Adrian | Die Ehre des Ritters | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 400 Seiten

Reihe: LYX.digital

Adrian Die Ehre des Ritters


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8025-9151-8
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 400 Seiten

Reihe: LYX.digital

ISBN: 978-3-8025-9151-8
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine Liebe, die nicht sein darf ...

Auf dem Weg zu ihrem Verlobten wird die junge Isabel de Lamere von dem Ritter Griffin of Droghallow entführt, der sie zu seinem Stiefbruder bringt. Als Griffin jedoch um seinen versprochenen Lohn betrogen wird, flieht er mit Isabel. Schon bald müssen die beiden feststellen, dass sie sich ineinander verliebt haben. Doch Isabel ist einem anderen Mann versprochen ...

Der dritte Band der Romantic History-Reihe von Bestseller-Autorin Lara Adrian alias Tina St. John



Lara Adrian lebt mit ihrem Mann in Neuengland. Neben ihrer äußerst erfolgreichen Vampirserie hat sie unter dem Namen Tina St. John auch mit historischen Liebesromanen eine große Fangemeinde gewonnen.

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Prolog

England, 1179

Das höhnische Gelächter hallte in Isabel de Lameres Kopf wider, als sie die riesige, im Freien feiernde Gesellschaft verließ, um dem Ort ihrer Demütigung zu entfliehen. Dabei hatte sie es gar nicht erwarten können, das Sommerfest in Droghallow, der Burg eines Freundes ihres Vaters, zu besuchen. Wochenlang hatte die achtjährige Izzy darauf hingefiebert und sich über die Gelegenheit, ihr schönstes Gewand zu tragen und Freundschaft mit Kindern aus angrenzenden Grafschaften zu schließen, gefreut.

Es wäre auch sicherlich ein schöner Tag geworden, wäre da nicht der grässliche junge Erbe von Droghallow gewesen. Sein Vater hatte ihn zögernd gebeten, sich um Izzy zu kümmern und dafür zu sorgen, dass sie sich gut unterhielt. Stattdessen aber hatte er sie bloßgestellt und sie ob ihrer Unbeholfenheit vor den anderen verspottet. Schon nach kurzer Zeit hatten sich alle Kinder an dem grausamen Spiel beteiligt und zahlreiche Makel an ihr gefunden, über die sie sich lustig machten: ihre pummeligen Beine, ihr unscheinbares Gesicht, die sommersprossigen Wangen und ihr widerspenstiges rotes Haar. Izzy war vor der Gruppe geflohen, bevor Tränen sie in noch größere Verlegenheit bringen konnten.

Nun lief sie keuchend und ziellos den Burghügel in das sich weit erstreckende Tal hinunter und blieb erst stehen, als sie völlig atemlos im hüfthohen Gras vor dem Burggraben stand. Inmitten des kühlen, wehenden Schilfs sank sie auf die Knie, bemüht, die brennenden Schluchzer in ihrer Kehle zu unterdrücken. Sie versuchte an etwas anderes zu denken als an den schmerzenden Knoten, den der Hohn der anderen Kinder in ihrem Herzen hinterlassen hatte.

Auf der Suche nach Ablenkung entdeckte sie mit tränennassen Augen nur wenige Schritte entfernt ein Kissen blühender Wildblumen. Auf der Blüte einer wilden Margerite saß ein Schmetterling, der mit den hübschen gelben Flügeln schlug und Nektar naschte. Vielleicht kann ich ihn einfangen und mit nach Hause nehmen, dachte Izzy, als das hübsche Insekt sich anmutig in die Lüfte erhob und zu einer anderen Blüte flatterte, in deren sonnengelber Mitte es sich niederließ. Vorsichtig schlich sie sich an den Falter heran, aber als hätte er ihr Näherkommen bemerkt, flog der Schmetterling plötzlich in einer Zickzacklinie davon und auf den Waldrand zu.

Es brauchte kein langes Überlegen. Ohne sich auch nur einmal umzublicken oder an ihr Leid zu denken, rannte Izzy ihm nach, allein von dem Gedanken beseelt, ihre Beute zu fangen.

