E-Book, Deutsch, Band 1, 390 Seiten
Reihe: Mardigard
Adolph IF THEURREUR'$ MONEUR¥
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7427-5887-3
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1, 390 Seiten
Reihe: Mardigard
ISBN: 978-3-7427-5887-3
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wenn sie das hier lesen freue ich mich bereits, dass sie sich mein Werk überhaupt angucken. Ich bin ein Hobbyautor, der sich gern Geschichten ausdenkt, die es ab und zu sogar auf das Papier schaffen.
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Kapitel 1
Gegenwart
„Halt die Kiste ruhig, verdammt“, schrie Orvik.
Sein Revolver blitzte unter dem eigenen Mündungsfeuer auf und erhellte für einen kurzen Augenblick die rabenschwarze Landstraße. Die Scheinwerfer unserer Verfolger hatte er bereits vor einem Kilometer ausgeschaltet. Würde er beim Eliminieren von Fahrern dieselbe Präzision an den Tag legen, die er Glühbirnen zu widmen schien, wären wir schon lange aus unserer derzeitigen Lage entkommen.
„Probleme damit bewegte Ziele zu treffen?“, raunte ich und krallte meine Hände noch ein wenig fester um das Lenkrad, als ein weiteres Schlagloch unseren Wagen erbeben ließ.
„Probleme damit die verdammten Reifen auf dem Asphalt zu behalten?“, gab Orvik zurück und feuerte einen weiteren Schuss ab, der unsere Verfolger jedoch meterweit verfehlte.
Er konnte froh sein, dass ich zu sehr damit beschäftigt war unseren Arsch aus der Schlinge zu ziehen, um ihm bei seinen Zielübungen zuzugucken. Andererseits hätte ich ihm wohl mal einen Test auf Nachtblindheit empfohlen.
Zugegeben, ich trug fast genauso viel Schuld an unserer Situation wie er, aber man baut seinen Frust nun mal nicht ab, indem man sich Fehler eingesteht.
Ein weiterer Schuss löste sich, der jedoch zu den Leuten im Fahrzeug hinter uns gehörte. Die Kugel versenkte sich klirrend ins Metall der deformierten Kofferraumklappe, doch Orvik hielt es trotzdem für klüger kurz auf das Polster der Rückbank herunter zu sinken. Tatsächlich eröffneten unsere Verfolger einen kurzen Kugelhagel und ich beschloss ebenfalls meinen Kopf einzuziehen, als der Innenraum des Wagens von zischenden Geschossen erfüllt wurde. Heck- und Frontscheibe hatten wir bereits vor einer Weile verloren. Die Heckscheibe hatte Orvik herausgetreten um eine freie Schussbahn zu haben und die Frontschutzscheibe hatte den Geist aufgegeben, als ich einen Wegweiser übersehen hatte, dessen Fundament nun zwischen Kühlergrill und Motorhaube steckte.
„Hoffen wir, dass denen der Sprit ausgeht, oder hast du noch sowas wie ne echte Idee?“, fragte Orvik genervt.
„Was is aus dem Plan geworden sie einfach abzuknallen?“, gab ich zurück und zuckte hinter dem Lenkrad zusammen, als ein Querschläger dem Armaturenbrett einen Kratzer verpasste.
Orvik sparte sich die Antwort. Tatsächlich schien die Sache langsam kein Spaß mehr für ihn zu sein und auch ich musste zugeben, dass uns so langsam die Optionen ausgingen.
„Du musstest ja unbedingt...“, stöhnte Orvik.
Ich wusste genau, was er sagen wollte.
„Leck mich“, fuhr ich ihm über den Mund, „glaub nich, dass du das mir in die Schuhe schieben kannst.“
Ich war mir jedoch nicht einmal sicher, ob er das musste, denn ganz unschuldig war ich an unserer Lage auch nicht. Um das zu erklären sollte ich aber vermutlich ein wenig eher ansetzen.
Zwei Tage zuvor
Orvik nippte lächelnd an seinem Rum und nickte, während er das Glas wieder sinken ließ. In seiner massigen Hand wirkte es eher wie ein Shotbecher, was auch besser zu der Art und Weise passte, mit der er seinen Rum herunter kippte. Genau genommen ließ Orvik alles um sich herum ein wenig kleiner wirken, was in unserem Geschäft gar nicht so unpraktisch war. Hinzu kam, dass massige Gestalten oft für etwas dumm gehalten wurden, was in Orviks Fall ein fataler Fehler war. Sicher, keiner von uns würde als ein Genie durchgehen, aber man überlebt in der Unterwelt von Mardigard nicht lange, ohne eine gewisse Cleverness an den Tag zu legen.
„Klingt gut“, sagte er matt.
Sein mit einem Stoppelbart bedecktes Kinn kräuselte sich nachdenklich und die breite Stirn, die in tiefen Geheimratsecken zum kurz geschnittenen, schwarzen Haarschopf überging, legte sich in breite Falten.
„Klingt gut?“, lachte ich, „das is verdammt nochmal eine der besten Gelegenheiten, die wir je haben werden.“
„Abwarten Tara“, murmelte Orvik, „wie gut ne Gelegenheit is, weiß man immer erst hinterher.“
„Kannst du dich nich einmal mal über nen Job freuen?“
„Ich hab doch gesagt, es klingt gut“, entgegnete er und schaute mich über den Rand seines Glases an.
Ich kannte den Blick. Es war der den er immer aufsetzte, wenn er sich über meine Unerfahrenheit amüsierte. Ich konnte meine mangelnde Erfahrung jedoch nicht einmal abstreiten. Vermutlich sah ich mit meinem legeren Pferdeschwanz und dem luftigen weißen Top aus als sei ich Orviks Tochter. Das konnte schon vom Alter her gar nicht stimmen, doch Orvik legte nicht viel weit darauf sein Äußeres jung zu halten.
