E-Book, Deutsch, Band 554, 256 Seiten
Reihe: Historical MyLady
Allen Ein Lord für Miss Lily
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-7337-6225-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 554, 256 Seiten
Reihe: Historical MyLady
ISBN: 978-3-7337-6225-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
'Ich heirate mindestens einen Baron!' Das musste Lily, die Tochter eines reichen Teehändlers, ihrem Vater schwören. Doch als sie von einem adeligen Verehrer während einer Kutschfahrt unsittlich belästigt wird, flieht sie verzweifelt ins nächste Gasthaus - direkt in die Arme von Jack Lovell. Ausgerechnet dieser einfache Mann, ein Arbeiter ohne Adelstitel, weckt heißes Verlangen in ihr. Hin- und hergerissen zwischen Leidenschaft und Pflicht steht Lily bald vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens ...
Louise Allen lebt mit ihrem Mann - für sie das perfekte Vorbild für einen romantischen Helden - in einem Cottage im englischen Norfolk. Sie hat Geografie und Archäologie studiert, was ihr beim Schreiben ihrer historischen Liebesromane durchaus nützlich ist.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
Almack’s, Ende März 1815
Ich gebe zu, meine Liebe, die Sache wäre amüsant, wenn sich nicht mein eigener Cousin mit diesem Geschöpf eingelassen hätte, aber bei ihm finde ich es einfach nicht lustig.“
Lily France, die hinter dem Wandschirm ihr Strumpfband neu befestigte, erkannte die Stimme von Lady Angela Hardy, sobald die junge Dame den Raum betrat. Nach einer Schrecksekunde ballte sie ihre Finger zur Faust zusammen.
„Oh, ich verstehe das und fühle mit Ihnen.“ Die Stimme der zweiten Sprecherin triefte vor Verständnis. „Sie ist so gewöhnlich – die ganze Familie wird am Boden zerstört sein, wenn Ihr Verdacht stimmt. Diese unmöglichen Haare! Und ihre Kleidung. Kein Wunder, dass sie noch ledig ist.“
„Bei der Menge Geld?“ Die dritte Frauenstimme klang schroffer. „Ich kann Ihnen nicht beipflichten. Ich persönlich wundere mich, dass sie sich keiner bis jetzt geschnappt hat, trotz ihres Großvaters, des Teehändlers, ihrer roten Locken und ihres Alters. Im ton wimmelt es ja nur so von Gentlemen, die dringend eine Erbin heiraten müssen, weil es mit ihrem eigenen Vermögen nicht zum Besten steht. Man hat schon oft genug schlimmere Eigenschaften als rotes Haar und eine niedere Geburt vernachlässigt – und wenigstens sind ihre Eltern bereits tot.“
Lily zerrte heftig an dem unfertigen Knoten und band das Strumpfband so eng, dass es ihr das Bein abzuschnüren drohte. Beim Aufrichten erblickte sie flüchtig ihr Spiegelbild und schob eine lose Strähne kastanienbraunen Haares hinters Ohr. Es war nicht rot. Und was genau war an ihren Kleidern auszusetzen? Nichts, außer dass die drei Hexen sich so etwas Feines nicht leisten konnten.
Lady Angela und ihren zwei Busenfreundinnen, Miss Fenella George und Lady Caroline Blackstock, schien es nicht eilig zu sein, in den Ballsaal zurückzukehren. Bestimmt haben sie keine Tanzpartner, dachte Lily herzlos und lugte durch eine offene Fuge in der Schirmtäfelung. Dem Gesichtsausdruck Angelas nach zu urteilen würden ihre Freundinnen ihre spöttischen Bemerkungen über das Alter noch bereuen; Lily, der die giftigen Worte galten, war zwar sechsundzwanzig, aber Angela zählte so gut wie fünfundzwanzig Jahre und stand genauso in Gefahr, sitzen zu bleiben.
