Ackermann | Das Geheimnis der Karawane | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 432 Seiten

Ackermann Das Geheimnis der Karawane

Roman
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-95824-029-2
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman

E-Book, Deutsch, 432 Seiten

ISBN: 978-3-95824-029-2
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Was vor langer Zeit geschah, wird zur tödlichen Gefahr: Rolf Ackermanns spannungsgeladener Roman 'Das Geheimnis der Karawane' als eBook bei dotbooks. Ein Geheimnis, das die Welt in ihren Grundfesten erschüttern kann ... Als der Abenteurer Peter Föllmer bei einem Freund in Kairo ankommt, ist dieser bereits tot - brutal ermordet. Offenbar wusste er zu viel über eine geheimnisvolle Landkarte, auf der die Route einer Karawane eingetragen sein soll, die im 15. Jahrhundert spurlos verschwand. Was ist damals geschehen? Und führten die Männer einst wirklich einen der größten Schätze der Menschheitsgeschichte mit sich? Peter beginnt, nach Antworten zu suchen. Dabei begegnet er der Äthiopierin Jahzara - doch diese schöne wie geheimnisvolle Frau bringt ihn in größte Gefahr ... Jetzt als eBook kaufen und genießen: 'Das Geheimnis der Karawane' von Rolf Ackermann. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Rolf Ackermann, geboren 1952 in Duisburg, ist ehemaliger Beamter eines deutschen Nachrichtendienstes, Journalist und Autor zahlreicher Sachbücher und Romane. Seine langjährigen Aufenthalte und Recherchen in Ostafrika inspirierten ihn zu »Weiße Jägerin«. Zudem begleitete er auch die ZDF-Filmproduktion »Momella - eine Farm in Afrika« über Margarete Trappes Leben in beratender Funktion. Rolf Ackermann lebt seit einigen Jahren in Namibia, wo er eine Hilfsorganisation für San ('Buschmänner') gegründet hat. Er beschäftigt sich intensiv mit den traditionellen Heilmethoden und Heilkräutern Afrikas. Die Website des Autors: www.rolf-ackermann-namibia.over-blog.de Ebenfalls bei dotbooks erschienen Die weiße Jägerin und Das Geheimnis der Karawane.
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Kapitel 2


Commissario Toscanelli war wütend. Er litt unter dem Spott seiner Kollegen, die in der Kajüte des kleinen Motorbootes standen und sich vor Lachen schüttelten. Aber er hatte nicht die Kraft, sich zu wehren. Mit aschfahlem Gesicht hing er über der Reling und übergab sich. Und das schon seit einer halben Stunde. Er fühlte sich so elend, dass er sich wieder einmal schwor, sich versetzen zu lassen. Seit sechs Monaten ging das schon so. Seit er aus seiner Heimatstadt Mailand hierher versetzt worden war, kämpfte er mit dieser elenden Übelkeit, die ihn schon überkam, wenn er auch nur ein Boot betrat. Und das musste er eigentlich jeden Tag. Denn Dienst in Venedig hieß Dienst auf dem Wasser. Selbst in seiner Freizeit kam er an dem ihm längst verhassten Meer und den Booten nicht vorbei. In der Lagunenstadt führten alle Wege übers Wasser: Kanäle, Buchten, selbst das offene Meer gehörte zu seinem Dienstbereich.

Als Leiter des Kommissariats für Kapitalverbrechen hatte ihm seine Neigung, sich übergeben zu müssen, mittlerweile den wenig schmeichelhaften und in mancherlei Hinsicht zweideutigen Beinamen »der Großkotzige« eingebracht. Ein Spottname, den inzwischen jeder Carabinieri in Venedig kannte – und bedauerlicherweise auch einige Leute der Unterwelt. Es war ihm durchaus bewusst, dass einige seiner Kollegen mit diesem Namen nicht nur seine Seekrankheit meinten. Sie hatten nicht gerade ein Faible für Beamten aus anderen Regionen Italiens. Dabei machte es ihm nichts aus, dass sie ihn nicht mochten, weil er kein Venezianer war. Auch nicht, dass er wegen seiner perfekten Laufbahn und des für seine gerade mal 38 Jahre auffällig hohen Dienstranges permanent von Neidern aufgezogen wurde. Er selbst wiederum empfand die Venezianer als sehr arrogant.

