TRESCHER Ukraine-Lesebuch | Buch | 978-3-89794-097-0 | www.sack.de

Buch, Deutsch, 408 Seiten, Format (B × H): 125 mm x 210 mm, Gewicht: 500 g

Reihe: Trescher-Reiseführer

TRESCHER Ukraine-Lesebuch

Literarische Streifzüge durch die Ukraine
1. Auflage 2006
ISBN: 978-3-89794-097-0
Verlag: TRESCHER

Literarische Streifzüge durch die Ukraine

Buch, Deutsch, 408 Seiten, Format (B × H): 125 mm x 210 mm, Gewicht: 500 g

Reihe: Trescher-Reiseführer

ISBN: 978-3-89794-097-0
Verlag: TRESCHER


Nach dem Zerfall der Sowjetunion erklärte die Ukraine 1991 ihre Unabhängigkeit und strebte die Rückkehr nach Europa an. Ein Meilenstein in diesem langwierigen Annäherungsprozess war die "Revolution in Orange" im Herbst 2004, als die ukrainischen Bürgerinnen und Bürger selbstbewusst gegen die politische Bevormundung aufbegehrten und sich beherzt in den Lauf der Geschichte einmischten.

Das zwei Jahre später im Trescher Verlag erschienene UKRAINE-LESEBUCH ist ein Spiegel jener Jahre des Aufbruchs, der Hoffnung und auch der Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln. Die Anthologie versammelt Essays, Reiseberichte, Gedichte und Romanauszüge von herausragenden Autoren und Publizisten, die sich mit dem Land auseinandersetzen – sei es, dass sie aus der Ukraine stammen, sei es, dass sie den größeren Teil ihres Lebens dort verbracht haben oder sie auch nur eine Weile zu Gast waren.

Jurij Andruchovych, Rose Ausländer, Joseph Roth, Andrej Kurkov, Karl Schlögel und viele andere berichten, tief beeindruckt, vom Zusammenspiel der ukrainischen Landschaften, ihren Menschen und ihrer Geschichte. Und auch von den vielen kleinen Geschichten ist da die Rede: von galizische Schnapsbrennern, Kosaken und Karpatenräubern, von schrulligen Hexen oder bolschewistischen Revolutionären.

Das UKRAINE-LESEBUCH aus dem Trescher Verlag eröffnet mit seinen literarischen Streifzügen einen faszinierenden Einblick in die Vielschichtigkeit der ukrainischen Seele. Eine auf dem deutschsprachigen Markt einzigartige Anthologie.

Aufgrund des Kriegs gegen die Ukraine sehen wir uns schweren Herzens gezwungen, eine Neuauflage dieses Titels bis auf Weiteres zu verschieben.

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Weitere Infos & Material


INHALTSVERZEICHNIS

Versunkene Landschaft Ostgalizien
Ivan Franko: Die galizische Schöpfungsgeschichte 11

Volkslied: Kahanetz 14

Akiba Nagelberg: Der Wolf zahlt mit der Haut 17

Scholem Alechjem: Es ist eine Lüge 18

Joseph Roth: Brief aus Polen 22

Alexander Granach: Ich trage den Namen eines freundlichen Mannes 27

Isaak Babel': Brody 1920 32

Adam Zagajewski: Nach Lemberg fahren 34

Timofij Havryliv: Die morgendliche Stadt 37

Karl Schlögel: Metropole im Übergangsgebiet 38

Iryna Vil'de: Romans Heirat 42

Osyp Makovej: Wie Schewtschenko Arbeit suchte 49

Jurij Andruchovych: Das Stanislauer Phänomen 54

Der Duft der Karpaten
Ol'ha Kobyljans'ka: Die Bettlerin 63

Maximilian Glinski: Kosma Zajetz 65

Osyp Jurij Fed'kovych: An den Floßlenker 68

Mychajlo Kocjubyns'kyj: Auf der Alm 69

Hnat Chotkevych: Bei den Opryschken 76

Martin Pollack: Karpatenräuber 85

Grüne Mutter Bukowina
Vince Batthyany: Reise durch einen Theil Ungarns, Siebenbürgens, der Moldau und Buccovina im Jahr 1805 93

