Alward | Küss mich, bis der Sommer geht | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Reihe: Bianca

Alward Küss mich, bis der Sommer geht


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-95446-428-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Reihe: Bianca

ISBN: 978-3-95446-428-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



So haben wir nicht gewettet, denkt Luke Evans erstaunt. Dass seine neue Haushälterin Emily hübsch ist, hat er sofort festgestellt. Dass sie gut kochen kann, hat er gehofft. Aber dass sie einen kleinen Sohn mit auf die Ranch bringt, hat er nicht geahnt! Doch Luke muss zugeben, dass das ausgelassene Kichern des kleinen Sam ansteckend ist. Dennoch: Eine Familie ist das letzte, was er um sich haben will, aus einem Grund, den er niemandem verraten kann ... Warum bloß trifft ihn dann der Gedanke, Sam und seine bezaubernde Mom am Ende des Sommers zu verlieren, mitten ins Herz?

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1. KAPITEL

„Sind wir jetzt da, Mama? Kommt Daddy auch?“

Emily lächelte ihrem Sohn zu, obwohl sich ihr bei seinen unschuldigen Fragen das Herz zusammenzog. Sam wollte die Hoffnung nicht aufgeben, dass Rob irgendwann zu ihnen zurückkehren würde.

„Ja, wir sind da“, erwiderte sie schließlich. „Aber Daddy wohnt jetzt woanders, das weißt du doch. Ich fange hier eine ganz neue Arbeitsstelle an.“

Sie lenkte den Wagen auf das Gelände von Evans & Son. So weitläufig hatte sie sich die Ranch gar nicht vorgestellt. Die Gebäude waren von schier endlosen Weideflächen umgeben. Emily fuhr langsam die Auffahrt entlang, die auf das weiße, zweistöckige Wohnhaus zuführte. Links davon stand eine riesige Scheune, in dem Gebäude rechts war offenbar eine Werkstatt untergebracht.

Es gab noch ein paar weitere Nebengebäude, und alle machten einen ordentlichen, gepflegten Eindruck. Evans & Son stand wirtschaftlich offenbar nicht schlecht dar. Was man von Emily im Moment nicht gerade behaupten konnte, aber daran wollte sie genau jetzt etwas ändern.

Sie parkte das Auto rechts vom Wohnhaus und atmete tief durch, um ein bisschen ruhiger zu werden. Dann sah sie im Rückspiegel nach Sam. Der Junge blickte sich mit großen Augen um.

„Aber ich will, dass Daddy bei uns ist!“

„Das weiß ich, mein Schatz“, erwiderte Emily geduldig. Sam wusste es nicht besser, er war ja erst fünf. „Wenn wir uns hier erst mal eingerichtet haben, kannst du ihm einen Brief schreiben. Ich helfe dir auch dabei. Vielleicht malst du ihm noch ein schönes Bild dazu, wie findest du das?“

Zu sehen, wie traurig und verwirrt Sam noch immer war, versetzte ihr jedes Mal einen Stich. In der letzten Zeit war ihr Sohn viel anhänglicher gewesen als sonst. Kein Wunder – innerhalb kürzester Zeit hatte sich für sie beide alles verändert: Rob war ausgezogen, sie hatte das gemeinsame Haus verkauft, und jetzt waren sie aus Calgary weggezogen. Sam hatte sich von seinen Kindergartenfreunden und seiner gewohnten Umgebung verabschieden müssen. Aber von einem Fünfjährigen konnte sie nicht verlangen, dass er ihre Beweggründe verstand. In dem Haus in Calgary steckten ebenso viele schöne wie schmerzliche Erinnerungen, sie konnte dort einfach nicht mehr wohnen. Nach seinem Auszug hatte Rob ihnen nicht nur die finanzielle Unterstützung entzogen, sondern – was viel schlimmer war – sich auch persönlich vollständig von ihnen gelöst.