Wie sie es von ihrem Vater gelernt hatte, schloss Lily die Augen und dachte an etwas Beruhigendes. „Lass dich nie von deinen Launen beherrschen, Lily, mein Mädchen“, hatte Papa oft gesagt. „Wir Rotschöpfe sind schon genug im Nachteil, auch ohne zusätzlich Aufsehen zu erregen. In Wut zu geraten ist schlecht – behalte die Ruhe und zahle es ihnen später heim.“
Die Tür ging wieder auf und ließ eine Schar junger Mädchen herein, die Gesichter noch gerötet von den Anstrengungen eines ländlichen Tanzes. Nein, ich zahle es ihnen jetzt heim. Bestimmt würde sie es bereuen, aber sie hatte es gründlich satt, die sanftmütige junge Dame zu spielen und so zu tun, als ob sie die schnippischen Bemerkungen über ihre Herkunft, ihr Geld oder ihr Aussehen nicht hörte.
Mit schwingenden, rüschenbesetzten Seidenröcken rauschte Lily hinter dem Wandschirm hervor. Ihr Anblick brachte Angela wirkungsvoll zum Schweigen.
„Lady Angela, Lady Caroline, Miss George.“ Lily machte einen anmutigen kleinen Knicks. „Es war wie immer sehr erbaulich, Ihre Ansichten zu vernehmen, aber dürfte ich mir erlauben, einen kleinen Hinweis zu geben, Lady Angela? Ich hörte, wie zwei der Patronessen am frühen Abend darüber sprachen, dass Sie diese Saison wieder das Pech hatten, keinen Antrag zu erhalten. Die Damen waren der Meinung, es liege an Ihrem Hang zu spitzen Bemerkungen. Als was wurden Sie noch bezeichnet?“ Lily runzelte kurz die Stirn, als müsse sie nachdenken. „Ach ja, als die ‚blassgesichtige alte Jungfer mit der Zunge einer Kreuzotter‘. Ich fand das ungerecht. Zumal ich sicher bin, dass genügend hochwertige Hautcreme selbst den blässlichsten Teint verbessern kann. Gegen eine solche Zunge kann sie natürlich nichts tun.“
Mit süßem Lächeln fegte Lily an den gerade hereinkommenden Mädchen vorbei und ignorierte die helle Wut auf den Gesichtern des Trios, zu dem sie gesprochen hatte. Bevor die Tür hinter ihr ins Schloss fiel, hörte sie gerade noch die ersten Worte, die Lady Angela hervorstieß.
„Dieses ordinäre kleine Frauenzimmer! Das wird sie noch bereuen, falls sie …“
Musik und das Gemurmel vieler Stimmen übertönten die folgenden Drohungen, während Lily den größten Gesellschaftsraum bei Almack’s betrat. Zwar bereute sie, die Fassung verloren zu haben, doch war sie wenigstens so diskret gewesen, den Namen der Patronesse nicht zu nennen, von der das vernichtende Urteil stammte.
Auf dem Weg zu ihrer Anstandsdame fiel ihr Blick auf die elegante Gestalt eines Mannes, der gerade hereinkam.
Adrian.
Endlich! Wie üblich war er kurz angebunden gewesen, als sie vor ein paar Tagen vorsichtig herauszufinden versucht hatte, ob er an diesem Abend da sein würde, und Lily war inzwischen so klug, seine Geduld nicht auf die Probe zu stellen, indem sie insistierte. Aufregend genug, dass ein Baron Interesse an ihr zeigte; aber dass der gut aussehende, selbstsichere, überaus stolze Lord Randall drauf und dran war, ihr einen Antrag zu machen, grenzte an ein Wunder.
Er ließ den Blick seiner kühlen blauen Augen durch den Raum wandern, bevor er sich umdrehte und etwas zu den Gentlemen sagte, die mit ihm hereingekommen waren. Wen suchte er? Etwa sie selbst? Oder ein Familienmitglied – seine Cousine Angela, zum Beispiel? Und würde Angela ausplaudern, dass die vulgäre Miss Lily France sie beleidigt hatte? Natürlich würde sie das.
Lily fuhr sich mit der Zungenspitze über ihre plötzlich trockenen Lippen. Wenn Lord Randall ihr jetzt durch die Finger glitt, wäre der Ehrgeiz ihres Vaters umsonst gewesen und die zukünftigen gesellschaftlichen Aussichten ihrer Familie und ihr eigenes sorgfältig geplantes Leben ebenfalls dahin. Adrian Randall galt als führendes Mitglied des ton, trotz seiner allseits bekannten Schulden und seiner verschwenderischen Lebensweise, und sollte er die „Enkelin des Lebensmittelhändlers“ verschmähen, würden es sich die anderen wohlhabenden Anwärter zweimal überlegen, diejenige, die er zurückgewiesen hatte, doch noch zu nehmen.
