E-Book, Deutsch, Band 32, 131 Seiten
Reihe: Alien Breed Series
Adams Ghost
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7529-2558-6
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 32, 131 Seiten
Reihe: Alien Breed Series
ISBN: 978-3-7529-2558-6
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Melody Adams lebt mit ihrem Lebensgefährten und Kindern in Bijilo, The Gambia (West Afrika) Sie schreibt gefühlvolle und erotische Liebesromane. Vom Historical bis zu Science Fiktion ist so ziemlich alles vertreten. Dabei legt sie vor allem Wert auf glaubhafte Charaktere und spannende Handlung.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Samira
Gegenwart
Eden war wirklich das Paradies. Alles war so unberührt. Keine Hochhäuser, keine überfüllten Straßen und Abgasgerüche. Ja, wir hatten moderne Technologien hier, doch sie waren unauffällig. Irgendwann würde es sicher auch hier mehr industrialisiert und stärker bevölkert werden, doch für den Moment fühlte es sich beinahe an wie eine Reise zurück in die Zeit. Ich musste aufpassen, mir vor Ahmed und seinen Männern nicht anmerken zu lassen, wie sehr mich Eden und ihre Bewohner beeindruckten. Alle hier waren so freundlich und offen. Ich hielt meinen Blick stets gesenkt und gab mir Mühe, keinem Mann in die Augen zu sehen. Ahmed würde es mich bitter büßen lassen. Doch ich zeigte auch den Frauen die kalte Schulter. Ich durfte keine Freundschaft mit Ungläubigen schließen. Zudem würde es meinen Teil des Plans noch schwerer machen, wenn ich mir erlauben würde, auch nur eine Person hier zu mögen. Wenn Ahmed seinen Plan ausführte, dann würde es Tote geben. Mein Bruder würde versuchen, die Zahl so hoch wie möglich anzuvisieren. Ich hatte Ahmed vor meiner Abreise gefragt, wie er plante, uns heil hier raus zu bringen, wenn alles vorbei war, doch er hatte mir keine Antwort gegeben. Er hatte nur gesagt, alles läge in Allahs Hand. Das hatte mir deutlich gemacht, dass er nicht damit rechnete, dass wir jemals lebend hier rauskommen würden. Wir würden als Märtyrer sterben. Nicht, dass mich jemand gefragt hatte, ob ich mein Leben für die Sache geben wollte. Ich war ohnehin nur eine Frau. Wenn Ahmed nicht einmal seinen Männern eine Wahl gab, warum sollte er mir eine geben? Nun, ein Gutes hatte es zumindest. Ich würde niemals an einen Mann vermählt werden, der mich wie ein Stück Vieh behandeln würde. Ich würde als Jungfrau sterben. Rein und unberührt und hoffentlich das Paradies sehen. Ein Teil von mir wünschte, ich könnte wenigstens einmal erleben, wie es sich anfühlte, mit einem Mann zusammen zu sein, ehe ich starb. Aber es müsste ein sanfter, zärtlicher Mann sein, der mich als eine Partnerin sah und nicht als ein Stück Fleisch, welches seiner alleinigen Befriedigung diente. Ich seufzte. Als wenn das jemals geschehen würde. Selbst wenn Ahmed uns irgendwie heil zurück zur Erde bringen würde, so würde ich mit einem Mann verheiratet werden, der genauso dachte und handelte wie mein Bruder. Er würde keine zärtliche Liebe machen. Er würde sich ohne Rücksicht nehmen, was ihm zustand. Laut Ahmed und meiner Koranlehrerin war es für Frauen eine Sünde, Lust zu empfinden. Lust war nur für einen Mann bestimmt. Frauen sollten Schmerz empfinden, denn Eva hatte mit ihrer Sünde alle Frauen auf Ewigkeit verdammt. Wir mussten schmerzhafte Regelblutungen, schmerzhaften Sexualverkehr und schmerzhafte Geburten aushalten, um uns von der Sünde rein zu waschen. Und wenn ein Mann uns schlug, dann war es nur zu unserem Besten. Das Problem war, dass es schwerer und schwerer wurde, diese Lehren als Wahrheit zu akzeptieren. Was für ein Gott verdammte ein ganzes Geschlecht? Was konnte ich für die Sünden einer Frau, die vor Tausenden von Jahren gelebt hatte? Es erschien so unfair.
