Allen | Lord Weybourns Weihnachtswunder | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 572, 256 Seiten

Reihe: Historical MyLady

Allen Lord Weybourns Weihnachtswunder


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7337-6519-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 572, 256 Seiten

Reihe: Historical MyLady

ISBN: 978-3-7337-6519-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wie warm und unendlich geborgen sie sich in seinen starken Armen fühlt! Tess schmiegt sich an ihren muskulösen Retter und genießt seine Nähe: Alexander Tempest, Viscount Weybourn, trägt sie durch die vereisten Straßen zum Arzt. Ein Zusammenstoß mit ihm hat ihr einen verstauchten Knöchel beschert. Doch zum Weihnachtfest beschert der adelige Herzensbrecher der schönen Bürgerlichen noch etwas anderes: eine Anstellung in seinem eleganten Stadthaus als Haushälterin - und verboten sinnliche Küsse unterm Mistelzweig! Die berauschend süß, aber im höchsten Maße unstandesgemäß sind ...



Louise Allen lebt mit ihrem Mann - für sie das perfekte Vorbild für einen romantischen Helden - in einem Cottage im englischen Norfolk. Sie hat Geografie und Archäologie studiert, was ihr beim Schreiben ihrer historischen Liebesromane durchaus nützlich ist.

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1. KAPITEL

Alex Tempest stieß üblicherweise keine Nonnen zu Boden und auch sonst rempelte er niemanden an. Alexander James Vernon Tempest, Viscount Weybourn, war unter normalen Umständen der Inbegriff der Körperbeherrschung und Eleganz.

Doch da er im trüben Nachmittagslicht des späten Novembers auf dem vereisten Kopfsteinpflaster von Gent um die Ecken schlidderte und an nichts anderes als an ein warmes Kaminfeuer, gute Freunde und einen Punsch mit Rum dachte, handelte es sich nicht um normale Umstände.

Die Klostermauer, gegen die er fiel, war hoch und unnachgiebig. Alex prallte von ihr ab und stieß gegen eine Nonne, die ganz in Schwarz und Grau gekleidet war, als wollte sie sich an die tristen Farben der Steine anpassen. Allerdings gab sie anders als die Mauer nach, schrie erschrocken auf und stürzte zu Boden, wobei ihr schwarzer Handkoffer bis vor die Schwelle der geschlossenen Klosterpforte flog.

Alex gelang es, wieder festen Tritt zu finden. „Ma sœur, je suis désolé. Permettez-moi“, entschuldigte er sich bei der Nonne, während er ihr eine Hand reichte, um ihr aufzuhelfen. Sie richtete den Oberkörper auf, wobei ihr der dunkelgraue Hut mit schwarzem Band über die Nase rutschte. Sie schob ihn zurück, um hochzublicken.

„Ich bin nicht …“

„Nicht verletzt? Sehr gut.“ Er konnte unter dem Schatten ihrer Hutkrempe nicht viel von ihrem ovalen Gesicht erkennen, doch der Stimme nach war sie jung. „Sie sind Engländerin?“ Er streckte ihr auch die zweite Hand entgegen. Wahrscheinlich handelte es sich um einen Konvent mit englischen Nonnen.

„Ja, aber …“

„Sie sollten von dem kalten Boden aufstehen, Schwester.“ Ihr schwarzes Cape schien angesichts des Wetters viel zu dünn zu sein. Darunter sah er den Saum eines dunkelgrauen Kleides und die Spitzen von einfachen schwarzen Stiefeln. „Ich helfe Ihnen hoch.“ Wahrscheinlich war es ungehörig, wenn ein Mann die Hand einer Nonne nahm, aber angesichts der großen Sünde, dass er sie zu Boden gestoßen hatte, würde dieses kleine Vergehen wohl kaum mehr eine Rolle spielen.

