Supino | Annette sagt | Buch | 978-3-03973-098-8 | www.sack.de

Buch, Deutsch, 240 Seiten, Format (B × H): 125 mm x 204 mm

Supino

Annette sagt


1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-03973-098-8
Verlag: Rotpunktverlag

Buch, Deutsch, 240 Seiten, Format (B × H): 125 mm x 204 mm

ISBN: 978-3-03973-098-8
Verlag: Rotpunktverlag


Annette will weg, sie will in die Stadt. Doch zu Hause hat niemand Verständnis für sie. Darum kehrt sie dem väterlichen Bauernhof den Rücken, sucht ihren Weg allein, trifft auf Gleichgesinnte, auf Gegenspieler und immer wieder auf François. Der angebliche Vorkämpfer der Heilpädagogik, der sich als Annettes Förderer ausgibt, vertritt letztlich aber nur eigene Interessen. Um sich abzulenken, wie Anette sagt, heiratet sie den sizilianischen Gastarbeiter Concetto und findet in ihm einen stillen, verlässlichen Freund. Schritt für Schritt erreicht sie ihre Ziele, wird Kindergärtnerin, Primarlehrerin, Heilpädagogin, Schulleiterin – bis sie nach einem letzten Kampf gegen die Windmühlen der Schulbehörden wütend kündigt. Der Preis dafür ist hoch, aber wer will schon, redet sich Annette ein, mit bald sechzig noch einmal Anlauf nehmen und abheben? Doch genau das macht sie. Nach Concettos Tod reist Annette nach Amerika und findet ein beinahe filmreifes spätes Glück.

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Vater hatte sich immer einen Jungen gewünscht, bei mir, der Erstgeborenen, am sehnlichsten. Von den ersten Wehen bis zur Geburt wich er nicht von Mutters Seite. Als Bauer sei er es gewohnt, erklärte er dem verwunderten Spitalpersonal, denn Väter waren damals im Gebärsaal nicht vorgesehen. Bei Rosemarie fieberte er, verspätet eingetroffen, im Wartezimmer mit. Bei Inge war es ihm schon fast egal, er hatte Mutter nicht einmal ins Spital begleitet. Weitere Kinder wollte man sich nicht leisten. Also beschloss Vater, sagt Annette, dass ich ein Junge sei. Ich musste auf dem Hof anpacken, ich musste mit auf den Gipfel, während die Mutter und die Schwestern die leichte Wanderroute gingen, ich musste meine Intelligenz bei mathematische Knobelaufgaben und ausgeklügelten Wissensfragen beweisen. Vater forderte mich, und ich nahm jede Wette, jedes Wettrennen an, wollte schneller, höher, weiter gehen und gescheiter sein als er, was immer zu krachenden Niederlagen führte. Aber ich trat wieder und wieder an.


Supino, Franco
Franco Supino, 1965 geboren, wuchs als Kind italienischer Eltern in Solothurn auf. Schon als Schüler veröffentlichte er Texte in Anthologien, Zeitschriften und beim Radio. Er studierte in Zürich und Florenz Germanistik und Romanistik und war viele Jahre Dozent für Deutschdidaktik. Sein erster Roman Musica Leggera erschien 1995, es folgten fünf weitere Romane, zuletzt "Spurlos in Neapel" (2022), und zahlreiche Bücher für Kinder und Jugendliche. Franco Supino engagiert sich auch kulturpolitisch: als Stiftungsratspräsident der Mazzinistiftung und Vizepräsident von Büro Bichsel. Er ist freier Autor und lebt in Solothurn.



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