Adams | Kleiner Hund und große Liebe | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 303 Seiten

Reihe: Lübbe

Adams Kleiner Hund und große Liebe

Roman
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7517-0403-8
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 303 Seiten

Reihe: Lübbe

ISBN: 978-3-7517-0403-8
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Köchin Sara kommt mit gebrochenem Herzen im Dörfchen Lyme Regis in Dorset an. Sie hat ihren Freund Victor mit einer anderen erwischt. Gut, dass Tante Marjorie samt verstauchtem Knöchel gerade Hilfe mit dem Corgi-Rudel braucht. Schon bald geht es für Sara in Herzensangelegenheiten drunter und drüber: Victor will sie zurückgewinnen. Marjorie kennt jede Menge Single-Männer und versucht, sie zu verkuppeln. Und dann ist da noch der verschrobene Colin. Erst, als ihr Lieblings-Corgi verschwindet, zeigt sich, wer ein echtes Herz für Sara hat ...



Rosie Adams ist nicht nur Fan der englischen Landschaft und Kultur, sondern auch große Freundin von Hunden, Pferden, Katzen und der gesamten Vogelschar. Seit ihrer Kindheit ist alle freie Zeit dafür reserviert, in Geschichten zu schwelgen, in denen neben Liebe und Freundschaft auch Tiere immer eine Rolle spielen.
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1. Sara


»Dad, das ist nicht dein Ernst!«

Sara Cowell betrachtete ihren Vater mit der Skepsis, die sie sich in den vergangenen dreiundvierzig Jahren angewöhnt hatte, wenn es um seine tollen Einfälle, wie er es nannte, ging.

Sie saßen im Sonnenschein des sommerlichen Spätnachmittags auf einer Bank im St. James’s Park, und ihr Dad fütterte entgegen allen Verboten die Enten auf dem See mit Brotstückchen.

»Wieso nicht? Dein Restaurant ist jetzt für drei Wochen geschlossen. Aber ich kenne dich: Statt in den Urlaub zu fahren und auszuruhen, wirst du trotzdem jeden Tag dort herumhängen.«

»Das Rosmary ist nicht nur mein Restaurant, sondern auch Victors«, erinnerte Sara ihn. »Ich kann ihn nicht einfach mit der Renovierung im großen Gastraum hängen lassen. Und in der Küche steht auch mal wieder eine Inventur an.«

Ihr Vater winkte nur ab. Er hatte nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er nicht viel von Saras Lebensgefährten hielt. Für ihn war nie jemand gut genug für seinen Augenstern gewesen.

»London ist doch scheußlich in den Sommermonaten. Pack deine Koffer, und fahr nach Lyme Regis! Da ist es gerade ganz wundervoll bei diesem Wetter. Das Meer, dieses idyllische kleine Städtchen an den Klippen. Du könntest am Strand Fossilien sammeln – das hast du früher immer so gern gemacht.«

Sara seufzte.

»Da war ich zehn, Dad. Es ist Jahrzehnte her, dass wir Tante Marjorie das letzte Mal zusammen in ihrem kleinen Cottage besucht haben. Hatte es nicht sogar einen Namen?«

»Ivy Cottage. Es ist wunderbar dort!«

»Wenn es dort so erholsam und wunderbar ist, wieso fährst du dann nicht selbst hin?«

Er schüttelte bedauernd den Kopf.

»Du weißt doch: In der Bücherei bin ich unabkömmlich. Ich habe inzwischen sieben Lesehilfe-Schüler. Gerade jetzt, so kurz vor den Zeugnissen, kann ich die nicht im Stich lassen.«

Als pensionierter Lehrer nahm er seine Aufgabe als ehrenamtlicher Helfer in der Stadtteilbibliothek sehr ernst.

Jetzt beugte er sich vor, um aus der Brottüte die letzten Krümel zu schütteln, und sah Sara mit seinen leuchtend grünen Augen, die sie von ihm geerbt hatte, bittend an.

»Komm schon, Kleine, es wäre ja nur für eine oder zwei Wochen.«

Sara runzelte die Stirn.

»Was wäre nur für eine oder zwei Wochen?«

Ihr Dad zuckte mit den Schultern.

