Weiss | Sprung über den Kirchenrand | Buch | 978-3-9524666-3-6 | www.sack.de

Buch, Deutsch, Band 1, 240 Seiten, Format (B × H): 175 mm x 246 mm, Gewicht: 642 g

Reihe: Reihe 21

Weiss

Sprung über den Kirchenrand

21 Theologinnen und Theologen ausserhalb der Kirche
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-9524666-3-6
Verlag: Praxis Hokairos

21 Theologinnen und Theologen ausserhalb der Kirche

Buch, Deutsch, Band 1, 240 Seiten, Format (B × H): 175 mm x 246 mm, Gewicht: 642 g

Reihe: Reihe 21

ISBN: 978-3-9524666-3-6
Verlag: Praxis Hokairos


Was haben der Psychotherapeut Hans Jellouschek, die Selbstversorgerin Helen Jäggi Kosic, der Liedermacher Linard Bardill oder die ORF-Redakteurin Maria Katharina Moser gemeinsam?

Sie alle haben in ihrem Leben einmal Theologie studiert und sich nach einiger Zeit bei der Kirche aufgemacht, einen eigenen Weg zu gehen.

In diesem Buch geben sie und 17 weitere Persönlichkeiten Antworten auf Fragen zu ihrem Werdegang, zu ihrer jetzigen Arbeit und zu ihrem Glauben.

Entstanden sind so 21 eindrückliche und z.T. äusserst persönliche Porträts über spirituelle Zeitgenossen.

„Ein Buch, das Mut macht, sich aus vordefinierten Glaubenssätzen zu lösen und einen eigenen, spirituellen Weg zu gehen.“

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Zielgruppe


Laufbahnen für Theologinnen und Theologen, Alternativen zum Pfarramt


Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Vorwort 7
Linard Bardill – Liedermacher 13
Jan Bauke – Feuerwehrkommandant 23
Andrew Bond – Kinderliedermacher 33
Rahel Diener – Gastgeberin 43
Jürgen Fliege – Menschenflüsterer 51
Stefan Gasser-Kehl – Männerinitiator 59
Joseph Hochstrasser – Kommunikator 71
Helen Jäggi Kosic – Selbstversorgerin 81
Hans Jellouschek – Psychotherapeut 93
Ursula Knecht-Kaiser – Öffentliche Hausfrau 105
Uwe Lang – Herausgeber eines Börsenbriefes 115
Gabriel Looser – Sterbebegleiter 121
Maria Katharina Moser – Redakteurin beim ORF 133
Winfried Nonhoff – Ehemaliger Verleger & Privatier 143
Lea R. Söhner – Leiterin des Dakini-Instituts 155
Silvia Strahm Bernet – Bibliothekarin 165
Andreas Tröndle – Fünf-Rhythmen-Lehrer 177
Gisula Tscharner – Geistige Unternehmerin 187
Arie Hans Verkuil – Leiter des Instituts für Unternehmensführung 195
Wolfgang Weigand – Freischaffender Theologe 203
Josef Zisyadis – Politiker 215
Dank 223
Glossar 225
Anmerkungen 234
Bildnachweise 238
Buchbestellungen 239


«Was, das gibt es?» – Diese Frage wird mir immer wieder von neuem gestellt, wenn ich davon erza¨hle, dass ich als freischaffender Theologe, also als Pfarrer ausserhalb der Kirche, ta¨tig bin. Im Laufe der Jahre bin ich auf zahlreiche Kolleginnen und Kollegen gestossen, die ihren Weg ebenfalls ausserhalb der Institution und der Mauern der Kirche gesucht und gefunden haben. Dies hat in mir das Interesse und die Neugier geweckt, diesen eigenen Wegen genauer nachzugehen und zu schauen, wie «es» andere machen; wie sie ihre Arbeit im neuen Gefu¨ge wahrnehmen und wie sie gerade dort glauben und hoffen. Von daher ist dieses Buch zuna¨chst einmal ein Austausch unter Theologinnen und Theologen. In einem zweiten Schritt aber auch – und das sage ich ganz bewusst auf diese Weise – Modell fu¨r Leben und Glauben ausserhalb des kirchlichen Rahmens. Nicht, dass dieser Rahmen negativ wa¨re oder suspekt; nein, GOTT##1 bewahre! Wenn ich mir die Kirchengeschichte anschaue, so hat es dieses Aus-der-Kirche-Herausgehen eigentlich seit der Geburt der Kirche schon immer gegeben, beispielsweise bei den Wu¨stenva¨tern, den Mystikerinnen und Mystikern des Mittelalters oder den unza¨hligen Nonnen und Mo¨nchen in ihren Klo¨stern. Und auch in der ju¨ngeren Vergangenheit ist ein solches Herausgehen aus dem festen Gefu¨ge der Institution Kirche keine Seltenheit, wie beispielsweise die Arbeiterpriester anfangs des zwanzigsten Jahrhunderts gezeigt haben. Sie alle haben ihren Glauben und ihr Leben mehr oder weniger bewusst ausserhalb der amtlichen Kirche praktiziert. Insofern ist der Rahmen, den sich Theologinnen und Theologen ausserhalb der Institution Kirche suchen, einfach ein anderer, mo¨glicher und ebenso gangbarer Weg des Lebens und des Glaubens, wie derjenige innerhalb der Kirche. Aber natu¨rlich fordern solche Wege heraus, da sie aus der Sicht der bestehenden Institutionen immer auch als Stachel wahrgenommen werden, der in Frage stellt.

