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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, Band 1, 448 Seiten
Reihe: Ironcutter
Achord IRONCUTTER - Die Geheimnisse der Toten
überarbeitete Ausgabe
ISBN: 978-3-95835-363-3
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kriminalroman
E-Book, Deutsch, Band 1, 448 Seiten
Reihe: Ironcutter
ISBN: 978-3-95835-363-3
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
David Achord lebt seit seiner Geburt im amerikanischen Binnenstaat Tennessee, welcher besonders für seine Country-Hauptstadt Nashville bekannt ist. Neben seiner literarischen Arbeit fand der Autor seine Berufung im Polizeidienst und arbeitete während seiner fünfundzwanzigjährigen Karriere unter anderem im Sheriff's Departement von Rutherford Country und dem Metropolitan Nashville Police Departement. Neben seiner apokalyptischen Erfolgsserie 'Zombie Rules' flossen seine Erlebnisse im Polizeidienst auch in seine (ebenfalls im Luzifer-Verlag erschienene) Krimireihe um den Privatermittler Ironcutter ein.
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Kapitel 1
Ich hatte mir das ganz genau überlegt. Wirklich, kein Witz. Der Plan war brillant. Ich holte den Klappstuhl aus meinem Kofferraum, lief über den Parkplatz und pflanzte meinen Hintern auf ein Stück Parkplatz, auf dem mit roter Farbe sorgfältig »Reserviert« auf dem Asphalt stand.
Dann machte ich es mir gemütlich, was bedeutete, dass ich einen Schluck aus meinem Flachmann nahm, mir eine Zigarre anzündete, und mich in Ruhe umsah. Schließlich blieb mein Blick an dem Neonschild über dem Eingang hängen. Das Einzige, was mir dazu einfiel, war: Gentlemans Club Das war ein Tittenlokal … einer dieser Orte, wo Männer ihre Kohle aus dem Fenster warfen und dabei zusahen, wie nackte Mädchen aufreizend für sie tanzten. Nicht, dass ich jemals darauf hereingefallen wäre.
Der Laden hatte in den letzten Jahren ein paar Mal seinen Namen geändert. Derzeit nannte er sich das . Damals, als ich meinen allerersten Mordfall untersucht hatte, hieß er noch das . Um genau zu sein, hatte sich dieser Mord genau hier auf diesem Parkplatz, nur unweit von dem Platz, an dem ich nun saß, ereignet. Die Erinnerung ließ mich kurz in mich hineinlachen und mit halbem Auge bemerkte ich, dass meine Zigarre mittlerweile fast heruntergebrannt war.
Ich sah auf die Uhr und dann wieder zu der Leuchtreklame zurück. Laut der Anzeige würde der Klub um sechzehn Uhr öffnen, also in fünfzehn Minuten. Eigentlich sollte man annehmen, dass mittlerweile zumindest schon ein paar der Angestellten hier aufgekreuzt wären. Sie wissen schon, um das Licht anzumachen und so etwas, aber offensichtlich galten für dieses Lokal derlei ausgefeilte Geschäftspraktiken nicht. Ich zwang mich, geduldig zu sein. Schließlich ist Geduld nicht die schlechteste Eigenschaft für einen Privatschnüffler.
Ich blickte noch einmal auf die Uhr.
Während ich mich umsah, fiel mir plötzlich auf, wie sauber der Parkplatz war. Nicht eine einzige Zigarettenkippe war zu sehen. Die Geschäftsleitung musste dafür wohl eines von diesen enervierend lauten Saugfahrzeugen eingesetzt haben, die einen um vier Uhr in der Früh aufweckten. Ich schnippte meinen Zigarrenstummel im hohen Bogen davon und sah zu, wie er direkt in der Mitte dieses tadellos sauberen Parkplatzes landete. Na bitte, so sah das schon viel besser aus.
Schließlich bog ein würfelförmiger blauer Kleinwagen auf den Parkplatz ein und hielt drei Plätze neben mir. Die dünne Aluminiumverkleidung des Wagens erzitterte förmlich unter den Bässen der vollkommen überdimensionierten Stereoanlage, was mich wieder daran erinnerte, wie sehr ich doch die Optik der meisten neumodischen Wagen hasste.
