E-Book, Deutsch, Band 1, 300 Seiten
Reihe: Mafia Legacy
Altaj Beautiful Beast
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98718-494-9
Verlag: VAJONA
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das Biest
E-Book, Deutsch, Band 1, 300 Seiten
Reihe: Mafia Legacy
ISBN: 978-3-98718-494-9
Verlag: VAJONA
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
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»Tut mir leid, dass ich so früh anrufe, Boss«, sagt mein IT-Spezialist am anderen Ende der Leitung. »Aber es ist schon wieder passiert.«
Ich zucke zusammen und mein Schwanz rutscht aus meiner neuesten Eroberung. Sie liegt ausgestreckt vor mir auf dem Schreibtisch, ihr rotes Haar fällt über die Tischkante. Ich drücke das Telefon fest an mein Ohr. »Wie bitte?«
»Ich verstehe auch nicht, wie das passieren konnte«, fährt Mitch in leicht hysterischem Tonfall fort. »Wir haben alle Firewalls neu installiert und vier Leute haben eine ganze Nacht lang versucht, sie zu hacken. Aber es schien alles solide zu sein.«
»Es war aber verdammt noch mal nicht solide, wenn schon wieder jemand in unser System eingedrungen ist«, knurre ich.
»Rafael? Was ist denn los, Schatz?« Constanza schaut mich durch ihre gespreizten Beine hindurch an. Ihre Lippen sind zu einem koketten Lächeln geöffnet. Doch statt auf mein Gesicht sind ihre Augen auf die Stelle knapp oberhalb meines Schlüsselbeins gerichtet.
»Zieh dich an.« Ich drehe mich um und gehe durch mein Büro zur offenen Balkontür. »Was ist diesmal passiert, Mitch?«
»Es wurde ein Zahlungsauftrag erstellt für eine Überweisung von unserem Marketingkonto an einen Kinderkirchenchor in Seattle. Es waren aber nur zwanzig Dollar. Das ist doch höchstens eine kleine Unannehmlichkeit, oder?«
Meine Hand umklammert den Türrahmen. »Wir sind das größte Unternehmen für Personenschutz in diesem Teil der Erde, und seit Monaten hackt sich jemand in unsere Systeme und lässt uns wie Idioten dastehen. Hältst du für eine kleine Unannehmlichkeit?«
»Ja … äh, ich meine, nein. Natürlich nicht.«
Mein Blick schweift über die Baumwipfel und das üppige Grün des Gartens bis zum Horizont, wo die frühe Morgensonne von der endlosen Weite des Meeres reflektiert wird. Weiter unten an der Küste liegen meine beiden Yachten in einem kleinen Hafen vor Anker und schaukeln auf den sanften Wellen.
Als Guido und ich vor fünfundzwanzig Jahren aus Sizilien geflohen sind, besaßen wir nicht die nötigen Papiere, um in die USA einzureisen. Daher hatte ich keine Möglichkeit, einen legalen Job anzunehmen. Schon gar nicht als Minderjähriger. Also wurde ich zum Taschendieb, konnte damit aber kaum meinen Bruder ernähren. Mir blieb daher nichts anderes übrig, als mich an den örtlichen Clan der Albaner zu wenden. Sie erklärten sich bereit, meinen Bruder und mich bei sich aufzunehmen. Aber sie stellten auch sehr klare Bedingungen. Sie würden uns die notwendigen Papiere, ein Dach über dem Kopf und Essen besorgen, damit wir nicht länger nach Essensresten suchen mussten. Im Gegenzug musste ich mich für die nächsten fünf Jahre ihren Anweisungen fügen, ohne Fragen zu stellen. Als ich Dushkus Angebot annahm, hatte ich schon seit fast zwei Tagen nichts mehr gegessen. Alles, was ich »verdiente«, floss in die Miete für das Zimmer in der schäbigen Hütte, die uns als Zuhause diente. Vor die Wahl gestellt, entweder zu verhungern oder einen Deal mit dem Teufel einzugehen, entschied ich mich also für Letzteres.