Rudolf Wagner: Reisetagebücher des österreichischen Kaisers Franz I. 95

Max Zelgin: Zar Alexander in Czernowitz 97

Volkstümliche Überlieferung: Baba Jaudocha-Dokia 98

Volkstümliche Überlieferung: Das Zauberei 100

Ludwig Adolf Staufe-Simiginowicz: An die Heimat 101

Karl Emil Franzos: Matthias Zenner 102

Klara Blum: Wassilka, die Bäuerin 114

Leopold von Sacher-Masoch: Der Besuch beim Wunderrabbi von Sadagora 118

Rose Ausländer: Bukowina III 122
Mutterland 123
Czernowitz 124

Alfred Gong: Topographie 125

Moses Rosenkranz: Bukowina 1940-1941 127

Paul Celan: Nähe der Gräber 128

Georg Heinzen: Wo die Hunde die Namen olympischer Götter trugen 129

Dreiländereck Transkarpatien
Karel Capek: Die Ballade von Juraj Cup 133

Anna Seghers: Bauern von Hruschowo 138

Franz Carl Weiskopf: Heimkehr 143

Béla Illés: Uzhorod liegt in Marokko 149

Andrzej Stasiuk: Expedition ins Niemandsland 158

Deutsche Kolonisten in Wolhynien
Sagen: Schlafende Soldaten im Hügel 163
Scheinbare Hexen 164

Christian Bäuerle: Wolhynienfahrt 165

Hertha Karasek-Strzygowski: Der Dorfschmied Ferdinand Wolf 168

Unter den Kastanien von Kiew
Die Nestorchronik: Die Reise des Apostels Andreas durch das russische Land 177

Volkslied: Wassili der Trunkenbold 179

Johannes Bobrowski: Die Taufe des Perun. Kiew 988 188

Osip Mandel'shtam: Kiew 190

Boris Pasternak: Ballade 195

Ivan Drach: An das Werk >Arsenal< 197

Mykola Bazhan: Morgen 198

Il'ja Erenburg: Babi Jar 200

Semën Shurachovych: Der kleine Junge 201

Pjatrus' Brouka: Kiew 203

Maksym Ryl'skyj: Herbstliches Kiew 204

Volodymyr Drozd: Der einsame Wolf 205

Jevhen Hucalo: Haare, rötlich wie Herbstlaub 213

Andrej Kurkov: Mischa-Pinguin 217

Jurij Andruchovych: Tagebuch eines Demonstranten in Kiew 220

Mächtiger Dnepr
Taras Shevchenko: Vermächtnis 227
Kosakenlied 228

Nikolaj Gogol: Auf der Insel Chortiza 229

Pantelejmon Kulis: Saporoger Gericht 231

Marko Vovchok: Maksym Hrymacz 239

Stepan Vasyl'chenko: Im Chutor 245

Rainer Maria Rilke: Das Lied von der Gerechtigkeit 250

Ivan Hryhurko: Geos und Artimnasa 257

Hryhir Tjutjunnyk: Himmelsrand 264

Steppenland
Aleksandr Pushkin: Masepa 271

Nikolaj Gogol: Die Mainacht oder Die Ertrunkene 273

Panas Myrnyj: Die Feldfee 276

Ostap Vyshnja: Jahrmarkt 287

Erika Karlowna: Babuschka Luba 297

Oleksandr Dovshenko: Verzauberte Desna 303

Julia Drunina: Wermut 310

Nach Odessa fuhr ich übers Meer
Marianne Vincent: Am Schwarzen Meer 313

Immanuel Weissglas: Schwarzmeer-Muscheln 314

Eduard Bagrickij: Die Schmuggler 315

Isaak Babel': So wurde es in Odessa gemacht 318

Valentin Kataev: Am Sonntag 324

Konstantin Paustovskij: Labyrinthe aus Speerholz 331

Heinrich Böll: Damals in Odessa 335

Jurij Shcherbak: Die Heimkehr 339

Vladimir Bushnjak: Weiße Wirbel 351

Dinah Kalinovskaja: Auf dem Viktualienmarkt 356

Il'ja Mitrofanov: Studjony-Straße 360

Neal Ascherson: Vogeldreck 364

Christian Schüle: Schneiders Freundin 367

Die Krim - auf den Spuren der Zaren und Tataren
Fridolin Schoultz: Ein Kaiserzug durch die Krim 373

