Willmann | Camera Austria International 72/2000 | Buch | 978-3-900508-33-3 | www.sack.de

Buch, Englisch, Deutsch, 116 Seiten, PB, Format (B × H): 210 mm x 295 mm, Gewicht: 504 g

Willmann

Camera Austria International 72/2000


Erscheinungsjahr 2000
ISBN: 978-3-900508-33-3
Verlag: Camera Austria

Buch, Englisch, Deutsch, 116 Seiten, PB, Format (B × H): 210 mm x 295 mm, Gewicht: 504 g

ISBN: 978-3-900508-33-3
Verlag: Camera Austria


„We Like You, We Live Here“ ist der Titel des Beitrages des britischen Künstlerpaares Art in Ruins zu unserer zu Beginn des Jahres initiierten, kontinuierlich fortgeführten Diskussionsplattform zum Thema „Österreich 2000“. „We Like You, We Live Here“ könnte leitmotivisch die in dieser Ausgabe versammelten Beiträge begleiten, sowohl jene, in denen explizit politische Themen angesprochen werden, als auch jene, in denen mediumspezifische Fragestellungen verhandelt werden.
So ist auffällig, dass in allen monographischen Beiträgen insbesondere die dokumentarischen Anteile thematisiert werden. Das demokratische Bildverfahren William Egglestons, das Christine Frisinghelli in ihrem Text beschreibt, verschränkt sich in seiner Konzeptualität mit einem tiefen, von Sehnsucht geprägten Gefühl für die aufgenommene Umgebung. Diesen Aspekt greift Susan Lipper in ihrer inszenatorischen Dokumentarfotografie auf, indem sie ihren Aufnahmen Amerikas fremde Texte beistellt, die auffordern, sinnvolle Bedeutungsketten für ihre seriellen Arbeiten zu konstruieren. Viel expliziter als Eggleston fordert Lipper die BetrachterInnen ihres fotografischen Road Movies auf, den dokumentarischen Charakter ihrer Arbeit durch individuelle Sehweisen zu durchkreuzen. Sharon Lockharts fotografische und filmische Arbeit hingegen ist durch konzeptuelle Strenge geprägt, die ihr allein ihr ethnographisches Interesse – das stets der Gefahr, exotistisch gelesen zu werden, ausgesetzt ist – auferlegt. Verbindet sich jenes Interesse für das „Fremde“ in Lockharts neuen Arbeiten zu einem Dokumentarstil, so wird dieser Charakter durch eine – wie Yilmaz Dziewior in seinem Beitrag nachweist – „konzeptuelle Aura“ aufgebrochen. Stefan Römer sucht mit seiner Street Photography nach Bildern, die über die Regulierungen des öffentlichen Raumes und über Verhaltenskonditionierungen von Individuen Aufschluss geben und verleiht darüber seinen Aufnahmen „kritischen Gebrauchswert“ (Christian Kravagna) – eine politische Intention, die sich hinter der scheinbaren Neutralität des Beobachterstandpunktes verbirgt. Öffentlichkeit ist auch ein Thema Milica Tomics, deren Arbeit wir im Anschluss an ihre Ausstellung in den Räumen von CAMERA AUSTRIA hier breiter vorstellen. Denn gerade in den neusten Arbeiten der Belgrader Künstlerin spielt das Erinnern der eigenen und der öffentlichen Vergangenheit im Kontext der jüngsten Geschichte (nicht nur) Jugoslawiens in Verknüpfung mit ihrer Biografie eine entscheidende Rolle. Gerade der Beitrag Tomics wie auch die Ausstellung von Art in Ruins, die wir haben, (auch) in Reaktion auf die Regierung in Österreich mit ihren politischen Interventionen Raum zu beanspruchen, machen deutlich, dass auch wir Kulturschaffenden uns gegen eine „Politik der Entpolitisierung“ wenden müssen, wie sie Pierre Bourdieu in seinem in CAMERA AUSTRIA erstmals in unserer Diskussionsplattform veröffentlichten Text fordert, der und eine wichtige Stellung im Zusammenhang mit der von ihm eingeforderten europäischen sozialen Bewegung gegen eine neoliberale Politik einnimmt.

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