Buch, Englisch, Deutsch, 104 Seiten, PB, Format (B × H): 210 mm x 297 mm, Gewicht: 470 g
Buch, Englisch, Deutsch, 104 Seiten, PB, Format (B × H): 210 mm x 297 mm, Gewicht: 470 g
ISBN: 978-3-900508-44-9
Verlag: Camera Austria
In der Gegenüberstellung der künstlerischen Positionen ebenso wie auch in der Diskussion ästhetischer Entscheidungen und theoretischer, historischer und medien-immanenter Fragen beschreibt Camera Austria Nr. 82 das Feld, das wir insgesamt als Projekt Camera Austria bezeichnen möchten. Dieses Projekt umfasst die Arbeit an monographischen und thematischen Ausstellungsprojekten seit den siebziger Jahren, theoretisch ausgerichtete „Symposien über Fotografie“ und seit 1980 die Herausgabe der Zeitschrift und der Buchreihe „Edition Camera Austria“. Durch die Stiftung des zweijährig verliehenen und hoch dotierten „Camera Austria Preises für zeitgenössische Fotografie“ wird seit 1989 auch die Stadt Graz in unser Projekt eingebunden. In den neuen Ausstellungs- und Redaktionsräumen im Kunsthaus Graz werden wir ab dem Frühjahr 2004 endlich auch unsere umfassende internationale Fachbibliothek öffentlich zugänglich machen können und mit größeren Ausstellungsprojekten eine stärkere Verankerung vor Ort erreichen.
Unterschiedliche Strategien kennzeichnen diese Arbeitsbereiche, ihnen gemeinsam ist jedoch das Ziel, die Produktion künstlerischer und historisch-theoretischer Arbeit zu unterstützen und unsere institutionellen und medialen Möglichkeiten dafür zu nützen, eine Plattform für deren „Veröffentlichung“ herzustellen. Es ist für das Projekt Camera Austria von Anfang an klar gewesen, dass unsere Entscheidungen künstlerisch-inhaltliche und nicht marktstrategisch-ökonomische sein würden. Unser Beharren darauf lässt für die Zukunft erwarten, dass wir das Projekt Camera Austria mit den neuen räumlichen Möglichkeiten nach außen noch besser sichtbar machen wollen, unsere Ziele dabei aber nicht aus den Augen verlieren werden.
Camera Austria Nr. 82 versammelt eine Reihe von Interviews mit ProtagonistInnen zweier Künstlergenerationen: Jeff Wall und Clegg & Guttmann haben mit ihren Fotografie-kritischen und konzeptuellen Positionen die theoretische und künstlerische Auseinandersetzung mit Fotografie der letzten Jahrzehnte begleitet und mit geprägt, während Dorit Margreiter und Ene-Liis Semper in ihrer Arbeit in den letzen Jahren aus einem oder gegen einen reichen Fundus theoretischer und ästhetischer Modelle arbeiten.
Für Camera Austria ist es wesentlich, dass alle Beiträge gemeinsam von den KünstlerInnen und AutorInnen speziell für diese Ausgabe erarbeitet wurden. Jeff Wall spricht in seinem Interview mit Friedrich Tietjen über den Entstehungsprozess seiner Arbeiten, sowie auch über seinen „Krieg mit der Fotografie“, wie er es selbst nennt. Wir danken Jeff Wall, dass er für die Gestaltung seines Beitrags bislang unveröffentlichte Aufnahmen zur Verfügung gestellt hat, an denen sich der Arbeitsprozess an seiner Arbeit „Man with a Rifle“ ablesen lässt. Clegg & Guttmann haben sich schon 1988 in ihrem Beitrag zum „Symposion über Fotografie 9“ von Camera Austria, für eine Betrachtung des Kunstwerks als Ergebnis sinnvoller Tätigkeit innerhalb eines gegebenen Kontexts ausgesprochen (vgl. Camera Austria 26/1988). Diesen Anspruch, so zeigt das von Michael Hall geführte Interview, verfolgen sie auch in ihren jüngst entstandenen Arbeiten: Gerade indem sie das avantgardistische Collage-Verfahren für ihre Praxis adaptieren, versuchen sie die gegenwärtige historische Situation auch formal adäquat zu fassen.
Existenzielle Grenzsituationen wie Einsamkeit, Verlust oder Verzweiflung sind der inhaltliche Angelpunkt in den Videoarbeiten der estnischen Künstlerin Ene-Liis Semper, die ihre Arbeit auch als Versuch ansieht, „unbewusste Erinnerungen“ zu wecken. Dem entspricht das visuelle Konzept ihres Beitrags in dieser Ausgabe: Sequenzen, nicht Einzelbilder, aus einer Auswahl ihrer in den letzten Jahren entstandenen Videoarbeiten, sollen die Narrationen nachvollziehbar machen. Mit dem Interview, das Rike Frank mit Dorit Margreiter geführt hat, realisiert sich für Camera Austria schließlich eine Publikation, die wir bereits seit längerer Zeit vor hatten, denn Margreiter gehört zu jenen österreichischen KünstlerInnen, die innerhalb der aktuellen Diskussion einen relevanten Beitrag geleistet haben: Ihr Schaffen behandelt das „Alltägliche“ im Hinblick auf jene Bedingungen, die zumeist mit den Schlagwörtern wie Industrialisierung, Technologisierung, Urbanisierung, Mediatisierung und Globalisierung umrissen werden.




