Buch, Deutsch, 178 Seiten, Format (B × H): 154 mm x 210 mm
Buch, Deutsch, 178 Seiten, Format (B × H): 154 mm x 210 mm
ISBN: 978-3-7291-1213-1
Verlag: Verlagsgenossenschaft St. Gallen
Anlässlich der Ausstellung «Café Spörri» im Zeughaus Teufen erscheint die gleichnamige Begleitpublikation.
Die Geschichte des Café Spörri ist untrennbar mit der Familie Spörri verbunden, angefangen mit Jakob «Jacques» Spörri
(1881–1963), dessen Vision den Grundstein fu¨r eine jahrzehntelange Tradition legte. Bevor das Haus zu jener Institution
wurde, die u¨ber Generationen hinweg als «Stadtcafé im Appenzellerland» bekannt sein sollte, durchlief Jacques Spörri eine
aussergewöhnliche berufliche Odyssee. Seine Lehr- und Wanderjahre fu¨hrten ihn zu Beginn des 20. Jahrhunderts quer durch
Europa, vom Genfersee u¨ber das mondäne Nizza und Paris bis hin in die nebligen Gassen Glasgows und zuru¨ck in die touristischen Hochburgen der Schweiz. Es war eine Zeit der «Belle Époque», in der die Konditorkunst ihre Blu¨tezeit erlebte und
in der ein junger Handwerker nicht nur Rezepte, sondern auch Sprachen, Kulturen und den Umgang mit einer anspruchsvollen
internationalen Klientel erlernte.
Die vorliegenden Arbeitszeugnisse, sorgfältig aufbewahrte Papierdokumente in verschnörkelter Handschrift oder auf gedrucktem
Briefkopf, zeichnen den Lebensweg eines Handwerkers nach, der seine Kunst mit Leidenschaft und Disziplin perfektionierte.
Sie sind nicht nur Belege fu¨r Anstellungen, sondern Zeugen einer europäischen Bildungsreise, die das Fundament
fu¨r die spätere Qualität und den Ruf des Café Spörri legte.
Wir bewegen uns oft zwischen den Welten: von Paris ins Appenzellerland, vom Grand Hotel in die Dorfstube, auf der Suche
nach Schutz und Fortschritt. Das Café Spörri verband diese vermeitlichen Gegensätze mu¨helos und brachte das Menschliche
in uns zum Vorschein. Unter Peter und Helen Spörri avancierte das Haus in den 1960er- und -70er-Jahren zum «Bijou», in dem
Bundesräte, Filmstars und die Dorfjugend gleichermassen verkehrten.
Ausstellung und Buch sind ein Beitrag zur Debatte um Baukultur und den Wandel des Dorflebens. Sie regen dazu an, u¨ber den
Wert von Treffpunkten nachzudenken – Orte der Begegnung, an denen die Welt fu¨r einen Moment stillstand. Doch die Geschichte
erzählt auch vom schmerzhaften Ende: dem Ringen um einen Neubau, dem Konflikt zwischen betrieblicher Notwendigkeit
und Ortsbildschutz sowie dem Verlust eines identitätsstiftenden Ortes.




