E-Book, Deutsch, Band 1, 296 Seiten
Reihe: Prepper
Abrahams PREPPER - Band 1
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-95835-929-1
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
postapokalyptischer Roman
E-Book, Deutsch, Band 1, 296 Seiten
Reihe: Prepper
ISBN: 978-3-95835-929-1
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Tom Abrahams ist Mitglied der International Thriller Writer's Association. Er schreibt post-apokalyptische Thriller, Action-Abenteuer und Polit-Thriller. Tom lebt in Houston mit seiner Frau Courtney und ihren beiden Kindern.
Weitere Infos & Material
Prolog
10. JULI 2008
WASHINGTON, D.C.
ZIMMER 2118, BÜROGEBÄUDE RAYBURN HOUSE
Tim Golnecki stand in der Nähe seines Chefs, ein Mitglied des Ausschusses für Streitkräfte des Repräsentantenhauses, an die Wand gelehnt da. Er zog den Knoten der Krawatte enger, die er am Nachmittag zuvor bei Macy’s gekauft hatte. Sie war von einem dunkleren Blau als sein Hemd, aber heller als seine Anzugjacke, die ein dunkles Marineblau war, das an Schwarz grenzte.
Sein Chef, ein Repräsentant aus North Carolina, hatte ihn angewiesen, sich schick zu machen. Er würde hinter den ständigen Mitgliedern des Komitees auf dem Podium stehen. Tim war der neuste Mitarbeiter, frisch von der University of Texas. Er war ein Zweiundzwanzigjähriger mit einem Abschluss in Staatswissenschaften und unendlichem Ehrgeiz. Er wollte einen guten Eindruck machen und hatte die neue Krawatte mit der Kreditkarte bezahlt. Andernfalls hätte er, angesichts der Kosten seines Umzugs, der Mietausgaben für ein Apartment so nah am Verwaltungsdistrikt und seines Gehalts von vierundsechzigtausend Dollar, eine ältere, weniger angemessene Krawatte getragen.
Tim hatte genickt, als sein Chef an ihm vorbeigegangen, ihn mit einem warmen Politikerlächeln begrüßt und in der Nähe des Komiteevorsitzes Platz genommen hatte. Hinter dem Podium mit drei Stuhlreihen für das große Komitee stand ein Zeugentisch. An dessen Mitte saß ein Mann und besprach sich mit anderen. Tim sah auf seine Armbanduhr. Es war 10:05 Uhr am Morgen. Der Hammer knallte und erschreckte Tim. Wieder richtete er seine Krawatte und hielt den Aktenordner an seiner Seite fest.
Er war kein Freund von Menschenmengen, hatte sie nie gemocht. Als kleines Kind hatte er die Hand seines Vaters verloren und war in der erdrückenden Menge auf dem Hauptweg des Jahrmarkts von ihm getrennt worden. Es hatte zehn Minuten gedauert, bis ihn ein guter Samariter wieder mit seinen Eltern vereint hatte, aber diese sechshundert Sekunden waren dem kleinen Tim wie sechshundert Tage vorgekommen. Seitdem hatte er Vergnügungsparks, Rockkonzerte und Black-Friday-Verkäufe gemieden.
Überfüllte Restaurants und Bars zerquetschten ihn wie ein Schraubstock, und so war sein Gesellschaftskalender als junger Politiker in Capitol Hill weit leerer als bei den meisten Twens, die Dupont Circle oder U Street bevölkerten.
Eine Zwanzig-Milligramm-Dosis generischen Parotexins mit einem Menü #1 und einem heißen Kaffee bei Jimmy T’s hatte seine Nerven im Vorfeld der Anhörung beruhigt. Seine erste Aufgabe nach seiner Ankunft hatte darin bestanden, die Ausgänge und Fluchtwege zu lokalisieren. Es beruhigte ihn, dass er an der Wand stand und nicht in den engen Plätzen auf der Galerie saß, oder näher am Podium.
