E-Book, Deutsch, 388 Seiten
Adam Geh zum Teufel, mein Engel
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7431-7082-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
heiterer Roman aus den 80er Jahren
E-Book, Deutsch, 388 Seiten
ISBN: 978-3-7431-7082-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Als das Autorenteam Tim Küppers und Tobias Wunderlich ein neues Musical in Angriff nehmen will, gehen ihre Frauen, um die Männer nicht bei ihrer Arbeit zu stören, auf Weltreise und lassen die Herren allein mit Haushalt und Kindern. Und schon hält das Chaos bei ihnen Einzug. Eine heitere Geschichte aus Hessen, in der ein Gag den nächsten jagt. Aber das kennt man ja von den über 300 Liedern des Autos, die er mit seinen Micky´s in über 40 Jahren herausgebracht hat.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1.
Ich saß, damals im Jahre 1986, am Flügel und komponierte. Außer und war mir bisher leider nichts eingefallen. Bedauerlicherweise waren diese Notenfolgen samt den dazugehörigen Akkorden aber schon vergeben. Andere hatten Millionen damit verdient; verdienten sie immer noch. Oder ihre Erben; denn Melodien sind geschützt. Bis siebzig Jahre nach dem Tod des Urhebers können Leute, die nie etwas mit der Entstehung von Kompositionen zu tun hatten und vielleicht nicht einmal Noten lesen können, abkassieren. So stand es im Urhebergesetz.
Ich hatte also keine Chance, meine Einfälle, die eigentlich gar nicht meine waren, zu verwenden. Die GEMA würde Protest einlegen. Da saßen offenbar Experten, die sich mit Melodien auskannten. Die hatten mir einmal nachgewiesen, dass mein Lied Note für Note mit dem Titel übereinstimmte. Ich hatte diesen Song, als ich schrieb, nicht gekannt. Ehrenwort. Trotzdem glichen sich die beiden Kompositionen wie ein Ei dem anderen. Nur im Rhythmus hatten sie sich etwas unterschieden. Ich hatte mein Lied umkomponieren müssen. Nun hatte es wie das Kirchenlied geklungen. Aber das war dann keinem mehr aufgefallen. Mit Kirchenliedern hatten die GEMA-Experten offenbar nicht viel am Hut.
Nun ja, es gibt eben nur sieben Töne plus Zwischentöne. Auch andere Komponisten - größere als ich - haben sich schon beklaut. Man muss manchmal nur etwas genauer hinhören, dann weiß man plötzlich, warum einem diese schöne Melodie so bekannt vorgekommen ist. Weil man sie längst von woanders kannte.
Ich komponierte gerade neu nach der alten Melodie, als die Tür zu meinem Arbeitszimmer aufgerissen wurde und Pam, mein mir vor Gott und der Welt angetrautes weibliches Wesen, ins Zimmer stürmte.
"Ihr beabsichtigt also, ein neues Musical zu schreiben?", plärrte sie mich ohne lange Vorrede an und rümpfte ihre süße, kleine Stupsnase. "Dies bedeutet mit anderen Worten, dass ich für mindestens ein halbes Jahr keinen Mann haben werde; dass mein innigstgeliebter Göttergatte vom frühen Morgen bis in die späte Nacht mit seinem Freund Tim Küppers zusammensitzen und blödsinnige Gags aushecken wird; dass es für mich und meine Familie weder Sonn- noch Feiertage geben wird; dass mein keuscher Körper sich umsonst nach Liebe sehnt, weil mein Herzallerliebster nachts viel zu müde sein wird, um sein Weibchen in die Arme zu nehmen und das zu tun, was als Ehemann seine Pflicht wäre. Von der Kür ganz zu schweigen. Mit einem Satz: Ein Scheißleben!"
Wenn sie solche ordinären Wörter benutzte, wurde es ernst; denn unter normalen Umständen befleißigte sie sich nie einer solchen Ausdrucksweise. Das ließ ihre gute Erziehung nicht zu. Jetzt aber...! Ich sah Gewitterwolken an unserem Ehehimmel aufziehen; dicke, düstere Gewitterwolken. Und das alles nur, weil ich ein bisschen Geld verdienen wollte. Verstehe einer die Weiber!
Oder führte sie am Ende etwas im Schilde? Gehörte ihre Aggressivität zu einer Art Taktik, mir Gewissensbisse einzujagen, um dann mit etwas ganz anderem herauszurücken? Eventuell mit der Forderung nach dem süßen Kleidchen, das sie bei in Frankfurt im Schaufenster hatte hängen sehen? Oder die Halskette, deren Preis bei mir Schwindelanfälle auslöste? Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass sie auf diese Weise vorging.
Bei mir begannen Alarmglocken zu schrillen; Sirenen wie kurz vor einem Atomangriff aus Liechtenstein..
Pam hatte ihre kleinen Hände, die so ungemein zärtlich sein konnten, in die Hüften gestemmt und funkelte mich mit ihren giftgrünen Augen an wie eine griechische Rachegöttin. Ihr hübsches Gesicht hatte sich hässlich verzogen und erinnerte mich irgendwie an die afrikanische Maske, die wir von unserem letzten Urlaub in Ostafrika mitgebracht hatten.