Denk nicht so, sagte eine ängstliche Stimme in meinem Kopf. Du versündigst dich mit diesen Gedanken.
Wer sagt, dass es wirklich Sünde ist? Wer sagt mir, dass Ahmed mir die Wahrheit gepredigt hat? Ist es nicht eher unwahrscheinlich, dass die Mehrheit der Menschheit verdammt sein soll? Können so viele Menschen falsch liegen? Was, wenn Gott von uns Frauen gar nicht verlangt, dass wir uns so behandeln lassen? Was, wenn er uns Frauen genauso liebt wie die Männer?
Das ist Blasphemie! Stopp! Du riskierst deine Seele mit diesen Gedanken.
Ich stand von meinem Bett auf und ging in dem kleinen Raum auf und ab. So viele Jahre des Zweifelns. So viele Gedanken, die mich um den Verstand zu bringen drohten. Ich wünschte, ich wäre einfacher gestrickt und könnte mein Schicksal einfach hinnehmen. Wie Fatima. Ich blieb vor dem Fenster stehen und starrte sehnsüchtig nach draußen. Es war bereits dunkel, doch die Lichter von den Häusern und ein paar Laternen gaben genügend Licht, um die Umrisse der Siedlung auszumachen. Ahmed und seine Männer waren in ihren Zimmern. Sie gingen meist frühzeitig zu Bett. Sie würden nicht zu dem Clubhouse gehen, wo sich die Breeds und hier lebenden Menschen abends auf einen Drink trafen. Alkohol war verboten. Und Bars waren ein Ort der Sünde und der Laster. Ich war niemals in einer Bar gewesen. War niemals zu einer Party gegangen. Alles, was ich kannte, war studieren und dann direkt nach Hause. Nach dem Studium war es Arbeit und dann nach Hause. Ich hatte nie die Freiheit gehabt, auszugehen wie die anderen jungen Leute an der Uni. Es war ein Wunder, dass Ahmed mir überhaupt erlaubt hatte, zu studieren. Doch er hatte einen Nutzen in meinem Interesse für Geologie gesehen und da keiner seiner Männer den Intellekt hatte, zu studieren, hatte er mir erlaubt, meinem Traum nachzugehen.
Ein paar Leute kamen den Weg vor dem Gebäude entlang. Sie unterhielten sich angeregt, auch wenn ich durch das Fenster keine Worte ausmachen konnte. Sie lachten und hatten offenbar viel Spaß. Wie ich sie beneidete. Im Gegensatz zu mir genossen sie ihr Leben. Wenn mein Glaube recht hatte, dann war dies kurze Leben auf der Erde unbedeutend und all die Jahre des Leidens waren es wert, danach in Ewigkeit im Paradies zu leben. Doch was, wenn all das nicht stimmte? Was, wenn es gar kein Leben nach den Tod gab? Dann würde mein ganzes Leben, das ich in Unglück und Schmerz verbrachte, mein einziges Leben sein. Dann würden Schmerz und Unglück alles sein, was ich jemals erwarten konnte. Verspielte ich meine Chance auf ein glückliches Leben, wenn ich auf das Paradies hoffte, dessen Existenz vielleicht nur ein Märchen war?