Heinz Knobloch: Geschichte in Bachtschissarai 376

Aleksandr Pushkin: An die Fontäne im Palast von Bachtschissarai 378

Karl Koch: Marie Potocka 379

Adam Mickiewicz: Aluschta bei Tag 381

Konstantin Paustovskij: Der Segelmacher 382

Ostap Vyshnja: Die Berge 387

Viktor Erofeev: Die Krim ist unschuldig 390

Nachwort 392
Quellenverzeichnis 395

>>> Detaillierte Informationen und eine Voransicht dieses Reiseführers finden Sie auf der Website des Trescher Verlags


NACHWORT

Noch heute wissen viele Menschen hierzulande kaum etwas über die Ukraine, die seit Mai 2004 unmittelbarer Nachbar der Europäischen Union ist. Die Ukrainer werden selten als eigenständiges Volk wahrgenommen, sondern gelten gemeinhin als regionale Variante der russischen Nation. Diese Sichtweise ist unter anderem darauf zurückzuführen, daß die Ukraine über Jahrhunderte unter Fremdherrschaft stand und nach 1945 hinter dem ›eisernen‹ Vorhang ›verborgen‹ war. Erst 1991, nach dem Zerfall des Sowjetimperiums, konnten die Ukrainer einen eigenen unabhängigen Staat proklamieren und die ›Rückkehr nach Europa‹ anstreben. Ein Meilenstein in diesem langwierigen Annäherungsprozess war die ›Revolution in Orange‹ im Herbst 2004, die für die meisten Zeitgenossen im Westen völlig überraschend kam – nur wenige Monate zuvor hatte der damalige EU-Kommissions-Präsident Romano Prodi die Ukraine noch als ›hoffnungslosen Fall‹ bezeichnet. Nun demonstrierten plötzlich die Bürger dieser vom Westen vernachlässigten Nation zivilen Ungehorsam und begehrten furchtlos und selbstbewußt gegen die politische Bevormundung auf. Sie mischten sich beherzt in den Lauf der Geschichte ein und offenbarten der Weltgemeinschaft eine unbekannte Seite ihres Landes.

Das vorliegende Buch soll einen Beitrag leisten, um dem deutschen Leser die Ukraine mit ihrer wechselvollen Geschichte und ihrer geografischen und kulturellen Vielfalt näher zu bringen. Es möchte ihn ermuntern, diesen Teil Osteuropas mit neugierigen Augen zu betrachten, dem Leben der Menschen in seinen verschiedenen Facetten über die Jahrhunderte hinweg nachzuspüren und anhand der literarischen Streifzüge selbst Lust auf eine Reise in die Ukraine zu entwickeln. Hierzu präsentiert die Anthologie Beiträge von Autoren, die sich vom Mittelalter bis zur Neuzeit mit dem Land in der geografischen Mitte Europas auseinandersetzten, – sei es, daß sie aus der Ukraine stammten oder den größeren Teil ihres Lebens dort verbrachten, sei es, daß sie lediglich zu Gast oder auf der Durchreise waren. Sie alle wurden jedoch in ihren Beobachtungen, Empfindungen und Erlebnissen vom einzigartigen Zusammenspiel der Landschaft, der Geschichte und den Menschen, die hier lebten, tief beeindruckt.

