Buch, Deutsch, 216 Seiten, Format (B × H): 130 mm x 190 mm
Reihe: knappocket
Zwischen Welten, Triumphen und Tragödien
Buch, Deutsch, 216 Seiten, Format (B × H): 130 mm x 190 mm
Reihe: knappocket
ISBN: 978-3-907334-53-9
Verlag: Knapp Verlag
Was wäre aus Gotthelf geworden, wenn der Sport zu seiner Zeit schon Big Business gewesen und die Zeit allenthalben eine andere gewesen wäre? Vielleicht einer wie Klaus Zaugg? Wir wollen nicht grübeln.
Seit vier Jahrzehnten ist Klaus Zaugg unterwegs in den Stadien, Stadionbeizen, Arenen und Hinterzimmern des kleinen und großen Sports. Als Edelfeder und Chronist hat er nicht nur Triumphe und Tragödien festgehalten, Karrieren begleitet und Persönlichkeiten so porträtiert, wie es nur einer kann, der näher dran ist als alle anderen. Er ist auch ein Chronist, der immer wieder seine Heimat im Grenzland zwischen Emmental und Oberaargau – das «Gotthelf-Land» und ihre Menschen beschreibt. Nun erscheint eine Sammlung seiner Reportagen, Streitschriften, Analysen und Anekdoten aus 40 Jahren. Es ist mehr als eine Rückschau: Es ist eine Reise durch Emotionen, Epochen und Entwicklungen, erzählt mit Schärfe, Tiefgang und jener unverwechselbaren Handschrift, die Klaus Zaugg auszeichnet. Zwischen großen Siegen und stillen Momenten entstehen Bilder, die bleiben. Für alle, die den Sport nicht nur konsumieren, sondern verstehen wollen und wissen möchten, ob es eigentlich manchmal immer noch zu und hergeht wie zu Gotthelfs Zeiten, für jene, die starke Geschichten lieben. Ein Buch voller Leidenschaft, Erfahrung und journalistischer Meisterschaft.
Im Buch versammelt ist ein Best-of seiner Kolumnen bei CH Media (watson.ch und gedruckt in Zeitungen) und Prosa aus dem Oberaargau/Emmental.
Bei Knapp von Klaus Zaugg ebenfalls erschienen:
Sieben Reisen zu den Enden der Welt
(2020).
Zielgruppe
Für ein Publikum mit Sinn für literarische Prosa, pointierte Beobachtung und erzählenden Journalismus. Für alle, die Landschaft, Herkunft, Schweizer Kultur und Gegenwart nicht als schnelle Nachricht, sondern als sprachstarke, eigensinnige Betrachtung lesen möchten.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Namen, die Geschichten erzählen
Johann Wolfgang von Goethe lässt seinen Doktor Faust sagen, Namen seien nur Schall und Rauch. Das ist falsch. Unser Dichterfürst Jeremias Gotthelf hat die Kultur der hintersinnigen Namen und Ortsbezeichnungen zur Weltliteratur erhoben. Es ist an der Zeit, diese Kultur wieder ein wenig zu beleben.
In den hablichen Dörfern und schmucken Städtchen des Oberaargaus tragen viele Bewohnende den gleichen Namen. Es gibt manchmal zu viele Flückiger, Lanz, Heiniger, Meier oder Müller. Damit nicht nur am Wirtshaustisch sofort alle wissen, von wem die Rede ist, verknüpfen wir die Namen mit der Herkunft. So wie es unser aller Gotthelf in seinen Werken vorgemacht hat. Der Dichterfürst benennt seine Figuren etwa als Bigelpeterli, Schache Hans, Staule Bur, Zyberlihoger Joggi, Glunggebur oder Dürluft Eisi. Andere wiederum werden nach ihrer Tätigkeit benamst: Schmitten Res, Beck Edi, Bannwart Fridu, Uhren Chlous oder Post Werner.
Manchmal wurzelt die Bezeichnung sogar in früheren Generationen: So weiß ich von einer Bezeichnung, die schon lange nichts mehr mit der heutigen Tätigkeit der betreffenden Familie zu tun hat: Schmalz. Warum in aller Welt Schmalz für Leute, die Unternehmer oder Wirte geworden sind oder technischen Berufen nachgehen? Weil einer der Vorväter Störenmetzger war und sich bsungerbar gut in der Herstellung von Schweinefett (Schmalz) verstand. Und wenn es darum geht, Geschichten zu erzählen, ohne aus politischen oder persönlichen Gründen den wahren Ort zu nennen, war Gotthelfs Fantasie schier unerschöpflich:
Braschtigen, Nütigen, Nüchternweid, Hudelbank, Schnürfligen, Schoppenheim, Küchlywil, Liebiwyl, Aufbegehrigen, Vehfreude, Brastigen, Bränziwil, Erdöpfelkofen, Blackenboden, Rächlige, Waschliwyl, Frevligen, Straudachigen, Grossgringigen, Hudligen, Kalberochtigen
oder
Saukasus
(womit er aber nicht das hüglige Luzerner Hinterland mit den bäumigen Schweinemästereien meinte). Bei den meisten dieser Bezeichnungen handelt es sich Örtlichkeiten im Oberaargau. Denn die Jahre als Pfarrhelfer in Herzogenbuchsee (1824 bis 1829) haben Gotthelfs dichterische DNA weitaus nachhaltiger geprägt als die spätere Zeit in Lützelflüh.
[…]
Die Kultur der besonderen Übernamen ist schier unerschöpflich. Für mich einer der originellsten ist einer, auf den nicht einmal Gotthelf gekommen wäre. Weil es zu seiner Zeit noch kaum Eisenbahnen gab. Ein Lokomotiv-Führer mit der Ehrenbezeichnung «Uri Geller». Uri Geller ist ein Magier, der bei uns in den 1970er-Jahren berühmt geworden ist, weil er vor laufender TV-Kamera mit übersinnlichen Kräften Löffel verbiegen konnte. Der besagte Lokomotiv-Führer wurde von seinen Kollegen so genannt, weil er offenbar mehrmals ein Haltesignal in einem Bahnhof überfahren und ungebremst stabilste Metallabschrankungen verbogen hatte. Und vielleicht wird aus dem Chronisten ja einmal «Gospel-Chlou». Gospel bedeutet in diesem Zusammenhang Evangelium oder Wahrheit. Gotthelf hatte eine solche Bezeichnung nicht nötig. Er war ja Pfarrer.




