Aischylos | Tragödien | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 315 Seiten

Reihe: Fischer Klassik Plus

Aischylos Tragödien

Fischer Klassik PLUS
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-10-401928-4
Verlag: S. Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Fischer Klassik PLUS

E-Book, Deutsch, 315 Seiten

Reihe: Fischer Klassik Plus

ISBN: 978-3-10-401928-4
Verlag: S. Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mit den Beiträgen zu allen ausgewählten Werken aus Kindlers Literatur Lexikon.
Mit dem Autorenporträt aus dem Metzler Lexikon Weltliteratur.
Mit Daten zu Leben und Werk, exklusiv verfasst von der Redaktion der Zeitschrift für Literatur TEXT + KRITIK.

Der blutige Fluch der Atriden-Familie – sie opfern und sie morden sich – ist nur mit einem Richterspruch Athenes aufzulösen. ›Die Orestie‹ des Aischylos, schon vor 2.500 Jahren gefeiertes Theatererlebnis über die Geburt der Demokratie, hat mit ihren Motiven von Rache und Vergeltung, Pflicht und Selbstbestimmung unzählige Künstler beeinflusst, darunter so politische wie Jean-Paul Sartre.
Dieses ebook enthält die Tragödien ›Die Orestie‹, ›Die Perser‹, ›Der gefesselte Prometheus‹, ›Die Schutzflehenden‹ und ›Die Sieben gegen Theben‹.

Aischylos Tragödien jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Die Perser


Personen


ATOSSA

BOTE

CHOR PERSISCHER FÜRSTEN

DAREIOSSCHATTEN

XERXES

Palast der persischen Könige, vor dem Palast der Altar Apollons

CHORFÜHRER

Wir sind die Getreuen des persischen Volks,

Das zumal auszog zum hellenischen Land,

Sind Wächter der vielglückseligen und

Goldprangenden Sitze, die Xerxes selbst,

Mein König und Herr,

Auswählte, der Lande zu wachen.

Um die Heimkehr unseres Königes nun,

Um des goldenen Heers Heimkehr angstvoll

Vorahnend erbebt in der Brust mein Herz,

Von Bekümmernis voll.

Denn die Jugend des Reichs, denn Asias Kraft

Zog fort, nachjauchzt sie dem Jüngling;

Und es kommt doch zu Fuß, und es kommt doch zu Roß

Kein Bote zur persischen Heimat.

Und von Susa so, von Ekbatana fort

Und vom alten Gemäur der kissischen Stadt

Zogen sie fernhin,

Bald Scharen zu Roß, dann andre zu Schiff,

Und des Fußvolks Reihn,

Die der Kern im Gedränge der Schlacht sind.

Auszog Amistres und Artaphernes,

Aus Megabazes und Astaspes,

Die Gewaltgen im Reich,

Könige, dienstbar nur dem Großkönige,

Feldherrn von Heeren im Heere des Reichs,

Mit dem Bogen der Schlacht, auf schäumendem Roß,

Furchtweckend zu schaun und entsetzlich im Kampf

In des Muts vielwagender Hoffnung.

Und der Schlachtroßtummler Artembares auch,

Masistres auch

Und Imaios der Held, goldbogenbewehrt,

Und Pharandakes,

Und der Rosse Bewältger Sosthanes.

Und andre gesandt hat des schwellenden Nils

Fruchtüppiges Tal,

Susiskanes, Pegastagon,

Den Ägypten gebar, und der Fürst Arsames,

Der Memphis, die heilige Stadt, sein nennt,

Und der uralt herrlichen Theben Herr

Ariomardos,

Und vom Bruchland zog schiffsruderndes Volk

Mit hinaus, zahlloses Gewimmel.

Von dem weichlichen Volk aus Lydia kam

Kriegsvolk, dem zumal

Sich des Festlands Heer scharweis anschloß;

Die führt Arkteus und Matragathes,

Herrschende Könige.

Auch Sardes sendet, die goldene, viel

Kriegsscharen, verteilt in die Wagen der Schlacht,

Die mit Doppelgespann, dreifachem Gespann

Furchtbar toddräuend dahinziehn.

