Adams | Glück schmeckt nach Popcorn | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

Adams Glück schmeckt nach Popcorn

Roman
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-641-20997-1
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

ISBN: 978-3-641-20997-1
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Vorhang auf für einen wunderbaren Roman über Glück, zweite Chancen und ganz viel Kino!

Martha führt ein kleines, aber renommiertes Programmkino – in dem sich allerlei Intellektuelle, Filmkritiker und Cineasten tummeln. Wie die meisten ihrer Gäste glaubt sie nicht an Happy Ends. Die gibt es im echten Leben schließlich auch nicht. Als ihre Mitarbeiterin und beste Freundin Susanna schwanger wird und der Liebe wegen wegzieht, gibt sie dem jungen Filmstudenten Erik eine Chance. Doch schon bald treibt er sie mit seinem Optimismus in den Wahnsinn. Er arbeitet nicht nur hinter den Kulissen an seinem Gute-Laune-Debüt, sondern möchte Martha auch noch davon überzeugen, dass das große Glück auch jenseits der Leinwand möglich ist …

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Hast du nicht eine Idee für eine besondere Aktion, die wir im Kino veranstalten könnten?«, fragte Martha Erik am nächsten Tag. Der konnte natürlich nicht wissen, woher diese Frage rührte, und strahlte fast so breit wie gestern, als er seinen Garten betreten hatte und sich ihm die ersten Narzissen ihre gelbe Mitte wie einen Kussmund entgegenstreckten. Es sah aus, als spielten sie bei seinem Zeitplan mit. Die Kulisse für die schönsten und auch letzten Szenen seines Films, die Szenen, in denen alles in dem Garten blühte, war bereit.

»Wie wäre es mit einer Premierenreihe? Ich würde mein Debüt gerne zur Verfügung stellen!«

Erik registrierte, dass Martha sich abwand, während sie antwortete: »Ich müsste natürlich schauen, ob dein Film ins Programm passt.«

»Wenn du gute Filme suchst, dann passt er ins Programm.«

Ein guter Schauspieler war Erik in dem Moment nicht. Die Stimme folgte wie immer dem Gefühl, und sein Gefühl glich einen Moment lang dem eines kleinen Schuljungen.

»Du weißt, wie ich es meine. Nicht wertend. Ich möchte die Erwartungen, die mein Stammpublikum hegt, nicht enttäuschen.«

»Nein, ganz und gar nicht. Wenn sich die ganze Kritikerszene so verhält wie du, dann kann mein Film ja nur floppen.« Gib mir doch wenigstens eine Chance, dir mein Talent zu beweisen, dachte Erik, während er die Lieferung Limonadenflaschen in den Kühlschrank einräumte.

»Magst du mir das Drehbuch mal zeigen?«

Man musste eben nur hartnäckig sein. »Klar, ich bringe es dir morgen mit.«

»Gut. Ich bin gespannt.«

Erik sah Martha hinterher, die die Flyer neu anordnete, ohne damit eine Verbesserung zu schaffen.

»Ich habe übrigens eine Idee. Was hältst du von Stummfilmen mit musikalischer Begleitung?«

Zuerst entgegnete Martha, dass sie ja nicht mal Platz für ein Klavier hätten, geschweige für einen Flügel. Aber dann erschien ihr die Zeitreise in eine Epoche doch verlockend, in der auf der Leinwand alles noch so neu und spannend war.

»Tonfilm ist Kitsch«, hieß es zu einer Zeit, in der Angst, Freude, Aufregung oder Trauer im Film nicht ausgesprochen werden konnten, sondern sich nur in der Mimik der Schauspieler und der Fingerakrobatik eines Pianisten ausdrückten. Natürlich gab es Untertitel, aber nur dort, wo sie zum Verständnis nötig waren.

Tausende Künstler und Musiker hatten befürchtet, dass der Ton der Tod des Films sei. Wie sollten schlechte Stimmen vom Band lebende Künstler ersetzen? Der Tonfilm bedeutete zwar nicht den Tod des Films, wohl aber vieler Kinomusiker.

Aber so war es nun einmal. In allen Bereichen wurden Menschen ersetzt. Nicht immer durch Maschinen, aber immer öfter, und manchmal auch nur erneut durch Menschen. Bei diesem Gedanken musste Martha wieder an das Lachen der Frau an Toms Seite denken. Und an ihren runden Bauch.