»Ach, du kennst Marjorie doch. Sie hat es nicht gern, wenn jemand Fremdes sich um ihre Hunde kümmert.«

Sara erinnerte sich noch gut an diverse Besuche der energischen Schwester ihres Vaters in Begleitung einer Handvoll aufgeregter Corgis. Die lustigen, kurzbeinigen Hunde vom Land hatten sich in London nicht recht wohlgefühlt. Aber Tante Marjorie wollte sie einfach bei niemandem in ihrem Heimatort an der Küste Dorsets zurücklassen. Und wann immer sie ihren Bruder und ihre Nichte sehen und mal wieder etwas Stadtluft schnuppern wollte, hatte sie fünf quirlige Begleiter dabei.

»Ähm … Was hat das damit zu tun, dass ich nach Lyme Regis in den Urlaub fahren soll?«, erkundigte sich Sara vorsichtig.

Ihr Vater war zumindest so nett, schuldbewusst dreinzublicken.

»Also, um ehrlich zu sein … Marjorie ist wohl gestolpert und hat sich verletzt. Sie kann gerade nicht so, wie sie möchte. Die langen Spaziergänge mit den Hunden und so …«

Sara sprang von der Bank auf.

»Was?!? Das glaub ich jetzt nicht! Du willst mich gar nicht zu einem schönen erholsamen Urlaub überreden, sondern ich soll mich um Tante Marjories ausgeflippte Hundemeute kümmern?!«

»Du liebst Tiere doch«, sagte ihr Dad und lächelte schief. »Und Marjorie meint, ihr Harry hat dich ganz besonders ins Herz geschlossen. Während er mich immer in die Fersen zwickt. Und da dachten wir …«

Sara verschränkte die Arme.

»Erstens hättest du mich das direkt fragen können. Und zweitens: Kommt überhaupt nicht infrage! Egal, was Tante Marjorie und du da ausgehandelt habt. Ich verbringe die drei Wochen hier in der Stadt, kümmere mich mit Victor ums Restaurant, treffe mich mit Freunden, gehe mal wieder tanzen und ins Museum. Wenn du deiner Schwester helfen willst, musst du schon selbst hinfahren!«

»Sara, nun überleg es dir wenigstens mal. Es würde dir sicher guttun. Immer hast du nur das Restaurant und die Kocherei im Kopf. Es gibt doch noch andere Dinge im Leben.«

»Ach ja? Na, dann viel Spaß damit! Mach’s gut, wir sehen uns!«

Sie wandte sich um und schritt über den knirschenden Kiesweg davon. Hinter sich hörte sie ihren Dad etwas rufen. Sie drehte sich nicht noch einmal um.

Kopfschüttelnd marschierte sie an den blühenden Staudenbeeten und dem Pavillon vorbei, wich den Blicken der schlendernden Touristen aus, die sich wahrscheinlich darüber wunderten, dass ihre Lippen sich tonlos, aber heftig bewegten.

Es gab noch andere Dinge im Leben? Sie hatte nur die Kocherei im Kopf?

Das waren doch nur Vorwände, die ihr Dad rauskramte, um sie zu diesem Hilfsakt zu überreden. Da hatten er und Tante Marjorie über ihren Kopf hinweg einen schönen Plan ausgetüftelt. Sara sollte als kostenlose Hilfskraft einspringen, während Tante Marjorie …

Sara blieb abrupt stehen. Als sie sich umsah, war die Bank, auf der sie mit ihrem Vater gesessen hatte, bereits hinter einer riesigen Trauerweide aus ihrem Blickfeld verschwunden.

Sie hatte gar nicht gefragt, was es mit Tante Marjories Unfall auf sich hatte. Was war ihr passiert, dass sie nach einem Stolpern ihre Hunde nicht mehr versorgen konnte? Sofort übermannte Sara das schlechte Gewissen. Andererseits: Schwer verletzt konnte Marjorie nicht sein, sonst läge sie im Krankenhaus. Wenn sie nur für eine oder zwei Wochen Hilfe brauchte, war es vielleicht ein verstauchter Knöchel oder so etwas … Das war keine gravierende Verletzung, aber für die äußerst umtriebige Tante Marjorie wäre es eine erhebliche Einschränkung in ihrem Tagesablauf. Schließlich liebte die landesweit bekannte Corgi-Züchterin es, mit ihrer Hundemeute die Hügel über dem hübschen Küstenörtchen unsicher zu machen oder mit ihnen auf den Felsen am Meer herumzuklettern. Wenn Tante Marjorie nicht mit ihren Vierbeinern unterwegs sein konnte, würde sie mit Sicherheit sehr unglücklich sein.

