E-Book, Deutsch, Band 072023, 144 Seiten
Reihe: Julia
Alward Das Zimmermädchen und der Earl
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7515-1845-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 072023, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7515-1845-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Seine dunklen Locken, das markante Gesicht und dieser aufregend muskulöse Körper: Sehnsuchtsvoll beobachtet Esme, wie Stephen über das herrliche Anwesen schlendert. Dabei liegen Welten zwischen ihnen! Denn obwohl sie als Kinder zusammen gespielt haben, ist Esme nur das Zimmermädchen und Stephen der vermögende Earl, der Besitzer von Chatsworth Manor. Doch unerwartet flammt zwischen ihnen die alte Vertrautheit wieder auf. Und eine schicksalhafte Liebesnacht lang vergessen sie beide, was sie trennt - und genießen nur, was sie eint ...
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1. KAPITEL
Stephen Pemberton, Earl of Chatsworth, hasste es, manipuliert zu werden.
Aber er hatte keine Chance – seine Schwestern und seine Mutter hatten sich gegen ihn verbündet, und weder sein Bruder William noch sein Cousin Christophe schlugen sich auf seine Seite. Vielmehr waren sie auffallend ruhig, als Aurora verkündete, er sei derjenige, der nach Chatsworth Manor zurückkehren müsse, um die Neugestaltung des Parks zu Ehren seines verstorbenen Vaters zu beaufsichtigen.
Zwei Wochen sollte er vor Ort bleiben, hatte seine Mutter bestimmt. Zeit genug, um die Pläne zu begutachten und den Beginn der Arbeiten in die Wege zu leiten. Oh, und dann war ja auch das jährliche Stachelbeerfest im Ort – wäre es nicht wundervoll, wenn ein Mitglied der Familie sich dort blicken ließe?
Nein, es wäre keineswegs wundervoll, rebellierte er innerlich. Aber natürlich würde er hinfahren, denn auch sein Vater war stets dort gewesen und hatte als Jurymitglied die Torten, Puddings und Marmeladen bewertet, die beim Stachelbeeren-Wettbewerb aufgetischt worden waren. Selbstverständlich würde Stephen mit dieser Tradition nicht brechen. Und sobald er sich überzeugt hatte, dass die Bauarbeiten nach Plan liefen, würde er nach Paris zurückkehren. Dort war der Hauptsitz des Familienunternehmens Aurora, dessen Geschäftsführer er war. Mode, Kosmetik und Schmuck im Luxussegment – das war es, womit die Familie ihr Geld verdiente.
Er wusste ganz genau, dass die Überwachung der Baustelle nur ein vorgeschobener Grund war. In Wirklichkeit hatte die Familie offenbar beschlossen, dass er urlaubsreif war. Zuerst hatte er sich gesträubt. Doch dann hatte Aurora ihn streng über den Rand ihrer Chanel-Brille angesehen, und er hatte nachgegeben.
In den vergangenen Jahren hatte er einige Krisen in der Familie meistern müssen. Inzwischen war Ruhe eingekehrt, seine Geschwister waren verheiratet, und nun schien es, als würden sich alle auf ihn, den einzigen Single, konzentrieren. Ehrlich gesagt, gefiel ihm die Vorstellung, Paris und seine nervige Verwandtschaft eine Weile hinter sich zu lassen. Mochten sie ruhig glauben, ihn manipuliert zu haben – Stephen Pemberton tat nie etwas, das er nicht selbst wollte. Er hatte fest vor, die Ruhe auf Chatsworth Manor zu genießen und die Dramen der Familie auszublenden.
Und so freute er sich auf einen Kurzurlaub, als der Wagen wenige Tage später vor dem Herrenhaus hielt und der Chauffeur sein Gepäck aus dem Kofferraum lud.
Stephen atmete tief durch und spürte, wie eine tiefe Ruhe ihn übermannte.
Zu Hause. Von allen Häusern, die seine Familie weltweit besaß, fühlte er sich hier am meisten daheim.