Die vom Tmolosgebirg und den Fluren umher,

Sie bedrohn Hellas mit dem knechtischen Joch;

So der Speeramboß Tharybis, Mardon

Und die mysischen Schleudrer. Von Babylon auch

Aus goldenem Tor in geschlängeltem Zug

Zog buntes Gewühl, teils Schiffsvolk aus,

Teils Schützen der Kunst des Geschosses gewiß;

Was Schwert nur trägt in dem ganzen Bereich

Asiatischen Stamms,

Nachfolgt es den Fahnen des Königs.

Ja, die Blüte des Volks aus persischem Reich

Zog fern in den Krieg,

Und Asias Land, das sie aufzog, seufzt

Und grämt sich um sie, von Verlangen gequält;

Und die Mutter, das Weib, die die Tage gezählt,

Sehn bang, wie die Tage dahinfliehn.

Erste Strophe

CHOR

Schon hineindrangen die burgstürmenden Kriegsscharen des Königs

In das jenseitige nachbarliche Festland

Auf der taubandigen Brück über den Sund der

Athamantischen Hella;

Um den Nacken der See schlang sich der dichtbalkige Heerweg.

Erste Gegenstrophe

Denn der vielvolkigen Flur Asia kampfkühner Gebieter,

In das Land trieb er die Heerwolke der Seinen

Wie ein Sturm, beides vom Festland, von der See her;

Er vertraut’ sich den kühnsten,

Den gewaltigen Feldherren, des goldnen Geschlechts göttliche Sonne.

Zweite Strophe

Mit dem bluttrunkenen Mordblick des zum Fang fliegenden Felsdrachen, so vielarmig, so vielschiffig hinab schießt er den Giftpfeil

Von dem Schlachtwagen Assyriens in die lanzenkundgen Städte.

Zweite Gegenstrophe

Und es tritt keiner hervor gegen die lautbrandende Heerflut, wie ein Bollwerk vor der unzwingbaren Meerwoge zu schirmen;

Denn unnahbar in der Schlacht kenn ich und kühn das Volk der Perser.

Epode

Doch der trugsinnenden Gottheit, wer entkommt ihr von den Menschen?

Wer entrinnt ihr mit dem raschfliehenden Fuß glückenden Sprunges?

Denn so süß lächelnd im Anfange sie liebkost, sie verlockt

In das Garn, draus nimmermehr

Noch hinausschleichend, noch ausweichend der Mensch wieder entkommt.

Dritte Strophe

Denn ein Gott ordnet’ die Lose des Schicksals; es gebot in der Urzeit schon den Persern,

Sich den burgstürmenden Kämpfen,

Sich der roßwimmelnden Feldschlacht, sich dem nächtigen Überfall zu weihn.

Dritte Gegenstrophe

Doch das Volk lernte das finstre, das sturmschauererschäumende weitrückige Meer sehn,

Sich der See heiligem Hain nahn,

Dem behend schwankenden Tauwerk und der Brücke des Völkerzugs vertraun.

Vierte Strophe

Drum zerreißet drinnen mein gramumnachtet Herz

Wehe!

Daß es nur des Perserheers Vaterstadt, die mannvereinsamte Stadt Susa nur es nicht vernimmt!

Vierte Gegenstrophe

Und der Kissier hohe Burg, wiederhallen wird sie dies

Wehe!

Diesen Wehruf weinend wird wieder schrein der Weiber Schwarm, wird entzweireißen Schleier und Gewand.

Fünfte Strophe

Alles streitbare Volk zog zu Roß und zog zu Fuß

Einem Schwarm Bienen gleich ihrem Heerkönig nach vom Reich hinaus,

Zog fernhin über ringsumjochte, beidem Gestade zugleich

Ufernahe Vorsee.

Fünfte Gegenstrophe

Doch daheim naßgeweint ist in Sehnsucht manches Bett;

Persis’ Fraun gramerschöpft, sich um den Mann jede sehnend, den sie liebt,

Den waffenkühnen, kampfberühmten, welchen sie gab in den Krieg,

Witweneinsam bleibt sie.