Zuerst bekam ich nur Handlangerjobs zugeteilt – ich überbrachte wichtige Nachrichten, die nicht elektronisch verschickt werden konnten, handelte mit Koks oder ließ auch mal eine Leiche verschwinden. Dann wurde ich Jemin als Verstärkung zugeteilt. Jemin war einer von Dushkus Vollstreckern und überglücklich, mich die ganze Drecksarbeit erledigen zu lassen. Prügeleien. Folter. Und natürlich die Beseitigung von Personen, die Dushku für entbehrlich hielt. Unabhängig davon, ob es sich um Mitglieder seines eigenen Clans oder um Außenstehende handelte, die ihm einfach nur im Weg waren. Fünf Jahre meines Lebens und einen Großteil meiner Seele tauschte ich ein, um sicherzustellen, dass Guido nie wieder hungrig zu Bett gehen musste. Und dann verbrachte ich die nächsten fünfzehn Jahre damit, mein eigenes Imperium aufzubauen.
Ich brauchte also zwei Jahrzehnte, um dorthin zu gelangen, wo ich jetzt bin. Von einem bemitleidenswerten Abschaum, der auf der Straße von Essensresten und dem, was er ein paar Ahnungslosen aus den Taschen stehlen kann, lebt, hin zu einem Mann, dessen Name respektiert wird. Und den Leuten Angst einjagt. Das alles habe ich mit meinen eigenen Händen geschaffen – ich habe gekämpft und gewonnen – und bin dabei buchstäblich über Leichen gegangen. Mein Heimatland habe ich zwar als Bettler verlassen, aber ich bin als Herrscher zurückgekehrt. Und ich werde mich jetzt ganz sicher nicht von so einem verfluchten Cyberpunk zum Narren halten lassen.
»Konntet ihr den Bastard ausfindig machen?«, frage ich.
»Nein. Er benutzt ein VPN und gefälschte IP-Adressen, um seinen Aufenthaltsort in der gesamten Welt zu verteilen.«
»Es ist also immer ein anderer Ort?«
»Ja. Tokio. Manila. Chicago. Panama. Den Haag. Einmal hatten wir eine Markierung aus Patagonien. Es gab neun verschiedene Vorfälle, jedes Mal von einem anderen Ort. Abgesehen von … eine Sekunde.« Das Klicken von Fingern auf einer Tastatur ertönt. »Der erste Vorfall vor sechs Monaten und dieser letzte haben beide eine IP-Adresse aus dem Großraum Chicago. Es scheint«, wieder wird getippt, »dass diese Hacks von einem Internetcafé aus durchgeführt wurden. Aber nicht von demselben.«
Absätze klappern hinter mir auf dem Holzboden. Ich werfe einen Blick über meine Schulter und sehe Constanza neben der Couch stehen. Sie trägt das kurze rote Kleid, das ich ihr vor einer Stunde ausgezogen habe und das kaum ihren Hintern bedeckt, dafür aber ihre endlos langen Beine enthüllt. Ihr Haar ist offen, jede Strähne liegt akkurat an ihrem Platz und umrahmt ihr klassisch schönes Gesicht. Sie ist wirklich umwerfend schön. Wie alle Frauen, mit denen ich ficke. Ich bin es gewohnt, ausschließlich schöne Frauen an meiner Seite zu haben. Mit Geld kann man sich kaufen, was man durch sein Aussehen nicht schafft. Das ist die Realität.
»Ich habe am Donnerstagnachmittag ein Fernsehinterview.« Constanzas Lippen breiten sich zu einem strahlenden Lächeln aus. »Und ich habe bei Albini’s ein ganz tolles, schwarzes Kleid gesehen … Das wäre perfekt für den Anlass.«
Das glaube ich gern. Albini’s ist wohl das teuerste Bekleidungsgeschäft in diesem Teil Europas. Aber bevor ich zulasse, dass sie von meinem Geld Tausende für ein Kleid ausgibt, sollte sie erst mal lernen, mir beim Reden ins Gesicht zu sehen. Und beim Ficken.