Emily konnte nicht fassen, wie er ihrem gemeinsamen Sohn so etwas antun konnte. Aber es gab im Moment Dringenderes, als sich darüber Gedanken zu machen. Sie konnte es sich nicht leisten, der Vergangenheit nachzutrauern. Sie musste und wollte für sich und Sam eine neue gemeinsame Zukunft aufbauen, eine glückliche Zukunft. Dass sie nun alle Entscheidungen alleine treffen musste, bedeutete eine große Verantwortung, aber irgendwie fühlte sie sich auch befreit.

„Wartest du eben im Auto?“ Sie stieg aus. „Ich spreche nur kurz mit Mr Evans, dann gehen wir rein.“

„Ist gut, Mama.“ Sam griff nach einem Bilderbuch.

Emily seufzte traurig. Manchmal kam es ihr so vor, als wäre ihr Sohn viel zu vernünftig für sein Alter. Ob Robs und ihre Trennung wohl seine Kindheit verkürzt hatte?

„Ich beeile mich, mein Schatz.“ Sie warf ihm eine Kusshand zu und strich sich das T-Shirt glatt, zu dem sie eine siebenachtel Jeans trug. Jetzt bloß nichts falsch machen, dachte sie und probierte ein freundliches, möglichst natürliches Lächeln. Mr Evans sollte ihr nicht anmerken, wie nervös sie war. Sie ging die wenigen Stufen zur Eingangstür hinauf, nahm all ihren Mut zusammen und klopfte an.

Keine Reaktion.

Das ging ja schon mal nicht besonders gut los. War das etwa ein Zeichen dafür, dass sie die falsche Wahl getroffen hatte? Dass sie nicht hätte herkommen sollen? Mit der Entscheidung, das Haus zu verkaufen und die Stadt zu verlassen, hatte sie Sams und ihr Leben ganz schön auf den Kopf gestellt, das war ihr durchaus bewusst.

Unwillkürlich drehte sie sich zu ihrem Sohn um, der immer noch ruhig im Auto saß, den Kopf über das Bilderbuch gebeugt. Doch, dachte sie. Ich habe mich genau richtig entschieden. Für mich ist es das Wichtigste, dass ich immer für Sam da sein kann. Und das kann ich hier. Außerdem bringe ich die besten Voraussetzungen für eine Tätigkeit als Haushälterin mit.

Vielleicht hatte Mr Evans sie einfach nicht gehört? Sie klopfte erneut. Dass sie ihren Auftraggeber vorher nie gesehen hatte, machte sie etwas nervös. Bisher hatte sie sich nur bei der Vermittlungsagentur persönlich vorgestellt, aber das letzte Wort sprach natürlich Mr Evans.

Emily konnte sich nicht daran erinnern, wann sie ihr letztes richtiges Vorstellungsgespräch geführt hatte. Im vergangenen Jahr hatte sie zwar einige Bewerbungen losgeschickt, aber auf keine eine Reaktion erhalten. Kein Wunder! Wer wollte schon eine medizinisch-technische Assistentin einstellen, die seit fünf Jahren nicht mehr in ihrem Beruf gearbeitet hatte?

Auch auf das zweite Klopfen kam keine Antwort. Emily zwang sich dazu, ruhig zu bleiben.

„Kann ich Ihnen helfen?“ Eine Männerstimme. Sie kam von rechts, aus der Werkstatt.

Emily zog sich der Magen zusammen, als der dazugehörige Mann mit großen Schritten auf sie zukam und sich dabei die schmutzigen Hände an einem alten Lappen abwischte. Dann war das also Mr Evans? Er wirkte ja jünger als sie selbst! Obwohl das schwer zu sagen war, weil der Schirm einer Baseballkappe seine Augen verdeckte. Ihr Blick fiel auf staubige Westernboots, eine ausgeblichene Jeans und ein ölverschmiertes T-Shirt, das sich über einer muskulösen Brust spannte. Alles an ihm sah nach harter, ehrlicher Arbeit aus. Und so etwas hatte sie in letzter Zeit sehr zu schätzen gelernt. Auf gutes Aussehen gab sie nicht mehr viel.

„Ich … mein Name ist Emily Northcott“, begann sie. „Die Agentur hat mich hergeschickt.“ Schrecklich, wie unsicher ich gerade klinge, dachte sie und fügte laut hinzu: „Sie haben eine Haushaltshilfe gesucht.“

Er blieb stehen. Emily ging die Stufen wieder hinunter und reichte ihm die Hand.

