Alden | Broken Money | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 464 Seiten

Alden Broken Money

Warum unser Finanzsystem uns im Stich lässt und wie wir es verbessern können
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-949098-55-0
Verlag: Aprycot Media
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Warum unser Finanzsystem uns im Stich lässt und wie wir es verbessern können

E-Book, Deutsch, 464 Seiten

ISBN: 978-3-949098-55-0
Verlag: Aprycot Media
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Weltweit gibt es über 160 verschiedene Währungen, jede mit einem Monopol innerhalb ihres eigenen Rechtsraums. Doch abgesehen von einer Handvoll stabilerer Währungen, verlieren die meisten von ihnen mit der Zeit rapide an Wert und finden kaum Akzeptanz außerhalb ihrer Landesgrenzen. Grenzüberschreitende Zahlungsengpässe, Umrechnungsprobleme und Währungswechsel machen das globale Finanzsystem in gewisser Weise zu einem modernen Tauschhandel. Wer im 'falschen' Land geboren wurde, hat es besonders schwer, effektiv zu sparen. Während stetig steigende Energieproduktion und der technologische Fortschritt durch Elektronik unseren Lebensstandard kontinuierlich verbessert haben, hinkt das globale Finanzsystem dieser Entwicklung hinterher und bremst das wirtschaftliche Potenzial aus. Diese Problematik trifft nicht nur Schwellenländer, sondern wird zunehmend auch in den Industrieländern spürbar, wo Schulden und Defizite außer Kontrolle geraten und Wellen von Inflation und Bankenzusammenbrüchen die Weltwirtschaft erschüttern. Wie konnte es so weit kommen? Warum ist unser Geld im 21. Jahrhundert immer noch so unzulänglich? Politische Eingriffe können zwar kurzfristige und lokale Verbesserungen bringen, doch nur Technologie schafft nachhaltige und globale Veränderungen. Genau wie Gold einst Muscheln ersetzt hat, und wie Zentralbanken eine logische Konsequenz der Einführung von Geldscheinen aus Papyrus sind, und sogar wie die Erfindung des Telegraphen nur eine erste Etappe auf dem Entwicklungspfad hin zu Bitcoin darstellt, fällt die Bedeutsamkeit von Technologie insbesondere im Geldwesen auf. In BROKEN MONEY nimmt Lyn Alden ihre Leser mit auf eine spannende Reise durch die technologische Evolution des Geldes. Sie beleuchtet die Ursprünge des Geldwesens, wagt einen Blick in die Zukunft und hinterfragt die fundamentalen Grundlagen, auf denen unsere heutigen Geldsysteme beruhen.

Lyn Alden widmet sich bei ihren vielbeachteten makroökonomischen Analysen insbesondere den Geld- und Energiemärkten. Ihre Ausbildung und berufliche Tätigkeit bieten eine ausgewogene Mischung an Kompetenzen in den Bereichen Ingenieurs- und Finanzwesen. Es gelingt ihr in Beiträgen und Auftritten, mit ihrer offenen und verständlichen Art, einem Millionenpublikum komplexe Fragestellungen zu diesen Themen näherzubringen. Als Vorstandsmitglied und Beraterin unterstützt sie außerdem aufstrebende Startups dabei, die Finanzinstrumente für eine neue Ära zu entwickeln.
Alden Broken Money jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Einleitung


Im September 2022 überrannten Scharen an sich braver Bürger Bankfilialen im Libanon.

Was diese Vorkommnisse berichtenswerter machte als gewöhnliche Banküberfälle, war die Tatsache, dass die meisten dieser Menschen die Banken nur ausraubten, um an ihr eigenes Geld heranzukommen. Aufgrund einer Finanzkrise im Libanon ließen die Banken ihre Kunden lange Zeit nicht auf ihre Bargeldeinlagen zugreifen.

Eine der „Bankräuberinnen“, die Schlagzeilen machten, war eine junge Frau, die als Innenarchitektin arbeitete. Sie überfiel eine Bank in Beirut mit einer, wie sich später herausstellte, echt aussehenden Pistolenattrappe, um die Ersparnisse ihrer Familie für die Behandlung ihrer krebskranken Schwester abzuheben, da die Bestände von der Bank eingefroren worden waren. Dies war vielleicht das auffallendste Beispiel, aber es gab in dieser Zeit noch weitere Banküberfälle von Leuten, die bloß ihre eigenen Einlagen zurückhaben wollten und einige von ihnen bedienten sich echter Waffen.

Diese Ereignisse im Libanon sind spezifisch für ein bestimmtes Land zu einer bestimmten Zeit, aber sie sind Episoden einer bedeutend größeren Erzählung mit globalen Ausmaßen.