Die neue Politik des Innenministeriums im Kampf gegen die Mafia, gegen Korruption und das organisierte Verbrechen setzte vermehrt Polizisten aus anderen Regionen in den Städten ein, und sie zeigte bereits erste Erfolge. Mafiöse Strukturen bauten in Italien von jeher auf familiären Bindungen auf. Korruption fand dort einen optimalen Nährboden, wo jeder jeden kannte und man sich zudem noch familiär verpflichtet fühlte, sich gegenseitig Gefallen zu erweisen. Dieses System zu unterhöhlen, war Ziel des neuen Innenministers. Und deshalb war er, Franco Toscanelli, von Mailand nach Venedig versetzt worden.

Seiner Laufbahn, dessen war er sich sicher, würde das zum Vorteil gereichen. Seinem körperlichen Wohlbefinden war diese Versetzung allerdings extrem abträglich. Er übergab sich fast jeden Tag mindestens ein Mal. Essen war längst ein Reizthema für ihn geworden. Seit seiner Ankunft hatte er bereits vier Kilo abgenommen. Seine Frau hatte ihn, sehr zu seinem Verdruss, erst gestern wieder schnippisch gefragt, welches Fischfutter sie zum Essen einkaufen solle. Was sie heute zum Frühstück aufgetischt hatte, verteilte er soeben wieder in der Lagune.

Das Polizeiboot sprang wie ein flacher, von Hand geworfener Kieselstein über die Wellen. Das Blaulicht hob sich bizarr gegen den wolkenverhangenen Morgenhimmel ab. Es war ein ruhiger Frühdienst gewesen bis zu diesem Anruf, der ihn zu einer Fahrt hinaus in die Lagune zwang, wo der Wellengang erfahrungsgemäß noch viel schlimmer als in den Kanälen der Stadt war.

Ein Gewitter zog vom Meer her auf. Windböen verursachten weiße Gischtkämme. Ein Blick zu dem aufziehenden Unwetter ließ ihn Schlimmes ahnen.

»Ich werde elendig krepieren, mir die Seele aus dem Leib kotzen und im Gesicht bald so grün sein wie die Galle, die ich speie«, keuchte er gegen den Fahrtwind.

Sein Funkgerät blinkte auf. Er wischte sich mit einem Taschentuch den Mund ab und stöhnte: »Pronto … Commissario Toscanelli …! Dove? Non, non, das muss ein Irrtum sein! Wir sind doch schon auf dem Wege nach Burano. Was? Nach Murano? Nein, ich sagte doch, wir sind auf dem Weg nach Burano – mit B –, zu der Leiche im Kloster! Wie bitte? Murano, sagen Sie? Ach, das ist doch Unsinn, bestimmt eine phonetische Verwechslung. Die meinen Burano. Ja, ein Mönch in Burano! Äh, wie meinen Sie das? Ein toter Mönch in Murano? Noch ein toter Mönch?«

Commissario Toscanelli war verwirrt. Erst hatte sie der Abt eines Klosters informiert, dass dort ein Mann umgebracht worden war. Und angeblich gab es nun noch einen toten Mönch, in Murano. Nach einem kurzen Disput mit dem jungen Polizisten, der das Boot steuerte und ebenso von einem Missverständnis ausging, heulte der Dieselmotor des Einsatzschiffes auf. Das Boot flog über die Wellenkämme. Commissario Toscanelli hatte entschieden, zunächst zu dem Kloster zu fahren und dann zurück nach Murano. So weit auseinander lagen beide Orte nicht. Vielleicht zehn, fünfzehn, höchstens aber zwanzig Minuten mit dem Boot. Zuvor mussten sie allerdings noch einen Kollegen in Treporti abholen, was einen Umweg bedeutete.

»Tot sind sie sowieso alle beide«, murmelte er und verspürte ein höchst eigentümliches Gefühl in der Bauchgegend, das nichts mehr mit seiner Seekrankheit zu tun hatte. Zwei tote Mönche an einem Tag. Was für ein ungewöhnlicher Zufall! Vielleicht war es auch kein Zufall.

Nebelbänke verhüllten die kleine Insel gegenüber Treporti, aus dem sich einzelne Gebäude schemenhaft gegen den bedrohlich wirkenden Himmel abhoben. Die Insel mit dem Kloster sah aus wie ein kitschiges Postkartenidyll: Zypressen überthronten mehrere anheimelnde Bruchsteingebäude mit roten Ziegeldächern, und der weiß getünchte Kirchturm ragte wie ein mystischer Wegweiser in den dunklen Himmel.

Sein venezianischer Assistent, der junge Pietro Taricani, trat zu ihm an den Bug des Schiffes. »Sieht so aus, als könne man hier geruhsamen Urlaub machen: weit weg von der quirligen Stadt, von der Lagune umspült und nur mit dem Boot erreichbar. Wer hier lebt, will seine Ruhe haben.«

»Waren Sie schon mal hier?«, fragte Commissario Toscanelli und bemühte sich, nicht mehr seekrank zu wirken.