Er ging den kopfsteingepflasterten Weg entlang auf das schwere Eichenholz-Portal zu. Doch niemand schien seine Ankunft bemerkt zu haben – die Tür blieb zu.
Stirnrunzelnd hob er die Hand, um den Messing-Türklopfer zu bedienen. Doch dann ließ er sie wieder sinken. Dies hier war sein eigenes Haus, verdammt noch mal. Warum sollte er klopfen?
Also drückte er die Klinke hinunter und trat ein. Der Geruch von Holzpolitur begrüßte ihn und eine ungewöhnliche Stille.
Was machten die Hausangestellten eigentlich, wenn die Familie nicht hier war? Diese Frage hatte er sich noch nie gestellt. Jetzt fiel ihm ein, dass die Haushälterin Mrs. Flanagan erkrankt war. Seine Mutter hatte etwas in der Art erwähnt, als sie mit ihm über das Stachelbeerfest und den Landschaftsarchitekten gesprochen hatte. Plötzlich war er beunruhigt. Was, wenn Mrs. Flanagan etwas passiert war? Das durfte nicht sein – sie war schon auf Chatsworth Manor, seit er denken konnte.
„Stephen?“
Er fuhr herum. Erstaunt musterte er die Frau, die vor ihm stand. Es war keineswegs Mrs. Flanagan, aber die Ähnlichkeit mit der Haushälterin war unverkennbar.
„Esme?“
„Guten Abend, Mylord.“
Fasziniert beobachtete er, wie sie sich von ihrem Erstaunen erholte und sich ihre Miene in eine höfliche Maske verwandelte. Auch ihre Stimme klang nun anders. Es irritierte ihn, dass sie ihn Mylord nannte. Das hatte sie bisher nur ein einziges Mal getan. Damals war er dreizehn gewesen, doch er würde den Streit niemals vergessen, den sie beide damals ausgefochten hatten.
„Was machst du hier?“, wollte er wissen. Ihre Augenbrauen hoben sich, und ihm wurde klar, dass seine Frage nicht besonders freundlich geklungen hatte. „Ich meine … ich habe nicht erwartet, dich hier anzutreffen.“
„Ich kümmere mich um den Haushalt“, erklärte sie.
Stephen konnte den Blick nicht von ihr lösen. Als er Esme, die Tochter von Mrs. Flanagan, das letzte Mal gesehen hatte, war sie ungefähr zwölf gewesen, ein Jahr jünger als er. Sie waren zusammen aufgewachsen, und Esme mit ihren funkelnden grünen Augen, ihrem roten Haar und ihrer Abenteuerlust war seine liebste Spielkameradin gewesen.
Doch seither waren mehr als zwanzig Jahre vergangen. Er war aufs Internat gegangen, und sie … Was hatte sie eigentlich gemacht? Beschämt musste er zugeben, dass er es nicht wusste. Auf jeden Fall war sie sehr viel zurückhaltender, als er sie in Erinnerung hatte. Doch obwohl sie schlichte schwarze Kleidung trug und ihr rotes Haar in einen ordentlichen Knoten gebändigt hatte, war sie noch immer so hübsch wie als Kind. Ihre grünen Augen hatten ihr Strahlen nicht verloren, und auf ihrer Nase tanzten Sommersprossen.
„Haben Sie mich nun lange genug angestarrt, Sir?“
Missbilligend sah er sie an. „Nenn mich nicht Sir. Oder Mylord. Oder Lord Pemberton.“
„Und wie soll ich Sie dann ansprechen?“ Ihre Miene blieb ausdruckslos. „Sie sind Lord Pemberton, und ich bin eine Ihrer Hausangestellten.“
Natürlich hatte sie recht, aber es gefiel ihm dennoch nicht. „Esme, hör auf, mich zu siezen. Wir haben zusammen Sandburgen gebaut – solche Formalitäten können wir uns sparen.“
„Das ist lange her“, wandte sie ein, doch ihr Tonfall war wärmer geworden.
