E-Book, Deutsch, Band 1, 134 Seiten
Reihe: Fear Me
Adams Fear Me
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7502-2239-7
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1, 134 Seiten
Reihe: Fear Me
ISBN: 978-3-7502-2239-7
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Melody Adams lebt mit ihrem Lebensgefährten und Kindern in Bijilo, The Gambia (West Afrika) Sie schreibt gefühlvolle und erotische Liebesromane. Vom Historical bis zu Science Fiktion ist so ziemlich alles vertreten. Dabei legt sie vor allem Wert auf glaubhafte Charaktere und spannende Handlung.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1
Nicolo
Andrea Ferretti sah mit panisch geweiteten Augen zu mir auf. Er hatte Angst. Ich wusste, dass er kurz davor stand, sich in seine Hosen zu pissen. Tony stand hinter ihm, eine Hand auf die Schulter des fetten Mannes gelegt. Er hatte ein gemeines Grinsen auf den Lippen. Tony war ein Sadist. Er war schlimmer als ich es je sein könnte. Wenn ich jemanden zum Reden bringen musste oder einschüchtern wollte – Tony war der Mann. In meinen Kreisen nannte man ihn den Chirurgen. Tony hatte tatsächlich medizinische Ausbildung, weswegen er genau wusste, wo er zu schneiden hatte und wie tief, um ein Maximum an Schmerz zu erreichen, und gleichzeitig den ‚Patienten’ möglichst lange am Leben zu erhalten.
„Nun, Andrea. Ich frage dich noch einmal. Wann. Bekomme. Ich. Mein. Geld?“
„Ich ... ich hab ... hab einen Deal am ... am Laufen, Ni-nicolo. Wenn ... wenn ich de-den in der Ta-tasche hab, da-dann be-bekommst du zw-zwei Raten a-auf einmal.“
Ich nahm mir einen Stuhl und schob ihn dicht vor Andrea Ferretti hin, mit der Rückenlehne zu ihm zeigend, und setzte mich rittlings darauf, meine Arme auf der Lehne verschränkend. Ich sah Ferretti an, doch der wendete hastig seinen Blick ab und starrte auf seinen Schoß, wo sich ein nasser Fleck auszubreiten begann.
Ich wusste doch, der Fette würde sich in die Hosen machen, dachte ich angewidert.
Ich ignorierte den beißenden Uringeruch. Ich hatte in meinem Leben Schlimmeres gerochen als Pisse.
„Sieh! Mich! AN!“
Ferretti wimmerte, gehorchte jedoch.
„Wann findet dieser Deal statt?“
„A-am Sa-samstag.“
„Und woher weiß ich, dass du mich nicht schon wieder hinzuhalten versuchst?“
„I-ich schw-wöre, i-ich werde di-dich ni-nicht hi-hinha-halten.“
„Sag, Andrea, bin ich bekannt dafür, dass ich geduldig und verständnisvoll bin? Hmm?“
Ferrettis Augen weiteten sich vor Angst. Er schüttelte den Kopf.
„Ich kann dir keinen Aufschub geben, wenn ich keine – Versicherung habe, dass du dein Wort halten wirst. Das verstehst du doch, nicht wahr?“
Ferretti nickte. Tränen traten aus seinen Augen, als er mich flehentlich ansah.
„Bitte. I-ich schw-wöre beim Leben mei-meiner Tochter, i-ich wer-werde zahlen.“
Ein breites Lächeln glitt über mein Gesicht. Mir war gerade eine perfekte Idee gekommen, wie ich versichern konnte, dass Ferretti wie vereinbart zahlte.
„Deine Tochter. – Du liebst deine Tochter, nicht wahr?“
Entsetzen zeigte sich auf Ferrettis Gesicht, als er begriff worauf ich hinaus wollte.
„Bitte. Tu mei-meiner To-tochter nichts. Sie ha-hat nichts da-damit zu-zu tun.“
„Wann kommt deine Tochter nach Hause?“
Ferretti schüttelte heftig den Kopf. Er wollte es mir offensichtlich nicht sagen. Ich sah Tony an und nickte. Tony packte Ferretti unter dem Kinn und riss seinen Kopf zurück. Ferretti schrie auf.
