenbruchoperation und das altsprachliche Goethe-Gymnasium. Mit 27 Jahren veröffentlichte er seinen ersten Roman »Glasdreck« (1981, Rotbuch Verlag). Seither zahlreiche Veröffentlichungen von Erzählungen und Romanen, zuletzt 2012 »Sweet about me« (Knaus). Bei ­TRANSIT erschienen 2015 »Roxy«, 2017 »San Tropez«, 2020 »Bodensee« und »16:0«, 2024.



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