E-Book, Deutsch, 254 Seiten
Almaas Liebe jenseits der Dualität
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-9692-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Erwachen in die liebende Natur der Wirklichkeit
E-Book, Deutsch, 254 Seiten
ISBN: 978-3-6957-9692-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
A. H. Almaas ist das Pseudonym von Hameed Ali, dem in Kuwait geborenen Begründer des Diamond Approach, der seit 1976 Individuen und Gruppen in den Vereinigten Staaten leitet. Im Laufe der Zeit hat die Lehre auch in Europa, Kanada, Australien und darüber hinaus eine Heimat gefunden. Almaas ist der Autor vieler Bücher, die zum Teil auch in die deutsche Sprache übersetzt wurden, wie zum Beispiel Liebe - die Essenz des erwachten Herzens, In die Tiefe des Seins, Facetten der Einheit und Forschungsreise ins innere Universum.
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Kapitel 2
Das Verdunkeln des Lichts
Wenn unsere Seele für die Dimension der göttlichen Liebe offen ist, beginnen wir, unsere wahre Natur zu erfahren, frei von Begrenzungen. Davor mögen wir unsere wahre Natur als essenzielle Präsenz erfahren, aber wir nehmen sie innerhalb unseres Körpers wahr, als die innere Natur der Seele. In der Dimension der göttlichen Liebe beginnen wir, unsere Natur stärker als das zu erfahren, was sie wirklich ist. Sie ist nun frei von der Begrenzung des Ego-Prinzips, dem Begriff, mit dem wir unsere Identifikation als begrenzte Entität, als begrenztes Individuum bezeichnen. Der Begriff »Ego-Prinzip« klingt zwar modern und westlich, ist aber tatsächlich eine mögliche Übersetzung des alten Sanskrit-Begriffs Ahamkara. Er beschreibt die Art und Weise, wie die meisten Menschen sich selbst erleben. Und das ist nichts Esoterisches. So erlebt sich die Seele selbst, wenn sie von der Ego-Struktur geprägt ist: »Ich bin diese Person, dieses getrennte Individuum, das geboren wurde und jetzt lebt, ich tue dies und das und ich interagiere mit anderen Menschen, die ebenfalls von mir getrennt sind und die anders sind als ich. Ich bin einzigartig und sie sind es auf ihre Weise ebenfalls. Wir können interagieren, uns austauschen, kämpfen und all das.« Das ist die Grundlage des Ego-Prinzips, des Ahamkara.
Wenn wir das durchdringen, wenn wir in der Lage sind, unsere essenzielle Natur ohne diese Begrenzung zu erfahren (die schlicht eine Konstruktion des Verstandes ist, die zur Gewohnheit geworden ist), dann erfahren wir unsere wahre Natur auf unterschiedliche Weise, je nachdem, welche der grenzenlosen Dimensionen sich gerade offenbart. In der Dimension, die wir momentan erforschen, erkennen wir, dass unsere wahre Natur anstelle von Bewusstsein oder Gewahrsein göttliche Liebe ist, die wir als Liebe, Präsenz oder Licht erfahren können. Wie genau wir sie erfahren, hängt davon ab, welches unserer drei feinstofflichen Zentren dominiert. Dominiert das Bauchzentrum, dann erleben wir sie als Präsenz, wenn das Herzzentrum dominiert, als Liebe und wenn das Kopfzentrum dominiert, als Licht. Es ist jedoch alles eins; sie sind weder getrennt noch mit unterschiedlichen Eigenschaften ausgestattet. Die Wirklichkeit ist Präsenz, die sich als Liebe ausdrücken kann, und die Liebe selbst ist das Licht. Und sie ist göttlich, weil sie frei ist von der Begrenzung der Ego-Perspektive. Da ist die Erkenntnis, dass meine Natur, das, was ich bin, sich nicht von dem unterscheidet, was die Realität ist, diesem unendlichen, ungeteilten Ozean aus reinem, liebendem Licht, der Existenz oder Präsenz ist.