Erneut ging mein sehnsüchtiger Blick nach draußen. Ich wollte wenigstens ein wenig Freiheit genießen. Sicher konnte es nicht so schlimm sein, wenn ich ein wenig draußen spazieren ginge. Es waren ja kaum noch Leute unterwegs. Ich wollte nur die Ruhe und die Nachtluft genießen. Ich konnte ohnehin noch nicht schlafen. Entschlossen öffnete ich das Fenster und kletterte auf das Fensterbrett. Mit meinen langen Röcken war das nicht so einfach, doch ich schaffte es, meine Beine aus dem Fenster zu schwingen und die kurze Entfernung hinab zu springen. Mein Herz klopfte wild, als ich vor den Gebäude stand, und zu meinem Fenster hinauf sah. Ich hatte nicht bedacht, wie ich später wieder zurück ins Zimmer klettern sollte. Angst vertrieb die Freude über meine Freiheit und ich biss mir auf die Unterlippe. Eine Träne rollte über meine Wange. Wenn Ahmed herausfand, was ich getan hatte, dann würde er mich bitter büßen lassen. Schritte näherten sich, und rissen mich aus meinen Gedanken. Mein Herz galoppierte noch schneller. Ich wandte mich panisch um. Ein Mann kam den Weg entlang. Es war einer der Alien Breeds. Ich hatte ihn heute Nachmittag von Weitem gesehen. Er war ein Albino. Ich hatte mich zwingen müssen, ihn nicht anzustarren. Hatte hastig meinen Blick gesenkt. Auch jetzt senkte ich den Blick und versuchte einen Ausweg aus meiner Situation zu finden. Ich sollte wieder zurück in mein Zimmer, doch wie? Das Fenster lag nicht hoch, doch hoch genug, dass ich Schwierigkeiten haben würde, mit meinen langen Röcken zu klettern.
„Hey“, erklang eine tiefe Stimme. „Samira, hab ich recht?“
Oh nein! Nein! Nein! Bitte geh weiter. Ignorier mich.
„Bist du okay?“, fragte der Albino Breed und fasste mich sanft beim Arm. Seine Berührung löste ein seltsames elektrisches Kribbeln aus und ich wimmerte leise. Oh mein Gott! Was sollte ich tun?
Ghost
Das Mädchen zitterte und ich hörte ihr leises Wimmern. Irritiert runzelte ich die Stirn. Ich konnte ihre Angst riechen und ich fragte mich, was sie hier machte und warum sie so aufgelöst war. Mein Beschützerinstinkt regte sich und ich wollte sie in meine Arme ziehen und ihr sagen, dass alles gut war. Dass sie keine Angst haben musste. Doch ich wusste, dass sie dies nicht willkommen heißen würde. Easy hatte mir erklärt, dass sie, ihr Bruder und seine Männer strenge Muslime waren und dass Samira sich deswegen in lange Kleidung und Kopftuch einhüllte. Selbst ihr Gesicht hatte ich bisher nicht wirklich zu sehen bekommen, denn sie hielt den Blick stets gesenkt. Es erschien mir so falsch, dass eine junge Frau sich so versteckte und kauerte. Sie sollte mit gerecktem Kinn durch die Straßen gehen und die Sonne auf ihrer Haut spüren. Sie sollte die Freiheit haben, jedem, Mann oder Frau, in die Augen zu sehen. Ich hatte mit den Irakern bisher kein Wort gesprochen, doch sie waren mir schon allein dafür unsympathisch, wie sie Frauen behandelten. Leute wie sie passten nicht in unsere kleine Gemeinde. Wir hielten zusammen, waren füreinander da und niemand stand über einem anderen. Ja, Easy war der Leiter dieser Siedlung, doch abgesehen davon war er mein Freund, mein Bruder. Und ganz sicher machten wir keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen.
„Kann ich dir irgendwie helfen?“, versuchte ich erneut zu der verängstigten jungen Frau durchzudringen.
„Ich... ich glaub, ich hab einen Fehler gemacht“, sagte sie schließlich. Ihre Stimme war melodisch, sanft. Wäre ich kein Breed mit gut ausgeprägtem Gehör, hätte ich wahrscheinlich Schwierigkeiten gehabt, die Worte auszumachen, so leise hatte sie gesprochen.
„Was für einen Fehler? Ich bin sicher, es kann alles nicht so schlimm sein.“
„Ich bin aus dem Fenster geklettert. Ich dachte... ich...