Der Schatten des Waldes kühlte ihre Haut, als sie die dicht von großen Eichen und hoch aufragenden Nadelbäumen umsäumte Waldlichtung betrat. Die hohen Bäume schluckten das helle Nachmittagslicht, und der schwere Geruch nach Moos und feuchter Erde hing in der Luft. Hoch oben in den Baumkronen hörte sie Vögel im Laub rascheln, deren Gezwitscher den Trubel der Feiernden auf dem Burghügel übertönte. Vor Izzys Füßen huschte unbemerkt ein Waldbewohner eilig ins nächstgelegene Gebüsch, um sich vor dem Eindringling in Sicherheit zu bringen.

Es war, als wollte der Schmetterling sie in eine andere Welt entführen. Immer weiter folgte sie dem winzigen Farbklecks, der in der schattigen Düsternis des Waldes vor ihren Augen tanzte, ins Unterholz. Als der Schmetterling sich nach einer Weile auf einer großen orangefarbenen Blume ausruhte, schlich sie sich, vor Eifer an der Unterlippe nagend und ihr Ziel nicht aus den Augen lassend, näher an ihn heran. So nahe kam sie ihm, dass sie den starken Duft der glockenförmigen Blüte wahrnahm. Langsam hob sie die Hände und wollte sie vorsichtig um das trinkende Insekt schließen, voller Vorfreude, die schillernde Schönheit zu umfangen, wenn auch nur einen Augenblick. Doch kurz bevor sie ihn zu fassen bekam, schwirrte der Schmetterling erneut davon.

Nun folgte Izzy ihm noch eifriger auf einem Weg, der sie erst in die eine, dann wieder in die andere Richtung führte, aber gleichwohl immer tiefer in den kühlen, dunklen Wald hinein. Ihre Entschlossenheit machte sie wagemutig und ließ sie die Zweige nicht spüren, die ihre nackten Knöchel zerkratzten, während sie mit gerafften Röcken durch das dichte Dickicht lief. Sie duckte sich unter dürren langen Ästen hindurch, watete durch breite Kissen taunassen Farns und verfolgte ihr Ziel beharrlich, bis sie es schließlich aus den Augen verlor.

Doch es war noch viel schlimmer, wie ihr unvermittelt bewusst wurde. Sie hatte sich völlig verlaufen und wusste nicht, wo sie war.

Suchend blickte sie sich um, um einen Weg aus dem Wald heraus zu finden oder zumindest eine Stelle, die ihr zur Orientierung dienen konnte. Indes kam ihr nichts bekannt vor. Das dichte Blattwerk schluckte Geräusche und Licht und machte es ihr unmöglich festzustellen, in welcher Richtung die Burg von Droghallow lag. Izzys Herz, das immer noch stürmisch von der Jagd klopfte, schlug nun noch schneller.

Himmel hilf, sie hatte sich verirrt.

Ich habe keine Angst, redete sie sich ein. Sie würde einfach ihre Spuren zurückverfolgen und auf diese Weise ganz sicherlich zu der Gesellschaft zurückgelangen. Dieser Gedanke ließ sie frischen Mut schöpfen. Sie wandte sich um und machte den ersten Schritt.

Da vernahm sie plötzlich unweit in einem Gebüsch ein Rascheln. Zweige krachten unter schweren Tritten, dem Geräusch folgte das Grunzen und Schnauben eines Tiers. Izzy wusste, dass sie in Gefahr schwebte, noch bevor sie den wilden Blick und die mächtigen Hauer des Wildschweins gewahrte. Die massige, haarige Bestie hob die Schnauze witternd in die Luft und versperrte ihr den Weg. Schließlich entschied das Tier offensichtlich, dass sie eher Feind denn Freund war, öffnete das Maul und gab einen kehligen Warnlaut von sich.

Izzy schluckte schwer. Sie konnte ihm nicht ausweichen. Die dicken Bäume standen dicht beieinander und umringten sie von allen Seiten, zudem erstreckte sich hinter ihr ein Meer von widerborstigem Dickicht, das ihr eine Flucht erschweren würde.

Mit gesenktem Kopf, den Blick auf sie gerichtet, lief das Wildschwein auf sie zu.

Wie angewachsen beobachtete Izzy mit vor Schreck geweiteten Augen, wie der Keiler grunzend und schnaubend, die Nase dicht über dem Boden, immer näher kam. Eine kaum merkliche Bewegung in der Nähe lenkte das Tier ab. Jäh blieb es stehen und schaute einen Augenblick in eine andere Richtung. Izzys Körper war gespannt wie ein Bogen, jede Faser in ihrem Inneren drängte danach, zu fliehen, auch wenn die Chance zu entkommen, nur gering war.

