Adams / B. Patten / Dörge | BRANDZEICHEN DER GEWALT | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 553 Seiten

Adams / B. Patten / Dörge BRANDZEICHEN DER GEWALT

Drei Western-Romane US-amerikanischer Autoren auf über 700 Seiten!
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7487-5834-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Drei Western-Romane US-amerikanischer Autoren auf über 700 Seiten!

E-Book, Deutsch, 553 Seiten

ISBN: 978-3-7487-5834-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Shorty Gibbs hat Glück im Unglück: Bei einem Überfall wird der kleine, zähe Postreiter angeschossen und schwer verletzt. Pferd und Postsack sind verschwunden, aber Shorty kann sich noch bis zur Stadt schleppen... Lane Sauer sucht in Saguaro nach seinem Bruder. Doch sein Empfang in dieser Stadt ist alles andere als freundlich. Man geht ihm aus dem Weg und stiehlt ihm das Pferd. Warum steht man ihm so feindselig gegenüber? Lane versucht hinter das Geheimnis zu kommen - und hat die ganze Stadt gegen sich... Carmack schien eine Stadt wie jede andere im Westen zu sein. Aber Steve Garrison tat dort gut daran zu vergessen, dass er das Gesetz vertreten muss... Die von Christian Dörge zusammengestellte und herausgegebene Sammlung Brandzeichen der Gewalt enthält drei ausgesuchte und klassische Spitzen-Romane US-amerikanischer Autoren, perfekten Lesestoff also für alle Western-Fans und Leser der Reihe APEX WESTERN: Ein Mann und ein Revolver von Clifton Adams, Kein Gott in Saguaro von Lewis B. Patten sowie Brandzeichen der Gewalt von Harry Whittington.

