E-Book, Deutsch, Band 2483, 64 Seiten
Reihe: Fürsten-Roman
Alexi Fürsten-Roman 2483
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7325-1960-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Und dann kam Emily!
E-Book, Deutsch, Band 2483, 64 Seiten
Reihe: Fürsten-Roman
ISBN: 978-3-7325-1960-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Emily von Reeses Auto steckt tief im Schlamm und bewegt sich weder vor noch zurück. Verzweifelt seufzt die junge Freifrau auf und steigt aus. Eigentlich ist es hier an dem idyllischen Seeufer mit Blick auf das Schloss Grünlinden wunderschön, doch Emily hat zu viele Sorgen, um das herrliche Ambiente genießen zu können. Enttäuscht von ihrer letzten Beziehung, hat sie New York Hals über Kopf verlassen und will jetzt ihre ältere Schwester Rosalie besuchen. Doch die Fürstin von Cadolt-Linden ist nicht gerade die Freundlichkeit in Person, das weiß jeder, der schon einmal mit ihr zu tun hatte ...
Plötzlich bemerkt Emily, dass sich etwas im Gebüsch bewegt. Ein Mann steht dort, ausgerüstet mit einer großen, teuren Kamera. Die junge Frau nimmt ihren Mut zusammen, geht auf den Fremden zu und bittet ihn um Hilfe. Unwiderstehlich gut aussehend ist er, noch dazu freundlich und charmant. Emily ist schon wieder drauf und dran, sich zu verlieben. Aber schon bald erfährt sie, dass der Fremde keineswegs nur Biber beobachtet, wie er anfangs behauptet hat ...
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Emily sah es ein, sie hätte auf der Landstraße bleiben sollen. Hätte sie dem Navigationssystem vertraut, müsste sie sich jetzt nicht mit nervösem Herzklopfen besorgt fragen, wohin der immer schmaler werdende Feldweg sie wohl führen würde.
Die junge Frau seufzte tief auf.
Ein Königreich für eine asphaltierte Straße, dachte sie. Nie hätte sie geglaubt, dass sie sich einmal so sehr nach Verkehrsschildern sehnen würde.
Mit beiden Händen umklammerte sie das Lenkrad, da die Spurrillen zunehmend unebener wurden. Emily wurde gehörig durchgeschüttelt, während sie sich furchtsam umschaute. Seit einer Ewigkeit war ihr kein menschliches Wesen mehr begegnet, dafür mehrten sich die Mücken.
Es war heiß, eine dichte Staubwolke hüllte das Auto ein.
»Wenn möglich, bitte wenden«, empfahl ihr die höfliche Frauenstimme des Navigationssystems.
»Und wie soll ich das tun?« Emily fuhr sich durch ihr dunkelblondes Haar.
Das dichte Gestrüpp zu beiden Seiten des Feldwegs, der inzwischen nur noch ein Pfad war, behinderte die Sicht. Emily starrte ratlos durch die Windschutzscheibe. Wie, um alles in der Welt, kam sie aus dieser Sackgasse wieder heraus?
Immer gerätst du in Situationen, in die kein anderer Mensch geraten würde!, hörte sie Rosalies Stimme in Gedanken.
Klar, ihre ältere Schwester manövrierte sich prinzipiell nie in ausweglose Konstellationen, auch war nicht bekannt, dass sich Rosalie jemals in hoffnungslosen Beziehungen verheddert hätte. Rosalie war erhaben geboren worden.
Ein grässliches Knirschen ließ Emily zusammenzucken. Mit dem Motor des Mietwagens schien irgendetwas nicht zu stimmen. Aber was?
Als sie das Auto am Flughafen gemietet hatte, hatte sie natürlich nicht an Probleme gedacht, zumal der wirklich gut aussehende Angestellte der Autovermietung den nettesten und zuverlässigsten Eindruck überhaupt gemacht hatte.
»Auch das noch!«, stöhnte die junge Frau genervt auf.
Die Autoreifen schienen auf einmal nicht mehr zu greifen, die Steuerung wurde instabil. Im nächsten Augenblick setzte der Wagen auf. Es ging nicht weiter.
