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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 326, 100 Seiten

Reihe: Sophienlust

Alexander Vom Leid verfolgt

Sophienlust 326 - Familienroman
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7409-7308-7
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Sophienlust 326 - Familienroman

E-Book, Deutsch, Band 326, 100 Seiten

Reihe: Sophienlust

ISBN: 978-3-7409-7308-7
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Idee der sympathischen, lebensklugen Denise von Schoenecker sucht ihresgleichen. Sophienlust wurde gegründet, das Kinderheim der glücklichen Waisenkinder. Denise formt mit glücklicher Hand aus Sophienlust einen fast paradiesischen Ort der Idylle, aber immer wieder wird diese Heimat schenkende Einrichtung auf eine Zerreißprobe gestellt. Diese beliebte Romanserie der großartigen Schriftstellerin Patricia Vandenberg überzeugt durch ihr klares Konzept und seine beiden Identifikationsfiguren. »So, das wäre mal wieder die Post!« Das Hausmädchen Ulla stellte ein Körbchen mit Briefen, Postkarten und Zeitungen auf den Schreibtisch von Frau Rennert. »Danke, Ulla!« Frau Rennert, die Leiterin des Kinderheims Sophienlust, begann sofort die Post zu sortieren. Es waren verschiedene Briefe und Karten für die Kinder dabei. Die kleine Susanne, die seit vier Wochen in Sophienlust lebte, bekam gleich drei Karten auf einmal, einige der anderen Kinder dagegen gingen wie gewöhnlich leer aus. Vor allem Pünktchen und Heidi bekamen nur sehr selten Post. Sie hatten keine Angehörigen, so daß ihnen höchstens einmal ein Kind schrieb, das Sophienlust nach kurzem Aufenthalt wieder verlassen hatte. »Guten Morgen, Frau Rennert!« Denise von Schoenecker, die Verwalterin des Kinderheims Sophienlust, trat in das büroähnliche Empfangszimmer. »Es ist heute etwas später geworden. Gerade als ich gehen wollte, bekam ich noch einen Anruf.« »Guten Morgen, Frau von Schoenecker«, grüßte Frau Rennert. Sie wies auf den Briefstapel. »Wie Sie sehen, haben wir wieder jede Menge Post.« »Hat sich Herr Clausen schon gemeldet?« fragte Denise und griff nach den Briefen. »Er wollte gegen zehn Uhr anrufen.« »Bis jetzt noch nicht.«

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»So, das wäre mal wieder die Post!« Das Hausmädchen Ulla stellte ein Körbchen mit Briefen, Postkarten und Zeitungen auf den Schreibtisch von Frau Rennert.

»Danke, Ulla!« Frau Rennert, die Leiterin des Kinderheims Sophienlust, begann sofort die Post zu sortieren. Es waren verschiedene Briefe und Karten für die Kinder dabei. Die kleine Susanne, die seit vier Wochen in Sophienlust lebte, bekam gleich drei Karten auf einmal, einige der anderen Kinder dagegen gingen wie gewöhnlich leer aus. Vor allem Pünktchen und Heidi bekamen nur sehr selten Post. Sie hatten keine Angehörigen, so daß ihnen höchstens einmal ein Kind schrieb, das Sophienlust nach kurzem Aufenthalt wieder verlassen hatte.

»Guten Morgen, Frau Rennert!« Denise von Schoenecker, die Verwalterin des Kinderheims Sophienlust, trat in das büroähnliche Empfangszimmer. »Es ist heute etwas später geworden. Gerade als ich gehen wollte, bekam ich noch einen Anruf.«

»Guten Morgen, Frau von Schoenecker«, grüßte Frau Rennert. Sie wies auf den Briefstapel. »Wie Sie sehen, haben wir wieder jede Menge Post.«

»Hat sich Herr Clausen schon gemeldet?« fragte Denise und griff nach den Briefen. »Er wollte gegen zehn Uhr anrufen.«

»Bis jetzt noch nicht.« Frau Rennert schlitzte ein Kuvert auf und entnahm ihm einen lilafarbenen Briefbogen. Stirnrunzelnd begann sie zu lesen. »Da fragt eine Frau Schöller an, ob wir ein zehnjähriges Mädchen in Dauerpflege nehmen könnten«, sagte sie und reichte Denise den Brief.