CHORFÜHRER

Ihr Perser, wohlan!

Nun setzt euch dort an den alten Palast

Und laßt uns treu tiefforschenden Sinns

Rat pflegen; die Not, sie gebeut es.

Wie wird es denn jetzt um Xerxes stehn,

Um Dareios’ Sohn,

Den erhabensten Zweig von der Väter Geschlecht!

Hat der Bogen Geschoß nun den Sieg sich erzielt?

Hat der Lanze Gewalt

Ihn mit eherner Stirn sich ertrotzet?

Aus der Königlichen Pforte wird Atossa herausgetragen

CHOR

Sieh dort! Wie in Strahlen der Gottheit naht

Sie, die Sonne, die Mutter des Königes uns,

Unsere Königin.

In den Staub werf ich mich. Laßt ehrfurchtsvoll

Uns alle zugleich

Anbetend im Staub sie begrüßen!

Sie fallen nieder und berühren den Boden mit der Stirn

CHORFÜHRER

Tiefgeschürzter Perserinnen allverehrte Königin,

Greise Mutter unsers Königs, Heil dir, Heil, Dareios’ Weib,

Gattin einst des Persergottes, Persergottes Mutter noch,

Wenn der alte Dämon jetzt nicht unser Heer verraten hat.

ATOSSA

Drum erschein ich, drum enteilt ich des Palastes goldnem Tor

Und verließ mein und Dareios’ einst gemeinsam Schlafgemach;

Und das Herz zerreißt mir Sorge. Aber sagen muß ich euch

Noch ein andres; selbst um mich nicht, Freunde, bin ich frei von Furcht,

Ob das Glück nicht, das Dareios einst, der Gottheit voll, erbaut,

Unser Reichtum stürzt, der hinzieht stolzen Schrittes, staubumwölkt.

Darum quält zwiefache Sorge unaussprechlich mein Gemüt;

Keiner scheut die Macht des Reichtums, wenn ein Mann sie nicht vertritt,

Noch umstrahlt den Gutentblößten seiner Macht gerechter Glanz.

Wohl ist gnug des Gutes, wohl auch für ein liebstes Auge Furcht –

Ja, des Hauses Auge heißt mir seines Herren Gegenwart.

Für das alles, falls es so ist, wie ich es fürchte, wollet nun,

Perser, vielgetreue Greise, treulich mir Berater sein;

Denn in euch und eurer Weisheit ruht mir aller beste Rat.

CHOR

Wiß es, Herrin, nicht vergeblich rufst du mit dem ersten Wort

Uns zu Rat, zu aller Tat auf, deren Kraft uns nicht gebricht.

Denn die treusten Ratgenossen hast in uns du dir erkannt.

ATOSSA

Zahllose Träume sind mir fort und fort des Nachts

Gekommen, seit mit seinem Heer mein Sohn hinaus

Der Iaonen Lande heimzusuchen zog.

So deutlich aber sah ich keinen andern noch

Als in der letztvergangnen Nacht; ich sag ihn dir.

Mir war’s, als säh ich zween schöngewandige

Jungfraun, die eine reichgeschmückt in persischen

Prachtkleidern und im dorischen Kleid die andere,

An Gestalt bei weitem aller Weiber herrlichste,

Fehllos an Schönheit, beide Schwestern eines Stamms;

Als ihre Heimat hatte vordem diese sich

Hellas erloset, jene das Barbarenland.

Die beide glaubt ich nun zu sehn, wie kampfbereit

Sie sich wild entgegenstanden; doch mein Sohn gewahrt’s,

Er hemmt sie, er beruhigt sie, schirrt beide sich

Vor seinen Wagen, und um ihren Nacken liegt

Sein Joch. Die eine hob sich, warf sich im Geschirr,

Doch ließ den Mund sie leicht vom Zügel bändigen;

Unruhig riß die andre, mit empörter Hand

Zertrümmert wild sie...



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