»Nein. Du kannst dir ein Kleid in einer ganz normalen Boutique besorgen. Sie sollen es mir in Rechnung stellen.«
Constanza lächelt unsicher, verbirgt den Zettel aber schnell wieder. Mit ein paar Schritten, bei denen ihre Absätze klackern, schließt sie zu mir auf und geht auf die Zehenspitzen, um mir einen Kuss zu geben. »Danke, mein Schatz.«
Als ihre Lippen meine streifen, zuckt sie kaum merklich zusammen. Eins muss ich ihr lassen – sie ist unter all den Frauen, mit denen ich geschlafen habe, wahrscheinlich die beste Schauspielerin. Alle geben sich größte Mühe, ihre Abscheu zu verbergen, aber einige schaffen es besser als andere. So gut sie auch ist, doch selbst Constanza erträgt es nicht, mir ins Gesicht zu sehen. Nicht einmal bei sehr schlechten Lichtverhältnissen.
Es macht mir nichts aus, dass meine Affären nur wegen der extravaganten Reisen und luxuriösen Geschenke, mit denen ich sie überschütte, für eine gewisse Zeit bei mir bleiben. Unvergleichlicher Luxus – als kleine Entschädigung dafür, dass sie gezwungen sind, ein solches Biest an ihrer Seite zu haben. Es ist ein fairer Kompromiss. Einige Frauen können das länger ertragen, die meisten allerdings nicht.
Vor ein paar Jahren habe ich mal in einem Club eine Frau abgeschleppt. Oder besser gesagt, sie mich. Sie war eine Prominente vom Festland und machte mit ihren Freundinnen Urlaub auf Sizilien. Wahrscheinlich hatte ihr eine von ihnen erzählt, wer ich war. Sie war wie im Rausch – vielleicht war es auch einer und ich habe es damals nur nicht bemerkt – und hatte offenbar etwas zu feiern. Jedenfalls floss der Champagner in Strömen. Als wir in meiner Suite im Hotel ankamen, trällerte sie die aktuellsten Hits und konnte kaum die Finger von mir lassen. Wir vögelten. Mehrmals. Sie wollte mehr. Ich weiß, wie man eine Frau im Bett befriedigt. Das arme Ding hat mich sogar gefragt, ob ich sie heirate. Doch am nächsten Morgen, als sie nüchtern und definitiv verkatert aufwachte und mein Gesicht sah, kreischte sie einfach los. Zwei Minuten später flüchtete sie aus dem Zimmer und direkt in das Taxi, das ich ihr gerufen hatte.
»Wann sehen wir uns wieder?«, zwitschert Constanza.
»Ich ruf dich an«, sage ich und deute auf mein Sakko, das über ihren Schultern liegt. »Zieh meine Jacke aus.«
»Aber es ist kalt draußen.«
»Jetzt sofort, Constanza. Du kannst dir unten von einem meiner Männer eine Jacke geben lassen.«
Sie schmollt ein wenig, lässt das Sakko aber auf der Rückenlehne des Sofas liegen und eilt durch das Büro. Dann zieht sie die schwere Eichentür hinter sich zu. Ich drehe mich zum Fenster und nehme das Handy wieder ans Ohr.
»Hör zu, Mitch. Findet diesen Hacker, und zwar schnell. Es ist mir scheißegal, ob du dafür in jedem beschissenen Internetcafé im Großraum Chicago einen unserer Männer postieren musst. Ich will, dass dieser Wichser gefunden und zu mir gebracht wird.«
»Aber … Es gibt Hunderte von Internetcafés in Chicago, Boss.«
»Das ist mir scheißegal!«, knurre ich ins Telefon. »Findet ihn. Sonst schlage ich euch allen die verdammten Köpfe ab!«
»Ja, Boss. Geht klar. Ich erledige das.«
Ich...