Du liebe Zeit! Emily betätigte das Gaspedal, doch daraufhin drehten die Räder mit einem surrenden Geräusch durch. Ganz ruhig!, redete sie sich selbst zu.
Sie versuchte es im Rückwärtsgang, doch auch das hatte keinen Erfolg. Das Auto bewegte sich nicht. Emilys Herz spielte verrückt.
Jenseits der Windschutzscheibe tanzten Myriaden von Mücken in den Strahlen der untergehenden Sonne wie in einer goldenen Flut.
»Was soll ich bloß machen?«, rief Emily verzweifelt.
Beim erneuten Versuch, den Wagen in Bewegung zu setzen, würgte sie den Motor ab.
Stille breitete sich aus. Die junge Frau saß regungslos da.
Und nun?, fragte sie sich.
Emily öffnete behutsam die Fahrertür einen Spaltbreit, doch schon war sie nicht mehr allein, sondern in Gesellschaft unzähliger sirrender Mücken. Die junge Frau sprang erschrocken aus dem Auto und landete knöcheltief im Schlamm.
Erschrocken zog sie die Füße heraus und verlor dabei ihre neuen, unwiderstehlich schicken High Heels, die sie vor drei Tagen in New York erstanden hatte, und zwar zu einem sündhaft teuren Preis. Emily, die für ihre impulsiven Entscheidungen bekannt war, hatte nicht widerstehen können, obwohl sie sich die Schuhe eigentlich gar nicht hätte leisten sollen, erst recht nicht zu diesem Wucherpreis.
Jetzt waren die Schuhe auf jeden Fall dahin!
Emily versuchte, die schönsten High Heels der Welt zu vergessen, und stakste barfuß um das Auto herum. Fassungslos betrachtete sie das auf dem Erdreich aufsitzende Fahrzeug.
Ein großer, bildschöner Vogel flog mit klatschenden Flügelschlägen aus dem dichten Gestrüpp auf und davon. Emily folgte betroffen seinem Flug mit ihrem Blick. Hatte sie ihn aufgeschreckt?
Sie richtete sich auf und folgte dem jetzt stark abschüssigen Weg, um verblüfft festzustellen, dass sie buchstäblich am Rande eines Sees gelandet war, der durch die starken Regenfälle der letzten Tage über die Ufer getreten sein musste.
Der freundliche Autovermieter hatte von einem Jahrhundertunwetter gesprochen, erinnerte sich Emily jetzt.
Idyllischer konnte man sich allerdings nicht festfahren. Das klare, ruhige Wasser schimmerte in smaragdgrünen, türkis- und kobaltblauen Tönen. Die Sonne stand glutrot über dem See, große Wolken hingen an einem glashellen Himmel, golden angeleuchtet von der untergehenden Sonne.
Emily hatte das Gefühl, am Ende der Welt angekommen zu sein. Hatte so der erste Tag der Schöpfung ausgesehen?
Was aber, wenn sie nie wieder aus der unbekannten Weite herausfand? War sie dazu verdammt, ihr zukünftiges Leben an diesem See zu verbringen?
Emily überrieselte es trotz der Hitze eiskalt. Sie erinnerte sich schaudernd daran, was ihre unvergessene Mutter zu sagen gepflegt hatte, nämlich dass das Leben jedes Menschen an einem seidenen Faden hing.
Dabei war die junge Frau in New York mit so großen Erwartungen gestartet. Sämtliche Brücken hatte sie hinter sich abgebrochen. Wer würde sie vermissen, wenn alles hier endete? Es wäre ein wohl malerischer, jedoch ziemlich kläglicher Untergang.
Als Emily den Kopf ein wenig zur Seite drehte, erblickte sie am gegenüberliegenden Ufer das Schloss. Der Anblick schien einer beseelten Fantasie zu entspringen: Das Gebäude lag romantisch in einer Schleife des Flusses, der in den See mündete. Es schien aus der Umarmung des üppig grünen Parks, von dem es umgeben war, direkt in den Himmel zu streben.
Diese unerwartete Perspektive war für Emily ein kleiner Schock. Sie stand wie angewurzelt da und wagte vor lauter Andacht kaum zu atmen. So makellos, edel und stilvoll hatte sie sich Schloss Grünlinden nicht vorgestellt. Wie glücklich musste Rosalie sein, in diesem herzbewegend schönen Traumschloss leben zu dürfen!
