Akdag | Weisheiten aus dem Herzen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Akdag Weisheiten aus dem Herzen


1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-99107-656-8
Verlag: novum pro Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

ISBN: 978-3-99107-656-8
Verlag: novum pro Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Auf der Suche nach Weisheiten und Wahrheiten begegnet die junge Kuvvet dem Weisen, der ihr Geschichten über Menschen, Tiere, die Natur und den Schöpfer erzählt. Er lehrt sie, Vertrauen in den Glauben zu haben, nach dem Schöpfer zu suchen und innere Werte zu schätzen, bis Kuvvet bereit ist, ihren Weg allein fortzusetzen. Sie beobachtet die Welt um sich und lernt von ihr, bis sie schließlich selbst von ihrer Reise zum Glauben und zu Allah zu erzählen beginnt.

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2. Kuvvet

Es keimte ein Wunsch in Kuvvet auf.

Sie wollte die Reife und Weisheit suchen.

Sie offenbarte diesen Wunsch dem Weisen.

Dieser war erfreut.

Und er sprach:

„Du suchst die Vollendung.

Mein Rat an dich ist:

Lebe mit offenen Augen.

Und denke und halte fest, was du gedacht und gefunden hast.

Und so sei dein Glaube an Allah dein Wegbegleiter und Wegweiser.

So gehe, Kuvvet. Gehe und kämpfe für Allah.“

Kuvvet schwieg noch ruhig. Dann senkte sie stumm ihr Haupt und sprach für die Ewigkeit:

„Ich gehe, werter Weiser … Und ewig soll meine Suche sein.“

Kuvvet tat, wie empfohlen. Lasst uns gemeinsam sehen, was ihr geschah und was sie lernte …

Der Sänger

Eines Abends hörte Kuvvet beim Spazieren aus einem offenen Fenster eines anliegenden Hauses laute Musik.

Ungewöhnlicherweise blieb sie stehen und lauschte wie gebannt der Melodie und dem schmerzlichen Text.

„Wer ist’s, der leidet, so ganz und gar?“ Und sie ging in ihr Heim und setzte sich ruhig hin.

„So lasst mich eintauchen in seinen Geist und lasst ihn erzählen …“

„Ich brauche Liebe“, sagte der junge Mann.

„Was ich auch tat, mein Innerstes verzehrte sich nach echter Liebe.

Ich suchte.

Überall.

Kurze Liebe fand ich manchmal.

Doch wollte ich beständige Liebe.

Und ich suchte.

Überall.

Doch es war so sonderbar.

Einmal liebte ich ohne Angst und Zweifel.

Man brach mir das Herz, eine Frau, die mir das Herz brach.

Oden, Gedichte und Lieder schrieb ich über diesen Schmerz.

Ich schrie mein Leid heraus!

Ich beweinte mein unsichtbares, strömendes Blut!

Man entdeckte mich …

Man machte mich zum Sänger der Moderne …

Menschen, die mich umgaben, waren so oberflächlich …

Sie waren Freunde meines Erfolgs …

Ich blieb allein …

Ich blieb allein!

Warum?

Warum nur blieb ich allein?

Ich brauchte Liebe …

Nur Wärme …

Warum lässt man mich hier allein? …

Noch einmal verliebte ich mich.

Sie liebte meinen Erfolg …

Als sie mich sah, den Schmerzerfüllten, lachte sie nur und ging davon.

Ich war nackt!

Wohin?

Sage mir doch irgendjemand, wo soll ich hin?

Mein Schmerz macht mich erfolgreicher!

Meine Lieder haben tolle Melodien!

Wo sind Freunde?

Wo noch Herz?

Was wollt ihr?

Soll ich zu Stein werden?

Wer bedrängt mich …?

Ich suchte nach Liebe.

Ich verlor die Hoffnung.

So holte ich mir, was man mir geben wollte.

Meine Freunde waren die Whiskeyflasche, oberflächliches Fleisch im Schlafzimmer neben mir und meine Tiefen.

Meine Tiefen, wenn man mich allein ließ.

Für wen haltet ihr mich?

Sagt, für wen?

Ist deine Ordnung gut? Mein Chaos schlecht?

Ich wollte nur Liebe.

Ich wollte nur Liebe!

Oft zertrümmerte ich meine Einrichtung.

Neue wurde mir gebracht.

Und je schlechter es mir ging, desto erfolgreicher wurde ich.

Leere Gesichter jubelten mir zu.

Immer wieder.

Ich sah nur noch die Umrisse.

Ich wollte nur Liebe.

Ich bekam keine Liebe.

Ich schwamm im Geld.

Marken- und Designerklamotten …

Teure Autos …

Wertvoller Schmuck …

Schöne Frauen, die sich nach mir verzehrten …

Man beneidete mich …

So viele waren mir feindlich gesinnt …

So hasst mich!

Hasst mich!

Ich hasse euch nicht …

Macht, was ihr wollt …

Macht nur, macht …

Und eines Tages stand ich vor dem Spiegel.

Und während ich mich forschend anstarrte, zersprang der Spiegel in unendlich kleine Teilchen.

Es war, als sei die Zeit plötzlich zähflüssig geworden.

Ich sah nahezu alle Scherben, Millionen einzelner Stückchen, die sich vom Ganzen lösten, aufatmeten, vielleicht erst atmeten. Die dem einstig Ganzen Dank und Lebewohl zuriefen und ihre Wege gingen.