„Welches Ohr möchtest du behalten, Andrea?“, fragte ich in einem Ton als würde ich ihn lediglich fragen, ob er lieber Wein oder Bier wollte.
Ferretti versuchte den Kopf zu schütteln, doch Tonys Griff erlaubte es nicht. Der Fette schluchzte wie ein Mädchen, doch er wollte einfach nicht nachgeben. Also nickte ich Tony erneut zu. Er packte Ferrettis linkes Ohr mit einer Hand und schnitt es mit der Klinge, die er in der anderen Hand hielt, ab. Ferrettis Brüllen hallte durch den Raum. Blut lief aus dem Ohrstumpf und durchtränkte den teuren Maßanzug des Mannes.
„Also. Ich frage dich ein letztes Mal. Wann kommt deine Tochter nach Hause?“
„Bitteeee! Ich zahle. Ich ... ich ver-verspreche e-es. Lasst ... lasst Bi-bianca in ... in Ruhe.“
Der Mann schluchzte jetzt hilflos. Er war kein Held, doch es war offensichtlich, dass er weit mehr über sich ergehen lassen würde, um seine Tochter zu schützen. Ich hatte kein Interesse, diese Folter zu weit zu treiben. Immerhin musste er noch in der Lage sein, mein Geld aufzutreiben, denn ich war nicht gewillt, es jetzt schon abzuschreiben. Nein, ich musste anders vorgehen. Ich erhob mich vom Stuhl und schlenderte in die Küche. Dort tränkte ich ein Küchenhandtuch mit lauwarmem Wasser und kehrte zurück ins Wohnzimmer. Mich erneut rittlings auf den Stuhl setzend, drückte ich das nasse Tuch gegen die blutende Wunde.
„Binde ihn los!“
Tony sah mich fragend an. Offensichtlich hatte er erwartet, dass wir das Spiel noch ein wenig weiter trieben. Ich warf ihm einen warnenden Blick zu, und er beeilte sich, die Kabelbinder, mit denen er Ferrettis Hände gefesselt hatte, zu durchtrennen.
„Hier, drücke das auf die Wunde“, sagte ich, Ferrettis klamme Hand zu dem Tuch führend.
Während er das Tuch an seinen Kopf presste, schaute er mich misstrauisch an. Mein humanitärer Akt war nicht, was er von Il Diabolo erwartet hatte. Ich lächelte nachsichtig.
„Sieh“, begann ich ruhig, als spräche ich mit einem Kind. „Ich will dir nicht wehtun. Ich will auch Bianca nicht wehtun. Solange wie du dich an die Abmachung hältst, wird ihr nichts passieren. Also verrate mir, wann sie nach Hause kommt.“
„Bitte tu meinem Baby nicht weh.“
„Du hast mein Wort darauf, Andrea. Solange du deine monatlichen Raten pünktlich zahlst, wird ihr nichts passieren.“
Ferretti nickte und atmete tief durch.
„Sie kommt gegen sechs.“
Ich warf einen Blick auf die Uhr über dem Kamin. Es war kurz nach halb sechs. Gut. Wir würden nicht allzu lange warten müssen. Ich holte eine Schachtel Camel Ohne aus meiner Jacke und nahm eine Zigarette heraus. Tony zückte sein Sturmfeuerzeug und gab mir Feuer. Ich nahm einen tiefen Zug und blies den Rauch in Ferrettis Gesicht.
„Wir warten hier auf deine Tochter. Und du wirst keine Dummheiten machen, wenn du willst, dass ihr nichts passiert. Tony hier würde ihr nur allzu gern wehtun. Er ist ein wenig abartig veranlagt, wenn man so sagen will. Ein Wort von mir, und er wird Bianca wünschen lassen, sie wäre nie geboren worden. Hast du das verstanden?“
„Jaaaa“, schniefte Ferretti. „Ich ... ich tu was ... was du willst.“
„Guut. Dann verstehen wir uns. Kein Grund zu unnötiger Gewalt, nicht wahr? Ich muss zugeben, ich empfinde kein Vergnügen daran zu sehen, wie eine Frau gefoltert wird, doch das bedeutet nicht, dass ich Skrupel habe, meine Drohung wahr zu machen.“
Pünktlich um sechs Uhr fuhr ein Auto in die Einfahrt. Wenig später ging die Haustür.