Durch ihr aufwallendes Mitgefühl ein wenig besänftigt, setzte Sara ihren Weg fort. Gedankenverloren verließ sie den Park gen Süden und steuerte auf die St.-James’s-Park-Tube-Station zu, um die Circle Line zu nehmen. Erst, als sie in South Kensington die Stufen zur Straße hinaufstieg, wurde ihr klar, dass sie unbewusst nicht den Weg nach Hause, sondern zum Restaurant eingeschlagen hatte. Dabei war nicht nur das Restaurant geschlossen, auch Victor war heute nicht in der Stadt. Er traf sich mit einem angesagten Innendekorateur in Bath.

Sara zuckte mit den Schultern. Na, dann würde sie eben schon mit der Inventurliste der Küche beginnen.

Das Rosmary lag in einer kleinen Seitenstraße und war schon von Weitem durch ein ovales Schild zu erkennen, das über der Tür auf den Bürgersteig hinaushing. Darauf zu sehen war der elegante Schriftzug, der von einem Rosmarinzweig harmonisch eingerahmt wurde.

Selbst heute noch – vier Jahre nach Eröffnung ihres eigenen Feinschmeckerlokals – bekam Sara Herzklopfen, wenn sie dieses Schild und den weißen Schriftzug über den beiden Fenstern des Gastraums sah. Schließlich war damit ihr Herzenswunsch, der Traum ihrer Kindheit in Erfüllung gegangen.

Schon als kleines Mädchen hatte sie gern in der Küche herumgewerkelt und neue Kompositionen ausprobiert. Zugegeben, als Elfjährige hatten ihre Ideen manchmal seltsame Blüten getrieben – Reis mit Apfelmus und Chili, frittierte Kartoffeln mit süßen Rübenschnitzeln, gekochter Pudding mit Pfefferschärfe –, aber alles hatte dazu beigetragen, dass sie zu der ausgezeichneten Köchin geworden war, für die das Rosmary heute in London bekannt war.

Ihr Dad hatte sich große Sorgen gemacht, dass ihr kindliches Interesse fürs Kochen etwas damit zu tun haben könnte, dass ihre Mum so früh gestorben war. Eine Art ungesunde Kompensation sozusagen. Er hatte versucht, sie für Fußball, Reiten, Schach und Aquaristik zu interessieren. Sara hatte keine Ahnung, ob er damals mit seinen Befürchtungen recht gehabt hatte. Sie wusste nur, dass keiner seiner Vorschläge sie derart begeistert hatte wie das Experimentieren mit ungewöhnlichen Zutaten und neuen Rezepten. Sie war ihren Töpfen und Pfannen treu geblieben und hatte lieber auf dem Markt nach frischem Gemüse gestöbert, als Schuhe oder Modeschmuck zu shoppen. Und ihr Vater hatte es schließlich akzeptiert, sie beständig in ihrem Hobby unterstützt und jede neue Kreation mit Begeisterung probiert.

Ach, Dad.

Plötzlich tat es Sara leid, dass sie gerade einfach so weggegangen war. Denn er hatte es nur gut gemeint, wie immer.

Sie würde ein Glas Wasser trinken, sich eine Karotte zum Knabbern aus dem Kühlraum stibitzen und ihn dann mit dem Handy anrufen. Vielleicht wanderte er ja immer noch im Park herum und hatte doch noch Lust auf den eigentlich geplanten Vater-Tochter-Abend. Sie könnten die neu eröffnete Bar mit Blick aufs London Eye ausprobieren und anschließend ins Kino gehen, um einen ihrer geliebten Programmfilme zu sehen, über die sie dann stundenlang diskutieren konnten.

Sara öffnete die Fronttür des Restaurants, ging hinein und schloss hinter sich wieder ab, damit nicht doch ein Passant das Geschlossen-Schild...



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