Altaj | Darkest Sins | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 9, 464 Seiten

Reihe: Perfectly Imperfect

Altaj Darkest Sins

Der Dämon
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98718-504-5
Verlag: VAJONA
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der Dämon

E-Book, Deutsch, Band 9, 464 Seiten

Reihe: Perfectly Imperfect

ISBN: 978-3-98718-504-5
Verlag: VAJONA
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



NERA In einer Nacht voller Blut und Tod brachte uns das Schicksal zusammen. Ich dachte, ich würde nur das Leben eines unschuldigen Mannes retten. Eines Mannes, den ich danach nie wiedersehen würde. Doch ich habe mich getäuscht. Eine leichte Veränderung in der Luft. Ein Schimmern von silbrigen Augen in der Dunkelheit. Auch wenn ich ihn nicht sehe, weiß ich doch, dass er da ist. Mein Todesengel, der in den Schatten lauert und über mich wacht, mich beschützt, bevor er sich wieder in Luft auflöst. Bis zu unserer nächsten Begegnung. Ein Mann, der sogar eine Kugel für mich abgefangen hat. Doch er wird mich nicht berühren oder gar lieben. Er wird mir nicht einmal seinen Namen verraten. KAI Dunkelheit. Schmerz. Blut. Das ist alles, was ich je kannte. Nur die leere Hülle eines Menschen. Ohne Herz. Ohne Seele. Und ohne Träume. Umgeben vom Tod, war ich ein zum Tode Verurteilter. Doch dann erhellte ihr Licht meine Dunkelheit, und hauchte meiner leblosen Seele wieder neuen Atem ein. Mein furchtloses Tigerbaby, mein einziger Grund weiterleben zu wollen. Jedes Mal muss ich sie im Licht zurücklassen, und mein schwarzes Herz zerbricht und blutet immer weiter, wenn ich mich in die Schatten zurückziehe, in denen mein Platz ist. Ich kann die Vergangenheit nicht mehr verändern und auch nicht ungeschehen machen, was ich getan habe. Meine finsterste Sünde.

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Kapitel 2

Nera

»Wie läuft’s denn so bei deiner Arbeit? Irgendwas Interessantes passiert?« Mein Vater spricht wie gewohnt in einem entspannten, lockeren Tonfall und redet zwischen zwei Bissen. Aber Nuncio Veronese, der Don der Bostoner Cosa Nostra, sagt oder tut nie etwas ohne Grund.

Beinahe bleibt mir vor Schreck ein Stück Brokkoli im Hals stecken, weil ich für den Bruchteil einer Sekunde befürchte, er könnte irgendwie von dem langhaarigen Fremden von letzter Woche erfahren haben.

»Ähm … Es ist super, Dad.« Ich schlucke. »Nein. Alles wie immer. Ach, aber neulich hat ein Junge eine Vogelspinne vorbeigebracht.«

»Großer Gott.« Er seufzt und wendet sich dann meiner Schwester zu, die auf der anderen Seite des Tisches sitzt, »Zara, reich mir doch bitte mal das Brot.«

Meine Schwester schiebt ihm die Glasschale näher zu und isst schweigend weiter. Manchmal ist sie so still, dass ich vergesse, dass sie überhaupt im Raum ist. Als wir noch Kinder waren, war Zara immer fröhlich, lachte ständig und plapperte dauernd vor sich hin. Mom sagte immer, wenn Zara keinen Mund hätte, würde sie sich aus Trotz einen wachsen lassen. Das änderte sich nach der Nacht, in der Elmo getötet wurde. Seitdem ist sie nicht mehr das lachende kleine Mädchen, das gern Unfug macht.

»Ich weiß, dass ich deiner verrückten Idee zugestimmt habe, Nera, aber willst du es dir nicht noch einmal überlegen?«, fährt mein Vater fort. »Wenn du schon unbedingt etwas studieren willst, wieso dann nicht eher Wirtschaft? Oder Finanzwesen? Etwas, das von Nutzen wäre und das du in Zukunft gebrauchen könntest?«

»Nein.«

»Du weißt aber schon, dass die Sache sowieso nur vorübergehend ist, oder? Wenn du heiratest, wird dein Mann nicht zulassen, dass du deine Zeit damit verbringst, Pferde zu besamen oder was auch immer du da machst. Das ist für jemanden von deinem Status absolut unpassend.«

»In Boston gibt es nicht so viele Pferde, die besamt werden müssten, Dad.« Ich seufze. Jedes Mal, wenn ich ihn besuche, reden wir über dasselbe. »Wir behandeln hauptsächlich Haustiere.«

