Abidi | Plötzlich 14 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 176 Seiten

Reihe: Alles, was Mädchen wissen sollten

Abidi Plötzlich 14


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-86456-038-5
Verlag: Oetinger Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 2, 176 Seiten

Reihe: Alles, was Mädchen wissen sollten

ISBN: 978-3-86456-038-5
Verlag: Oetinger Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eigentlich könnte Henriette total glücklich sein. Seit über einem Jahr ist sie mit Nick zusammen, und bald erscheint ihr Buch 'Alles, was Mädchen wissen müssen, bevor sie 13 werden'. Außerdem ist ihr neuer Blog rund um das Thema Liebe richtig erfolgreich. Doch von einem Tag auf den anderen geht alles schief: Nick macht einen Schüleraustausch in Schottland und trennt sich von ihr. Und zwischen Henriette und ihrer besten Freundin Jill läuft es auch nicht rund. Dabei werden die beiden bald 14 und wollen eine große Party schmeißen ... Die langersehnte Fortsetzung des Pink-Bestsellers 'Tatsächlich 13'!

Heike Abidi, Jahrgang 1965, studierte Sprachwissenschaften und arbeitet heute als freiberufliche Werbetexterin und Autorin. Sie lebt mit ihrem Mann und Sohn in der Nähe von Kaiserslautern.
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Einjähriges
Oder: Ich liebe Überraschungen! Eigentlich ...

»NA, BURKI, sieht das cool aus, oder sieht das megacool aus?«, frage ich und halte den Herzbilderrahmen mit Nicks und meinem Foto darin hoch. Burkhard, unser eigentlich hochintelligenter Jack-Russell-Terrier, gähnt gelangweilt und wirft sich dann auf den Rücken, um sich genüsslich auf meinem Teppich zu schrubbeln.

»Du Blödmann«, schimpfe ich, »du hast ja keine Ahnung von der Liebe.«

Burki hört auf, sich zu wälzen, und glotzt mich an, als wollte er sagen: Aber du, Zweibeinerin Henriette? Hast du wirklich Ahnung davon?

»Pah«, mache ich und strecke ihm die Zunge raus. Dann packe ich den Bilderrahmen in Geschenkpapier ein und binde eine knallrote Schleife darum.

Obwohl ich mir dabei richtig viel Zeit lasse, ist es erst halb zwei, als ich damit fertig bin. Mist. Wie soll ich nur die Zeit bis zu meinem Treffen mit Nick totschlagen? Wir sind um drei verabredet. Und wenn die nächsten anderthalb Stunden nicht wie durch ein Wunder so schnell verfliegen, als hätte jemand auf Schnellvorlauf gedrückt, muss ich leider vor lauter Nervosität durchdrehen!

Zum bestimmt fünften Mal an diesem Mittag stelle ich mich vor den Spiegel und checke mein Outfit.

Ich denke kurz darüber nach, mir noch rasch die Haare zu waschen, aber das habe ich heute früh erst gemacht. Meine Locken fallen mir weich über den Rücken und glänzen dank der Haarkur, die mir Oma geschenkt hat, so schön wie nie zuvor.

Okay. Ich muss mir etwas anderes überlegen, um die unendlich zähe Stunde zu überbrücken, bis ich mich auf den Weg zu Nick machen kann.

Mein Blick streift den weißen Laptop auf meinem Schreibtisch. Da fällt mir mein Blogbeitrag von neulich ein. Der über die romantischen Geschenke. Als ich zuletzt nachgesehen habe, gab es dazu keine Kommentare. Vielleicht hat sich das ja mittlerweile geändert? Die Leserinnen meines alten Blogs haben sich noch nicht so ganz an den neuen Namen gewöhnt. Ich hoffe aber, dass sie mir nach und nach alle zu folgen. passt einfach nicht mehr zu mir. Schließlich werde ich schon bald vierzehn!