Diesen Urlaub hätten wir uns eigentlich gar nicht leisten können, weil Ebbe in unserer Kasse herrschte. Ich hatte ihn trotzdem genehmigt, weil ich eine liebenswerte Bank hatte, die Überziehungen des Girokontos gegen gute Zinsen großzügig erlaubte und ja auch noch die Erbschaft von Tante Adelheid, die etwa achtzig sein musste, ins Haus stand. Leider - nein, nicht leider, sondern Gott sei Dank - war diese Dame immer noch sehr rüstig und wenn ihr nicht ein Hohlblockstein auf den Kopf fiel, würden wir auf ihr Ableben noch lange warten müssen. Ich gönnte es ihr von Herzen. Trotz Ebbe in der Kasse. Und vielleicht erbten wir auch gar nichts von ihr, weil es noch etliche andere gab, die ebenfalls hungrig auf ihre Hinterlassenschaft waren. Tante Adelheid schied also vorerst in meiner Finanzplanung aus.
"Wir brauchen aber unbedingt wieder mal Geld", brachte ich die Sache verzagt auf den Punkt. "Die Tantiemen für unser letztes Stück fließen immer spärlicher. Einen Hit habe ich momentan auch nicht. Also wird es höchste Zeit, dass wir wieder etwas Neues bringen. Du weißt, wie es in unserer Branche ist: So schnell, wie man oben ist, ist man auch wieder unten."
Pam musterte mich kühl vom Scheitel bis zur Sohle und ließ sich mir gegenüber in einem Sessel nieder. Sie nahm mit spitzen Fingern eine Zigarette aus der goldenen Dose, die auf dem niederen Couchtisch stand, zündete sie an und blies den Rauch in kleinen Kringeln an die frisch tapezierte Decke.
In ihrem Zorn wirkte sie noch hübscher als sonst. Und wütend war sie jetzt ohne Zweifel. Zumindest tat sie so. Ich wartete jeden Moment darauf, dass sich ihre blonde Kurzhaarfrisur wie das Fell einer Katze, die Probleme mit einem Hund hat, aufrichtete.
Pam, die eigentlich Pamela hieß, aber von keinem je so genannt worden war, war mit ihren einunddreißig Jahren immer noch ein verdammt hübsches Weibchen. Wobei eigentlich eine Frechheit war; denn mit dreißig fing das Leben für eine Frau doch gerade erst so richtig an, habe ich mir sagen lassen Und endete heutzutage auch mit vierzig oder fünfzig noch lange nicht.
"Doch", dachte ich und musterte meine bessere Hälfte verstohlen. "Man kann als ihr angetrauter Ehemann unbedingt stolz auf dieses Prachtstück von einem Weib sein. Ihre Figur" - ich schnalzte in Gedanken lustvoll mit der Zunge - "einfach hinreißend: Ihre beachtliche Oberweite, stramm und griffig, die schmale Taille, der süße Po, die schlanken, langen Beine und so weiter... und so weiter...! Ein weibliches Wesen wie aus dem Bilderbuch. An dieser Tatsache haben auch unsere beiden Kinder nichts geändert, die wir zusammen fabriziert haben."
Haben Sie's gemerkt? Ich war immer noch verliebt in meine Frau. Ehrlich. Verliebt wie am ersten Tag - und das war schon eine ganze Weile her. Dreizehn Jahre. Dreizehn herrliche, abwechslungsreiche Jahre, in denen allerdings manchmal auch verschiedene Blumenvasen geflogen waren. Gott sei Dank haben sie nicht immer getroffen. Mein Weibchen zielte zum Glück schlecht.
Auch jetzt schaute ich mich wieder ängstlich um, ob nicht irgendwo in ihrer Nähe ein Wurfgeschoß herumstand, das sie mir an meinen Künstlerkopf werfen konnte. Ich musste unbedingt auf die kostbare Meißener Porzellanfigur achten, die ich irgendwann einmal als Anerkennung für irgend etwas erhalten hatte. Sie gehörte neben etlichen Platin- und Goldschallplatten zu den Prunkstücken meiner diversen Auszeichnungen, die ich in meinem Arbeitszimmer aufgereiht hatte. Pams Hand trommelte in gefährlicher Nähe dieser Kostbarkeit auf dem Tisch herum. Und wenn sie trommelte...! Ich kannte das.
"Die Tantiemen fließen also spärlicher?", fragte sie mit einem maliziösen Lächeln.
Ich nickte.
Obwohl sie mehr als einen Kopf kleiner war als ich und auch gewichtsmäßig nur knapp die Hälfte von mir auf die Waage brachte, kam ich mir in diesem Augenblick klein und unscheinbar wie ein Däumling vor. Madame hatten geruht, die Hosen anzuziehen. Das Gegenteil wäre mir lieber gewesen!
"Hättest du einen ordentlichen Beruf gelernt", fauchte sie, "könntest du jeden Monat dein geregeltes Gehalt in Empfang nehmen. Und wir müssten nicht immer zitternd warten, ob eines deiner Stücke angenommen wird oder nicht."
"Es ging uns doch bis jetzt gar nicht so schlecht", warf ich schüchtern ein. "Ich hatte einige große Erfolge. Denk nur an die ! Davon haben wir uns unser Haus hier in Mainstetten gebaut. Ganz zu schweigen von meinen Schlagern. In jeder Hitparade sind sie zu..."
"Waren sie", unterbrach mich Pam gehässig.
"...zu finden", ergänzte ich meinen begonnenen Satz verdrießlich und fuhr fort: "Na schön, momentan läuft es nicht so gut. Der Geschmack der Leute hat sich geändert. Aber irgendwann kommt meine Zeit wieder. Verlass dich drauf."
"Mag sein", räumte Pam ein und schlug aufreizend ihre hübschen Beine übereinander. "Trotzdem stinkt es mir gewaltig, oft wochenlang auf meinen Mann verzichten zu müssen. Ich bin noch relativ jung und sehne mich hin und wieder nach...