Das Licht kann sich in verschiedenen Intensitätsgraden manifestieren – es kann schwächer oder heller sein. Je intensiver und heller das Licht ist, desto klarer sehen wir, wie die Dinge in Wirklichkeit sind. Je schwächer und weniger intensiv das Licht ist, desto unklarer und ungenauer ist unsere Wahrnehmung. Dieses Licht, die Liebe oder die Präsenz manifestiert sich im Allgemeinen im Menschen intensiver als beispielsweise in Felsen oder Bäumen. Aber selbst in Menschen manifestiert es sich in verschiedenen Graden der Reinheit, Intensität und Brillanz. Wenn es sich in einem Menschen schwach manifestiert, dann bedeutet das, dass dieses Wesen sich selbst als ein begrenztes, getrenntes Individuum erlebt. Alles erscheint getrennt, weil die Grenzen der Dinge, ihre Oberflächen, weniger transparent werden; sie sind dicht und undurchsichtig für dieses Licht, weil es nicht so intensiv ist. Die Oberfläche der Dinge ist dann in der Realitätswahrnehmung der Person dominanter und damit wichtiger. Schließlich ist die Trennung zwischen den Dingen so vorherrschend, dass dieser Mensch glaubt, er sei diese begrenzte Entität, die da in seinem getrennten Körper in einer Welt voller getrennter Menschen und physischer Objekte herumläuft.
Wenn sich aber dieses Licht innerhalb des Körpers intensiviert, dringt es besser durch diese Oberflächen und Grenzen hindurch. Und je mehr es das tut, desto stärker offenbart es, dass diese Oberflächen letztlich nicht undurchsichtig sind; das Licht durchdringt sie ganz und gar. Wenn also das Licht schwach ist, erfahren wir das Ego auf konventionelle Weise. Ist das Licht hell, dann haben wir das, was man einen Buddha oder ein verwirklichtes Individuum nennt. In beiden Fällen handelt es sich um dasselbe Licht, dieselbe Präsenz, dasselbe Bewusstsein und Sein, aber verschiedene graduelle Abstufungen davon können zu sehr unterschiedlichen Wahrnehmungen der Realität führen.
Obwohl also dieser göttliche Lichtschein alles durchdringt und aus allem herausströmt, höre ich auf, ihn zu sehen, wenn er sich an meinem Ort verdunkelt. Dann fange ich an, nur noch Objekte und Menschen, getrennte Phänomene zu sehen. Da dieses Licht unserer Natur aber innewohnt, verschwindet unser angeborenes Gefühl, in diesem allgegenwärtigen Ozean aus göttlichem Licht, aus Liebe und Bewusstsein verwurzelt zu sein, nicht ganz und gar. Es manifestiert sich, wenn wir noch offen dafür sind, als Liebe zu einem anderen Menschen oder zum Beispiel zur Natur. Wenn wir sie als Liebe füreinander erleben, ist sie nichts anderes als eine Widerspiegelung der Tatsache, dass wir und die andere eins sind. Dass wir aus derselben Liebe gemacht sind, aber wahrgenommen durch eine beschränkende Grenze, die besagt, dass wir zwei sind.
Die Grenze zwischen den beiden Menschen ist jedoch nicht mehr so dicht und undurchsichtig, und göttliche Liebe taucht durch das Herz auf, da dort die Präsenz am leichtesten zum Vorschein kommen kann. Wir nennen das, was sich zeigt, Liebe. In unserer individuellen Erfahrung manifestiert sie sich in verschiedenen Qualitäten – zum Beispiel als rosa Liebe oder als verschmelzende Liebe. Rosa Liebe ist eine persönliche Liebe oder Zuneigung für jemanden oder etwas. Sie zeichnet sich durch Sanftheit und Zärtlichkeit aus, mit viel Wertschätzung für die Schönheit, die wir im einzigartigen individuellen Ausdruck der Realität beim anderen sehen. Verschmelzende Liebe ist der köstliche Zustand, in dem sich die Strukturen und Grenzen, die das Gefühl der Trennung verursachen zwischen zwei Seelen – oder zwischen uns und unserer eigenen Quelle –, entspannen und auflösen.
