Buch, Deutsch, 277 Seiten, Format (B × H): 130 mm x 190 mm
Reihe: knappocket
Roman
Buch, Deutsch, 277 Seiten, Format (B × H): 130 mm x 190 mm
Reihe: knappocket
ISBN: 978-3-907334-50-8
Verlag: Knapp Verlag
David Weber greift ein drängendes Thema auf: Gewalt an Frauen. Er wirkt in diesem Roman als stiller Beobachter und Chronist, der die Sprachnachrichten der Hauptprotagonistin niederschreibt. Das tut er in einer stringenten und packenden Sprache. Der Autor lässt offen, ob diese Anjes Kowalsky (ihr Name ist ein Pseudonym) tatsächlich existiert.
Anjes Kowalsky diktiert ihm ihre Geschichte. Als junge Schauspielerin hat sie ihren Theaterjob, ihr Selbstwertgefühl und ihren Glauben verloren. Schuld ist ein Mann, der sie missbraucht und gedemütigt hat. In ihrer Verzweiflung sucht sie Hilfe bei einer Psychotherapeutin. Diese führt sie schrittweise aus ihrer Ohnmacht hin zu einer neuen Lebensaufgabe. Sie soll Frauen von ihren gewalttätigen Männern befreien. Was als Spiel beginnt, wird unversehens ernst, als sie selbst zur Gejagten wird. Überlegt und berechnend lässt sie den Verfolger in die eigene Falle tappen. Die Tat, getarnt als tödlicher Unfall, stürzt sie nicht in Gewissenskonflikte, im Gegenteil, sie schöpft Energie daraus. Jetzt wartet sie ungeduldig auf neue Aufgaben ihrer Psychotherapeutin. Zu spät realisiert sie, dass ihre Mentorin sie manipuliert und eigene Ziele verfolgt. Anjes ist süchtig nach dem Adrenalinkick dieses letzten Augenblicks, wenn die Männer verwundert feststellen, dass ihr Leben an ihnen vorbeizieht.
Zielgruppe
Psychologische Spannung für ein Publikum, das unbequeme Themen nicht scheut: Gewalt an Frauen, Manipulation, Ohnmacht und weibliche Gegenwehr. Intensiv, düster und gesellschaftlich relevant.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Er startet den Motor, fährt aus dem Parkplatz.
«Zur Kantonsstraße», sagt sie so selbstverständlich wie ein Tourguide. Sie hat sich vorbereitet. Im Juli hat sie eine Erkundungstour gemacht und hat dabei Foroglio entdeckt. Als sie den Wasserfall gesehen hatte, wusste sie, wie sie ihn ködern konnte.
Sie nehmen die Brücke über die Maggia. Beim Kreisel sagt sie «Dritte Ausfahrt».
Wohin entführst du mich?
Ins Val Bavona nach Foroglio.
Ich hoffe, dass es dort ein Grotto gibt.
Ja natürlich. Wenn du fragst, warst du offensichtlich noch nie dort. Du hast etwas verpasst. Da hat Leni Riefenstahl gedreht.
Tatsächlich?
Die wichtigsten Szenen aus
Das blaue Licht
stammen von dort. Im Grotto gibt’s eine Ausstellung dazu.
Er blickt kurz zu ihr, nickt anerkennend. Ponte Brolla liegt bereits hinter ihnen, links unten die Felswannen, der Fluss führt viel Wasser, das stimmt sie optimistisch. Sie kommen an Gordevio vorbei, an Maggia, an Someo, an Cevio, sie schwitzt, atmet zu schnell. Die Abzweigung ins Val Bavona bei Cavergno liegt hinter ihnen …
«Halt», schreit sie viel zu laut. Er sieht sie bestürzt an. Kannst du bitte anhalten?
Hier?
Ja.
Die Stelle ist nicht ideal, man kann sie von der Straße einsehen, aber sie spürt, dass es jetzt geschehen muss.
Ich habe Lust auf ein Bad.
Kann das nicht warten?
Nach dem Essen kann ich nicht schwimmen.
Er fährt an den Straßenrand, stoppt.
Ich bleibe im Wagen.
Dann verpasst du etwas.
Sie steigt aus, tänzelt den Hang hinunter. Er ist nicht zu steil, das müsste er auch schaffen. Das Schild mit dem Warnhinweis ignoriert sie. Am Ufer schaut sie zu ihm hoch. Er kann sie sehen. Sie zieht sich aus, nimmt sich Zeit wie eine Striptease-Tänzerin, löst den BH, lässt ihn auf den Kleiderhaufen fallen, streift den Slip ab, schiebt ihn mit dem Fuß beiseite, geht langsam auf der schiefen Felsplatte bis zum Wasser, streckt den Fuß hinein. Kalt. Natürlich ist es kalt. Sie legt sich auf die heiße Steinplatte ganz nah am Wasser. Als sie die Autotür zuschlagen hört, schiebt sie sich langsam nach vorne in die Fluten.
Als sie auftaucht, steht er am Ufer.
Mensch, ich hatte schon Angst, du würdest nicht mehr hochkommen.
Sie schwimmt zu ihm, fasst an die Steinkante, sucht Halt mit den Füßen, rutscht ab. Hilfesuchend sieht sie zu ihm.
Kannst du mich hochziehen?
Er bückt sich, fasst nach der Hand, die sie ihm entgegenstreckt, zieht. Er spürt einen Stich im Rücken, erkennt, wie im Traum, dass die Wasserfläche näherkommt, dass er eintaucht, nach Luft japst, Wasser schluckt.