Nigeria, ein Land mit mehr als 200 Millionen Einwohnern, verzeichnete in den letzten zehn Jahren eine jährliche Inflation von 13 %.1 Im Jahr 2021 wurde eine digitale Zentralbankwährung namens eNaira eingeführt, die bisher nur sehr wenig Akzeptanz fand, während Kryptowährungen (insbesondere Bitcoin und den US-Dollar abbildende Stablecoins) eine weitaus höhere Akzeptanz innerhalb des Landes erfuhren, obwohl sie vom Bankensystem des Landes abgetrennt operieren. Die nigerianische Regierung hat daraufhin eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um die Verfügbarkeit von physischem Bargeld einzuschränken und die Menschen zu digitalen Zahlungen hinzudrängen, was zu einer anhaltenden Phase politischer Unruhen und Ausschreitungen beigetragen hat.

Ägypten hat den Wert seiner Währung gegenüber dem US-Dollar im Herbst 2016 glatt halbiert, was die jahrelangen Ersparnisse einer Bevölkerung von rund 100 Millionen Menschen vollständig ausradiert hat. In den Jahren 2022 und 2023 wertete das Land seine Währung gegenüber dem Dollar erneut mehrfach stark ab, was zu einer weiteren Halbierung des Wechselkurses führte. Ich kenne Leute in Ägypten, die zum Schutz vor dieser ständigen Bedrohung auf dem Schwarzmarkt physische US-Dollar kaufen und diese aufbewahren. Dabei fallen beträchtliche Umtauschgebühren an, während sie für die Papierdollar, die sie sparen, keinerlei Zinsen erhalten. Jedes Mal, wenn es zu diesen Abwertungen kommt, müssen alle Angestellten im Land sofort versuchen, bessere Einkommen auszuhandeln, um einen Teil der dabei verlorengegangenen Kaufkraft zurückzugewinnen, da ihre laufenden Bezüge in der sich abwertenden Landeswährung stattfinden. Die Türkei und Argentinien, beide Mitglieder der G20 und mit einer Gesamtbevölkerung von über 130 Millionen Menschen, hatten in den letzten Jahren mit einer galoppierenden Inflation zu kämpfen. Die Türkei erlebte im Jahr 2022 eine jährliche Inflationsrate von 85 % und Argentinien im Jahr 2023 eine Inflationsrate von weit über 100 %.2

In den 1990er-Jahren erlebte Brasilien eine regelrechte Hyperinflation, und das als fünftbevölkerungsreichstes Land der Welt. Wenn Menschen von Hyperinflationen sprechen, denken sie oft an das Deutschland der 1920er-Jahre oder an bestimmte klamme Staaten der Gegenwart, aber einer erstaunlich großen Anzahl von Ländern widerfuhren sie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Allein seit den 1980er-Jahren und danach haben die Menschen in Brasilien, Argentinien, Jugoslawien, Simbabwe, Venezuela, Polen, Kasachstan, Peru, Weißrussland, Bulgarien, der Ukraine, dem Libanon und einigen anderen Ländern eine Hyperinflation durchgemacht. Andere Länder wie Israel, Mexiko, Vietnam, Ecuador, Costa Rica und die Türkei wiesen in diesem Zeitraum dreistellige Inflationsraten (am Rande einer Hyperinflation) auf.

Von 2016 bis 2021 boten viele Staatsanleihemärkte in wohlhabenden Ländern Europas und in Japan nahezu null oder sogar negative nominale Renditen, und am Höhepunkt dieser Entwicklung gab es Anleihen mit negativen Renditen im Ausmaß von über 18 Billionen US-Dollar.3

Die Menschen wurden also für das zweifelhafte Privileg, Regierungen und großen Unternehmen Kredite zu gewähren, auch noch zur Kasse gebeten, anstatt dafür Zins zu erhalten. Die Anreize des Finanzsystems wurden also auf den Kopf gestellt. In den Folgejahren führte ein weltweiter Inflationsschub zu einem starken Kaufkraftverlust für die Inhaber dieser Anleihen. Während der gesamten 2010er Jahre tätigten mehrere hochrangige Mitglieder der US-Notenbank wiederholt die Aussage, dass die Wirtschaft zu lange unter ihrem durchschnittlichen Inflationsziel geblieben sei und dass sie eine höhere Inflation anstrebten. Bei einer Anhörung im Kongress Anfang 2021, als die Inflation in den USA bei 1,7 % lag, wurde der Vorsitzende der Federal Reserve von einem Kongressabgeordneten auf den 25-prozentigen Anstieg der Geldmenge (der höchste Wert seit den 1940er-Jahren) innerhalb eines Jahres und die möglichen Auswirkungen auf die Inflation respektive die Kaufkraft des Dollars angesprochen. Der Vorsitzende wies diese Bedenken mit der Bemerkung zurück, dass ein solcher Anstieg der Basisgeldmenge wahrscheinlich keine großen wirtschaftlichen Auswirkungen haben würde und dass wir uns möglicherweise von der Vorstellung verabschieden müssen, Geldmengen würden entscheidende Auswirkungen auf die Wirtschaft haben.4