»Erik, vergiss alle Einwände, deine Idee ist genial! Wir werden ein paar alte Klassiker zum Leben erwecken und wenigstens für ein paar Stunden die Zeit zurückdrehen.«

»Wir müssen sie ja gar nicht komplett zurückdrehen. Es kann ja durchaus ein moderner Geräuschemacher sein.«

Erik klopfte mit seinem Zeigefinger auf die Theke, langsam und beharrlich.

»Was ist das?«, fragte er. Tock. Tock. Tock. Tock.

»Der Ton zu einem Psychothriller? Wenn du weitermachst, macht mich das so irre, dass ich zur Axt greife!«

»Oh nein, dann hau ich lieber ab.«

Erik ließ seine Hand schnell wie eine Spinne über die Theke krabbeln, was sich anhörte, als würden Minipferde darüber galoppieren. Martha griff zwar nicht zur Axt, aber nach Eriks Hand, um ihn zu stoppen.

»Wir suchen nach einem professionellen Geräuschemacher.«

Er zog seine Hand weg. »Ich hatte auch nicht vor, mich anzubieten. Ich muss meine Kreativität gerade aufsparen.«

Statt zu antworten, schaute Martha sich Erik an. Heute hatten sich zwar noch ein paar dunkle Schatten aus der Vergangenheit auf sie gelegt, aber dank Erik hatten sie sie nicht allzu lange beschäftigt. Und sie hatte gelacht. Mehrmals. Sie musste sich eingestehen, dass seine Gesellschaft ihr guttat. Es wurde ihr leichter ums Herz in seiner Nähe. Als wäre seine Naivität ansteckend. Ein Leben mit Eriks Gemüt musste leicht sein. Verlockend leicht. Aber das war nun mal nichts, was man sich aussuchen konnte, genauso wenig wie die Augenfarbe. »Du schaust mich an, als hältst du mich für verrückt«, sagte er und grinste sie mit der Überlegenheit eines Menschen an, dem das komplett egal wäre.

Hoffentlich kann er nicht noch mehr meiner Gedanken lesen, dachte Martha und antwortete: »Nein, ich finde dich nur erfrischend aufgeschlossen.«

»Im Gegensatz zu dir ist das auch keine große Kunst«, schoss er zurück.

»Ich würde das nicht als Happy End bezeichnen«, antwortete Stefan so spitz, wie es seine vollen Lippen erlaubten. So schlecht geküsst hatte er doch nicht, dachte sich Martha, als sie mit Erik, Stefan, Piet und noch ein paar Bekannten bei einem Kaffee rund um den Stehtisch im Foyer stand.

»Ganz im Gegenteil, ich hätte niemals erwartet, dass es so positiv endet. Die Liebe hat gesiegt«, verteidigte Erik seine Auffassung vom Ende der Brontë-Verfilmung Jane Eyre. Martha ließ den Blick zwischen den beiden Männern hin- und herwandern. Neben Erik wirkte Stefan alt, obwohl er gerade erst vierzig war. Martha hatte fast das Gefühl, ihn beschützen zu müssen.

»Die Liebe hat gesiegt! Jane hat ’ne Menge Spaß dafür geopfert, um an ihrer Prüderie und ihren Prinzipien festzuhalten. Sie hätte ihn haben können, bevor das Schloss abfackelt und seine Augen kaputt sind.«

»Aber da wären sie nicht glücklich geworden! Er hat ihr vorher noch nicht vollends vertraut.«

»Klar, und jetzt lieben die beiden sich in den Ruinen, bis dass der Tod sie scheidet«, bemerkte Stefan sarkastisch.

»Vielleicht bauen sie die Ruinen doch wieder auf und lieben sich darin.«

»Du bist echt vom anderen Stern«, sagte er, während er sich eine Zigarette rollte. »Was macht eigentlich dein Filmchen?«

Nun hätte sich Martha am liebsten schützend vor Erik gestellt.

»Wird mit Sicherheit ein glückliches Ende finden. Wenn du möchtest, kannst du gerne zur Premiere kommen, die hier …«

»Stefan, es gibt übrigens eine neue Idee für das Kino«, unterbrach Martha Erik.