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  Clifton Adams: EIN MANN UND EIN REVOLVER (Shorty)
        Erstes Kapitel     Shorty Gibbs hatte seine Augen fest geschlossen. Er befand sich an der Grenze der Bewusstlosigkeit und versuchte zu erraten, wo er war. War es eine Gefängniszelle? Eines von jenen knapp zwei Quadratmeter großen Löchern in irgendeiner namenlosen Trailstadt? Dann würde es keineswegs der fremdeste Ort sein, an dem er jemals erwacht war... Aber Moment mal, er hatte sich doch schon im Jahre ?85 vom Trail zurückgezogen – oder war es bereits ?84 gewesen? Sein Gedächtnis arbeitete nicht so richtig. Er hatte Kopfschmerzen, dann noch diesen seltsamen Geschmack im Mund und das merkwürdige Rumoren in seinen Eingeweiden. Seine Gedanken begannen träge herumzuwandern. Ein Erinnerungsfetzen an seine Zeit in Caldwell tauchte auf. Da hatte ein rothaariges Saloonmädchen im Namen von Brickyard Floyd... Zum Teufel, dachte er, das war vor fünf, sechs Jahren!  Tatsache war, dass Shorty Gibbs ein bisschen Angst hatte, die Augen zu öffnen – der Himmel mochte wissen, was es zu sehen gab. Vielleicht blickte er mitten ins Höllenfeuer, und vor ihm stand ein bocksfüßiger Gentleman mit Hörnern, der einen roten Frack trug und mit einer dreizinkigen Gabel herumschwirrende Seelen in die Glut warf. Er stellte sich allen Ernstes die Frage, ob er noch am Leben war. Endlich wurden seine Gedanken ein wenig elastischer. Er hatte die alte Mobeetee Road verlassen und war in nordöstliche Richtung geritten in der Hoffnung, seinen Postbotenritt noch vor Sonnenuntergang in Hardrow beenden zu können. Sein Pferd musste in ein Fuchsloch getreten haben, denn Shorty erinnerte sich, dass er wie eine Kanonenkugel durch die Luft geflogen war. Schon der Gedanke daran ließ ihn zusammenzucken. Fuchslöcher und sonstige Überraschungen bei Wegabkürzungen – so sah die Versicherung eines Reiters gegen ein hohes Alter aus. Eine krächzende Stimme sagte gereizt, und so, als habe sie es schon einige Male gesagt: »Leben Sie noch, Mister?« Vorsichtig öffnete Shorty ein blutunterlaufenes Auge und entgegnete heiser: »Weiß ich im Augenblick nicht genau...« Er betrachtete mit einem Auge das lederartige, bärtige Gesicht seines Gastgebers und fragte schließlich: »Können Sie mir vielleicht verraten, wo ich bin, Alter?« Der alte Mann zuckte gleichmütig die Achseln. »Auf meinem Wagen«, antwortete er dann, »und da haben Sie gelegen, seit ich Sie hinaufgepackt habe.« »Und wo habe ich vorher gelegen?« Der Alte musterte ihn nachdenklich. »Nun, ich habe Sie im Süden entdeckt«, murmelte er, »nicht sehr weit vom Gyp Creek entfernt.« »Haben Sie nirgendwo mein Pferd, einen Scheckwallach, gesehen?« »Nicht die Spur.« Der Alte drehte den Kopf und spie durch einen Schlitz in der Wagenplane. Was war aus dem Wallach geworden? Auf drei Beinen konnte er nicht weit gelaufen sein. »Und wann haben Sie mich gefunden?«, erkundigte sich Shorty. Der Mann kratzte seine Bartstoppeln. »Vor drei Tagen, wenn ich mich nicht irre.« Drei Tage! Shorty riss jetzt auch das andere Auge auf. »Stimmt das?«, fragte er. »Ein paar Stunden mehr oder weniger.« Shorty war beunruhigt, aber der Alte zeigte sich nicht im mindesten beeindruckt. Er stützte seine Hände auf und versuchte, seinen Körper in die Höhe zu drücken. Doch er kippte nur gegen die Seitenwand des Wagens. »Haben Sie wenigstens etwas von meiner Ausrüstung gesehen?«, keuchte er. »Postsack, Gewehr, Satteltasche?« »Nicht die Spur.« Der Alte saß hinten im Wagen, und seine Haltung verriet, dass er seine Arbeit offenbar fortsetzen wollte. Nach dem scharfen Geruch des ganzen Wagens zu urteilen, musste er sich mit Schafen beschäftigen. »Ich habe nur Sie gesehen, weiter nichts«, fügte er hinzu. »Sie stolperten am Ufer entlang wie ein Comanche, der Bauchweh hat.« Shorty blinzelte und stützte sich auf die Ellenbogen. »Ich lief herum?« Er konnte das kaum glauben. »Wie ich’s sagte. Natürlich hatte die Kugel Ihren Skalp angeritzt. Sie bluteten auch nicht schlecht...« »Kugel?« »Sie hatten eine Kugel abbekommen, als ich Sie fand«, sagte der Alte, langsam ungeduldig werdend. »Die Kugel zog Ihnen ?nen Scheitel – und vielleicht waren Sie deshalb ein bisschen durcheinander.« Vor Shortys Augen begann sich alles zu drehen. Er ließ sich zurücksinken und versuchte, seine Gedanken zu ordnen. Eine schöne Bescherung, dachte er angewidert. Aber damit musste wohl jemand rechnen, der Viehtreiber gewesen war und dann einen soliden Beruf ergriffen hatte. Einfach aus dem Sattel geschossen! Da hätte ich lieber bei den Rindern bleiben sollen...  