Allemann Was GOTT ADAM und EVA nicht sagte
Auflage der EPUB Ausgabe
ISBN: 978-3-941435-48-3
Verlag: Reichel Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Liebe, Sex und Einssein: Die sieben Geheimnisse des Glücks
E-Book, Deutsch, 262 Seiten
ISBN: 978-3-941435-48-3
Verlag: Reichel Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Daniel Allemann ist für seine innovativen Konzepte im Bereich von Ehe, Partnerschaft und Beziehungen bekannt. In Frankreich wurden die Medien schon 2009 auf ihn aufmerksam, seine Sendungen in Radio und Fernsehen wurden enthusiastisch gefeiert. 'Was Gott Adam und Eva nicht sagte' wurde in Frankreich ein Bestseller - es ist Daniel Allemanns erstes Buch, das nun auch auf Deutsch vorliegt. Allemanns Bücher haben großen Erfolg, weil sie 'keine unklaren Theorien, keine leeren Hoffnungen enthalten, nur Fakten und damit auch bemerkenswerte Ergebnisse', wie der frühere F1-Rennfahrer Jacques Lafitte urteilt. Der 1963 geborene Autor und Künstler hat 2007 seine Karriere im Finanzsektor aufgegeben, um sich nur noch dem Schreiben und Gestalten (Malerei und Skulptur) zu widmen.
Zielgruppe
Eheleute, Lebenspartner
Weitere Infos & Material
2
DÜSTERE LIEBESORAKEL
Nach der Radiosendung wollte das Studioteam noch gemeinsam etwas trinken gehen, aber ich lehnte dankend ab. Ich zog es vor, alleine in einer Brasserie in der Nähe der Champs-Elysées „wieder runterzukommen“.
Es war noch nicht besonders viel los, der große Ansturm würde erst gegen Mittag kommen. Ich ließ mich in einer ruhigen Ecke nieder und bestellte mir einen Irish Coffee, mein Lieblingsgetränk zu jeder Tages- und Nachtzeit. Draußen verdüsterte sich der Himmel zusehends, dann begann eisiger Regen zu fallen. Wie schaurig! Bei dem Wort fiel mir mein Gefühlsleben ein. Auch das war einfach nur schaurig! Eine lange Reihe von Fehlschlägen ...
Obwohl ich anfangs „alles hatte, um glücklich zu sein“, wie die Leute immer sagen, die reden, ohne nachzudenken. Wenn sie wüssten ... Wenn sie sich nur mal für einen kurzen Augenblick in die Lage derjenigen versetzen würden, über die sie urteilen ...
Während meines Studiums hatte ich einige Beziehungen. Flüchtige Affären, nichts Ernstes. Wir machten uns keinen Kopf darüber, ob wir unser Leben zusammen verbringen wollten. Wir wussten ganz genau, dass es nicht so weit kommen würde. Man gefiel sich, man verstand sich. Das Leben genießen, mit Freunden Spaß haben und Sex haben, wenn wir Lust darauf hatten, das war alles, was zählte. Irgendwann war dann ganz entspannt Schluss, und wir blieben gute Freunde. Bei alldem war nicht ein Funken Liebe im Spiel! Nur Spaß.
Ein paar Jahre später glaubte dann auch ich, die große Liebe gefunden zu haben, von der alle Teenager schwärmen. Ich war 26. Gerade war ich von der Redaktion einer Klatschzeitschrift als Praktikantin eingestellt worden. Eines Tages bat mich mein Redaktionsleiter, Bertrand S. zu interviewen, einen berühmten Rechtsanwalt, der fast mehr Zeit in TV- und Radiostudios verbrachte als im Gerichtssaal! Von sich reden zu machen, war das Einzige, was ihm wirklich wichtig war. Selbstverständlich, um danach die Kohle einzufahren!
Damals war er noch nicht ganz so bekannt. Er war in den Dreißigern, sah gut aus, hatte unglaublichen Charme und eine tiefe, samtweiche Stimme, bei der einem köstliche Schauer den Rücken hinunterliefen. Zumindest ging es mir so bei unserem Interview. Als angehende Journalistin kam ich mir vor wie eine verpickelte Studentin vor Brad Pitt höchstpersönlich. Worüber sprachen wir? Ich weiß es nicht mehr. Um ehrlich zu sein, war es mir völlig egal, sogar schon während des Gesprächs. Ich hatte nur noch Augen für ihn.
