Buch, Deutsch, 140 Seiten
Drei Hörspiele
Buch, Deutsch, 140 Seiten
ISBN: 978-3-913186-00-9
Verlag: Versbau e. V.
Vielleicht, so die Figur des Schreibers an einer Stelle des Stücks Mandeville. Vaudeville, müsse man anfangen, mit den Ohren zu sehen. Tatsächlich vertraut Jan Wagner in seinem Ohrenvarieté aus drei Hörspielen ganz auf die musikalischen Eigenschaften der Sprache, auf den Klang, auf die Magie der Laute und Rhythmuswechsel, sodass sich anstatt von Hörspielen wohl ebenso gut von Langgedichten sprechen ließe, in denen wir auf ein ganzes Panoptikum an unvergesslichen Figuren treffen, und nicht zuletzt auf das Gold, das in Blankversen anhebt, um uns vom Entstehen und vom Gang der Welt, der Narrheit des Menschen und vom verderblichen Einfluss unserer Gier zu erzählen.
Es handelt sich bei dieser lyrischen Trilogie um ein poetisches Spiel, bei dem jeweils ein Mythos mit einer populären Darbietungsform kombiniert wird, also das vermeintlich Hehre mit dem Peripheren eine poetische Liaison eingeht. Zunächst folgen wir den geschundenen Schürfern in den kalifornischen Goldrausch, dann dem rätselhaften mittelalterlichen Entdecker Mandeville in die Phantastik, schließlich begleiten wir die liebende Nymphe Echo vom Ende als körperlose Stimme zurück zu einem Anfang voller Sinnlichkeit und Zuversicht, Vokal um Vokal um Vokal:
»Ibisse im Schilf,
Sieh hin, sieh mich
Dahinter, Granit,
Rippe, Kiefer, Kinn;
Will rieseln, klingen,
Will mich wiederfinden,
Bis ich knirsche, wispre,
Sinnlich, dringlich
Singend, die rissigen
Lippen spitzen, wirbeln,
Widersinnig, widrig,
Bitterlich lispeln,
Kiesel, Schiefer, Bims,
Irdisch, dinglich,
Stimme indes immer.«
Dieser Band ist eine Feier der Klangmagie, eine dreifache und eindringliche Einladung zur Reise in die Welt der Imagination, ein Ohrenvarieté.




