Alexi / Sandow | Silvia-Duett - Folge 17 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 17, 112 Seiten

Reihe: Silvia-Duett

Alexi / Sandow Silvia-Duett - Folge 17

Am Meer, wo sich die Liebe fand/Der Zauber zwischen dir und mir
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7325-1643-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Am Meer, wo sich die Liebe fand/Der Zauber zwischen dir und mir

E-Book, Deutsch, Band 17, 112 Seiten

Reihe: Silvia-Duett

ISBN: 978-3-7325-1643-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Am Meer, wo sie die Liebe fand.

Ich war blöd! Einfach nur blöd!', ruft Kristiane wütend und atmet tief durch. In der letzten Viertelstunde hat sie sich allen Zorn und allen Schmerz von der Seele geschimpft. Jetzt geht es ihr besser. So ein einsamer Strand ist offenbar ideal, wenn einem ein Mann das Herz gebrochen, oder besser gesagt angebrochen hat. Kristiane seufzt abgrundtief. Der nächste Seufzer bleibt ihr allerdings geradezu im Halse stecken, denn plötzlich klingelt ein Telefon. Ein Telefon? Hier am Strand? Dabei ist doch keine Menschenseele weit und breit zu sehen! Einen Moment sitzt Kristiane wie erstarrt im warmen Sand, während das Klingeln fröhlich weitergeht, dann springt sie auf und sieht sich entschlossen um ...

Der Zauber zwischen dir und mir.

Eine einzige Nacht voller Leidenschaft und uneingeschränkter Hingabe ... Zwischen der Studentin Eva-Maria und dem jungen Arzt Jan Ulrich hätte es alles werden können, aber ein unglücklicher Zufall hat ein Wiedersehen verhindert. Zwölf Jahre liegt das zurück, zwölf Jahre, in denen Eva-Maria dieser Mann an jedem Tag gegenwärtig gewesen ist - in Martin, seinem Sohn. In Jan jedoch scheinen diese zwölf Jahre jede Erinnerung gelöscht zu haben, denn für ihn ist Eva-Maria, als sie einander gegenüberstehen, eine Fremde. Und doch ist sie ihm auf eine gewisse Weise vertraut, weil eines die Zeit überdauert hat: diese unglaubliche Anziehungskraft zweier Herzen, die das Schicksal füreinander bestimmt hat ...

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»Papi, das sind die tollsten Osterferien von der ganzen Welt!«, schrie Jakob mit einer Stimme, die sich vor Begeisterung fast überschlug, und sein schmales Gesicht strahlte und war schon gar nicht mehr so blass wie gestern bei der Ankunft.

Der Siebenjährige sprang entschlossen in die mit großem Getöse auf den Strand brechenden Brandungswellen und stampfte mit den Stiefeln im weißen Schaum herum. Der Wind zauste an Jakobs dunklem Haar und fuhr in seine gesteppte Daunenjacke, die eigens für diese Reise zur Nordseeinsel Amrum angeschafft worden war.

»Du wirst dich noch erkälten. Mach die Jacke zu, Jakob!« Auch Axel von Graven musste schreien, um verstanden zu werden.

»Ich friere aber nicht, Papi!« Jakob wirbelte herum und lachte ihm zu. Die Aprilsonne schien ihm leuchtend ins Gesicht. »Mir ist warm, wirklich!«, beteuerte er. »Und die Insel ist supertoll! Findest du nicht auch?«

»Klar.« Axel nickte bestätigend.

Jakob hörte das Kreischen einer Möwe über sich und bog sofort den Kopf zurück, um neugierig nach dem Vogel Ausschau zu halten.

»Das ist eine Heringsmöwe«, stellte Axel fest. Und gleichzeitig erinnerte er sich daran, wie er es früher gehasst hatte, ständig belehrt zu werden.

»Wieso heißt sie so?«, wollte Jakob wissen. »Weil sie Heringe am liebsten mag?«

Axel hob die Schultern. »Vielleicht hieß der Ornithologe, der ihr diesen Namen gab, so«, spekulierte er.

»Herr Hering?« Jakob lachte los.

»Sie hat gelbe Beine, sieh doch mal.«

»Jetzt lenkst du ab, weil du es nicht weißt, stimmt es?«

»Ist das so wichtig?« Axel ließ sich in den Sand fallen und streckte sich aus. Die Hände faltete er hinter dem Kopf.

»Du siehst aus wie eine Robbe«, kommentierte Jakob.

