Buch, Englisch, Deutsch, Band HEFT 62/63, 165 Seiten, PB, Format (B × H): 295 mm x 210 mm
Reihe: Camera Austria International
Buch, Englisch, Deutsch, Band HEFT 62/63, 165 Seiten, PB, Format (B × H): 295 mm x 210 mm
Reihe: Camera Austria International
ISBN: 978-3-900508-21-0
Verlag: Camera Austria
Mit dem vorliegenden, als Doppelnummer konzipierten Heft, präsentieren wir die Beiträge zum letztjährigen SYMPOSION ÜBER FOTOGRAFIE, das seinen Ausgangspunkt in Fragestellungen über die Rolle fotografischer Bildproduktion im Rahmen der Konstruktionen von „Agents and Agencies“ genommen hat, ein Begriffspaar zur Beschreibung bzw. Bezeichung von (individuellen wie kollektiven) Instanzen gesellschaftlicher Autorenschaften, das in theoretischen Debatten der letzten Zeit eine Schlüsselrolle eingenommen hat. Gemäß der grundlegenden Intention des SYMPOSIONS ÜBER FOTOGRAFIE führen die Vorträge und Debatten erneut aus einem engen Bezugsfeld „künstlerischer Fotografie“ hinaus und stellen sie in den Rahmen eines allgemeinen Diskurses um Kultur und Medien, um Öffentlichkeit, um öffentliche Repräsentation gesellschaftlicher Interessen.
Die theoretischen Beiträge – etwa jene von GEOFFREY BATCHEN, TIMOTHY DRUCKREY und DOUGLAS FOGLE, CHRISTIAN HÖLLER und SUSANNE LUMMERDING – drehen sich um die Klärung wesentlicher Verschiebungen in der Konstitution der Fotografie, wie sie durch medientechnologische Entwicklungen gleichermaßen verursacht wie angezeigt werden: anhand der Gegenüberstellung von Fotogenik und digitaler Fotografie analysiert Geoffrey Batchen die komplizierte „Identität“ der Fotografie, Timothy Druckey umkreist das Problem eines „fetischistischen Appetits auf Sichtbarkeit“ und entlarvt anhand einer Fallstudie Repräsentation als Werbung. Douglas Fogle skizziert eine „Genealogie“ konzeptueller fotografischer Positionen und präsentiert die Arbeiten einer Reihe von KünstlerInnen. Christian Höller konstatiert in seinem Beitrag den eminenten „Anrufungscharakter“ medialer Bilder als handlungsorientierende und -generierende Apparatur und diskutiert den „Pictorial Turn“ W. J. T. Mitchells. Susanne Lummerding bezieht sich kritisch auf Vorstellungen eines „Blickregimes“, das die Möglichkeiten aller visuellen Repräsentation festzulegen scheint.
Der Beitrag von YVE LOMAX dreht sich, als philosophische Zwiesprache mit Gilles Deleuze und Spinoza angelegt, um Kausalität, um Mannigfaltigkeiten, um Immanenz und Exmanenz – um die grundlegende Kon-stituierung des Seins also und wie diese so etwas wie „Handlungsfähigkeit“ überhaupt erst ermöglicht.
Die künstlerischen Beiträge – von SAM SAMORE, BEAT STREULI, MITRA TABRIZIAN und RICARDO ZULUETA – zeigen, wie wir meinen, mit dem thematischen Rahmen der „Handlungsfähigkeit“ verschränkte künstlerische Strategien, wenn es – wie im Fall der Projekte von Beat Streuli, um die Rückführung von Repräsentationen von Individuen in den öffentlichen Raum geht, oder – wie bei Ricardo Zulueta – um quasi soziologische Experimente mit teilnehmenden Akteuren, die die „Überbewertung von Signifikanten“ vor Augen führen. Sam Samore entwirft in seinen „Scenarios“ und auch den „Allegories of Beauty (Incomplete)“ Bildserien, wobei „wir in diese Bilder idiosynkratische Geschichten aus unserem eigenen subjektiven Geschichtsfundus projizieren“, wohingegen Mitra Tabrizian sich in ihrer Arbeit „Minimal Utopia“ direkt auf postmoderne Kontexte des Individuums bezieht, eine Stadt konstruiert, die gleichermaßen mit Individuen und Replikanten bevölkert ist, und gerade dadurch die Frage nach dem Subjekt und seiner Handlungsfähigkeit forciert.
Schließlich setzt ROLF SACHSSE in diesem Heft die Reihe der „Marginalien zur bundesdeutschen Fotografie“ fort, in welcher diesmal die Sprachlichkeit bzw. Nicht-Sprachlichkeit von Fotografie thematisiert wird.
Wir hoffen, Ihnen mit dem vorliegenden Heft erneut einen interessanten Bogen an Lektüre zur zeitgenössischen Fotografie präsentieren zu können. Ganz besonders freuen wir uns, Inge Morath, einer langjährigen Freundin und international geschätzten österreichischen Fotografin zu ihrem 75. Geburtstag zu gratulieren.




