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Weber | Und wir sind sie | Buch | 978-3-903267-98-5 | www.sack.de

Buch, Englisch, Deutsch, 136 Seiten, Format (B × H): 160 mm x 240 mm

Weber

Und wir sind sie

And us are them
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-903267-98-5
Verlag: Edition fabrik.transit

And us are them

Buch, Englisch, Deutsch, 136 Seiten, Format (B × H): 160 mm x 240 mm

ISBN: 978-3-903267-98-5
Verlag: Edition fabrik.transit


Ein poetologisches Projekt über das Wüten im Symbolischen.

Und wir sind sie verbindet Poesie und Theorie zu einer Untersuchung des Subjekts im Raum der Sprache.
Ausgehend von Jacques Lacans Konzept des Symbolischen und Julia Kristevas Idee des Semiotischen erkundet das Buch, wie Begehren, Erinnerung und Körper in sprachlichen Formen aufscheinen.

Die Texte bewegen sich zwischen Gedicht und Reflexion, zwischen Sinn und Klang, Ordnung und Trieb. Sie lassen erfahren, wie Sprache selbst zum Ort des Konflikts wird – ein Raum, in dem Macht, Identität und Begehren verhandelt werden.

Entstanden zwischen Pandemie und Krieg, antwortet "Und wir sind sie" auf eine Zeit, in der Sprache zugleich politisch und existenziell aufgeladen ist.

Das Buch denkt Kollektivität nicht als harmonische Gemeinschaft, sondern als Ort des Fragens, Folgens und Reflektierens. Es nutzt poetische Sprache als Erkenntnismedium und theoretische Sprache als Resonanzraum.

Im Spannungsfeld von Kristevas chora, Cixous’ écriture féminine und Lacans Diskurs des Hysterikers entfaltet sich eine vielstimmige, politische, poetische Ethik: ein „Wir“, das sich seiner eigenen Autorität bewusst bleibt – und sich ihr zugleich entzieht.

So wird Und wir sind sie zu einem Labor des Gemeinsamen: einer Schreibbewegung, die Gemeinschaft nicht behauptet, sondern hervorbringt, indem sie spricht, fragt und reflektiert.

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Weitere Infos & Material


Das Wüten im Symbolischen. Zur poetologischen Struktur von Und wir sind sie / And Us Are Them

Das Buch Und wir sind sie / And Us Are Them entfaltet sich als hybride Textkonstellation zwischen Lyrik, Essay und Theorie. In der Spannung zwischen poetischer Sprache und psychoanalytischem Denken untersucht es die Möglichkeiten, im und gegen das Symbolische zu sprechen. Ausgehend von einer Lacan’schen Semantik des Begehrens und einer Kristeva’schen Poetik des Semiotischen entwickelt die Autorin eine Schreibweise, die sich als feministische Intervention in die Ordnung der Bedeutungen versteht – und zugleich als poetische Versuchsanordnung für das Subjekt in der Krise der Gegenwart.

I. Das Wüten im Symbolischen: Ausgangspunkt und Struktur

Der programmatische Begriff des „Wütens im Symbolischen“ ist hier nicht metaphorisch zu verstehen, sondern als strukturelle Geste des Textes. In Lacans Terminologie bezeichnet das Symbolische das Netz der Signifikanten, in dem das Subjekt verortet wird. Es ist der Raum der Sprache, der Gesetze, der Diskurse – und damit auch der Macht. Die poetologische Bewegung des Buches besteht darin, dieses Netz zu überreizen, seine Knoten zu verschieben, seine Syntax zu sprengen. Gedichte und theoretische Zwischenkapitel sind nicht nur Reflexionen über das Symbolische, sondern performative Eingriffe in seine Struktur.

Die Komposition folgt einem vielschichtigen Gewebe: Gedichte, theoretische Kommentare, Übersetzungen, Resonanztexte. Jedes Gedicht bildet einen Resonanzkörper, der von essayistischen Reflexionen begleitet oder unterbrochen wird. Diese nicht-hierarchische Anordnung folgt keiner linearen Logik, sondern einem rhythmischen, chora-artigen Prinzip (Kristeva 1974): dem Wechsel zwischen Sinnproduktion und Sinnauflösung, zwischen semantischer Dichte und klanglicher, körperlicher Bewegung.

II. Feministische Gegenlektüren des Symbolischen

Im Zentrum von Und wir sind sie steht die Frage, wer spricht, wenn „wir“ sagen. Dieses „Wir“ ist kein identitäres Kollektiv, sondern ein instabiles, transversales Feld. Es umfasst Körper, Tiere, Gespenster, Erinnerungen – und verweigert jede geschlossene Repräsentation. Damit schließt das Buch an jene feministische Theorietradition an, die seit Cixous’ écriture féminine die sprachliche Materialität als Ort der Subjektwerdung begreift.

In Texten wie „Medusa schreibt zurück“ oder „Metamorphose“ dekonstruiert die Autorin die männliche Blickstruktur des Mythos. Die Medusa erscheint nicht als tödliche Figur, sondern als Signifikantin für ein anderes, nicht-repräsentierbares Sprechen. Lacans Satz „Die Frau existiert nicht“ wird hier nicht als Mangel, sondern als Möglichkeit umgedeutet: als Öffnung in den Raum des Nicht-Repräsentierbaren. Das „falsche Narrativ“ gehört den Anderen – „das Patriarchat kann behalten, was es erfunden hat“. Damit wird das weibliche Subjekt nicht als Opfer, sondern als produktive Differenz gesetzt: Es „streift die Zuschreibung ab wie eine Haut“.