Tatsächlich kleidete ich mich bewusst leger, um nicht aufzufallen. Jedes knappere Shirt würde meinen ungewöhnlich muskulösen Oberkörper preisgeben und mein Pferdeschwanz verdeckte geschickt die kleine Platzwunde am Hinterkopf, die ich einer übereilten Flucht und einer unbeleuchteten Verladerampe zu verdanken hatte. Ebenso kaschierte die lange Jeans meine Beinmuskulatur, auch wenn es eigentlich nicht geschadet hätte den restlichen Männern der Bar zu signalisieren, dass ich sie problemlos fertig machen könnte. Nach all den Abenden hatte ich mich jedoch an die Blicke gewöhnt die man nun einmal kassierte, wenn man die einzige Frau an der Theke war. Zudem kannten wenigstens die Stammgäste langsam mein Gesicht und Orviks als ständige Begleitung tat sein übriges betrunkene Halbstarke abzuschrecken.
„Wenn du Recht behältst haben wir ohnehin noch genug Zeit zum schmollen. Für den Moment schadet‘s nich das ganze positiv zu sehen“, raunte ich und nahm ebenfalls einen Schluck Rum.
Es war keine besonders gute Sorte, doch sie brannte in der Kehle und betäubte den Kopf, womit sie alles erfüllte, was man von Rum erwarten konnte.
„Sorry, wenn ich die nötige Weitsicht beweise, statt mit dem Schwanz zu wedeln, sobald ich nen Knochen sehe...“
„Selbst trinken wird mit dir zu ner verdammten Tortur“, stöhnte ich genervt und leerte den Rest des Glases in einem Zug.
„Du bist doch die, die unbedingt in ner Bar über Arbeit reden will“, gab Orvik zurück und grinste überheblich in sein Getränk.
„Wir können gern das Thema wechseln“, antwortete ich.
„Ich bitte darum“, stimmte er zu und hob die Hand, um die Kellnerin auf sich aufmerksam zu machen, „aber erstmal brauchen wir Nachschub.“
„Also fessle ich ihn mit nem Kabelbinder an seinen Ofen, schnapp mir die Drogen und haue ab“, beendete Orvik eine seiner alten Geschichten.
Es brauchte nicht viel Rum, um ihn dazu zu bringen in Erinnerungen zu schwelgen und auch wenn ich die Geschichte vermutlich schon mal gehört hatte, war es immer wieder unterhaltsam ihn von seinen Abenteuern erzählen zu lassen.
„Du hast ihn einfach da gelassen?“, fragte ich ungläubig.
„Was hätte ich machen sollen?“, rechtfertigte sich Orvik, „Ich hatte dem Typen ein Bein gebrochen und ne Schulter ausgekugelt und er kriecht mir immer noch hinterher wie n verkackter Zombie. Ich meine n normaler Mensch wäre längst bewusstlos gewesen.“
„Und du findest es nicht übertrieben, ihn für sone Aktion zu verkrüppeln?“
„Nein“, gab Orvik deutlich zurück, „Das is das Problem mit Amphetaminen. Wenn jemand so drauf is lässt er mir keine andere Wahl als ihn außer Gefecht zu setzen.“
„Er hat das Zeug sicher nich genommen, weil er dich erwartet hat...“, murmelte ich skeptisch.
„Ok, ja, ich hab n wenig überreagiert“, lenkte er ein, „aber da würdest du auch, wenn du jemandem mit nem Schlag die Nase brichst und der nichmal das Gesicht verzieht.“
„Vielleicht“, stimmte ich zu, „aber hoffen wir einfach, dass ich das nie herausfinde.“
Orvik leerte das halbe Glas vor sich und goss sich aus der Flasche nach, die die Kellnerin uns gleich dagelassen hatte. Normalerweise schenkte man hier nur Gläser aus, doch die Bedienung war es irgendwann leid alle paar Minuten mit einem Tablett zu unserem Tisch zu watscheln und hatte sich bereit erklärt uns einfach eine Flasche zu verkaufen.
„Wieso erzählst du nich mal ne Geschichte?“, fragte Orvik.
„Wüsste nich welche“, gab ich ehrlich zu.
„Du wirst doch irgendwas Spannendes erlebt haben.“
„Schon, aber bei all den Sachen warst du mit dabei...“
„Du willst mir erzählen, dass du nichts Spannendes erlebt hast, bevor ich und Garry dich aufgegabelt haben?“
„Nichts, was wirklich Unterhaltungswert hätte...“
„Ach komm Tara, das kannste mir nich erzählen“, sagte er ungläubig und sah mich erwartungsvoll an.
„Meinetwegen... “, gab ich widerwillig zurück und nahm noch einen Schluck Rum.
Die Geschichte die mir einfiel war definitiv nicht von Orviks Kaliber, aber vielleicht war es gar nicht übel mal über andere Sachen zu reden.
„Du erinnerst dich doch sicher an den Kurs, bei dem wir uns das erste mal gesehen haben.“
Orvik nickte, ohne sein Glas abzusetzen.
„Naja, mein Bruder hat mir den damals geschenkt, weil ich mal abends überfallen wurde. Damals hatte ich nach ner kleinen Barrunde in Newport meinen Bus verpasst und hielt es für ne gute Idee den Weg einfach zu laufen. Oben beim Wilton Drive hat man die Option den ganzen Schlenker um die Brückenauffahrt zu nehmen, oder einfach durch den alten Austin-Park und zwei drei Gassen abzukürzen.“
Orvik lächelte, da er bereits wusste, für welche Option sich die besoffene Tara entschieden hatte.
„Jedenfalls halte ich es für ne gute Idee die schnellere Route zu...