Andererseits waren die Tage der großen Rindertrails gezählt; das hatte Shorty schon vor drei Jahren eingesehen, als er den Entschluss fasste, sich in Hardrow nach einer anderen Beschäftigung umzusehen. Und jetzt hatte jemand auf ihn geschossen. Zum Teufel, wer hatte es darauf angelegt, einen so liebenswerten, gutmütigen, hilfsbereiten Gentleman wie Shorty Gibbs ins Jenseits zu befördern? Sofort kamen ihm ein paar hässliche Antworten in den Sinn – sollte er am Ende doch nicht so liebenswert und gutmütig sein, wie Shorty es sich persönlich vorstellte? Ein niederträchtiger Gedanke... Tatsächlich hatte er zu seiner Zeit einigen Leuten recht unsanft auf die Füße getreten. Man nannte ihn ein Pulverfass mit kurzer Zündschnur, und das galt besonders dann, wenn er sich einige Whiskeys einverleibt hatte. Zugegeben, er hatte hin und wieder jemandem einen kleinen Knuff versetzt – aber musste man ihn deswegen gleich umbringen? In seiner leichtsinnigen Vergangenheit war ihm mehr als einmal zumute gewesen, als müsse er einigen zu groß geratenen Herren mit dem Revolverkolben auf den Kopf schlagen, damit sie ein wenig kleiner wurden. Doch wer nahm sich das so zu Herzen, dass er sich noch nach fünf Jahren an ihm rächen wollte? Das konnte es nicht geben. Oder doch? Da war jener Spieler in Wichita gewesen – irgendein Streit wegen eines langbeinigen Saloonmädchens, an dessen Namen Shorty sich nicht sofort erinnern konnte. Oder jener Revolverheld in Dodge, der, wie es sich herausstellte, nicht so schnell war, wie die Leute das von ihm behauptet hatten. Shortys Kugel hatte ihm die Kniescheibe zertrümmert, und seitdem lief er mit einem steifen Bein herum, wie Shorty zu Ohren gekommen war. »Junge, Sie sehen sehr schlecht aus«, sagte der Alte. »Sollten noch ein wenig die Augen zumachen.« Damit stieg er vom Wagen. Shorty hörte in einiger Entfernung Schafe blöken. Das hat mir mitten in einem Rinderland gerade noch gefehlt, dachte er mürrisch. Ein Schäfer mit einer Schafherde!    Das erste Licht der Morgendämmerung kroch über die Prärie. Shorty erwachte langsam; in seinem Magen rumorte es. Er erinnerte sich trübe, etwas Fleischbrühe getrunken zu haben, die ihm der Alte von Zeit zu Zeit eingeflößt hatte. Immerhin waren fast vier Tage vergangen, seit sein Magen zum letzten Mal kompakte Nahrung verdaut hatte. Die Morgensonne sah wie ein goldener Dollar aus, wenn man sie durch die Öffnung der Wagenplane betrachtete. Shorty richtete sich mit großer Anstrengung auf. Ich muss hier ?raus, dachte er, nach Hardrow zurückreiten und den Leuten sagen, was passiert ist. Vermutlich wird man über den verlorenen Postsack viel Aufhebens machen, aber daran ist nun mal nichts zu ändern.  »He, Alter!«, rief er mit heiserer Stimme. Der Mann erschien am hinteren Ende des Wagens, schob die Plane weiter zurück und sagte: »Ich heiße übrigens Seth Bohannan. Ich denke, wenn Sie schreien können, dann können Sie mich auch beim Namen nennen.« Shorty nahm diesen Vorwurf mit wenig Feingefühl zur Kenntnis. »Ich muss nach Hardrow. Können Sie mir ein Pferd leihen?« »Ein Pferd? Nein.« Bohannan war ihm beim Absteigen behilflich und lehnte ihn an das Wagenrad. »Das da ist Mary Ann«, sagte er und deutete auf einen Maulesel, der in der Nähe des Wagens angepflockt war. »Aber an einen Sattel hat sie sich nie so recht gewöhnen können.« Shorty seufzte. Einen Sattel hatte er sowieso nicht – der Scheck war damit davongaloppiert und er war sicher, dass der alte Schäfer gar keinen Sattel besaß. »Kennen Sie den Burschen, der es auf Sie abgesehen hatte?«, fragte der Alte. »Ich weiß nicht mehr als Sie, Bohannan. Und meinen Postsack haben Sie nirgendwo gesehen?« Der Alte stieß einen ungeduldigen Schnauflaut aus. »Ich habe weder Ihren Postsack noch Ihren Gaul gesehen. Wenn Mary Ann einverstanden ist, kann ich sie Ihnen bis Hardrow ausleihen.« Er schien die Rolle des barmherzigen Samariters nicht mehr gern weiterspielen zu wollen. Ein Schäfer hatte in einem Rinderland genügend eigene Probleme. Shorty sah den Alten von der Seite an, als er die Tiere betrachtete, die das spärliche Gras in einer Mulde rupften. Das bärtige Gesicht hatte einen grimmigen Zug, und Shorty fragte sich flüchtig, ob dieser Mann sich möglicherweise nicht nur mit Schafen, sondern auch mit anderen Dingen beschäftigte. Bohannan nahm einen Topf vom Feuer, löffelte Schmorfleisch auf einen verbeulten Blechteller und gab ihn Shorty. »Essen Sie das«, sagte er. »Damit wird Ihr Magen bis Hardrow zu tun haben.« Shorty beäugte misstrauisch die Fleischstücke. »Was ist denn das?«, fragte er. »Lammfleisch?« Bohannan sah ihn entrüstet an. »Ein...



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