»Für einen Notfall hätten wir schon noch Platz«, meinte Denise und überflog den Brief ebenfalls. »Wie Frau Schöller schreibt, handelt es sich um ihre Nichte Dinah Bamberger. Aus dem Schreiben geht hervor, daß sie nur wenig Liebe für das Kind empfindet. Wahrscheinlich wäre es für Dinah ein Segen, wenn sie von ihrer Tante fortkäme.«

»Denselben Eindruck habe ich auch«, gab Frau Rennert zu. »Es muß schrecklich für ein Kind sein, wenn man ihm zeigt, daß es im Wege ist. Gut, Frau Schöller will heiraten, aber wie es aussieht, fällt es ihr nicht schwer, auf Dinah zu verzichten.«

»Ich werde Frau Schöller schreiben, daß wir grundsätzlich bereit sind, Dinah bei uns aufzunehmen, daß ich aber noch mit ihr persönlich sprechen möchte«, sagte Denise von Schoenecker. »Sie soll mir einen Termin nennen, an dem ich sie aufsuchen kann.«

»Warum wollen Sie sich die Mühe machen, nach Frankfurt zu fahren?« fragte die Heimleiterin. »Lassen Sie diese Frau doch nach Sophienlust kommen.«

Denise lächelte. »Ich möchte mir selbst ein Bild von Dinahs jetzigem Zuhause machen. Vermutlich wird es uns dann leichter fallen, dem Kind zu helfen. Und ich bin überzeugt, daß Dinah Hilfe braucht. Jedes Kind, das Ablehnung und Gleichgültigkeit zu spüren bekommt, braucht Hilfe.

Ich...«

»Da bist du ja endlich, Tante Isi!« Heidi Holsten, das jüngste Dauerkind von Sophienlust, stürmte ins Empfangszimmer. »Kommst du mit spielen?« Die Kleine kletterte auf Denises Schoß. »Bitte, Tante Isi!«

»Jetzt habe ich noch zu tun, du kleiner Quälgeist«, antwortete Denise und schloß Heidi in die Arme. »Aber nachher werde ich bestimmt etwas Zeit finden, um mit euch zu spielen.«

»Wann nachher?« fragte die Fünfjährige.

Denise schaute auf ihre Uhr. »Sagen wir, um halb zwölf«, schlug sie vor.

»Wie lange ist das noch?« Heidi wollte wie immer alles genau wissen.

»Noch etwa eineinhalb Stunden«, sagte Denise.

Heidi zog eine Schnute. »Das ist noch ewig«, beschwerte sie sich. »Es reicht auch, wenn du nur eine Stunde arbeitest. Spielen ist viel schöner!«

»Ich glaube dir gern, daß Spielen schöner ist, aber erwachsene Leute müssen nun einmal ab und zu auch arbeiten«, meinte Denise lächelnd. Sie löste Heidis rechtes Rattenschwänzchen und band es etwas fester zusammen.

»Das andere auch«, verlangte Heidi.

»Aber es ist doch noch ordentlich«, meinte Denise von Schoenecker.

»Ich mag es, wenn du mir die Haare machst!« Heidi sah Denise strahlend an. »Am schönsten wäre es, wenn du mich jeden Morgen kämmen würdest.«

»Na dann wollen wir auch dein linkes Rattenschwänzchen noch einmal binden.« Geschickt öffnete Denise die Zopfspange, fuhr mit den Fingern durch Heidis Haare und band sie neu. »So, fertig!«

»Weißt du, was mir heute morgen passiert ist, Tante Isi?« fragte Heidi geheimnisvoll. »Ich...«

»Heidi, je länger du mich jetzt von der Arbeit abhältst, um so später wird es mit dem Spielen«, unterbrach Denise die Kleine. Sie wußte, daß Heidi nur möglichst lange bei ihr bleiben wollte.

Heidi nickte. »Stimmt auch!« gab sie zu. »Aber um halb zwölf mußt du zum Spielen kommen!« Sie gab Denise noch rasch einen Kuß und verschwand dann aus dem Empfangszimmer.

Denise von Schoenecker griff erneut nach dem Brief von Frau Schöller. Zeile für Zeile las sie ihn noch einmal. Mit einem Aufseufzen legte sie ihn schließlich beiseite.

»Sie hat mit keinem Wort erwähnt, warum Dinah bei ihr lebt«, sagte sie zu Frau Rennert. »Das Kind scheint sie ja wohl überhaupt nicht zu interessieren.«

*

»Dinah, hörst du nicht, daß es läutet?« fragte Gudrun Schöller ihre zehnjährige Nichte. »Willst du nicht öffnen?« Kritisch begutachtete sie ihre frisch lackierten Fingernägel. »Na, mach schon!« fuhr sie das Kind an, als Dinah ohne jede Begeisterung das Buch weglegte, in dem sie bis jetzt gelesen hatte.

»Es wird ja doch nur Herr Körber sein«, maulte Dinah und ging in den Korridor.