Seufzend ergriff sie seine Hände und ließ sich von ihm auf die Füße ziehen. „Au!“ Sie humpelte, schwankte bedrohlich, und im nächsten Moment hielt er sie in seinen Armen. Schließlich durfte man nicht zulassen, dass eine Dame hinfiel, selbst wenn sie eine Nonne war. „Oh!“

Alex stellte sich breitbeinig hin, um auf den glatten Pflastersteinen einen sicheren Stand zu finden, und betrachtete die Frau, die er in den Armen hielt. Allerdings konnte er aufgrund der ausladenden Hutkrempe und des wogenden Capes nicht viel von ihr erkennen. Wenn er auch keine Einzelheiten ausmachen konnte, spürte er doch, dass sich eine junge, schlanke und kurvenreiche Frau an ihn klammerte. Er senkte den Kopf und atmete ihren Duft ein. Sie roch nach einfacher Seife und nasser Wolle, und ihre weibliche Wärme verstörte ihn. Reiß dich bloß zusammen, Mann! Nonnen gehören ganz sicher zu den Frauen, die auf der verbotenen Liste stehen. Auch wenn es schade ist …

„Soll ich an der Klosterpforte läuten?“, fragte er und wies mit dem Kopf in Richtung der verrosteten Eisenkette, mit der die Tür verschlossen war. Von außen wirkte die Klosteranlage wie ein Zufluchtsort für verzweifelte Kriminelle, obgleich das vergitterte Guckloch, das in die massiven Holzbretter eingelassen war, den Ort nicht einladender erscheinen ließ als eine Gefängniszelle. „Offenkundig haben Sie sich den Knöchel verstaucht.“

Vermutlich war es ebenfalls eine Sünde, einen Teil ihrer Anatomie zu erwähnen. Ihr Körper wurde in seinen Armen ganz steif, aber sie machte keine Anstalten, ihn mit einem Rosenkranz zu erwürgen. „Nein. Das ist nicht nötig. Danke.“

„Ich denke schon, dass ich besser jemanden aus dem Kloster rufen sollte.“

„Ich muss zur Anlegestelle. Schwester Claire erwartet mich dort.“ Sie klang spröde und höflich, als ob Barmherzigkeit oder gute Manieren sie davon abhielten, ihrer Verärgerung über ihn Ausdruck zu verleihen. Ihre Sprache wirkte kultiviert und die Stimme angespannt oder vielleicht auch traurig. Er hatte Übung darin, Zwischentöne herauszuhören und zu ergründen, was für eine Person sich hinter den Worten verbarg. Was versuchst du zu verstecken, kleine Nonne?

Doch in erster Linie konnte er ihren Unmut heraushören. Das war nur allzu verständlich. Er hatte sie zu Boden gestoßen. Das Mindeste, was er tun konnte, war, sie an den Ort zu bringen, zu dem sie wollte. „Aber zuvor sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Was ist, wenn Sie sich etwas gebrochen haben?“ Er bückte sich, hob die zierliche Frau hoch und bekam mit den Fingern den Griff ihres Handkoffers zu fassen, bevor er sich aufrichtete. „Zu welchem Kanal müssen Sie, Schwester?“

„Zum Kanalbecken. Ich steche morgen früh von Ostende aus in See. Schwester Claire betreibt eine kleine Herberge für Reisende unten an der Anlegestelle, und ich möchte den Abend mit ihr verbringen. Aber ich bin keine …“

„Dann gehen wir hier entlang.“ Alex trug sie vorsichtig die Straße hinunter. „Auf dem Weg bringe ich Sie bei einem Arzt vorbei.“

„Ich möchte niemandem zur Last fallen, also …“

„Sie können nicht laufen, und alle Droschken sind wie vom Erdboden verschluckt, wie es immer der Fall ist, wenn man sie am dringendsten braucht. Außerdem bedeutet es für mich überhaupt keinen Umweg.“

Und genau genommen würden sie auch keinen Arzt aufsuchen, obschon Grant seine medizinische Ausbildung in Edinburgh nahezu beendet hatte, als er gezwungen worden war, sie aufzugeben.

„Ja, aber ich …“

„Sie haben kein Geld?“ Nonnen verfügen wahrscheinlich über keinen Penny, dachte er. „Machen Sie sich darüber keine Gedanken. Es ist meine Schuld, dass Sie sich verletzt haben, und der Arzt ist ein Freund. Wie heißen Sie? Ich bin Viscount Weybourn.“ Normalerweise pflegte er den Titel nicht zu erwähnen, doch er nahm an, dass es sie beruhigen würde.

