Buch, Deutsch, Band 23, 168 Seiten, Format (B × H): 120 mm x 205 mm
Reihe: Caracol Prosa
Phantastische Reisen
Buch, Deutsch, Band 23, 168 Seiten, Format (B × H): 120 mm x 205 mm
Reihe: Caracol Prosa
ISBN: 978-3-907296-47-9
Verlag: Caracol Verlag der Autorinnen & Autoren
In seinem neuen Prosaband «Als die Marder kamen» führt Markus Stegmann fort, was er im Band «Schaf und Schatulle» begonnen hat: eine teils philosophische, teils phantastische Betrachtung unserer Zeit, mit allen ihren Problemen, Schrecken und Absurditäten. Zwischen Beobachtung und Phantasie, Traumwelten und Halluzinationen oszillierend, kommentiert er die Gegenwart mit heiterem Ernst und grimmigem Humor, mit Gedanken-Salti und lakonischer Melancholie.
Während in Schaf und Schatulle 267 kurze Texte einen Erzählfaden bilden, ist der neue Band in sieben Kapitel gegliedert: Weltraumtraum, Zeichen am Himmel, Raumfahrt mit Kindern, Südsee, Wanderungen, Schlaf und Traum, Nach der Zeit. Das vereinsamte Erzähler-Ich – auch hier ist es ein älterer «Schlossbewohner» – berichtet von seinen Gedanken-Reisen, von Phantasie-Abenteuern im Weltraum, auf dem Mond, in der Südsee und im eigenen «Luftraum». In einem Kapitel taucht der Autor ein in pfälzische und schwäbische Landschaften der Erinnerung.
Traumhafte Visionen, surreale Bilder spiegeln die Schrecken dieser Zeit: Kriege, Umweltzerstörung, Fluchtversuche hinaus ins All, auch eine Dschungelcamp-Phantasmagorie. Markus Stegmann schildert mit skurrilem Humor den bedenklichen Zustand unserer Welt.
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Raumfahrt mit Kindern
Es dauert nicht lange, da haben wir bereits die Alpen erreicht. Vorsichtig navigiere ich über den kahlen Gebieten geschmolzener Gletscher, über von Felsstürzen zugeschütteten Talschaften, folge kurze Zeit später den von Waldbränden gerodeten Bergketten Südosteuropas. In sicherer Höhe überqueren wir aktuelle Kriegsgebiete weit unter uns. Friedlich liegen sie ausgebreitet in der Sonne, hier und da sind am Boden winzige Rauchwölkchen zu entdecken, aber nur, wenn man ganz genau schaut.
Mit großen Augen drängen sich die Kinder an den Fenstern. Der Wohnwagen hat als Raumschiff unbestritten seine Vorteile: keine kleinen, beengenden Bullaugen, sondern großzügige Panoramafenster in alle Himmelsrichtungen, sogar zwei Dachluken aus Plexiglas. Alle Passagiere finden ein Plätzchen. Je höher wir steigen, desto friedlicher die Welt. Ich denke an die Nachbarn. Aber sie wollten ja nicht mitreisen.
Mit zunehmender Höhe formt sich die Welt zur Kugel. Die vielen Katastrophen dort unten sind beim besten Willen nicht mehr wahrnehmbar. Im schimmernden Blau der Atmosphäre scheinen sie sich aufgelöst zu haben. Friedlich und still.
Es ist Zeit für einen kleinen Weltraumspaziergang, kommt mir in den Sinn. Ich gebe den Kindern ein Zeichen. Sie verstehen und klatschen in die Hände. Schon öffnet sich die größere Dachluke des Kinderraumschiffs und, mit einer Schnur aneinandergeknüpft, schweben die staunenden Kleinen euphorisch ins All. Wuchtige Raumanzüge und unförmige Sauerstoffmasken brauchen sie nicht, denn sie sind stark genug, allen Widrigkeiten zu trotzen. Auf der Erde resilient geworden, kann ihnen das All nichts anhaben.
Nur ich bin auf derartige Schutzkleidung angewiesen und streife sie mir mühsam über, taumle wie ein benommener Bär tapsig nach draußen, stolpere, wo es nichts zu stolpern gibt, und biete den Kindern allen Grund zur Heiterkeit.
Während wir lustig durch das All spazieren, nähern sich unbekannte Objekte in großer Geschwindigkeit. Metallisch blitzend sausen sie glücklicherweise in einiger Entfernung an uns vorbei und verschwinden im matten Schwarz der Unendlichkeit.