Nun kam Adrian auf sie zu. Er hatte es nicht eilig und begrüßte Freunde auf seinem Weg. Weil sie an die scharfe Kritik ihrer Anstandsdame und die Warnungen ihrer Tante dachte, beherrschte Lily ihre Ungeduld und wartete bescheiden. Ja, er sah wirklich gut aus: schlank, blond und gelassen – ein echter Gegensatz zu ihrem kastanienroten Haar, ihren lebhaften grünen Augen und ihrer unerschöpflichen Energie.
Schließlich stand er vor ihr, und sie brachte einen Anschein von Überraschung zustande. Lady Billington, ihre Anstandsdame, der sie eine horrende Summe für ihre Dienste zahlte, wäre zutiefst befriedigt gewesen, wenn sie hätte zusehen können.
„Mylord.“ Auch ihr Knicks war ein Erfolg hart erlernter Etikette.
„Lily.“ In Randalls kühlem Ton lag ein Funke Leidenschaft, als er ihre Hand an seine Lippen hob und sie für einen gewagten Augenblick zu lange in der seinen hielt. „Sie sind wunderschön heute Abend. Ich glaube nicht, dass ich Ihre Augen schon einmal so habe funkeln sehen.“ Ihr Herz schlug schneller, und ihr wurde etwas flau. Die Nerven, nichts weiter.
Tante Herrick, die völlig in der Mission aufging, ihre Nichte an ein Mitglied der Aristokratie zu verheiraten, hatte es unverblümt ausgesprochen. Gib ihm, was er möchte, Lily – was es auch ist. Jetzt darfst du nicht zimperlich sein. Er ist ein Gentleman und wird tun, was sich ziemt. Und überhaupt: Wer wird schon wissen, was vorher war, wenn ihr erst einmal verheiratet seid?
Beim Gedanken daran, was Adrian zu wünschen schien, wurde es Lily eher schwindlig, als dass sie etwas für ihn empfand. Sie war sich nicht einmal sicher, ob sie ihn mochte. Das stellte aber durchaus kein Hindernis für eine Heirat dar, wie ihre Tante ihr versichert hatte. Sympathie spielte dabei keine Rolle. Und Liebe schon gar nicht.
Sie, die Urenkelin eines hart arbeitenden Zimmermannes, die Enkelin eines ehrgeizigen Kaufmanns und die Tochter eines Teehändlers – eines sehr, sehr reichen Teehändlers – gehorchte einem Schicksal, das man im Augenblick ihrer Geburt bereits festgelegt hatte. Sie war dazu bestimmt, einen hohen Adligen zu heiraten und die Mutter englischer Gentlemen zu werden. Das war die Pflicht, die sie erfüllen musste.
Papa hatte ihr sogar erklärt, was für ein Glück es bedeutete, dass sie ein Mädchen war, weil es für einen Sohn viel schwieriger gewesen wäre, die Mauern zu überwinden, die Englands Oberschicht umgaben.
Aber seine lange, todbringende Krankheit, die ihn während eines gemeinsamen Besuches von Teeplantagen in Indien ereilt hatte, ihre Trauerzeit, die lange Reise zurück nach England und die Notwendigkeit, eine passende Anstandsdame zu finden – all das verzögerte ihre Einführung in die Gesellschaft, sodass sie inzwischen unmögliche fünfundzwanzig Jahre alt und nur noch wegen ihres großen Vermögens für den Heiratsmarkt interessant war.
Lily rang sich dazu durch, Lord Randall ins Vertrauen zu ziehen. Wenn er sie mit Missbilligung strafte, war der Fall hoffnungslos. „Ich muss Ihnen gestehen, dass ich gerade meine Fassung verloren und höchst unklug gehandelt habe“, erklärte sie.
„Ach wirklich?“ In Adrians himmelblauen Augen...