Mein Gesicht war starr.

Nun sah ich einzig die kahle Wand vor mir.

Mechanisch senkte sich meinen Kopf, fast ohne Befehl.

Die Sonne strahlte goldenes Licht in das Badezimmer.

Diamanten glühten auf.

Und das Rot meines Blutes, das sich am Waschbecken auf diese Scherben ergoss, beschmutzte sie nicht.

Keiner würde sich fortan, da die Scherben sich ihrer bewusst geworden waren, dem Spiegel von einst erneut zuwenden.

Nun sah ich Rubine und Diamanten, funkelnd mir Mut zusprechen.

Was meinten diese doch eigentlich Zerstörten?

Sie waren gar nicht zerstört.

Nur der Mensch urteilt gerne nach seinen Auffassungen.

Nur eine neue Form, eine neue Art, ein neues Dasein war entstanden.

Egal, ob der Mensch sie mag oder nicht.

Und dann sah ich etwas auf manchen Spiegelstückchen erstrahlen.

… Was war das?

Fast heilig war dieses Licht.

… Wer bist du?

Mein Herz, ich verstand es nicht mehr.

Sonderlichste Rhythmen gingen von ihm aus.

Was hast du, Herz?

Langsam hob ich meine blutige Hand, betrachtete sie neugierig, erkannte ein leichtes Zittern und ließ sie auf meiner Brust ruhen.

Beruhige dich, Herz …

Ist doch gut …

Ist schon gut …

Dann spürte ich Metall.

Mein Herz machte einen schmerzhaften Sprung.

Alle Flächen, Ecken, Kanten und Farben wollten schwinden.

Macht, was euch richtig erscheint …

Ich griff nach jenem Metallstück.

Es war mein Kreuz.

Ich ließ mich auf den Boden sinken und nahm jene Kette ab.

Es war, als sähe ich sie zum ersten Mal.

Gott … und Jesus …

Ja. Ich bin Christ.

Christ?

Ich … bin Christ.

Ich … wollte … Liebe … so sehr? …

Zum ersten Mal in meinem Leben betete ich bewusst und von Herzen.

Fadenartig rannen Tränen herab und tropften auf meinen Leib.

Mein Herr ist da. Gott, du bist da.

Beschütze mich …

Ich kann nicht mehr …

Ich bin am Ersticken …

Mein Schöpfer!

Wirst du mir Liebe schenken?

Darf ich dir vertrauen?

Ich brach zusammen.

Und Gott war bei mir.

Er gab mir Kraft.

Nie hatte man mich den Glauben richtig gelehrt.

Selbst fand ich ihn.

In großer Not …

Der Herr ist groß.

Er ist mein Alles seither.“

Kuvvet sprach: „So höre!

Wer weiß denn heute, wer ist, wie du bist, wenn du bist, wie alle sind und ob du einfach nur eine aussterbende Sorte Mensch bist, die man nicht mehr sieht?

Einer unter Hunderten oder Tausenden, die wollen, was sie haben, bis auf dich?

Wer soll dich da finden?

Wer außer dem Schöpfer, so sag es mir, wer?

Und so ging es weiter, bis der Spiegel zerspringen musste …“

Lohn und Strafe

Kuvvet ging eines Tages in einem ruhigen Dorf spazieren.

Als sie sich auf das angrenzende Tal zubewegte, sah sie eine junge Frau, die verzweifelt und unglücklich zu dem Schöpfer betete.

Kuvvet hörte ihre Worte im Vorbeigehen.

„… Herr, bitte mach, dass diese Schmerzen und das Leiden endlich enden. Herr, ich ertrage das nicht, es ist alles so schwer …“

Kuvvet blickte die junge Frau, wie sie unter einem großen Laubbaum stand und gen Himmel schaute, still an, bis Kuvvet sich dann sachte entschloss auf die Frau zuzugehen.

So hörte sie sich den Kummer der jungen Frau aufmerksam an und blieb lange Zeit schweigsam bei ihr, teilte ihre Leiden und kam ihr warm entgegen.

Als die junge Frau alles mitgeteilt hatte, lächelte Kuvvet sanft, blickte eine Weile stumm vor sich, um dann mit ernsten Zügen zu ihr zu sprechen.

„… Was du nicht erkanntest, gute Frau: Du wolltest vorschnell eine Lösung erzwingen.

Du nahmst das Leid nicht an und sahst es als eine Qual und Folter.

Du wolltest dich mitnichten in Geduld üben. Nach all den Jahren des gemäßigten Lebens brachte dich etwas Prüfung ganz und gar aus der Fassung.

Du sahst das Leid als eine Strafe und als gar so völlig ungerecht.

So höre mich an:

Leid ist zweierlei. Für die Unwissenden und Ungläubigen ist es eine Strafe.

Es ist eine Strafe, da sie nicht an einen Schöpfer glauben. Dies liegt darin begründet, dass sie nicht eingeweiht sind in die tieferen Wahrheiten des Glaubens. Und da sie nicht um diese tieferen Wahrheiten wissen, engt Leid sie ein.

Schließlich glauben sie nur an das Erdenleben oder sind dem Dasein gegenüber gleichgültig eingestellt. Und aus diesem Grunde wünschen sie sich nichts mehr als ein...



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