Ihr Körper bewegte sich in seinen Armen, als sie tief Luft holend aufseufzte. Gewiss empfand sie es als beschämend, von einem Mann getragen zu werden. Da sie jedoch nicht in das Kloster zurückkehren wollte, blieb kaum eine andere Möglichkeit.

Weiterhin bemühte er sich tapfer, nicht auf die Wirkung zu achten, die ihre weiblichen Rundungen auf ihn hatten. Er war es nicht gewohnt, einer Frau so nahe zu sein, außer wenn sie beide die Absicht verfolgten, mit den Annäherungen sehr viel weiterzugehen.

„Tess … Teresa.“

„Schwester Teresa.“ Natürlich, Nonnen werden schließlich nach Heiligen benannt, oder etwa nicht? „Fein. Da sind wir.“ Die Lichter des Les Quatre Éléments schimmerten am anderen Ende des kleinen Platzes. Zielstrebig wie ein Seefahrer, der einen sicheren Hafen gesichtet hat, steuerte er darauf zu.

„Ein Gasthof? Lord Wey…“

„Es handelt sich um ein respektables Haus“, beteuerte Alex, während er sich mit der rechten Schulter voran durch die Eingangstür in das helle und warme Getümmel einer gut besuchten Gaststube drängte. „Gaston!“

„Lord Weybourn.“ Der Gastwirt eilte aus dem Hinterzimmer. „Wie schön, Sie wiederzusehen, Mylord. Die anderen Gentlemen befinden sich bereits in Ihrem Privatsalon.“

„Ich danke Ihnen, Gaston.“ Alex trug die Nonne auf eine Tür an der rechten Seite zu. „Möchten Sie eine Tasse Tee oder Kaffee? Was kann ich Ihnen servieren lassen, Schwester Teresa?“

„Gentlemen? Privatsalon? Lord Weybourn, lassen Sie mich augenblicklich …“

„Tee!“, rief er laut. Tee hatte doch angeblich eine beruhigende Wirkung, oder irrte er sich? Auf jeden Fall brauchte diese kleine Nonne etwas zur Beruhigung. Sie begann, sich in seinen Armen zu winden wie eine aufgeschreckte Henne, und wenn sie nicht bald damit aufhörte, war sie verflucht noch einmal nicht die Einzige, die etwas zur Beruhigung brauchte, wenngleich er dabei nicht unbedingt an Tee dachte … eher an eine Nacht mit einer Frau. Wann war das letzte Mal? Vor einem Monat? Auf jeden Fall ist es entschieden zu lange her.

Alex stieß mit einem Fuß hinter sich die Tür zu und lehnte sich kurz dagegen, um wieder zur Besinnung zu kommen. Nonnen verzichteten allem Anschein nach auf ein Korsett. Diese Erkenntnis war äußerst aufwühlend. Das weiche Gewicht einer kleinen Brust auf seinem rechten Unterarm brachte ihn ganz durcheinander. Er verhielt sich wie ein Junge, der noch grün hinter den Ohren war, und das behagte ihm ganz und gar nicht.

„Mein lieber Alex, wozu der Lärm?“ Crispin de Feaux ließ das Dokument sinken, das er eben gelesen hatte, stand auf und betrachtete die Szene an der Tür mit kühler Reserviertheit. Wenn er, von einer mit Schwertern Fuchtelnden verfolgt, ins Zimmer gestürmt wäre, hätte Cris vielleicht ein wenig emotionaler reagiert, aber selbst da hatte Alex seine Zweifel. „Hast du dich jetzt dazu hinreißen lassen, Nonnen zu entführen?“

„Nonnen? Bestimmt nicht!“ Hinten am Kamin schwang Grant Rivers die Stiefel vom Kamingitter und stand ebenfalls auf, wobei er sich mit einer Hand durch das Haar fuhr. Wie immer machte er einen nachdenklichen und besorgten Eindruck.

„Um wie viel wettest du?“ Gabriel Stone ließ klackernd eine Handvoll Würfel auf die Tischplatte vor ihm rollen und erhob sich träge. „Auch wenn es nicht gerade zu Alex’ Stil passt …“

Alex sah ihn scharf an, damit er aufhörte, die junge Frau derartig unverschämt anzugaffen. Gabe grinste und ließ sich wieder in den Sessel...



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