Der Vorsitz und die hochrangigen Parlamentarier sprachen und stellten den Mann an der Mitte des Zeugentisches vor. Tims Chef hatte ihm erzählt, dass der Zeuge ein großer Fisch war, der einst die NASA geleitet hatte, und einer der klügsten Physiker auf dem Angesicht der Erde.
»Und damit übernehmen Sie bitte, Dr. Graham.«
William R. Graham war der Vorsitzende der Kommission zur Einschätzung der Bedrohung der Vereinigten Staaten durch Angriffe mittels elektromagnetischer Impulse.
Dr. Graham leitete ein neunköpfiges Komitee, sieben Mitglieder vom Verteidigungsministerium bestellt und zwei vom Direktor der FEMA, der Katastrophenschutzbehörde, ernannt. Während Graham die Kommissionsmitglieder vorstellte, bat ihn der Vorsitzende, sein Mikrofon zu richten.
Graham kam dem nach und stellte der Kommission den Mount Rushmore der Wissenschaftler und Militärtaktiker, böte Mount Rushmore Platz für neun Köpfe, vor. Tim sah zu, wie sein Chef Graham beobachtete. Wie jeder andere im Raum war auch der Repräsentant aus North Carolina wie gebannt.
»Ein von der EMP-Kommission herausgebrachter und dem Kongress im Jahr 2004 überreichter Geschäftsbericht verschaffte einen Überblick über die Bedrohung der USA«, sagte Graham, ehe er über die neueren Erkenntnisse der Kommission berichtete.
»Mehrere potentielle Gegner besitzen die Fähigkeit – und weitere mehr können sie erlangen –, die Vereinigten Staaten mit einem kernwaffenerzeugten elektromagnetischen Impuls in großer Höhe anzugreifen. Ein entschlossener Gegner kann die Fähigkeit eines EMP-Angriff erlangen, ohne dass ein höherer technischer Entwicklungsstand vorliegt.«
Tim spürte die fassungslose Stille im Raum. Zimmer 2118 war ein schmaler Anhörungssaal. Er bot einer Handvoll Besucher Platz. Der dicke blaue Teppich auf dem Boden und die passenden Vorhänge, die an der Wand hinter dem Podium hingen, dämpften Geräusche. Das verlieh dem Raum eine grabähnliche Eigenschaft, die Tim angesichts des Kontextes der Anhörung angemessen fand.
Verstand er Dr. Graham richtig? Hat der Mann dem Kongress gerade mitgeteilt, dass ein technisch einfach entwickelter Feind die Vereinigten Staaten in die Knie zwingen könnte? Wurde der Raum gerade kleiner? Eine Welle der Hitze durchfuhr Tim. Er schluckte und zog an seinem Kragen. Die Krawatte saß zu eng.
»Ein EMP ist eine von einer kleinen Anzahl an Bedrohungen, die unsere Gesellschaft in die Gefahr katastrophaler Konsequenzen bringen können«, sagte Graham. »Ein gut koordinierter und weitreichender Cyberangriff ist ein weiteres potentielles Beispiel.«
Toll. Es wurde immer schlimmer. Tim betrachtete das Podium. Kongressmitglieder bewegten sich auf ihren Stühlen. Ihnen schien so unbehaglich zumute zu sein, wie er sich fühlte.
Weniger als sieben Jahre nach 9/11 saß der Schmerz noch tief. Die gleiche Regierung, die mit Kriegen an zwei Fronten und dem Engagement, den Kampf in Übersee zu behalten, reagiert hatte, war jetzt diejenige, die eine Studie darüber, wie verwundbar genau sie noch waren, beauftragt hatte. Die Antwort war nicht tröstlich.