Wow, tatsächlich: Es gibt gleich mehrere Kommentare, stelle ich zufrieden fest, als ich die Seite aufrufe. Einige der Namen kenne ich sehr gut, andere sind neu. Gespannt lese ich, was meine Leserinnen zu der geschrieben haben:

Mein Freund hat gerade neulich so ein Fotoprint-Kissen für mich machen lassen!, erzählt TeenageQueen. Das war das tollste Geschenk, das ich je bekommen habe! Sogar auf die Klassenfahrt hab ich dieses Kissen mitgenommen. Es war mir egal, was die anderen dazu gesagt haben.

Ich nicke zufrieden. TeenageQueen ist eine meiner treuesten Leserinnen, und dass sie wirklich schon mal etwas von meiner Liste bekommen hat, freut mich ganz besonders.

Auch MissMusic kenne ich inzwischen recht gut. Sie kommentiert:

Mein Freund hat mal ein Gedicht für mich geschrieben. Das fand ich ziemlich romantisch, obwohl das Gedicht totaler Mist war und der Freund sich eine Woche später verabschiedet hat ... ?

Hallo Jette, ich habe dein Blog eben erst entdeckt und bin total begeistert. Leider habe ich noch keinen Freund, aber wenn ich mal einen habe, hoffe ich sehr, dass er mir eines Tages etwas von deiner Liste schenkt. Du hast wirklich soooo tolle Ideen!, hat eine gewisse Pippilotta gepostet.

Und PrincessX kommentiert: Das wäre ja schlimm, wenn echte Liebesbeweise käuflich wären. Ich glaube, dass wahre Gefühle keine Geschenke brauchen, um sie zu bestätigen. Vielleicht ist ja mit der Beziehung was nicht in Ordnung, wenn man so auf Schmuck und ähnlichen Schnickschnack abfährt?

Huch! Was ist denn das für eine? PrincessX, den Namen muss ich mir merken. Ich hoffe, sie stänkert hier nicht weiterhin rum. Wenn ihr meine Themen nicht gefallen, muss sie ja nicht lesen. Bestimmt gibt es auch Blogs für Liebende, denen es genügt, sich gegenseitig die Haare zu flechten und den Nacken zu massieren!

Stopp, Henriette! Du musst aufhören, dich über negative Kommentare zu ärgern! Als Journalistin wirst du später ständig Kritik ausgesetzt sein. Da solltest du drüberstehen.

Ich beschließe, mich nicht länger über PrincessX aufzuregen, und werfe einen letzten kritischen Blick in den Spiegel.

Hilfe! Was ist denn das da auf meiner Stirn? Etwa schon wieder ein fetter Pickel??? Wieso ist mir der denn vorher gar nicht aufgefallen?

Nachdem ich die dicke Pustel mit Salbe behandelt und mir die Haare etwas weiter in die Stirn gekämmt habe, damit man die fiese Entzündung wenigstens nicht sieht (vor allem: damit Nick sie nicht sieht), mache ich mich auf den Weg.

Am Fahrradschuppen stoße ich auf Levin. »Na, Schwesterlein. Unterwegs zu Jill?«

Ähm – was soll das denn jetzt? Ist der Badezimmerblockierer neuerdings irgendwie besessen von ihr? Was will er denn eigentlich von Jill?

»Warum fragst du?«, erwidere ich, weil ich keine Lust habe, ihm von meinem Jahrestreffen mit Nick zu erzählen. Er würde sich ja doch nur darüber lustig machen. Große Brüder sind echt die Pest!

»Och, nur so«, meint Levin und setzt ein diabolisches Grinsen auf, so als plane er, Jill zu entführen oder sie an skrupellose Menschenhändler zu verscherbeln.

»Na ja, viel Spaß«, sagt er dann und trollt sich.

Ich schaue ihm hinterher und staune über meine eigene gruselige Phantasie. Doch dann schwinge ich mich aufs Rad, und kaum bin ich um die nächste Ecke gebogen, denke ich nur noch an den wundervollsten Jungen der Welt …

Ganz im Ernst: Nick Jelinek ist der süßeste, coolste, klügste, netteste Junge, der mir je begegnet ist. Er könnte jedes Mädchen als Freundin haben, sogar die mit blonder Wallemähne, rundem Apfelpo und richtigem Busen. Aber nein, er hat sich für mich entschieden. Manchmal kann ich es selbst kaum fassen!