Als sich die Preisinflation später im Jahr 2021 ernsthaft abzuzeichnen begann, tat der Vorsitzende sie zunächst als vorübergehend ab und die Federal Reserve dehnte die Geldmenge durch quantitative Lockerungsmaßnahmen weiter aus. Doch dann, als im Jahr 2022 hohe Inflationsraten wie seit vier Jahrzehnten nicht mehr auftraten, gerieten der Vorsitzende und andere Führungskräfte der Federal Reserve in Panik und änderten ihre Geldpolitik und nannten die Preisinflation als größtes Problem, das es zu adressieren galt. In ihrem Versuch, die Inflation abzufangen, erhöhten sie die Zinssätze so aggressiv – und verringerten die Geldmenge im Laufe des nächsten Jahres in einem Rekordtempo –, dass sie den Banken schließlich nicht realisierte Verluste in Höhe von über einer Billion Dollar aus ihren Staatsanleihen und anderen risikoarmen Anlagen bescherten. Durch das abrupte Eindampfen von Einlagen aus dem Bankensystem trugen sie zu einigen der größten Bankzusammenbrüche in der amerikanischen Geschichte bei. Folglich wiesen im Jahr 2023 Banken im ganzen Land aufgrund der stark anziehenden Zinssätze ernsthafte Schieflagen auf. Zum ersten Mal in der modernen Geschichte fuhr sogar die Federal Reserve selbst ein negatives Betriebsergebnis ein, da sie im Vergleich zu den Erträgen aus ihren Vermögenswerten derart hohe Zinssätze auf ihre Verbindlichkeiten zu begleichen hatte.5 Diese Entscheidungen einer Federal Reserve setzen die monetären Rahmenbedingungen für 330 Millionen Amerikaner sowie für Milliarden von Menschen im Ausland und dennoch werden sie manuell und quasi auf Gutdünken von einer Gruppe getroffen, die sich aus gerade einmal zwölf Personen zusammensetzt.

Es gibt weltweit etwa 160 verschiedene Währungen, jede mit einem lokalen Monopol in ihrem eigenen Geltungsbereich und die meisten von ihnen genießen außerhalb dieses Gebiets keine Akzeptanz. Die globale Finanzordnung ist in dieser Hinsicht praktisch ein Tauschsystem. Eine Handvoll Spitzenwährungen werden von anderen Zentralbanken als Reservewährungen gehalten und genießen ein gewisses Maß an Akzeptanz im Ausland, aber sie verlieren mit der Zeit langsam an Wert und werfen Zinssätze ab, die seit Jahren nicht mit der Inflation Schritt halten. Die meisten anderen Währungen sind eher anfällig für starke Abwertungen, anhaltende Phasen zweistelliger Inflationsraten und gelegentliche Hyperinflation, während sie im Ausland kaum oder gar nicht akzeptiert werden. Menschen in Ländern, die zur zweiten Gruppe gehören, versuchen oft, um ihre Ersparnisse zu schützen, an Fremdwährungen wie Dollar zu gelangen und können sich für gewöhnlich nicht darauf verlassen, dass ihre lokalen Banken diese für sie sicher verwahren.6

Selbst in den stabilsten Währungsländern kann es eine Herausforderung sein, Geld zu sparen und wenn man zufällig im „falschen“ Land geboren ist, kommt das Anhäufen nennenswerter Rücklagen einer Sisyphusarbeit gleich.

Aber wie sind wir an diesen Punkt der Geschichte gekommen? Warum zeigt sich unser Geld gerade so, wie es eben ist?

Das globale Finanzsystem gereichte den Entwicklungsländern im Lauf der modernen Geschichte seit jeher zum Schaden, und die vergangenen Jahrzehnte über haben sich selbst für die Industrieländer schwerwiegende Ungleichgewichte aufgebaut. Es ist in seiner Basis nicht mehr solide, zum Teil, weil es sich in seinem Kern überholter Technologie bedient.

Ich behaupte, dass das Aufkommen des Populismus seit der globalen Finanzkrise von 2008 in den Vereinigten Staaten, Europa und einer Reihe von Entwicklungsländern zu einem Gutteil auf diese Tatsache zurückzuführen ist. Menschen sowohl auf der linken als auch auf der rechten Seite des politischen Spektrums spüren, dass etwas nicht stimmt, dass die Umstände gegen sie arbeiten; sie können aber nicht genau sagen, weshalb. Ein wesentlicher Teil des Puzzles ist, dass das Finanzsystem, wie wir es kennen, nicht mehr funktioniert.

Wir haben in den abgelaufenen Jahrzehnten gesehen, dass die...


Lyn Alden widmet sich bei ihren vielbeachteten makroökonomischen Analysen insbesondere den Geld- und Energiemärkten. Ihre Ausbildung und berufliche Tätigkeit bieten eine ausgewogene Mischung an Kompetenzen in den Bereichen Ingenieurs- und Finanzwesen. Es gelingt ihr in Beiträgen und Auftritten, mit ihrer offenen und verständlichen Art, einem Millionenpublikum komplexe Fragestellungen zu diesen Themen näherzubringen. Als Vorstandsmitglied und Beraterin unterstützt sie außerdem aufstrebende Startups dabei, die Finanzinstrumente für eine neue Ära zu entwickeln.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.