Neugierig beobachtete ich die Fahrerin. Sie blieb noch ein paar Minuten mit geschlossenen Augen in ihrem Wagen sitzen und wiegte sich zum Takt irgendeines geistlosen Rap-Songs hin und her, bevor sie ausstieg. Sie war Anfang zwanzig, etwas größer als der Durchschnitt, hatte hellbraune Haare, die nicht ganz auf ihre Schultern herab reichten und zwei schlanke Beine, die aus einem Paar abgewetzter Shorts herausragten. Ein pinkfarbenes knappes Shirt gab den Blick auf ihren flachen, trainierten Bauch frei. Kein BH. Sehr süß und sehr jung.
Zuerst tat sie so, als wäre ich unsichtbar, als sie mit ihrer riesigen Umhängetasche an mir vorbeilief, doch dann hörte ich, wie sie anhielt. Ich drehte den Kopf zu ihr um und sah, dass sie mich fragend anstarrte. Vielleicht, weil ich hier auf einem Klappstuhl mitten auf dem Parkplatz saß, oder weil ich an einem so heißen Nachmittag im Juni ein Sakko trug, oder, noch besser, sie starrte mich einfach nur deshalb an, weil ich so verdammt gut aussah.
»Guten Tag«, begrüßte ich sie höflich.
»Hey, Sportsfreund, ich habe keine Ahnung, was Sie da treiben, aber Sie sitzen auf Bulls Parkplatz.«
»Bull?«, fragte ich unschuldig.
»Ja, er ist einer der Türsteher hier, und keiner, mit dem man sich anlegen will«, antwortete sie.
»Sie wissen nicht zufällig seinen vollen Namen?«, fragte ich.
Jetzt musterte sie mich argwöhnisch. »Wer zum Teufel sind Sie?«
Ich legte die flache Aktenmappe, die ich bei mir hatte, ab und griff in meine Jackentasche, aus der ich ein paar Zwanziger hervorkramte und gut sichtbar in die Luft hielt. Sie starrte mich eine Weile an und ich versuchte, so zu tun, als würde ich nicht bemerken, dass sich ihre Nippel mittlerweile durch den Stoff ihres Shirts bohrten. Ich schätzte, dass dies eine natürliche Reaktion von Stripperinnen war, wenn sie einen Mann sahen, der mit Geld herumfuchtelte. Nach einem kurzen Moment der Unentschlossenheit siegte schließlich die Verlockung über die Vorsicht. Sie blickte sich um, kam zu mir und streckte ihre Hand nach dem Geld aus. Ich umklammerte es daraufhin fester.
»Den Namen, bitte«, erinnerte ich sie höflich.
Ihre Hand blieb auf meiner Hand liegen. »Sein Name ist Robert Turnbull und er dürfte jeden Moment hier sein.«
Bingo, da hatte ich meine Bestätigung. Ich lockerte meinen Griff und sie zog mir langsam die Geldscheine aus der Hand.
»Sind Sie ein Cop oder so was?«, fragte sie und sah mich mit einer Mischung aus Neugier und Vorsicht an.
Ich schüttelte den Kopf. »Nein, ich bin kein Cop.« , wie ich in Gedanken hinzufügte.
Sie musterte mich weiter. »Sie sehen aber wie ein Cop aus.«
»Wie heißen Sie? Ihr richtiger Name, meine ich.« Den Zusatz hielt ich für wichtig, denn die meisten Stripperinnen benutzten ein Pseudonym.
Sie schenkte mir ein kleines schüchternes Lächeln, bevor sie antwortete: »Ich heiße Anna und Sie?«
»Thomas.« Aber bevor ich noch etwas hinzufügen konnte, schnitt mir das kehlige Auspuffbrummen mehrerer Motorräder, die die Straße herunterkamen, das Wort ab.