»Ach ja? Ich muss jetzt gleich los, aber vielleicht hast du Lust, mir heute alles in Ruhe bei einer Tasse Kaffee zu erzählen. Wäre ja sowieso mal wieder dran.«

»Guter Vorschlag. Heute Nachmittag?«

Martha konnte Eriks Blick nicht lange ertragen, doch er zwang sie, ihn anzusehen, als er das Wort ergriff. »Unsere Idee ist in zwei Minuten erzählt, nicht dass du bis heute Abend vor Neugier platzt.«

»Eure Idee?«, fragte Stefan betont langsam.

Am Nachmittag saßen Martha und Stefan in einem behaglichen Café, in dem die runden Tische so klein waren, dass sich ihre Knie zwangsläufig immer wieder berührten. Martha umklammerte die heiße Teetasse.

»Also deine Idee ist toll. Mir fällt auch schon jemand ein, der perfekt Geräusche simulieren kann.«

»Also eigentlich ist es Eriks Idee gewesen.«

»Vielleicht unterschätze ich ihn ja doch.«

Das war das Netteste, was Stefan je über Erik gesagt hatte. Martha war fast gerührt. Schließlich fühlte sie sich für Erik verantwortlich, obwohl sie ihm selbst jede Initiative verwehrte.

»Läuft da eigentlich was zwischen euch?«

»Wie kommst du denn darauf?«

»Na, so wie er dich immer anschaut.«

»Er guckt immer begeistert. Ist seine zweite Natur.«

Sie schwiegen einen Moment einträchtig.

»Er sieht verdammt gut aus. Kann mir vorstellen, dass eine Affäre mit ihm Spaß machen würde.«

Stefan wartete darauf, dass sie widersprach.

»Und würde dich das stören?«, wich Martha aus.

»Vielleicht«, lächelte er und legte seine Hand auf ihr Knie, »ich fand diesen einen Abend damals ziemlich gut. Ich finde dich ziemlich gut.«

Martha griff nach seiner Hand. Um sie von sich zu schieben. Und dann griff sie auf eine feige Ausrede zurück. Auf ein Klischee. »Stefan, ich mag dich, aber ich bin noch nicht bereit für irgendeine Art von Beziehung. Es hat nichts mit dir zu tun, aber nach der schmerzhaften Trennung brauche ich immer noch Abstand.«

»Kann ich verstehen. Mich hat meine Scheidung auch verändert.«

Martha sah das erste Mal etwas Verletzliches in Stefans Augen. Vielleicht war seine Arroganz ja auch nur ein Schutz vor erneutem Schmerz?

»Falls du jemanden zum Reden brauchst oder auch für was anderes, ich bin da«, sprach er weiter.

Weil ihn die Zeit plötzlich drängte, suchte Stefan in seinem Portemonnaie nach Kleingeld, um seinen Tee zu bezahlen.

Und, hast du das Drehbuch schon gelesen?«

Erik saß am Steuer der Ente, die so alt war wie er selbst. Allerdings wirkte das Gefährt schon wie eine alte Tante, während er mit seinem T-Shirt sehr jugendlich wirkte. Martha musste schmunzeln, als sie bemerkte, dass nicht nur die Muskulatur an seinen Armen, sondern auch sein Gesicht angespannt wirkte. War es die Angst vor der Familienfeier oder die Angst vor ihrem Urteil über sein Drehbuch?

»Möchtest du eine ehrliche Antwort?«

»Immer. Ich hasse Lügen.«

»Oh, das aus dem Mund eines Mannes, der seiner Familie gleich vorspielen möchte, dass er eine Freundin...


Adams, Marie
Marie Adams veröffentlichte unter anderem Namen bereits Romane – in denen es darum geht, die Liebe nach Jahren durch den Alltag zu retten und das Familienchaos zu meistern. Ihre große Stärke sind Wohlfühlromane mit allerlei Wendungen – schließlich weiß sie aus eigener Erfahrung, wie irrational das Glück manchmal sein kann. Die Autorin lebt und schreibt in Köln und hat neben ihren Romanen und Sachbüchern ebenfalls Artikel über das Dasein als Autorin in Fachzeitschriften veröffentlicht.



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