Dieses Buch sehe ich nun in eben dieser Tradition des Infragestellens und Herausforderns, indem ich darin Menschen, die andere Wege des Glaubens und der Theologie gegangen sind, zu Wort kommen lasse. Ich mo¨chte aufzeigen, welcher mannigfachen Auswahl an «weltlichen» Berufen man mit einem Studium in Theologie nachgehen kann. Und ich will damit dazu anleiten, sich kritisch mit der Kirche und dem Glauben auseinanderzusetzen, in der Hoffnung, dass eine solche Kontroverse Fru¨chte bringt. Mich selbst jedenfalls haben diese Interviews vera¨ndert und gewandelt. Sie haben mich noch na¨her zu dem gebracht, was ich bin und sein mo¨chte; na¨mlich ein glaubender Mensch. Nicht zuletzt ist dieses Buch aber auch die Auseinandersetzung und das Aufzeigen von Bru¨chen im Leben, sowohl beruflicher als auch menschlicher, seelischer und spiritueller Art. Die Art und Weise, wie sich mir die Portra¨tierten offenbart haben, um u¨ber ihre Vera¨nderungen in Beruf und Glauben zu sprechen, haben mich von Mal zu Mal beru¨hrt und bewegt. Fu¨r diese Offenheit und das Vertrauen werde ich noch ewig dankbar sein.

Die Auswahl meiner Gespra¨chspartnerinnen und Gespra¨chspartner habe ich nach folgenden Kriterien getroffen: Natu¨rlich sollten die Portra¨tierten einmal Theologie studiert haben, egal ob in der katholischen oder evangelischen Tradition. Bis auf eine Ausnahme, na¨mlich Frau Lea R. So¨hner, die sich als ausgebildete Diakonin zeit ihres Lebens stark mit Theologie auseinandergesetzt hat und dies auch weiterhin tut, habe ich dieses Kriterium auch eingehalten. Die Ausnahme erfolgte daher, weil ich Frau So¨hners Arbeit als zu wichtig einstufe, um sie unerwa¨hnt zu lassen. Dann sollte der jetzige ausgeu¨bte Beruf demjenigen einer Pfarrerin respektive eines Pfarrers nicht allzu a¨hnlich sein, da es mir ja darum geht, andere Wege, die teilweise weitab der Theologie liegen ko¨nnen, aufzuzeigen. Ich ha¨tte zahlreiche Theologinnen und Theologen portra¨tieren ko¨nnen, die heute einer Ta¨tigkeit nachgehen, die derjenigen einer Pfarrerin oder eines Pfarrers immer noch recht nahe kommt. Das war aber zu keiner Zeit mein Fokus. Als weiterer Faktor sollte der Werdegang der interviewten Personen etwas hergeben, wenn mo¨glich mit einigen Irrungen und Wirrungen, um mehr Spannung und interessantere Erza¨hlungen zu bekommen. Und schliesslich habe ich dafu¨r gesorgt, dass die Auswahl an Portra¨tierten in einer gewissen Balance zu stehen kam, was Alter, Geschlecht, Nationalita¨t und die heute ausgeu¨bten Berufe betrifft.