Nach dem Interview lud er mich in ein Restaurant im Bois de Boulogne ein, mit tollem Geschirr und Seeblick. Aber ich sah nichts davon: Ich schwebte förmlich. Und in den Wochen darauf schwebte ich dermaßen hoch, dass wir drei Monate später verheiratet waren. Ein Schnellschuss! Ich war glücklich. Und hielt mich für unsterblich verliebt.
Es dauerte nicht lange, bis ich von meiner kleinen Wolke wieder herunterkam und mich mit einer Realität konfrontiert sah, die ich so überhaupt nicht erwartet hatte!
Von den Flitterwochen an ging es abwärts. Mein Mann wollte unbedingt nach Kenia. „Ein kompletter Umgebungswechsel, leidenschaftlicher Sex vor exotischer Kulisse, traumhafte Fotosafaris, nur wir zwei“, hatte er versprochen. Von wegen!
Leidenschaftlicher Sex? Da kannte ich aus meinen ersten Beziehungen aber wesentlich Besseres. Auch das ein Schnellschuss! Kaum hatten wir angefangen, war es auch schon wieder zu Ende.
Exotische Kulisse? Stimmt, allerdings nur, wenn wir mal aus den Hilton-Lounges herauskamen. Bertrand schwadronierte lieber vor den anderen Gästen über seine Heldentaten am Zeugenstand. Pausenlos. Nach ein paar Tagen drehten sie sich auf dem Absatz um, sobald sie ihn aus der Ferne erblickten.
Traumhafte Fotosafaris mitten im Buschland? Mein Mann ließ sich in sämtlichen Outfits ablichten und filmen, als Haudegen hinterm Steuer eines Range Rover, der allerdings ständig vor dem Hoteleingang geparkt war, an der Seite eines dressierten Löwen - ein geruhsamer Opi, der frei im Park lebte, um dem Ganzen ein bisschen Lokalkolorit zu verleihen ... Ein altes Tier, das völlig ungefährlich war und keinen einzigen Zahn mehr hatte. Der ideale Handlanger für einen Pariser Rechtsanwalt, der sich für Tarzan persönlich hielt!
Nur wir zwei, ganz allein? Wo und wann? Bertrand erinnerte sich nur beim Essen und beim abendlichen Express-Kuschelsex an mich.
Am Ende der Flitterwochen trat bei mir dann langsam Ernüchterung ein, wobei ich mir aber trotzdem weiter noch ein paar Illusionen bewahrte. Naiv, wie ich damals war, fand ich für meinen Mann Entschuldigungen: Er war jung und nahm sich aufgrund seiner ersten beruflichen Erfolge selbst ein bisschen zu ernst. Aber das würde sich geben, da war ich mir sicher.
Einige Wochen nach unserer Rückkehr nach Paris wurden mir dann wirklich die Augen geöffnet. Ich hatte einen Mann geheiratet, der sich als jemand völlig anderes entpuppte. Man hätte meinen können, er hätte eine gespaltene Persönlichkeit. Bei unseren Freunden und Bekannten, bei seinen Klienten war er ein charmanter Mann, zuvorkommend, immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Bei mir, wenn wir alleine waren, wurde er schlichtweg scheußlich. Egoistisch und narzisstisch. Ein Rachegott, der auf die Erde herabgestiegen war. Absolut unausstehlich! Und bei alldem auch noch abwertend! Bei jeder Gelegenheit kritisierte er mich, hatte an allem und egal woran etwas auszusetzen, vor allem egal woran. Und da er dabei nicht zimperlich mit mir umging, fühlte ich, wie ich von Tag zu Tag immer mehr verblödete. Noch schlimmer aber war, dass ich mich tatsächlich am Ende selbst für völlig uninteressant hielt.
Ich war in die Falle getappt, die schon sehr viele Frauen ins Unglück gestürzt hat. Ich hatte festgestellt, dass mein Mann untragbare Fehler hatte, war mir aber sicher, dass ich es mit viel Geduld und Überzeugung schaffen würde, ihn zu ändern. Welche verliebte Frau hat genau das nicht auch schon einmal gedacht? Aber das ist eine Illusion, für die man immer extrem teuer bezahlt! Man kann einen Menschen nicht ändern, niemals! Ich brauchte einige Zeit, bis mir das auf meine eigenen Kosten klar wurde.
