E-Book, Deutsch, Band 2, 432 Seiten
Reihe: Call of Crows
Aiken Call of Crows - Entfacht
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-492-97485-1
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, Band 2, 432 Seiten
Reihe: Call of Crows
ISBN: 978-3-492-97485-1
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
G. A. Aiken ist New-York-Times-Bestsellerautorin. Sie lebt an der Westküste der USA und genießt dort das sonnige Wetter, das gute Essen und die Aussicht auf attraktive Strandbesucher. Ihre erfolgreichen Erotic-Fantasy-Reihen um die Drachenwandler, »Lions«, »Tigers«, »Honey Badgers«, »Wolf Diaries«, »Call of Crows« und die »Blacksmith Queen« erscheinen alle im Piper Verlag.
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Kapitel 1
Als er sie erneut am Knie berührte, knirschte Jace Berisha mit den Zähnen und zwang sich zu einem Lächeln.
Reiß dich zusammen, sagte sie sich. Du schaffst das.
Obwohl sie es eigentlich gar nicht schaffen wollte. Sie wollte nicht in diesem vorübergehend geschlossenen Club in Santa Monica sein und um irgendwelchen von den Göttern gesegneten Ramsch feilschen. Sie wollte zurück im Bird House sein und lesen … egal was. Irgendwas. Aber leider war sie die Einzige im Crow-Clan von Los Angeles, die Russisch sprach sowie einen ganzen Haufen anderer slawischer und romanischer Sprachen plus noch ein paar Sprachen, die zu keiner der beiden Gruppen zählten. Eine Fähigkeit, die früher einem ganz anderen Zweck gedient hatte. Aber diese Fähigkeit war ihr Schlüssel gewesen. Der Schlüssel dazu, aus ihrem ersten Leben heraus- und – zum Glück – in ihr zweites hineinzugelangen. Allerdings hatte sie sterben müssen, damit das passieren konnte. Durch die Hand ihres miesen Exmannes.
Aber das war ein Preis, den sie jederzeit wieder bezahlt hätte, um hier zu sein.
Obwohl die Arbeit undercover nicht gerade ihre Stärke war, würde sie sie für die Frauen, die sie Schwestern nannte, und für die Göttin, die ihr so viel gegeben hatte, tun. Aus eigenem Willen. Das war etwas, das man ihr zu haben früher verboten hatte.
Sie musste bloß einen Weg finden, ihr inzwischen berüchtigtes Temperament zu zügeln.
Weil sie nicht nur eine Crow war. Sie war eine Berserker-Crow. Eine Crow, deren Zorn in Schlachten eingesetzt wurde, um Schrecken zu verbreiten und Zerstörung anzurichten, nicht zwangsläufig in dieser Reihenfolge.
Jace wünschte, sie würde ihre Rolle als Berserker-Crow als eine Art Fluch betrachten, aber das tat sie nicht. Sie freute sich an ihrer Wut, so wie sich manche Menschen an Babys oder einem tollen neuen Sportwagen erfreuten.
Trotzdem, wenn sie nur … wenn sie nur mehr Kontrolle darüber hätte. Sie hatte ein bisschen Kontrolle, aber sobald ihre Wut richtig entfesselt war, gab es kein Halten mehr, bis sie sie an der Person ausgelassen hatte, die sie provoziert hatte.
Eine Neigung, die mitten im Schlachtgetümmel gut funktionierte, weniger gut jedoch, wenn die Crows einmal etwas anderes probierten als ihre übliche Arbeitstaktik: »Reingehen, alle töten, rausgehen.«
Heute Abend versuchten die Crows zu verhandeln, eine Fähigkeit, für die die meisten von ihnen nur im Jewelry District in Downtown L. A. bekannt waren.
Sonst wurden die Crows hinzugezogen, damit sie Dinge zurückholten, die den Göttern gestohlen worden waren, und damit sie alle töteten, die etwas mit dem Diebstahl zu tun gehabt hatten. Und wenn auch das Blut eines Unschuldigen vergossen worden war, so … sagen wir, einiges von dem, was die Crows im Laufe der Jahre getan hatten, war legendär geworden.
Diesmal wussten sie mit Sicherheit, dass die Leute, die gegenwärtig den Armreif einer der Nornen in ihrem Besitz hatten, absolut ahnungslos waren, was sie da in Händen hielten. Sie hatten ihn nicht benutzt. Hatten kein Blut deswegen vergossen. Es waren einfach irgendwelche Clubbesitzer, die versuchten, das hübsche Armband an den Höchstbietenden zu verkaufen. Also war beschlossen worden, dass es unnötig sei, diese Männer zu töten.
Natürlich war keiner der Herren, mit denen sie es zu tun hatten, eine Unschuld im landläufigen Sinne, aber sie waren auch nicht durch und durch böse.