»Gott sei Dank.« Er greift nach seinem Wein und trinkt einen großen Schluck. »Ich hätte dich direkt verheiraten sollen, als du achtzehn geworden bist. Aber Massimo meinte, ich sollte damit noch warten.«

Ich ziehe eine Augenbraue hoch. Ich wusste nicht, dass mein Vater meine Zukunft mit meinem Stiefbruder besprochen hat. Massimo verbüßt immer noch seine achtzehnjährige Haftstrafe wegen Totschlags, weil er den Mann getötet hat, der Elmo erschossen hat, und Dad besucht ihn einmal pro Woche. Jeden Donnerstagmorgen fährt mein Vater zur Justizvollzugsanstalt, die etwas außerhalb von Boston liegt, und bleibt stundenlang dort. Ich habe mich schon immer gefragt, worüber sie eigentlich reden. Nur mein Vater darf meinen Stiefbruder im Gefängnis besuchen. Weder Zara noch ich haben Massimo seit seiner Verhaftung wiedergesehen. Soweit ich weiß, hat er nicht einmal Salvo, seinen Freund aus Kindertagen, der jetzt einer der Capos meines Vaters ist, zu sich gelassen.

»Wie geht es ihm denn?«, frage ich.

»Ganz gut. Du kennst Massimo ja. Den kann so leicht nichts erschüttern.«

»Er ist seit mehr als einem Jahrzehnt in einem Hochsicherheitsgefängnis eingesperrt und es geht ihm ?«

»Ja«, sagt er. »Er hat auch nach euch beiden gefragt.«

Ein scharfes Einatmen ertönt von der anderen Seite des Tisches. Ich schaue auf und sehe, dass Zara auf ihren Teller starrt, ihre Gabel schwebt auf halbem Weg zu ihrem Ziel. Es dauert nur einen kurzen Augenblick, dann schiebt sie sich ihr Essen in den Mund.

»Trotzdem dürfen wir ihn immer noch nicht besuchen?« Ich schaue wieder meinen Vater an.

»Er hat seine Gründe.« Mein Vater zuckt mit den Schultern und wechselt das Thema. »Tizianos Sohn wird diesen Herbst getauft, danach gibt es ein großes Familienessen. Ich möchte, dass ihr beide daran teilnehmt und hübsch ausseht. Lasst euch passende Kleider dafür anfertigen. Bessere, als alle anderen Frauen dort tragen. Meine Töchter müssen über jeder Frau oder Freundin eines Capos stehen. Ich möchte nicht, dass ihr mich vor der Familie in Verlegenheit bringt, verstanden?«

»Wann ist das genau? Ich muss meinen Dienstplan in der Klinik überprüfen.«

»Dein Hobby-Zeitplan ist mir egal, Nera. Du wirst da sein«, schnauzt er und richtet dann seine Gabel auf Zara. »Und du auch. In einem Outfit, das dem Veranstaltungsort und dem Wetter angemessen ist. Den genauen Termin werde ich euch noch mitteilen.«

Zara lässt den Blick sinken, legt ihr Besteck auf den Teller und erhebt sich langsam. Sie sagt kein Wort, als sie sich entfernt und das Esszimmer verlässt.

»Das war gemein!«, zische ich, sobald meine Schwester außer Hörweite ist.

»Sie ist kein Kind mehr. Deine Schwester ist fast achtzehn und muss anfangen, darauf zu achten, wie sie sich präsentiert. Sie kann nicht bei vierzig Grad Hitze von Kopf bis Fuß verhüllt herumlaufen, um Himmels willen. Die Leute reden sonst.«

»Dann lass sie doch verdammt noch mal reden!« Ich werfe die Serviette auf meinen Teller und eile Zara hinterher.

Ihr Zimmer liegt im zweiten Stock, direkt neben meinem früheren. Die beiden Zimmer sind durch eine Verbindungstür miteinander verbunden, und da ich nicht mehr im Haus wohne, habe ich Zara mein Kinderzimmer als Nähatelier überlassen.

Zara sitzt auf der Bettkante und umklammert die Bettdecke. Überall liegen Modemagazine, Schnittmuster und verschiedene Stoffstücke verstreut. Ich lehne meine Schulter an den Türrahmen und lasse das Durcheinander auf mich wirken.

»Mein Zimmer reicht dir wohl nicht, was?« Lächelnd versuche ich, die Stimmung aufzulockern. »Na komm. Zeig mir doch mal, woran du gerade arbeitest.«

Zara zuckt nur mit den Schultern, die danach noch tiefer zu sinken scheinen. Ich betrete ihr Reich und bemühe mich, nicht zu stolpern oder eines der Schnittmuster, die sie auf dem Boden ausgebreitet hat, zu verschieben.