Mehr als drei Jahre lang lebte ich, was ich heute meine „düstere Zeit“ nenne. Obwohl „leben“ ein großes Wort ist, „überleben“ wäre wohl der bessere Ausdruck. Ich fühlte mich wie eine Kerze, deren Flamme ganz langsam erstickt.
Am seelischen Tiefpunkt angelangt, hatte ich jegliches Selbstvertrauen verloren, schleppte mich mühsam dahin, ohne Spaß oder Freude, auf etwas wartend, das nie kam. Ich hatte auf nichts mehr Lust, und am Ende kündigte ich bei der Klatschzeitschrift, bei der ich meine erste Arbeitsstelle gefunden hatte. „Du warst weniger als ein Schatten deiner selbst!“, sagen mir heute die Freunde, die mich damals kannten.
Das hinderte mich aber nicht daran, mich an Bertrand zu klammern. Weil ich ihn ja immer noch liebte. Schon lange hatte seine Stimme keine Wirkung mehr auf mich. Und auch der Rest nicht! Aber es gab für mich einen Beweggrund, den ich jetzt absurd finde: Ich hatte Angst, mich ohne ihn komplett verloren zu fühlen. Ich war abhängig von unseren Gewohnheiten, von meinem Status als verheiratete Frau.
Es war eine schallende Ohrfeige, die mir sozusagen den Todesstoß gab und aus dieser düsteren Zeit herauskatapultierte. Gutmeinende Freundinnen hatten sich organisiert, um mir zu offenbaren, was bereits alle wussten. Mein Mann betrog mich mit allem, was ihm unter die Finger kam: Praktikantinnen, Klientinnen, Kolleginnen, Bekannte ... Für mich ein heilsamer Elektroschock! Noch am selben Tag reichte ich die Scheidung ein und zog in ein Hotel.
Ein Jahr später wurde das Urteil gefällt, ich war ihn endgültig los. Inzwischen hat er eine Bankierstochter geheiratet. Immer noch genauso clever, wenn es ums Geld geht! Seine neue Frau betrügt er genauso wie mich damals. Aber sie macht sich nichts draus: Sie steht mehr auf Frauen. Was mich betrifft, war ich 31, und mein Leben fing noch einmal ganz von vorne an.
Ich weiß nicht, ob es Kompensation war oder es daran lag, dass ich wieder Freude an allem fand, aber in den folgenden Monaten hatte ich ein äußerst reges Sexleben. Immerhin gab es ja auch einiges nachzuholen. Meine Ehejahre ließen sich zu einer langen Wüstendurchquerung zusammenfassen. Kein Verlangen, keine Lust, sogar alleine nicht, keine Fantasien. Annäherungen meines Mannes ertrug ich nicht mehr. Schon der Gedanke daran machte mich ganz krank. Es stieß mich förmlich ab. Am Ende fragte ich mich, ob ich eigentlich anormal geworden war, vielleicht ja sogar eine Lesbe, oder irgendein frigides Monster, was meine Verfassung nur noch weiter Richtung Nullpunkt zog.
Was dann folgte, beruhigte mich letztendlich aber schnell. Die Kerle gaben sich bei mir und auch an anderen Orten die Klinke in die Hand. Eine Ecke im Büro, ein einsames Wohnzimmer, ein Treppenhaus, ein Autorücksitz waren genug. Spaß war zur einzig wichtigen Sache geworden. Das körperliche Vergnügen, das Glück, mich endlich wieder als verführerische, begehrte Frau zu fühlen, die imstande war, ihren aktuellen Partner zu befriedigen. In all dem gab es keinen Platz für so einen Quatsch wie die Liebe, von dem die jungen Mädels sich so blenden lassen ...
Sobald ich ein bisschen Zärtlichkeit und Spaß bekommen hatte, sagte ich meinen One-Night-Stands auch schon wieder goodbye. Meistens fiel es ihnen schwer, das so hinzunehmen, es kam ihnen komisch vor, so schnell von einer Frau wieder fallen gelassen zu werden....