»Seit wann tragen Robben Wachsjacken?« Axel fühlte sich trotz der herrlich frischen Luft fürchterlich müde. Der Scheidungskrieg hatte an seinen Nerven gezerrt. Nicht nur einmal hatte er sich während jener grauenvollen Zeit gefragt, womit er diese Prüfungen eigentlich verdiente.

Sein Sohn lachte, weil er sich gerade eine Robbe in einer gewachsten Jacke vorstellte.

»Tante Bea weiß bestimmt, warum die Heringsmöwe so heißt. Ich werde sie fragen.«

Axel nickte. »Mach das«, sagte er und schloss erneut die Augen.

»Wir wollten doch Muscheln sammeln, Papi!«

Axels Lippen schmeckten salzig. »Mmmh.«

»Ich hab schon eine gefunden!« Jakob war ganz entzückt, wie seine helle Stimme verriet. »Sie ist rosa, guck mal!«

»Eine Plattmuschel«, murmelte Axel automatisch.

»Du siehst ja gar nicht her, Papi«, kam es vorwurfsvoll. Aber der Siebenjährige war rasch abgelenkt und beugte sich interessiert über ein Büschel grünlich schillernden Seetangs auf dem nassen Sand, dem ein intensiver Geruch entströmte.

Axels Blick verlor sich gerade im unglaublichen Blau des Nordseehimmels, über den hoch aufgetürmte Wolkengebilde getrieben wurden, als sein Mobiltelefon sich mit den ersten Takten des berühmten Harry-Lime-Themas aus dem Film »Der dritte Mann« meldete.

»Mein Gott, du lässt dir Zeit wie ein Superstar!«, rief eine gereizte Frauenstimme am anderen Ende der Leitung, als es ihm endlich gelungen war, das Handy aus der Gesäßtasche zu ziehen. »Oder ist das eine neue Schikane? Also, das würde mich überhaupt nicht wundern!«

»Elisabeth«, murmelte Axel und schloss wieder die Augen, obwohl seine schläfrige Stimmung wie fortgeblasen war, seit er ihre Stimme erkannt hatte. Er fragte sich, wieso ihm nicht schon viel früher aufgefallen war, wie scharf diese Stimme klang.

»Ich warte«, sagte Elisabeth, die unendlich genervt klang.

»Worauf?«, fragte er unbedacht zurück.

»Dass du mir sagst, was du von meinem Entschluss hältst.«

Von welchem Entschluss sprach sie?, fragte sich Axel irritiert.

»Du hast mir keine Sekunde lang zugehört, Axel, gib es zu!« Elisabeth wollte gerade zu einer ihrer brillanten und gefürchteten Grundsatzreden ansetzen, als ein Schwarm Küstenseeschwalben über den Strand flog und dabei kurze, helle Schreie ausstieß. »Wo bist du eigentlich?«, wollte sie wissen.

Elisabeth war bildschön, unglaublich ehrgeizig und seit dreiundzwanzig Tagen offiziell von Axel geschieden. Ihr, der erfolgreichen, höchst anspruchsvollen Juristin, war es vom ersten Tag ihrer Ehe an gelungen, Axel das unerfreuliche Gefühl zu vermitteln, ein hoffnungsloser Fall zu sein.

»An der Nordsee, auf der Insel Amrum.«

»Bei Bea«, folgerte sie in einem Ton, als handele es sich um eine gegen sie gerichtete Verschwörung. Elisabeth war schon immer entsetzlich eifersüchtig auf Beate Jordan gewesen. Kein gutes Haar hatte sie an ihr gelassen und ihr sogar unterstellt, es auf Axel abgesehen zu haben.

Axel schmunzelte unwillkürlich. Elisabeth war völlig auf dem falschen Dampfer. Bea und er kannten sich seit Ewigkeiten, sie standen sich nahe wie Geschwister, und sie waren weitläufig verwandt. Bea war seine Freundin, eine von der Sorte, mit der man über alles reden konnte. Sie war ein prima Kumpel, wie sich Axel sagte, und er gehörte verprügelt, wenn er sich diese grundsolide Freundschaft von Elisabeth madigmachen lassen würde.

»Natürlich, wir wohnen bei ihr. Schließlich gehört ihr dieses große Friesenhaus, in dem genug Platz für uns alle ist. Außerdem …«

»Wir sind kaum geschieden, und schon mutest du Jakob eine Stiefmutter zu«, warf Elisabeth ihm an den Kopf.