Da watschelte Anfang der 1990er Jahre ein melancholischer Pinguin so hinreißend durch die postkommunistische Mafia-Gesellschaft der ukrainischen Hauptstadt, daß sein geistiger Ziehvater, der russischschreibende Andrej Kurkov auch beim Lesepublikum hierzulande bekannt wurde. Ihm folgte wenige Jahre später mit Jurij Andruchovych einer der bekanntesten und streitbarsten zeitgenössischen Literaten der Ukraine auf die deutsche Literaturbühne. Andruchovych zeichnet in seinen Büchern ein ebenso poetisches wie lebensnahes Bild seines Heimatlandes und liefert dem deutschen Lesepublikum damit einen Beleg für die Kraft und den gedanklichen Reichtum der ukrainischen Sprache. Damit befindet er sich in bester Gesellschaft zu einem literarischen Klassiker wie Taras Shevchenko. Dessen Werk wird als epochales Ereignis in der ukrainischen Literatur verehrt, wird ihm doch eine Schlüsselrolle bei der Herausbildung des ukrainischen Nationalbewußtseins zugeschrieben. Einen bedeutenden Ruf als engagierter Verfechter der nationalen und sozialen Befreiung des ukrainischen Volkes genießt auch der aus Ostgalizien stammende Schriftsteller Ivan Franko, dessen Übersetzungen deutscher Literatur ins Ukrainische von großer Bedeutung für den kulturellen Austausch zwischen beiden Völkern waren. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fanden u.a. Rainer Maria Rilke, der die Ukraine bereiste, und Heinrich Böll, den der Zweite Weltkrieg nach Odessa verschlug, den Weg in die ›Terra incognita‹. In der DDR entstanden zahlreiche Reportagen und Übersetzungen aus dem Ukrainischen. Bekannte ostdeutsche Schriftsteller wie Heinz Knobloch und Günther Stein vermittelten ein bis heute lebendiges Bild der sowjetischen Ukraine. Auch polnische, tschechische, ungarische und russische Autoren erkundeten das Land und berichteten über die wundersame Seelenlandschaft am östlichen Rande Europas. Schließlich kommen international bekannte jüdische Schriftsteller wie Joseph Roth, Rose Ausländer und Paul Celan als Stimmen Galiziens zu Wort, das bis zur Vernichtung des osteuropäischen Judentums durch die Nationalsozialisten und ihre Helfer ein Kernland jüdischer Kultur war.

Die Gedichte, Erzählungen, Romanausschnitte, Chroniken, Legenden und Reisetagebücher all dieser Autoren werfen einen kaleidoskopartigen Blick auf die historisch und kulturell sehr unterschiedlich geprägten Regionen des Landes. In der Westukraine wird zunächst das ländlich geprägte Galizien mit L'viv (Lemberg), der Hochburg des ukrainischen Nationalismus, beschrieben. Es folgt die Bukowina, in deren literarischen Zeugnissen der Glanz der Habsburger Monarchie auflebt und die von der einstigen ethnischen und konfessionellen Vielfalt und Toleranz zeugen. In den waldreichen Karpaten demonstrieren die Nachkommen der sagenumwobenen Bergbewohner bis heute ein ebenso ausgeprägtes Regionalbewußtsein wie die Menschen im ungarisch geprägten, im Westen nahezu unbekannten Transkarpatien, dem Dreiländereck im südwestlichsten Zipfel der Ukraine. Scheinbar vergessen sind die deutschen Kolonisten, die seit Anfang des 19. Jahrhunderts in Wolhynien siedelten und deren tragisches Schicksal Kriege, Grenzverschiebungen und politische Verwerfungen zeichneten. Anders verhält es sich mit Kiew. Die ukrainische Hauptstadt ist eine der ältesten Städte des östlichen Europa und ein unbestrittenes Zentrum von Kultur und Wissenschaft, dessen Bürger zwar meist Russisch sprechen, bei den letzten Wahlen dem ›orangen‹ Lager aber den Vorzug gaben. Östlich des Dnepr lag einst die Kornkammer der Sowjetunion, hier befinden sich die Zentren von Bergbau und Schwerindustrie. Hier spricht und fühlt man russisch ebenso wie in der Hafenstadt Odessa, in der religiöse Toleranz und kosmopolitisches Leben einst das Tor zur weiten Welt bildeten und einen eigentümlichen Humor hervorbrachten. Da ist die Krim, deren mehrheitlich russische Bevölkerung mit den zahlreichen sonnenhungrigen Gästen großzügig Herd und Hof teilt, den rückkehrenden Krimtataren aber das Leben in der alten neuen Heimat schwer macht.

>>> Detaillierte Informationen und eine Voransicht dieses Reiseführers finden Sie auf www.trescher-verlag.de



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