Tatsache ist, dass wir ein echt perfektes Paar sind. Seinetwegen habe ich sogar die Fußballregeln gepaukt. Selbst wenn man mich mitten in der Nacht wecken würde, könnte ich jederzeit erklären, was Abseits ist. Und Nick geht mir zuliebe sogar freiwillig in Filme wie oder .

Als ich an der letzten roten Ampel vor Nicks Haus anhalte, wird mir klar, dass ich es ihm heute sagen muss. Ich muss ihm gestehen, dass ich Jette V. bin, die Bloggerin und bald auch Buchautorin. Und dass all das supergeheim ist! Denn abgesehen von ihm (und natürlich Jill, Burki und Oma Lydia) soll niemand sonst die Wahrheit erfahren, vor allem nicht meine Eltern. Die würden glatt durchdrehen, wenn sie zu lesen bekämen, was ich im Internet alles über ihre Macken geschrieben habe … Doch es gibt keinen Grund, Nick die Sache noch länger zu verschweigen.

Mannomann, der wird staunen!

Da fällt mir der Kommentar von PrincessX wieder ein, die ja vielleicht doch recht hat. Geschenke, die Geld kosten, sind nicht nötig, um jemandem seine Liebe zu beweisen.

Trotzdem freut man sich natürlich drüber. Nick wird hoffentlich begeistert von meinem Bilderrahmen sein. Allerdings ist es gut möglich, dass ihn mein Geständnis sogar noch mehr umhaut. Denn das ist ein Geschenk, das zwar keinen Cent kostet, dafür aber umso mehr Überwindung und vor allem jede Menge Vertrauen.

»Hi Henry«, begrüßt mich Nick mit dem schiefen Lächeln, das ich so süß finde. Heute lächelt er ein bisschen anders als sonst. Seine Mundwinkel zucken. Ist er etwa nervös?

Am liebsten würde ich ihn sofort in den Arm nehmen und ihm ins Ohr flüstern, dass er überhaupt nicht aufgeregt sein muss – selbst wenn er das mit Abstand unromantischste Geschenk der Welt für mich hat, macht das überhaupt nichts! Ich bin einfach glücklich mit ihm … Doch statt etwas zu sagen, gebe ich ihm schnell einen Begrüßungskuss.

Irgendwie ist unsere Kopf-Mund-Koordination heute ein bisschen gestört, und so erwische ich nur sein Ohr, aber auch das macht rein gar nichts.

In seinem Zimmer entdecke ich nirgendwo ein Geschenk, er muss es wirklich gut versteckt haben. Also mache ich kurzerhand den Anfang und überreiche ihm meins.

Nick lacht ein bisschen schrill, als er es auspackt, und ich fürchte schon fast, dass der Herzrahmen doch ein bisschen zu mädchenhaft ist. Aber dann bedankt er sich wortreich und wirkt richtig gerührt.

Ich bin überglücklich! Es ist mir gelungen, Nick eine Riesenfreude zu machen.

Sicher zaubert er jetzt gleich sein Geschenk für mich hervor. Oh Mann, ich platze fast vor Neugier.

»Du, Henry«, fängt er an und senkt seinen Blick.

Er will es wohl spannend machen.

»Ich muss dir was erzählen – etwas, was ziemlich toll ist. Na ja, für mich jedenfalls.«

Oh, Nick, sei nicht so bescheiden. Für mich ist unsere Beziehung auch ein wahr gewordener Traum!

»Also, ich hab mich beworben … für einen Auslandsaufenthalt. Und ich hab das Stipendium bekommen. Gleich nach den Sommerferien geht’s los … Ach, Henry, ich bin so was von aufgeregt!«

Auslandsaufenthalt? Stipendium? Ähm. Und warum weiß...


Heike Abidi, Jahrgang 1965, studierte Sprachwissenschaften und arbeitet heute als freiberufliche Werbetexterin und Autorin. Sie lebt mit ihrem Mann und Sohn in der Nähe von Kaiserslautern.



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