»Nein, noch nie. Ich weiß nur, dass auf dieser winzigen Insel einige wenige Mönche vom Franziskanerorden leben. Es ist schwierig, zur Insel zu gelangen. Das Wasser der Lagune ist hier ziemlich niedrig. Überall sind kleine Sandbänke und sumpfige Schilfgrasinseln. Zu Fuß erreicht man die Insel nicht und mit einem zu großen Boot auch nicht. Und bei Ebbe geht gar nichts mehr. Die Leitstelle hat deswegen empfohlen, dass wir nach Burano fahren und dann die mit Holzpfosten markierte Fahrrinne benutzen sollen. Dieses Kloster ist eine Festung.«

»Ist das da drüben Burano?«, wollte Commissario Toscanelli wissen und wies auf einen extrem schiefen Kirchturm östlich der Klosterinsel hin.

»Ja, das ist Burano. Der Kirchturm ist fast genauso schief wie der Turm von Pisa. All diese Orte hier draußen auf den Inseln sind auf Sand gebaut. Kein Wunder, dass so hohe Gebäude wie der Kirchturm im Laufe der Jahre in Schräglage geraten.«

»Sieht nett aus, dieses Burano«, sinnierte der Commissario, während das Boot in einem weiten Bogen die Klosterinsel umrundete und schließlich an den blau-gelb-grün getünchten Häusern des Ortes vorbei langsam auf das Kloster zusteuerte. Sie fuhren in dem seichten Wasser extrem langsam, stets an den mit Nebellampen bestückten Markierungspfosten entlang. Noch immer waren von dem Kloster nur die Ziegeldächer und der schlanke Kirchturm zu sehen. Plötzlich riss der Nebel auf. Am Ende der schmalen Fahrrinne, die auf ein Bruchsteingebäude zuführte, waren zwei Männer in braunen Kutten zu sehen. Der ältere Mönch hatte eine Halbglatze und einen gestutzten Kinnbart und schien ziemlich aufgeregt zu sein. Der andere war noch sehr jung und leichenblass. Beide warteten mit vor der Brust gefalteten Händen am Pier und starrten Commissario Toscanelli entgegen.

»Guten Tag, Pater«, grüßte er den Älteren und nickte in Andeutung seines Respekts dem Jüngeren zu. »Ich bin Commissario Franco Toscanelli. Das hier ist mein Assistent, Pietro Taricani. Ich bedaure zutiefst, diesen malerischen Ort aus so einem unangenehmen Anlass zum ersten Mal zu besuchen.«

Der Mönch mit dem Kinnbart, von dem er vermutete, dass es der Prior des Klosters war, verbeugte seinen Oberkörper dezent. »Schrecklich! Es ist furchtbar, Commissario! Ein Mord in diesen altehrwürdigen Gemäuern des heiligen Franz von Assisi! Wir sind zutiefst entsetzt! Ach so, ja, ich bin der Prior des Klosters. Entschuldigen Sie bitte, dass ich vergaß, mich vorzustellen. Was für ein grauenhaftes Verbrechen! Noch grauenvoller ist, dass die Leiche die ganze Nacht über hier hat liegen bleiben müssen. Bei Ebbe und dichtem Nebel, so wie in der letzten Nacht, sind wir nun mal nicht erreichbar. Eine schreckliche Nacht war es! Kein Auge habe ich zugemacht! Nicht mal das Telefon hat funktioniert. Und dann auch noch der spurlos verschwundene Bruder Elias. Wir alle sind mit unseren Nerven am Ende«, stammelte er, während er zielstrebig über den Kiesweg auf eine Tür des Hauptgebäudes zueilte.

Nach wenigen Minuten befand sich der Commissario im Betsaal des heiligen Franziskus. Ein schlichter Altar mit einer Statue der Jungfrau Maria dominierte den Raum. Über einer Nische in der rechten Bruchsteinmauer stand in großen Buchstaben: »Hic Est Locus Ubi Oravit Seraphicus Francisco«. Der Nebenraum ließ sich nur durch einen schmalen Zugang betreten. Ein vergittertes Fenster war neben der Tür in die Mauer eingelassen. Davor stand eine kleine Holzbank, von der aus die Gläubigen beim Beten durch die Gitter hindurch die Statue des Heiligen betrachten konnten.

Beim Anblick des toten Mannes, der dort mit dem Rücken gegen die Statue gelehnt lag, spürte der Commissario erneut Übelkeit aufkommen. Der Geruch des Erbrochenen auf dem Hemd der Leiche...



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