»Ein elektromagnetischer Impuls in großer Höhe resultiert aus der Detonation eines atomaren Sprengkopfes oberhalb etwa vierzig Kilometern über dem Land oder unseren Truppen«, sagte Graham. »Der unmittelbare Effekt eines EMPs würde die elektronischen Systeme und die Strominfrastruktur stören und beschädigen. Das wiederum kann wichtige Aspekte unseres gesamten nationalen Lebens beeinträchtigen, einschließlich Telekommunikation, Finanzsystem, Regierungsdiensten, der Möglichkeit, Nahrung, Wasser und medizinische Versorgung zu erlangen und Handel und Produktion aufrechtzuerhalten, sowie der Stromversorgung an sich.«
Tim dachte an das iPhone 3G in seiner Tasche. Es war ein Abschlussgeschenk einen Monat zuvor gewesen, und er war einer der Glücklichen gewesen, die das Gerät am Tag der Veröffentlichung erhalten hatten. So schnell wie sich die Technologie weiterentwickelte, nahm er an, dass ein EMP sein wertvolles Geschenk nutzlos machen würde.
Er dachte an sein Bankkonto. Er hatte seine Transaktionen online über eine rudimentäre Website verwaltet, die seine Genossenschaftsbank als kostenlosen Service für diejenigen anbot, die sowohl Giro- als auch Sparkonten besaßen. Wie käme er an sein Geld, wenn das Internet oder die Geldautomaten ausfallen würden?
Tim überlegte, ob er seine Krawatte lösen und den obersten Knopf seines Kragenhemdes öffnen sollte, entschied sich aber eines Besseren. Er wollte keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen und hoffte, dass der kalte Schweiß, der seine Achselhöhlen und sein Kreuz durchnässte, auf dem Mischgewebe seines dunklen Anzugs nicht sichtbar war. Im Augenblick gab es größere, dringendere Sorgen. Was, wenn sich der Strom abschaltete? Was, wenn eine fremde Macht heute Nacht angriffe? Heute Nachmittag? Was sollte er tun, und wohin würde er gehen? Würde der Kongress weiterarbeiten? Wäre er ohne Job?
Er hatte keine Vorräte an Nahrung, Wasser oder Medizin in seinem Apartment. Obwohl er noch zwei Mitbewohner hatte, war der Kühlschrank leer, von übrig gebliebenem Takeout, einer halb leeren Gallone Milch, die sie für ihre Schachteln voll gezuckerten Zerealien benutzen, und was immer von der Kiste Sam Adams Imperial Pilsner übrig war, abgesehen.
Tims drehte sich der Magen um, wie um die Hitze hinaus zu zwingen, und Besorgnis durchströmte ihn. Seine Knie wurden schwach, während er zuhörte, wie der Physiker die Realität und offensichtliche Gefahr für die Nation bezeugte. Er fuhr mit der Hand über den Stoff seiner neuen Krawatte.
Er hatte sich über diesen Kauf den Kopf zermartert, vier verschiedene Geschäfte in der Fashion Centre Mall besucht. Nach einer hektischen Metrofahrt hatte Tim die Indoor-Shops durchstreift, sich von Ladenfront zu Ladenfront bewegt und deren Kleiderständer umkreist wie ein Hai, vom Rand zur Mitte hin, bis er die richtige Farbe und Textur gefunden hatte. Im vierten Geschäft hatte er zwei Krawatten entdeckt, die seinen Erwartungen entsprachen, und gut dreißig Minuten damit verbracht, sich zwischen ihnen zu entscheiden, bis er sich zu der aus blauem Polyester durchgerungen hatte, die einen Hauch von Kreuzstichtextur aufwies.
Nachdem er in seine Wohnung zurückgekehrt war, hatte er seine Kleidung für den nächsten Tag herausgelegt. Er bügelte sein Hemd, eine Baumwolle-Polyester-Mischung, und benutzte viel zu viel Sprühstärke. In dieser Nacht schlief Tim kaum, besorgt um seine Kleidungswahl und ob er früher als sonst zum Kapitol gehen sollte. Wenn er zu früh im Büro ankam, könnte er übereifrig wirken. Wenn er pünktlich war, wäre er dann zu spät? Der Stabschef hatte ihn nur mit dieser Aufgabe betraut, weil zwei andere mit einer frühen Sommergrippe krankgemeldet waren. Tim hatte diesen Job seit drei Wochen. Assistent eines Repräsentanten während einer Komiteeanhörung zu sein, war eine große Sache. Das durfte...




