Buch, Dänisch, Deutsch, Band 94, 96 Seiten, Format (B × H): 172 mm x 246 mm, Gewicht: 288 g
Reihe: Reihe Lyrik
Gedichte
Buch, Dänisch, Deutsch, Band 94, 96 Seiten, Format (B × H): 172 mm x 246 mm, Gewicht: 288 g
Reihe: Reihe Lyrik
ISBN: 978-3-948336-32-5
Verlag: Kookbooks
Es knackt am Grund der Krusten. Da murmelt was, summt was, da singt doch wer. Was ist dieses Å-Geräusch? Aa, oo, oh, öh? Es rumort an den Wortwurzeln. Da spricht doch jemand mit knåppeln am Mund. Die ist halb, halb. Die hat sich verdänt. Liv Thastums Debüt "åben die erda" gräbt Wege zu Orten, die von gewaltsamen Eingriffen in Landschaft und Sprache gezeichnet sind. Orte, die mehr als eine Sprache kennen. Drei Langgedichte schieben sich über die Landkarte. Es beginnt mit einem Riss. An der Jammerbugt im Nordwesten Dänemarks hat sich Geschichte in die Kalkfelsen eingeschrieben, die nun vorsichtig herausgebrochen wird. Dann kann der Abstieg beginnen, hinein in die Sagenwelt der Unterirdischen, in eine tiefere, mythische Vergangenheit an der deutsch-dänischen Grænze. Wer den Unterjordisken hinunter folgt, landet im Zukunfts- und Ursprungsort der Språche selbst: dem Krustengrund. Dort, wo die Zerwachsenen das Sagen haben, wo es gyngt und nynnt, wo man sich aufschürft an den anderen, an sich selbst, wo man hineinwächst in eine Welt, die nicht zu begreifen ist, hineinwächst in eine erda, in der man beginnt, gegen das Nichtverstehen anzusyngen.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
wir in wanderung. nordwärts. durchschreiten elf dialektlinien. sten, stenen, stienen, æ stien auf
einem stein auf einem steenken. die äußere schicht des felsens bröckelt, wenn man nur lange genug
hinschaut. unruhig trippeln wir auf dem sten. dumpf streifen unsere füße den fels. noch ist es
nur eine oberflächliche berührung.
murmelnd zum fels gerichtet. ich – in wimmerung. betaste
die jammerrunen im stein. kann sie lesen. kann sie syngen. wir mit unseren einschreibungen.
der kalkfels – nenn ihn bulbjerg. und ich – nenn mich wie du willst.
jede linie – diese og denher
und diese og denher – jede linje im fels ist zeuge mehrerer generationen. eine schicht deutsch.
eine schicht dänisch. und ich mit meinen språchen. immer murmelnd in bewegung. der wimmernde
übergang zwischen zwei schichtungen.
(…) dann sieht man umrissen
gestalten die graben, die gruben
die brechen, die brachen heraus
aus gravhoj, aus beulung, aus schwellung, aus grab
es sind die verbannten, die man vertrieben
die ungeliebten
die ungekämmt blieben
sie laufen entlaufen entlang der begrenzung
ein wachtrup? ein nachttrup? in bajstrup
in humptrup und kruså
hat wer sie gesehen
ein bauer aus ubjerg ein anwalt aus ellhöft
die signe aus frøslev könnte erzählen:
hier warn sie einmal var de auch hier
man nennt sie und nynnt sie
in vielzahl von namen
die man hier und jenseits der grenze vergibt
sag vitte sprich vatte
hvad litte blir glatte
von ditte zu datte
nenn sie
spaltensprecher, regelbrecher
dreckverbreiter, totenreiter
langefnger, hungerbringer
balgverwechsler, unglücksdrechsler
menschenschinder, satanskinder
farfarsünder, ketzergründer
mor der inde, mörderinne
(…) es sind die verwiesenen
die nats aus der erda op steigen
og schrejten og schrejten
entlang den grænzen die sie vertreiben