Es könnte ihre einzige Hoffnung sein …

»Rühr dich nicht.«

Der geflüsterte Befehl schien direkt aus den Bäumen zu kommen und ließ Izzy reglos verharren. »Halt dich ganz still«, wies die Stimme sie an. »Die kleinste Bewegung, und er könnte auf dich losgehen.«

Izzy stand wie angefroren, kaum fähig zu atmen. Der Rüssel des Keilers zuckte und seine Knopfaugen suchten nach dem neuen Eindringling. Sie bemühte sich, den Blick von seinen furchterregenden Hauern abzulenken: gebogene, tödliche Waffen, die sich weiß glänzend vom dunklen Fell des Tieres abhoben.

»Genau so. Du machst das gut.« Die beruhigende Stimme erklang erneut, dieses Mal näher. »Sag mir deinen Namen.«

»Iz…Izzy«, stotterte sie. Ihre Stimme war kaum mehr als ein Hauch.

»Ich trete jetzt hinter dich, Izzy. Halt still. Hab keine Angst.«

Doch Izzy hatte Todesangst. Der Keiler fletschte die Zähne, warf den Kopf und schrie in einer mörderisch tiefen Tonlage. Das schreckliche Geräusch jagte ihr einen Schauer über den Rücken und brachte ihren ganzen Körper zum Erbeben. »Oh, bitte«, schluchzte sie leise. »Bitte hilf mir.«

Hinter sich hörte sie ein Knacken. Kam ihr Retter näher oder hatte er beschlossen, sich aus dem Staub zu machen, um selbst mit heiler Haut davonzukommen? Izzy war sich nicht sicher. Vor ihr schabte der Keiler mit einem seiner gespaltenen Vorderfüße über den Boden. Den Kopf hatte er gesenkt, die Haare auf seinem Rücken aufgerichtet wie eine borstige, kohlschwarze Finne. Er schnaubte kurz.

Dann stürmte er los.

Izzy schrie auf. Mit fest zusammengekniffenen Augen wartete sie darauf, dass sich die Hauer des Keilers in sie bohrten. Sie wartete, doch der Tod kam nicht. Stattdessen hörte sie das scharfe Knirschen einer Klinge, die aus einer Scheide gezogen wurde. Sie spürte einen kühlen Lufthauch, als jemand vor sie sprang und sie mit einem starken, sicheren Arm aus der Gefahrenzone schob.

Sie vernahm das Geräusch von brechenden Zweigen. Gebrüll ertönte und erstarb unvermittelt. Der Boden unter ihren Füßen vibrierte unter einem dumpfen Aufprall, dem Geräusch eines großen Gewichts, das auf die weiche, feuchte Erde prallte.

Danach wurde es totenstill im Wald.

Es dauerte eine Weile, bis Izzy es wagte, die Augen zu öffnen. Das Tier, das sie beinahe umgebracht hätte, lag leblos auf dem Boden. Nachdenklich darübergebeugt, das blutige Schwert in der Hand, erblickte sie einen goldblonden, schlaksigen Jungen. Als Izzy sich ihm näherte, schaute er sie über die Schulter hinweg an. Atemberaubend grüngoldene Augen begegneten ihrem verblüfften Blick.

»Du hast mein Leben gerettet.« Izzy trat zu ihm, doch es fiel ihr schwer, die gefällte Bestie nicht anzustarren, die selbst im Tod noch furchterregend wirkte. »Das war die tapferste Tat, die ich je erlebt habe«, flüsterte sie. »Du hättest an meiner Stelle getötet werden können.«

»Ein Mann muss gewillt sein, sich Gefahren zu stellen«, sagte er, säuberte sein Schwert und steckte es wieder in die Scheide. Mit feierlichem Blick...


Adrian, Lara
Lara Adrian lebt mit ihrem Mann in Neuengland. Neben ihrer äußerst erfolgreichen Vampirserie hat sie unter dem Namen Tina St. John auch mit historischen Liebesromanen eine große Fangemeinde gewonnen.

Lara Adrian lebt mit ihrem Mann in Neuengland. Neben ihrer äußerst erfolgreichen Vampirserie hat sie unter dem Namen Tina St. John auch mit historischen Liebesromanen eine große Fangemeinde gewonnen.



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