Der Mann hob seine ölverschmierten Finger. „Und ich bin Luke Evans, aber geben Sie mir lieber nicht die Hand. Sonst machen Sie sich noch schmutzig.“

Emily spürte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss. Die ganze Situation war ihr unangenehm – erstens, weil sie hätte wissen müssen, dass er schmutzige Hände hatte, und zweitens, weil sein Tonfall nicht gerade herzlich war. Also ließ sie den Arm wieder sinken und bemühte sich zu lächeln. „Oh, ach so. Ich hoffe, wir kommen nicht gerade zu einem ungünstigen Zeitpunkt.“

„Ich repariere gerade ein paar Geräte und habe Ihr Auto gehört. Ich hatte aber nicht mit Ihnen gerechnet.“

„Hat die Agentur mich denn nicht angekündigt?“

„Vielleicht hat sie’s versucht, aber ich bin nun mal nicht oft im Haus, also höre ich das Telefon oft nicht.“ Er sagte das so, als wäre es völlig selbstverständlich.

Emily runzelte die Stirn. Hatte er denn gar kein Handy, so wie die meisten Leute? Oder zumindest einen Anrufbeantworter? Oder stellte er sich mit Absicht stur?

„Ich will Ihnen keine Unannehmlichkeiten machen, Mr Evans, aber die Agentur hat mir ganz ausdrücklich gesagt, dass ich heute hier anfangen soll.“

Er steckte sich den alten Lappen in die Gesäßtasche. „Wahrscheinlich hat die Agentur meine Schwester benachrichtigt. Sie hat die Anzeige ja auch aufgegeben.“

„Ach, das waren gar nicht Sie?“

„Nein, meine Schwester Cait. Vielleicht haben sie bei ihr auf Band gesprochen. Sie ist allerdings gerade im Krankenhaus.“

„Oh, das tut mir leid. Ich hoffe, es ist nichts Schlimmes.“ Alles, was er sagte, gab Emily nur noch mehr Rätsel auf. Allerdings lud sein Tonfall nicht gerade dazu ein, weitere Fragen zu stellen.

Auf einmal lächelte er doch. Nur ein bisschen zwar, und dazu noch ziemlich angestrengt … aber immerhin. Sofort war sein Gesicht wie verwandelt. Die eisblauen Augen wirkten auf einmal viel wärmer, und links und rechts von seinem Mund bildeten sich zwei sehr charmante Lachfalten. „Nein, wirklich schlimm ist es nicht“, erklärte er. „Sie bekommt gerade ein Baby.“

Sein Lächeln wirkte irgendwie ansteckend, und Emily lächelte zurück. Aber dann wurde sie doch wieder nervös. Mit so einem jungen Arbeitgeber hatte sie nicht gerechnet … und einigermaßen attraktiv war er noch dazu! Eigentlich komisch, dass ihr so etwas überhaupt auffiel, wo sie doch gerade eine ziemlich unschöne Trennung hinter sich hatte und fest entschlossen war, Liebschaften jeglicher Art erst mal aus dem Weg zu gehen.

Im Grunde sah dieser Luke Evans nicht einmal besonders gut aus, zumindest nicht im klassischen Sinne. Aber irgendetwas an ihm sprach sie an. Außerdem kam es ihr so vor, als könnte er ihr mit einem Blick direkt in die Seele sehen. Für einen Mann hat er wirklich umwerfend schöne Augen, dachte sie. Und dass sie ihn in Gedanken nur als „einigermaßen attraktiv“ bezeichnet hatte, war schamlos untertrieben. Er war groß, schlank und gleichzeitig sehr muskulös. Seine Stimme klang angenehm rau. Insgesamt wirkte er umwerfend männlich … dabei fiel gar nicht mehr auf, dass er nicht dem klassischen männlichen Schönheitsideal entsprach.

„Die Agentur schickt mich“, wiederholte sie.

Er lachte kurz auf. „Das haben Sie...



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