„Wo sind denn die anderen?“, wollte er wissen. „Warum hat niemand geöffnet?“ Suchend sah er sich um. „Bist du ganz allein hier?“
Sie seufzte. „Wir hatten niemanden von der Familie erwartet, deshalb sind alle anderen im Urlaub.“
„Außer dir.“
„Und dem Gärtner und den Stallknechten. Aber hier im Haus bin die nächsten zehn Tage nur ich, das stimmt.“
Das war ziemlich genau der Zeitraum, in dem er bleiben wollte. Die Aussicht, auf das Personal verzichten zu müssen, gefiel ihm gar nicht. Wie hatte seine Mutter diesen Vorschlag machen können, wenn sie gewusst hatte, dass das Personal frei hatte? Offensichtlich hatte sie es vergessen.
„Und wo ist deine Mutter? Wie geht es ihr?“
„Sie war sehr krank. Hör zu, warum machst du es dir nicht in der Bibliothek gemütlich, ich bringe dir einen Kaffee und erzähle dir das Wichtigste. Marjorie hat noch einen Victoria Sponge Cake gebacken, bevor sie gestern in den Urlaub gegangen ist.“
In Erwartung des lockeren, gefüllten Biskuits – sein Lieblingskuchen – meldete sich sein Magen. „Ich hatte noch keinen Lunch. Wenn es dir nichts ausmacht, würde ich gern vorher ein Sandwich essen.“
„Kein Problem.“
Sie wandte sich zum Gehen, und während er ihr nachsah, dachte er daran, wie oft sie als Kinder gemeinsam Streiche ausgeheckt hatten. Damals hatte sie keinen Gedanken daran verschwendet, dass er irgendwann den Titel seines Vaters erben würde. Es schien ihm hundert Jahre her zu sein, dass er dieser sorglose Junge gewesen war.
„Esme?“
Fragend drehte sie sich um. Er fand es seltsam, dass er nun ihr Chef war und sie auf seine Anordnungen wartete.
„Es ist sehr schön, dich zu sehen.“
Ihr Lächeln schien den Raum zu erhellen. „Das finde ich auch, Stephen.“
Dann bog sie rechts ab und ging hinunter in die Küche.
Stephen schlug den Weg zur Bibliothek ein. Esme als Haushälterin. War Mrs. Flanagan so krank? Warum hatte ihre Tochter den Job übernommen? Und weshalb hatte ihm niemand etwas gesagt?
Das Tablett, das Esme von der Küche in die Bibliothek trug, war voll beladen mit Kleinigkeiten zum Lunch. Normalerweise kündigten die Pembertons ihr Kommen immer an, doch dass Stephen kommen würde, hatte Esme nicht gewusst, und sein Auftauchen hatte sie völlig aus dem Gleichgewicht gebracht.
Aber sie würde es allein schaffen. Auf keinen Fall würde sie jemanden vom Personal aus dem Urlaub zurückbeordern.
Die Bibliothek war für sie der schönste Raum des Hauses. Die Bücherregale waren deckenhoch, die Möbel aus glänzend poliertem Holz, die Vorhänge aus schwerem Brokat. An der Stirnseite sorgte ein Kamin an kalten Tagen für behagliche Wärme. Es gab sogar ein kleineres Regal nur mit Kinderbüchern, vor dem Ohrensessel für die Kleinen standen. Nach der Schule hatte sie sich oft dorthin zurückgezogen, um Hausaufgaben zu machen oder eines der Bücher zu lesen. Lord Pemberton hatte ihr ausdrücklich erlaubt, sich in der Bibliothek zu bedienen.
Cedric Pemberton war ein großzügiger Mann gewesen, und sie würde nie vergessen, dass er ihrer Mutter, die sie allein großziehen musste, ermöglicht hatte, hier auf Chatsworth Manor zu arbeiten. Für ihn war es selbstverständlich gewesen, dass die kleine Esme mit seinen Kindern spielte.
Inzwischen waren sie alle erwachsen, und es war undenkbar, dass nicht jeder die Rolle einnahm, die ihm gebührte. In diesem Gedanken wurde Esme bestärkt, als sie die Bibliothek betrat und Stephen an dem...