„Ich bin zuhause, Daddy! Bist du im Wohnzimmer?“, war eine weibliche Stimme zu hören.
Ferretti sah mich hilflos an. Ich nickte ihm zu.
„Ja, ich bin hier“, rief er, mir einen flehentlichen Blick zuwerfend.
Schritte näherten sich, dann betrat eine junge Frau das Wohnzimmer. Als ihr Blick auf ihren Vater fiel, der sich noch immer das blutgetränkte Tuch an den Kopf presste, schrie sie erschrocken auf.
„Daddy!? Was ... was ist hier los?“
Ihr Blick ging zu mir, dann Tony und zurück zu mir. Sie war nicht, was ich erwartet hatte. Andrea Ferretti war fett und blass. Hässlich wie die Nacht. Doch seine Tochter ... Bianca war schön wie die Sünde. Ihre schwarzen, schweren Locken fielen ihr bis zur Mitte ihres Rückens. Sie war vielleicht einen Meter siebzig, wenn sie die High Heels ausziehen würde. Sie besaß diese perfekte Sanduhr-Figur. Ausladend gerundet an all den richtigen Stellen, doch mit einer schmalen Taille. Es juckte mich in den Fingern, meine Hände über diese Kurven gleiten zu lassen. Augenblicklich füllte sich mein Schwanz mit Blut.
„Komm her und setz dich!“, sagte ich mit harter Stimme, die nicht erkennen ließ, wie sehr sie mich mit ihrer Erscheinung aus der Fassung gebracht hatte. Zumindest hoffte ich das.
Bianca
Der Tag im Casino heute war furchtbar gewesen. Die Lieferung vom Getränkegroßhandel war nicht gekommen und als ich dort angerufen hatte, um nachzufragen, was zum Teufel los war, musste ich erfahren, dass die letzten beiden Rechnungen nicht bezahlt worden waren. Wenn wir die Sache nicht schnellstens regelten und die Getränke geliefert bekamen, dann würden wir in zwei oder drei Tagen nicht mehr in der Lage sein, den Laden zu öffnen. Schon jetzt hatten wir keinen Red Label und keinen Smirnoff mehr. Wenn ich zumindest eher gewusst hätte, dass wir unbezahlte Rechnungen mit dem Lieferanten hatten, dann hätte ich vielleicht noch etwas tun können, doch Daddy hatte mir natürlich nichts gesagt. Das war, wie er unangenehme Dinge handhabte. Einfach so tun, als wäre nichts. Als wenn das Problem davon verschwinden würde. Ich würde heute ein ernstes Wort mit meinem Dad haben. So konnte es nicht weitergehen. Wer wusste, was er mir sonst noch verschwiegen hatte?
Als ich die Auffahrt zum Haus hinauffuhr war ich noch immer wütend, auch wenn die lange Fahrt vom Casino nach Hause mir etwas Zeit gegeben hatte, mich ein wenig zu beruhigen. Ich stellte den Motor ab, stieg aus und betätigte den Knopf der Zentralverriegelung. Mit jedem Schritt, den ich auf die Eingangstür zumachte, steigerte sich meine Wut wieder. Ich zählte im Kopf bis zehn. Wenn doch bloß Daddy nicht so verantwortungslos wäre. Er war wie ein kleines Kind. Seit Mums Tod war ich diejenige gewesen, die auf ihn aufgepasst hatte, anstatt anders herum, wie es sich gehört hätte.
Ich betrat das Haus und schloss die Tür.
„Ich bin zuhause, Daddy! Bist du im Wohnzimmer?“
„Ja,...