»Das will ich nicht gehört haben!« rief Gudrun Schöller ihr ärgerlich nach. »Und daß du dich ja ordentlich benimmst, verstanden?«

Es klingelte zum zweitenmal, diesmal länger. Dinah schlich fast lautlos zur Wohnungstür. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und blickte durch den Spion. Wie sie vermutet hatte, war es Herr Körber. Mit einem riesigen Blumenstrauß stand er auf dem Fußabstreifer. Ungeduldig wippte er mit den Füßen.

Dinah trat vom Spion zurück und streckte dem Mann hinter der geschlossenen Tür die Zunge heraus. Es tat ihr leid, daß er es nicht sehen konnte.

»Dinah, was machst du denn so lange?« ertönte die Stimme ihrer Tante aus dem Wohnzimmer.

Das Mädchen klinkte die Kette aus und öffnete die Tür. »Guten Abend, Herr Körber«, sagte es und deutete sogar einen Knicks an, wie Gudrun Schöller es ihr beigebracht hatte.

»Das hat ja ewig gedauert!« Ohne Dinahs Gruß zu erwidern, trat Werner Körber in die Wohnung. Im letzten Oktober war er sechzig geworden, aber er wirkte um etliche Jahre jünger. Wie immer war er tadellos gekleidet. Seine schwarzen Lackschuhe waren poliert, daß man sich beinahe darin spiegeln konnte. In der Brusttasche seines Jacketts steckte ein weißes Spitzentaschentuch.

Geräuschvoll warf Dinah die Tür hinter ihm ins Schloß.

»Dinah, was ist denn in dich gefahren!« Gudrun Schöller stand plötzlich in der Tür zum Wohnzimmer. »Kannst du nicht wenigstens ab und zu auf meine Nerven Rücksicht nehmen?« Sie ging Werner Körber entgegen. »Fein, daß du schon da bist, Werner«, sagte sie mit völlig veränderter Stimme. »Mit dem Kind ist es wirklich manchmal ein Kreuz.«

»Ich hatte heute über eine Stunde früher Geschäftsschluß.« Werner Körber nahm Gudrun in seiner etwas steifen Art in die Arme und drückte sie an sich. »Ich hoffe, du bist nicht böse, daß ich schon jetzt gekommen bin«, sagte er.

»Natürlich nicht, ich freue mich!« Gudrun sah über die Schulter ihres Verlobten hinweg Dinah noch immer an der Tür stehen. Unwillig verzog sich ihr Gesicht. Daß das Kind auch nie wußte, wann es störte! »Dinah, decke im Eßzimmer den Tisch für das Abendessen, und stelle den Backofen auf hundertfünfzig Grad«, befahl sie. »Und dann geh auf dein Zimmer. Ich rufe dich schon, wenn das Essen fertig ist.«

»Gut, Tante Gudrun!« Dinah warf Herrn Körber einen haßerfüllten Blick zu, bevor sie den Korridor verließ.

»Ich begreife nicht, daß Dinah noch immer bei dir ist.« Werner Körber drückte seiner Verlobten die Blumen in die Hand. »Wir haben doch schon vor Wochen davon gesprochen, daß sie weg muß.«

»Ich habe mich bereits nach einem Heimplatz für sie umgesehen«, erwiderte Gudrun Schöller und sog genußvoll den Duft der Nelken ein. »Sie sind wunderschön. Danke, Werner!«

»Es reicht nicht, sich umzusehen. Man muß schon etwas mehr tun.« Werner Körber ging mit elastischen Schritten ins Wohnzimmer. Er steuerte geradewegs auf den Tisch zu. »Überall liegt Kinderkram!« Mit spitzen Fingern nahm er das Buch auf, das Dinah auf den Tisch gelegt hatte. Mit dem Buch in den Händen drehte er sich zu seiner Verlobten um. »Ich habe dir klar und deutlich gesagt, daß das Kind aus dem Haus muß, bevor wir heiraten.«

»Himmel, Werner, schließlich ist Dinah meine Nichte!« Gudrun Schöller legte die Blumen achtlos auf die Vitrine. Mit ihrer guten Laune war es vorbei. »Ich kann das Kind doch nicht einfach fortschicken, egal, wohin. Immerhin habe ich für Dinah eine gewisse Verantwortung. Ich bin es einfach meinem Bruder schuldig, mich um sie zu kümmern.«

»Um mal eines klarzustellen, Gudrun. Dina ist nicht deine Nichte«, sagte Werner Körber. »Dein Bruder und deine Schwägerin haben sie adoptiert. Dinah ist also nicht mit dir verwandt.«

»Ob sie mit mir verwandt ist oder nicht, durch die Adoption ist sie gesetzlich zu meiner Nichte geworden«, entgegnete Gudrun jetzt etwas gereizt. »Ich...«

»Ob sie gesetzlich zu deiner Nichte geworden ist oder nicht, steht hier nicht zur Debatte! Hier handelt es sich ausschließlich darum, daß sie nicht dein Fleisch...



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