»Jakob und ich sind lediglich über die Festtage hier. Wir wollen nur ein paar Tage Urlaub machen. Herrgott, Elisabeth, der Junge hat Ferien …«

»Ich lasse nicht zu, dass mein Sohn von dieser Hexe erzogen wird!«, fiel sie ihm erneut ins Wort.

Bea war keine Hexe, darauf konnte Axel jeden Eid schwören. Allerdings würde er keinen Versuch machen, Elisabeth davon zu überzeugen. Es war sinnlos, sie von einer einmal gefassten Meinung abbringen zu wollen. Wozu also aufregen?

»Jakob hat dringend einen Tapetenwechsel benötigt. In letzter Zeit war sein Leben ziemlich stressig.«

»Und wer ist dafür verantwortlich? Ich bestimmt nicht! Ich wollte ihn von Anfang an in dieses fabelhafte Internat geben, von dem man nur Ausgezeichnetes hört.«

Axel krampfte sich allein beim Gedanken daran das Herz zusammen.

»Jakob bleibt bei mir, Elisabeth«, beharrte er mit einer Stimme, die längst nicht so fest klang, wie er hoffte.

»Bei dir und dieser durchgeknallten Modetussi?« Sie lachte ihr nervöses Lachen. »Ich könnte das Jugendamt anrufen …«

»Bitte sehr.« Axel wurde jetzt so warm, dass er sich aus seiner Jacke schälte.

»Du bist und bleibst unmöglich, Axel«, zischte Elisabeth empört.

»Hast du mich angerufen, um mir das mitzuteilen?«

Elisabeth holte tief Luft. »Ich wollte dich lediglich wissen lassen, dass ich mich entschlossen habe, Yves’ Angebot anzunehmen. Es ist einfach unwiderstehlich.«

Verhielt es sich nicht eher so, dass sie Yves unwiderstehlich fand? Axel hatte schon immer den Verdacht gehabt.

»Und wann fliegst du?«, fragte er knapp. Ihre Eröffnung war überraschend gekommen, er fühlte sich seltsam überrollt, und er war noch immer genervt, wenn Elisabeth Superman Yves St. Clair erwähnte und alles andere als diskret durchblicken ließ, wie unglaublich großartig er war, wie smart und souverän.

Es ist vorbei, besänftigte Axel sich. Du befindest dich in deinem neuen Leben, mein Lieber, also, bleib ganz ruhig.

»Heute Abend. Es musste alles ganz schnell gehen.« Sie lachte auf. »Ich schreibe Jakob aus New York, sagst du ihm das?«

»Wie lange wirst du voraussichtlich drüben bleiben?«

»Mindestens ein halbes Jahr …« Elisabeth entging nicht, wie Axel die Luft einsog. »Du machst mir doch hoffentlich keine Schwierigkeiten, Axel. Also, das fände ich extrem unfair. Schließlich habe ich wegen unserer Ehe ganze sieben Jahren verloren.«

»Ich dachte eben an Jakob …«

»Du wirst es ihm schon erklären, das wenigstens kannst du ja. Ich verlasse mich ganz auf dich. Und ich melde mich, sobald ich Zeit dafür habe … Grüß Jakob schön von mir, okay?«

Axel starrte sein Handy an, bis alles vor seinen Augen verschwamm. Dann holte er aus und schleuderte es weit weg.

***

Kristiane Kadow blinzelte in die Sonne, dann zog sie sich kurz entschlossen den grob gestrickten, weißen Pullover über den Kopf, krempelte die Ärmel ihrer Baumwollbluse hoch und schlang sich den Pullover um die Schultern. In der Sonne war es herrlich warm. Und wie angenehm der sanfte Wind war!

Nach wenigen Metern blieb Kristiane erneut stehen, um sich umzuschauen. Mehrmals atmete sie tief ein und wieder aus, bis sie meinte, von dieser herrlich frischen, klaren Luft ganz erfüllt zu sein. Sie hatte sich die Insel Amrum ausgesucht, um einmal gründlich auszuspannen, um sich auszulüften und alles Belastende loszuwerden.

Weil das Wetter zum Strandleben noch nicht so recht taugte und weil es Mittagszeit war, hielt sich außer ihr kaum jemand an diesem Dünenabschnitt auf. Spontan ließ sich Kristiane rückwärts in den sonnenwarmen Sand fallen. Da lag sie nun ausgestreckt und rührte sich nicht mehr. Ihre Finger fuhren durch den feinen, weißen Sand, und ihre Gedanken bemühten sich tapfer, nicht mehr um Benjamin zu kreisen.

Aber es nutzte nichts. Vor allem wenn sie die Augen fest...



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