Das Buch greift Kristevas Konzept der chora auf – den vorsymbolischen, rhythmischen Raum des Körpers, in dem Sinn entsteht, bevor er semantisch fixiert wird. Die Texte rhythmisieren das Denken: Wiederholungen, Alliterationen, Lautsprünge und Übersetzungsdoppelungen erzeugen jene semantische Instabilität, die Kristeva als Bedingung für das poetische Subjekt beschreibt. Theorie und Poesie bilden hier kein Gegensatzpaar, sondern einen dialektischen Resonanzraum.

III. Tier, Körper, Fragment – das Subjekt als Schwellenwesen

Ein zentrales Motiv des Buches ist die Tierwerdung. In Gedichten wie „Hunde“, „Krähen“ oder „Schildkrötenskelette“ entfaltet sich eine Ästhetik des Prekären, Fragmentierten, Animalischen. Diese Texte lassen sich im Sinne Lacans als Untersuchungen des Realen lesen – jenes Anteils der Erfahrung, der sich der symbolischen Ordnung entzieht. Der „Panzer, der den Körper hielt, als er noch lebte“ ist dabei nicht bloß Bild, sondern Konzept: ein Reales, das in der Form (und in der Formulierung) überlebt.

In „Schildkrötenskelette“ verbindet die Autorin Kriegsmetaphorik, Kindheitsikonographie und Comic-Ästhetik zu einer paradoxen Szene: Der musealisierte Tierkörper erscheint zugleich als Fetisch, Trauma und Pop-Zitat. Die ASCII-art-ähnliche Textform verweist dabei auf das Digitale als neue Sphäre des Imaginären – ein Textbild, das zugleich Panzer und Öffnung ist. Hier wird das Projekt transmedial: Sprache wird grafisch, Zeichen werden Körper.

Der Bezug auf Sylvia Plaths Körpermetaphorik ist deutlich, aber nicht epigonal. Während Plath in der Erstarrung poetische Kontrolle sucht, zielt die Autorin auf ein oszillierendes Sprechen: zwischen Ironie und Trauma, zwischen feministischer Reflexion und popkulturellem Zitat. Das Tier fungiert hier als Rest des Begehrens – jenes, was im Subjekt nicht aufgeht, aber seine Bewegung strukturiert.

IV. Politik, Diskurs, Stimme

Im Zyklus „Wir sind, was folgt“ öffnet sich das Buch explizit zur politischen Gegenwart. Texte wie „The Ship of the Oval“ oder „Drohnen über dem Ballhausplatz“ dekonstruieren das politische Sprechen als performative Simulation. In Lacans Kategorien verschiebt die Autorin den Diskurs des Meisters (Politik) in den Diskurs der Hysterikerin: Der Text fragt, insistiert, bohrt. „Die Wahrheit liegt innen, die Lügen liegen draußen“ – ein Satz, der den Gestus des gesamten Buches beschreibt: Wahrheit als poetische, nicht als politische Kategorie.

Diese Texte arbeiten mit der Überblendung von Nachrichtenrhythmus, Popreferenz und psychoanalytischer Semantik. „Drohnen“ wird zum Symbol für den Blick des Realen, der das Subjekt überwacht, aber zugleich offenlegt. Die politische Poesie des Buches ist nicht agitatorisch, sondern epistemologisch: Sie zeigt, wie Sprache sich selbst als Machtinstrument entlarvt – und das Subjekt nur in der Differenz zu ihr sprechen kann.

V. Form und Theorie

Formal operiert Und wir sind sie / And Us Are Them mit der Parallelität von Deutsch und Englisch – nicht als Übersetzung, sondern als Differenzraum. Beide Sprachversionen stehen zueinander wie Imaginäres und Symbolisches: spiegelnd, verschoben, unauflöslich verbunden. Der zweisprachige Aufbau verweist auf das Subjekt als Zwischenwesen, das im Übergang zwischen Sprachen seine Identität verliert und gerade darin spricht.

Die theoretischen Passagen sind eng mit der poetischen Materialität verflochten. Sie paraphrasieren Lacan und Kristeva nicht, sondern führen deren Begriffe durch die Textpraxis selbst vor. Der Diskurs der Theorie wird zum Resonanzraum der Poesie; das Essayistische verwandelt sich in ein poetisches Denken. Damit steht das Buch in einer Tradition, die bei Anne Carson, Hélène Cixous und Monika Rinck anklingt: einer Theorie, die sich ihrer eigenen Sprachkörperlichkeit bewusst ist.

VI. Fazit: Poetische Theorie als Subjektpraxis

Und wir sind sie ist ein seltenes Beispiel für eine Arbeit, die Theorie nicht illustriert, sondern aus der Poesie heraus neu konfiguriert. Das Buch vollzieht eine Bewegung von der mythischen Körperverwandlung (Medusa, m()other) über das Politische (Ballhausplatz, Oval Office) bis zur Subjektfragilität (Copy Earthquake, Paste Moon). Es ist nicht nur ein Lyrikband, sondern ein poetologisches Labor für eine neue Form des feministischen Schreibens.

Die Texte machen sichtbar, dass das Subjekt nicht hinter, sondern in der Sprache entsteht – in ihren Brüchen, Wiederholungen und Verschiebungen. Dieses Schreiben „wütet“ nicht im Sinne der Zerstörung, sondern der Intensität: Es insistiert im Symbolischen, bis es zu beben beginnt.

Damit leistet Und wir sind sie / And Us Are Them einen originären Beitrag zur gegenwärtigen Diskussion über poetische Theorie, feministische Ästhetik und die Frage, wie Sprache als Körper gedacht und erfahren werden kann. Es ist ein Buch, das das Denken in Bewegung versetzt – und zugleich zeigt, dass poetische Erkenntnis kein Ornament der Theorie, sondern ihre radikalste Form ist.



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