Wenn wir jedoch in unserem Glauben an das Ego-Prinzip feststecken, in dem Konzept, ein separates individuelles Wesen zu sein, bleiben die Grenzen undurchsichtig. Das Licht ist schwach und es ist keine Liebe da. Aber dann erleben wir die Sehnsucht nach Liebe, die Sehnsucht danach, mit einem anderen Menschen eins zu sein. Es gibt ein Verlangen nach Kontakt, Nähe, Austausch und Zusammensein; eine Sehnsucht nach Intimität und Verschmelzung. Und das alles nur, weil wir nicht erkennen, dass wir bereits eins mit dem anderen sind. Ich sage also: Ich möchte mich dir mitteilen. Was meine ich mit »mich mitteilen«? Ich bin du. Wie kann ich mich dir mitteilen? Mein Wunsch, mich mit dir auszutauschen, unser Wunsch, uns einander mitzuteilen, ist durch die Tatsache motiviert, dass all unseren Erfahrungen die Einheit zugrunde liegt. Es besteht der Wunsch uns mitzuteilen, weil diese Einheit durch die Dualität ausgedrückt wird. Sie wird durch den Filter des Ego-Prinzips wahrgenommen, das denkt, dass es zwei Menschen gibt, die sich austauschen könnten, und dass durch das Mitteilen vielleicht Liebe entsteht und uns näher zusammenbringt.
Weil wir uns nicht bewusst sind, dass dieses grenzenlose, allgegenwärtige Strahlen reiner Liebe und reinen Lichts unsere wahre Natur ist, hängen wir an etwas, das wir mögen, sobald wir es haben. Wir werden besitzergreifend. Wenn es jemanden gibt, den wir lieben, hängen wir an ihm oder ihr. An jedem Objekt, das wir lieben, hängen wir. Was also ist Anhaftung?
Sie ist ein Ersatz für göttliche Liebe. Anhaftung ist ein Weg, um das Gefühl zu bekommen, dass ich eins mit etwas bin: Jetzt habe ich es, jetzt gehört es mir und es kann mich nicht mehr verlassen. Wenn wir die Dimension der göttlichen Liebe erkennen, dann wissen wir, dass wir und das Objekt eins sind, also müssen wir nicht daran festhalten. Aber da wir uns dessen nicht bewusst sind (wir wissen es nur unbewusst), glauben wir, dass wir getrennt sind von dem, was wir haben wollen. Und so entwickeln wir Anhaftungen. Wir sind gezwungen, Anhaftungen zu entwickeln; das ist unsere Art, Nähe und Verbindung zu bewahren.
Aber wenn wir Anhaftung erforschen, erkennen wir, dass sie in Wirklichkeit Negativität ist, das Ergebnis einer Frustration des Herzens. Wir sehen dann, dass Anhaftung eine negative Art der Verschmelzung ist – es ist keine echte Verschmelzung. Es ist ein Verlangen nach dem Zustand der Göttlichkeit, nach dieser göttlichen Liebe, die überall ist, aber das Verlangen wird durch das Gefühl von Grenzen frustriert. Wir sind diese Einheit, die schön und harmonisch, befreit und vollständig ist. Wenn wir uns also als etwas Begrenztes und Eingeschränktes erleben, können wir nicht anders, als uns nach dieser Einheit zu sehnen. Wenn unsere Verdunkelung nur schwach ausgeprägt ist, erleben wir sie als Sehnsucht nach der Vereinigung mit dem Göttlichen, mit Gott. Ist sie stärker ausgeprägt, erfahren wir sie als Sehnsucht nach der Vereinigung mit jemand anderem. Ist unsere Verdunkelung noch stärker ausgeprägt, dann erleben wir sie nur als Frustration – als frustriertes Verlangen. Anhaftung bedeutet, göttliche Liebe zu haben, ohne sie zu haben – das Ego glaubt, auf diese Weise Einheit zu erreichen, aber das gelingt nicht wirklich. In einem Zustand der Anhaftung halten wir zwar an etwas fest, von dem wir glauben, dass wir es haben wollen. Aber im Inneren besteht die Anhaftung aus...




