Buch, Deutsch, Band 99, 96 Seiten
Reihe: Reihe Lyrik
Gedichte. Essay
Buch, Deutsch, Band 99, 96 Seiten
Reihe: Reihe Lyrik
ISBN: 978-3-948336-36-3
Verlag: Kookbooks
Dreist, wie ich außerhalb meiner Literatur niemals bin, wage ich zu fragen, ob Sigmund Freud sich hässlich fand. Wage ich, mich zu Helga M. Novak ins Boot zu setzen und zu fragen: Hätten andere wirklich so viel mehr aus unseren Leben gemacht? Mehr Zier, mehr Glamour, mehr Behauptung statt Selbstbehauptung, mehr großes Kino als Drahtseilakte entlang der Außenseite? Sei's drum. Ach Helga. „Findling“ nannte dich deine Ziehmutter und meinte Findelkind, meinte „Benimm dich“. „Jeder Findling ist eine Sonnenuhr für sich“, schreibst du in deinen Wald-Gedichten. Worte spenden Trost. Die Wunde bleibt. Im Sinne von Wundmal, Brandmal, Stigma oder Trauma, schön im Sinne von hässlich im Sinne von, es wert sein, gehasst zu werden, im Sinne von Unzier, entstellend, maximal wetterfühlig. Der Schmerz der Erwachsenen darüber, nicht aufgenommen, verstanden, gewollt und geborgen zu sein, hat die emotionale Qualität einer Lebensbedrohung, die in früher Kindheit real war. In fünf Gedicht- und vier Essaykapiteln beschäftigt sich Unzier mit der Wirkmacht von Anfängen, lässt sich triggern durch gewaltvolle globale Entwicklungen und erhält die Hoffnung, dass Neu-Anfänge im Großen und Kleinen noch möglich sind, mühsamst aufrecht. „Damit ein Anfang sei, wurde der Mensch geschaffen“ war Hannah Arendts Lieblingszitat. Ich halte es hier in Ehren (hoch).
? Sibylla Vricic Hausmann