»Das sieht super aus.« Ich bücke mich und hebe eine Skizze auf, die ein ärmelloses Neckholder-Kleid zeigt. »Ich könnte noch ein Kleid für das Mittagessen mit Tiziano gebrauchen, falls du dafür Zeit hast.«

Sofort verziehen sich die Lippen meiner Schwester zu einem Lächeln. Sie springt aus dem Bett und eilt durch den Raum, um das Maßband und einen Notizblock vom Sessel zu holen.

»Bist du dir sicher mit dem Schnitt?«, fragt sie, während sie sich bückt, um einen Bleistift unter dem Bett hervorzuholen. »Ich kann auch noch ein paar Änderungen daran vornehmen, wenn du möchtest.«

»Nein, keine Änderungen. Es wird ganz sicher perfekt. Wie jedes Kleid, das du bisher für mich gemacht hast.«

Ich streiche über die Ärmel ihrer weißen Seidenbluse. Sie hat mir mal erklärt, dass man »Laternenärmel« dazu sagt. Bei diesem Vintage-Schnitt bauscht sich der Stoff zu den Handgelenken hin auf und wird an den Manschetten mit Perlmuttknöpfen zusammengehalten. Der Kragen der Bluse ist hochgeschlossen und hat eine große Schleife am Hals. Sie ist einfach unglaublich talentiert.

Kurz nachdem unser Bruder getötet wurde, entwickelte Zara die Weißfleckenkrankheit. Es begann zunächst an ihren Fingern und Handgelenken, doch dann tauchten die weißen Flecken auch auf ihrer Brust, ihren Beinen und Armen auf. Etwa zu der Zeit, als Mom starb, breitete sich die Krankheit auf die Bereiche um ihre Augen aus. Daher trägt Zara immer hochgeschlossene Oberteile und lange Ärmel, ganz egal, wie warm es draußen ist, weil sie es nicht mag, wenn Leute sie anstarren. Letztes Jahr hat sie versucht, die verfärbten Stellen in ihrem Gesicht mit einer Foundation abzudecken, doch das hat ihre Haut nicht gut vertragen. Trotzdem wechselte sie ständig die Marke und probierte verschiedene Make-up-Sorten aus, bis sie einen so starken Ausschlag bekam, dass ich mich mit ihr hingesetzt und ihr einen Spiegel in die Hand gedrückt habe. Sie sieht absolut hinreißend aus, und ich habe versucht, ihr das klarzumachen. Es gibt nichts an meiner Schwester, das nicht schön wäre. Ich wollte, dass sie das auch so sieht und erkennt, dass sie hübsch und perfekt ist, so wie sie ist. Sie glaubte mir nicht, aber zumindest benutzt sie seitdem keine Foundation mehr.

»Wie wäre es mit Seide in einem Lavendelton?«, fragt Zara und legt das Maßband um meine Hüften.

»Ja, Lavendel klingt toll.« Ich hebe meine Arme, damit sie meine Oberweite ausmessen kann. »Also … ich hab da letzte Woche jemanden in der Tierarztpraxis kennengelernt.«

Zara zieht eine Augenbraue hoch.

»Groß. Richtig groß. Tolle Figur. Langes schwarzes Haar. Wahrscheinlich der heißeste Mann, den ich je getroffen habe.«

»Hat er ein Haustier zur Untersuchung gebracht?«

»Ähm, nicht ganz.« Ich lache leise. »Am Ende entpuppte er sich selbst als Patient.«

Ich erzähle ihr die Einzelheiten meiner Begegnung mit dem Fremden, angefangen damit, wie ich ihn in einer Gasse gefunden habe, nur den Teil mit der Waffe lasse ich aus.

Ich denke immer noch an ihn. An seine raue, leicht heisere Stimme. An die Art, wie er auf diesem Tisch lag, völlig regungslos, während ich die Kugel aus seinem Fleisch gezogen habe. Vor ein paar Jahren wurde eine der Wachen meines Vaters direkt vor unseren Toren angeschossen. Während der Idiot, der dämlich genug gewesen war, das zu tun, von unseren Sicherheitsleuten rasch erledigt wurde, wurde der Verwundete ins Haus gebracht. Unser Hausarzt kam, um ihn zu behandeln, und obwohl ich hörte, dass der Mann eine Betäubung bekam, heulte er trotzdem so laut, dass ich es in meinem Zimmer hören konnte. Wahrscheinlich hat ihn die gesamte...



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