Die Frage war allerdings, wie Emily dorthin gelangen sollte. Das Auto saß fest, ein Boot war weit und breit nicht zu sehen, und bald wurde es dunkel.
Da hörte sie ganz in ihrer Nähe ein Rascheln. Sie vernahm Schritte, feste, männliche Schritte. Emilys Herz machte einen Salto. Durfte sie auf Rettung hoffen?
Die junge Frau atmete tief durch und wappnete sich.
***
Ein hochgewachsener, schlanker Mann – er mochte Mitte, höchstens Ende dreißig sein – in legerer Sportkleidung und grünen Gummistiefeln kam auf Emily zu. Noch hatte er sie nicht entdeckt, denn sein Interesse galt der in feurig lodernden Farben untergehenden Sonne.
Emily fiel sofort auf, dass der Mann blendend aussah. Dafür hatte sie einen Blick. Kraftvoll und aktiv wirkte er, sonnengebräunt, gesund, unerschrocken und ausgeglichen. Ein Mann mit einer besonderen, ja heiteren Ausstrahlung. Im Grunde war er das Ideal eines ritterlichen Retters.
Zufällig schwärmte Emily seit jeher für klassische Profile und dunkle Augen. Sein ganz leicht lockiges Haar war tiefdunkel, auch das gefiel ihr. Er trug es im Nacken länger, was ihn in New York sofort als Europäer ausgewiesen hätte.
Aber New York war weit weg, und Emily hatte beschlossen, dieses Kapitel zu beenden.
In der linken Hand hielt der attraktive Fremde eine Profi-Kamera mit einem überdimensionierten Objektiv.
Emily dachte flüchtig an jene sogenannten und von ihrer Schwester Rosalie verachteten Paparazzi, die mit solchen Weitwinkelobjekten arbeiteten und mit ihren skrupellos ergatterten Aufnahmen private Tsunamis auslösten. Rosalie bezeichnete solche Fotografen für gewöhnlich als »Otterngezücht« und »Satansbrut«.
Im nächsten Moment entdeckte der Fremde Emily. Auch er war überrascht und verharrte regungslos. Er betrachtete die junge Frau, wobei sein Blick länger auf ihren nackten, schlammigen Füßen zu verweilen schien.
Emily haderte mit sich selbst: So ein Pech konnte nur ihr widerfahren! Da begegnete sie an ihrem ersten Tag in Deutschland einem Traummann und sah aus wie eine Hinterwäldlerin.
»Hallo«, begrüßte er sie, unwiderstehlich lächelnd. »Ich könnte Ihnen hübschere Stellen für ein Picknick empfehlen.«
»Ich habe mich verfahren«, antwortete Emily.
Der Fremde war sofort im Bilde. »Ah, der Trampelpfad«, murmelte er. »Sie sind zu früh abgebogen.«
Emily nickte. »Die Frage ist, wie ich weiterkomme. Mein Auto steckt nämlich fest.«
»Es gibt eine Seilwinde an meinem Geländewagen.«
»Aber ich will Ihnen wirklich keine Umstände machen.«
Schon stapfte er in Richtung Trampelpfad. Mit seinen Stiefeln war das kein Problem.
Emily, die barfuß unterwegs war, hatte deutlich größere Schwierigkeiten, voranzukommen. Sie fühlte sich unwohl, da sie sich nicht gerade sehr anmutig vorkam. Um abzulenken, deutete sie auf seine Kamera.
»Sie haben bestimmt Wasservögel beobachtet, nicht wahr? Eben habe ich einen Kranich gesehen.«
»Die brüten zurzeit und werden ungern gestört. Tatsächlich interessiere ich mich mehr für …«
»Biber?«, riet sie.
»Biber. Genau!« Er nickte nachdrücklich. »Biber werden hier neuerdings erfreulicherweise wieder angesiedelt.«
Ihre Urgroßmutter besaß einen Mantel mit Biberkragen. Emily ahnte, dass sie das jetzt besser nicht erwähnen sollte.
»Wo sind Ihre Schuhe?«, erkundigte er sich. »Sie werden sich Ihre Füße ruinieren. Ich...