Zumindest glaubte Chloe, ihre Anführerin, das. Jace jedoch wusste es besser. Bevor ihre Mutter sie vor all den Jahren weggeholt hatte, war Jace unter Männern wie diesen aufgewachsen. Aber daran durfte sie jetzt nicht denken. Sonst …
»Also«, versuchte Tessa es noch einmal und gab sich größte Mühe, den Mann neben ihr zu ignorieren, der an ihrem Hals schnupperte, »wie viel für das Armband?«
»Es ist teuer«, antwortete der massige Russe in gequältem Englisch. Sein Name war Wadim Ekimov, und er hatte in den Docks von San Pedro das Sagen. Das Wenige, was sie an Nachforschungen über Wadim angestellt hatten, bevor sie hierher gekommen waren, hatte gezeigt, dass er ein Gangster mittleren Formats war, aber auch nicht besser oder schlechter als die anderen. Er hatte definitiv keinen Überfall durch die Crows verdient, von dem sich weder er noch seine Männer je wieder erholen würden. Denn wenn die Crows anfingen, sich um jeden unbedeutenden Drecksack zu kümmern, der in Los Angeles lebte … tja, nun. Das wäre einfach eine schlechte Idee. »Wir können es nicht einfach verschenken, meine Hübsche.«
Dass diese Idioten keine Ahnung hatten, worum sie da feilschten, machte Jace langsam zu schaffen. Der Mann, der zwischen ihr und Tessa in der Sitznische saß und dessen Hand sich immer weiter an Jace’ Oberschenkel hocharbeitete, machte ihr noch mehr zu schaffen.
»Wir haben Geld«, versprach Tessa. »Und es ist einfach so entzückend, Wadim. Ich muss es haben.«
Die Hand auf Jace’ Oberschenkel kroch noch ein wenig höher hinauf, und sie war kurz davor, dem Mann die Finger zu brechen.
»Und was wird Wadim für ein solch hübsches Armband bekommen?«, fragte er und beugte sich über den runden Tisch, den Blick auf Tessa gerichtet.
»Meine Faust in deinen Arsch, wenn du uns keinen gottverdammten Preis nennst.«
Die Männer schauten alle zu Jace. Und in dem Moment begriff sie, dass sie das nicht nur laut ausgesprochen hatte … sie hatte es in makellosem Russisch gesagt, in dem südrussischen Dialekt der Männer.
Sie hätte ihr Geheimnis nicht auffälliger enthüllen können, wenn sie es auf eine Plakatwand am I-10 Freeway geschrieben hätte.
»Ahhh, ein Spitzel, Wadim«, witzelte einer der Männer, der immer noch keine der Frauen ernst nahm. »Sie haben eine hübsche kleine Spionin mitgebracht.«
Tessa lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück. »Was ist los?« Tessa, eine Afroamerikanerin, die in San Diego geboren und aufgewachsen war, sprach Spanisch und ein wenige Koreanisch aus ihrer Zeit als Lernschwester in einem Krankenhaus in Koreatown, aber das war auch schon so ziemlich alles. Sie hatte jetzt keine Ahnung, was geredet wurde.
Jace begriff, dass sie hier jede Chance vermasselt hatte, diskret vorzugehen, und erwiderte: »Gib uns einfach das Armband, Wadim. Wir bezahlen dich. Bezahlen gut.«
»Und wie willst du uns bezahlen, kleines Mädchen?« Wadim packte sie plötzlich am Kinn und hielt sie fest.
Tessa sprang von ihrem Stuhl auf, aber einer der Männer hielt ihr eine Waffe an die Schläfe. Sie setzte sich schweigend wieder hin, aber ihr Gesicht sagte alles, was gesagt werden musste. Zumindest, was Jace betraf.
Diese Männer hatten gerade ihre einzige Chance vertan, nicht zu »Vogelfutter« zu werden, wie die anderen Clans es nannten.
»Ich mag es nicht, angefasst zu werden, Wadim Ekimov«, warnte Jace den Mann. »Also nimm deine Hände weg.«
»Oder was, kleines Mädchen? Was werden du und deine braune Freundin mit mir machen?«
»Die Frage«, erklang eine Stimme aus den dunklen Ecken des geschlossenen Clubs, »ist nicht, was sie machen wird.« Eine Klinge glitt an Wadims Hals entlang und drückte sich auf seine Halsschlagader. »Sondern was wird der Rest von uns machen?«
Wadim ließ Jace sofort los und hob die Hände.
Jace wischte sich die Stelle in ihrem Gesicht ab, wo er sie angefasst hatte. Nicht weil sie ein Problem speziell mit ihm hatte, sondern nur … wie gesagt, sie ließ sich nicht gern anfassen.
Sie tauchten aus der Dunkelheit auf und schoben sich unter die wenigen Lichter, die in dem größtenteils verlassenen Club noch brannten. Jace’ Team. Die Mädchen, mit denen sie kämpfte, für die sie lebte, für die sie sterben würde, sollte das jemals notwendig werden. Ihre Schwestern. Alle Crows waren ihre Schwestern, aber diese Frauen … sie bedeuteten ihr alles. Würden es immer tun. Sie liebte sie auf eine Weise, die sie nie in Worte fasste, die sie aber tief in ihren Knochen spürte. In ihrem Blut. In der Seele, die jetzt Skuld gehörte, bis Ragnarök kam. Weil sie das so entschieden hatte. Eine Entscheidung, die sie mit Freuden jederzeit wieder treffen würde.
Kera Watson, die sich als Letzte ihrem Team angeschlossen hatte, die aber von Natur aus den ausgeprägtesten Beschützerinstinkt jeder einzelnen Crow gegenüber hatte, hob von hinten Jace über die Lehne der Sitzbank hoch, weg von Wadim und seinen handgreiflichen Freunden.
»Alles in Ordnung bei dir?«, fragte Kera und ließ Jace schnell wieder los.
Kera war ehemalige Marinesoldatin und kannte sich mit Leuten aus....