Die Interviews mit den portra¨tierten Perso¨nlichkeiten, die alle zwischen Dezember 2009 und Januar 2011 stattgefunden haben, wurden in der Regel mu¨ndlich gefu¨hrt; meistens in deren eigenen Ra¨umen, hin und wieder auch einmal in einem Cafe´ oder in meiner Praxis. Zweimal fu¨hrte ich die Interviews auf schriftlichem Wege durch – na¨mlich mit Linard Bardill und Rahel Diener – und einmal nahm ich dafu¨r das Telefon zu Hilfe, und zwar im Kontakt mit Ju¨rgen Fliege. Alle anderen Interviews entstanden aufgrund von Tonbandaufzeichnungen, die zwischen einer halben und einer ganzen Stunde dauerten. Diese habe ich transkribiert und danach leicht redigiert, immer aber mit dem Anspruch, mich ziemlich genau an den Inhalt und den Originalton meiner Gespra¨chspartnerinnen und Gespra¨chspartner zu halten. Es war mir wichtig, etwas vom Wesen, das ich beim Ho¨ren des Erza¨hlten wahrgenommen hatte, dem Schriftlichen mitzugeben. Darum kommt der eine oder andere Satz vielleicht etwas «knorrig» oder auch ungelenk daher. Fu¨r mich symbolisieren solche Sa¨tze aber gerade die Eigenart der Interviewten. Insofern ist die Sprache dieser transkribierten Interviews eine Kunstsprache, denn meine Gespra¨chspartnerinnen und Gespra¨chspartner haben natu¨rlich anders gesprochen, als hier abgedruckt. Sie taten dies ausschweifender, sich wiederholend, sich auch mal widersprechend, da und dort auch ein Thema umkreisend ... kurz: Sie haben erza¨hlt und keine wohldurchdachten Reden gehalten. Ha¨tten die Interviewten selbst geschrieben, wa¨re das Geschriebene selbstversta¨ndlich in einem wohlklingenden und korrekten Deutsch dahergekommen.
Die Fragen, die ich benutzte, waren von der Anlage her immer gleich. Sie lauteten:

¦ Als was wu¨rden Sie sich heute bezeichnen?
¦ Was beinhaltet diese Arbeit?
¦ Wie sind Sie dazu gekommen?
¦ Wie hat Ihr Umfeld reagiert, als Sie Ihren Wechsel von der Theologie zu ... angeku¨ndigt haben?
¦ Warum haben Sie Theologie studiert?
¦ Hat sich Ihr Glaube / Ihre Spiritualita¨t im Laufe der Zeit gewandelt?
¦ Tat er / sie dies insbesondere auch in / bei / mit Ihrer neuen Ta¨tigkeit?
¦ Was glauben Sie heute (noch)?
¦ Wo finden Sie heute die Spiritualita¨t in Ihrer Arbeit, die Sie (vielleicht) als Theologin / Theologe oder im Studium vermisst haben?
¦ Wie und wo erleben Sie heute (in Ihrer jetzigen Arbeit, aber auch ganz allgemein) Glauben / Spiritualita¨t?
¦ Haben Sie heute (noch) eine Botschaft? Wenn ja, welche?

Je nach Gespra¨chsverlauf habe ich diese Fragen so oder leicht variiert gestellt; da und dort etwas nachgebohrt oder auch mal weggelassen. Insgesamt bin ich einfach dem Erza¨hlfluss gefolgt, hatte dabei aber immer auch «meine» Fragen und deren Reihenfolge im Blick. All diese «konstruierten» Interviews habe ich dann den Portra¨tierten zum Gegenlesen, Erga¨nzen, Streichen und Korrigieren u¨berlassen, wovon einige auch regen Gebrauch gemacht haben, bis wir gemeinsam zu einem fu¨r beide Seiten stimmigen Ergebnis gefunden haben. So haben sie unter anderem auch den Titelbezeichnungen, die ich ihnen zwecks griffiger Bezeichnung da und dort bewusst u¨bergestu¨lpt hatte, zugestimmt. Sie selbst bezeichnen sich da und dort anders als im Titel dieses Buches erwa¨hnt, wie eingangs jedes Interviews mit Leichtigkeit festgestellt werden kann.

Nun bleibt mir nur noch, allen interviewten Menschen zu danken. Jeder und jedem von ihnen bin ich von Herzen dankbar, habe ich doch viel von den Portra¨tierten lernen du¨rfen, gerade auch dann, wenn die Gespra¨che zu einem regen und oft auch geradezu perso¨nlichen Austausch gefu¨hrt hatten. Aus diesem Grunde habe ich die meisten Gespra¨che einfach als Geschenke empfunden, die ich hiermit gern an Sie, liebe Leserin und lieber Leser, weitergebe.

Ihnen wu¨nsche ich, dass die Begeisterung, die mich ob dieser Gespra¨che da und dort erfu¨llt hat, auch auf Sie u¨berspringen mag und dass dies Lust darauf macht, sich – wieder – vermehrt mit Spiritualita¨t und allenfalls auch der Theologie auseinanderzusetzen und beherzt dafu¨r einzutreten, dass Leben und Glauben auf Erden in Scho¨nheit erblu¨hen du¨rfen – auch und gerade in etwas anders gearteten Rahmen.

Matthias A. Weiss Richterswil, Weihnachten 2011



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