Sie sah in die Richtung, aus der der Lärm kam. »Hören Sie, ich will nicht dabei gesehen werden, wie ich mich mit Ihnen unterhalte.« Da war plötzlich ein Anflug von Unruhe in ihrer Stimme, als sie die Straße hinuntersah. »Seien Sie vorsichtig. Bull ist groß und gemein und er hat gute Freunde.«
Ich verstand. Ich zog noch schnell meine Visitenkarte aus meiner Jackentasche und reichte sie ihr. »Danke«, sagte ich. »Vielleicht kann ich Ihnen ja eines Tages mal einen Gefallen tun.«
Sie zögerte einen Moment, bevor sie sich die Karte schnappte und in das Lokal eilte. Die Tür war nicht verschlossen. Also war vielleicht doch schon jemand darin. Wenn ich nicht anderweitig beschäftigt gewesen wäre, hätte ich ihnen gesagt, dass sie endlich das verdammte Schild anschalten sollten.
Ich drehte mich wieder um, als drei Biker auf aufgemotzten Harleys auf den Parkplatz bogen. Alle drei trugen die typischen Biker-Klamotten, schmutzige Jeanswesten mit ihrem Klubnamen und eine Reihe weiterer Aufnäher mit kryptischen Symbolen. Diese Typen zählten sich zu den stolzen . Sie verachteten traditionelle Gesellschaftsformen und besaßen einen ausgeprägten Hass auf Gesetzeshüter.
Die Sorte kannte ich gut.
Die drei brachten ihre Maschinen nur wenige Zentimeter vor mir zum Stehen und drehten provokativ noch ein paar Mal die Motoren auf. Ich vermutete, der Lärm sollte mich einschüchtern. Ich blieb aber trotzdem ruhig sitzen und wartete. Nach ein paar Sekunden hörten sie mit dem Unsinn auf. Der Älteste von ihnen würgte seinen Motor ab und gab den anderen beiden ein Zeichen, seinem Beispiel zu folgen.
Einer von ihnen war dünn, drahtig, hatte einen langen schmierigen Kinnbart und die dunklen Augen eines Wiesels. Die anderen beiden waren etwas stämmiger. Der Ältere war vielleicht noch ein paar Zentimeter größer und ungefähr so alt wie ich, wog aber um einiges mehr. Etwas davon waren Muskeln, der Rest aber Fett. Wie die meisten älteren Biker schmückte ihn der standardmäßige Bierbauch. Spinnenweben-Tätowierungen zierten beide Ellenbogen, die in dicken, fleischigen Oberarmen mündeten. Auf einem davon zeichnete sich eine lange Narbe quer über dem Bizeps ab. Er trug einen breiten walross-artigen Schnurrbart, wie dieser Typ aus dem Fernsehen, der immer seine Söhne anschreit. Seine krumme Nase kündete von einigen Schlägereien, in die er in der Vergangenheit involviert gewesen war. Zumindest war das der Grund, warum meine schief war. Er schien derjenige zu sein, der hier das Sagen hatte, aber er war nicht der Grund, wieso ich hier war. Zumindest nicht der Hauptgrund.
Der, nach dem ich suchte, Bull, war der Größte von den Dreien. Knapp zwei Meter groß, gute hundertsechzig Kilo schwer und gebaut wie ein Football-Spieler. Irgendwie hatte ich so eine Vermutung, dass seine Persönlichkeit ihn davon abhielt, einen Mannschaftssport zu betreiben. Seine Arme waren mit Tätowierungen übersät und ausgehend von deren Umfang mussten dafür bestimmt vier Liter Tinte draufgegangen sein. Seine Beine erinnerten an Baumstämme und seine Biker-Stiefel mussten Übergröße haben. Ich warf einen schnellen Blick über den Parkplatz zu meinem Auto, um sicherzugehen, dass meine Verstärkung auch zusah.
Bull ließ sein Vorderrad gegen die blank gewienerte Spitze meines schwarzen Lackschuhes rollen. »Was zur Hölle hast du auf meinem Parkplatz verloren?«, knurrte er mich an.
Ich ergriff die Aktenmappe, setzte meinen besten entschuldigenden Gesichtsausdruck auf und erhob mich mit gespielter Nervosität von meinem Stuhl. »Ach du meine Güte, bitte entschuldigen Sie, aber ich war der Meinung, dass dieser Parkplatz für einen gewissen Robert Turnbull reserviert sei.« Der Älteste der drei Biker kniff misstrauisch die Augen zusammen. Wahrscheinlich hatte ihn meine Verwendung von Bulls...




