Texte
Buch, Deutsch, 192 Seiten, Format (B × H): 120 mm x 200 mm
Reihe: ; nr. 116
ISBN: 978-3-903144-94-1
Verlag: edition keiper
Naturgemäß entsteht alles, was aus Worten gebildet wird, zunächst im Kopf, und so können in der Literatur auch Geschichten erzählt werden, die sich nie ereignet haben. Nicht jedoch in den Texten von Hedwig Wingler – denn ihr war es ganz und gar nicht vergönnt, „Erfundenes“ niederzuschreiben.
Schreiben, jeden Tag. Unter diesem Motto verwandelt sie in den hier versammelten Texten völlig unprätentiös ihre Begegnungen mit Personen, Themen und Bildern, die sie gekannt, gesehen oder erlebt hat, in Worte. Alles ist des Erinnerns wert, und deshalb versucht sie, diese Momentaufnahmen in Sprache und Mitteilung zu übersetzen. Dazwischengestreute Gedanken, Reflexionen oder Poetisches machen die Lektüre zu einer intensiven literarischen und vor allem genussvollen Lebensreise.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
„Eines schönes Tages.“ Kaum setze ich mich, um zu schreiben, schon fällt mir ein Zitat ein: das Anführungszeichen, der Stolperstein, die Metapher für die Sperre, die Klammer. Was soll als Erstes die Hemmnis? Ich will von mir schreiben, und nichts anderes fällt mir ein, als was ein anderer einmal zu mir gesagt hat? Eines schönes Tages. Wer es war, ist jetzt nicht so wichtig. Ich spüre also schon dieses Zögern, Worte zu fassen. Rot, Grau, Gelb, Rostrot sind handfest und vor meinen Augen unwiderlegbar. Oder auch das nicht? Aus wiederholten und mich immer wieder überraschenden Versuchen weiß ich, dass mein rechtes Auge mit einem Blaustich sieht, mein linkes sieht mit einem Gelbstich. In Zeiten des Krankseins hat es mich als bettlägeriges Kind irritiert und unterhalten, jetzt, „eines schönes Tages“, nehme ich es als Teil des Geflechtes, das hinter mir liegt und das ich unter dem Inbegriff „mein Leben“ weiterstückle.
(Aus: „Einleitung. Reflexiv-poetisch“)




