E-Book, Deutsch, Band 212022, 144 Seiten
Reihe: Julia
Alward Weihnachtswunder auf Chatsworth Manor
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7515-1003-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 212022, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7515-1003-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Leise Weihnachtsmusik erfüllt die Wohnung, während Christophe den kleinen Christbaum aufstellt und dabei von vergangenen Weihnachtfesten auf Chatsworth Manor erzählt. In diesem Moment wird es Sophie klar: Er ist mehr als ihr Boss. Mehr als ihr Vertrauter. Er ist der Mann, den sie liebt. Vor Trauer zieht sich ihr Herz zusammen. Denn sie weiß, dass eine Ehe für den bindungsscheuen Millionär nicht infrage kommt. Soll sie es trotzdem wagen, ihm ihre Gefühle zu gestehen? Oder wird sie damit alles verlieren?
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1. KAPITEL
Schlecht gelaunt betrachtete Sophie Waltham die Paare auf der Tanzfläche. Eigentlich hatte sie dieses gesellschaftliche Ereignis bei den Pembertons nicht eingeplant. Doch ihre Eltern hatten spontan beschlossen, ihren Hochzeitstag in Prag zu verbringen, und darauf bestanden, dass Sophie sie auf dem Fest vertrat. Ungeduldig tippte sie mit dem Fuß auf und fragte sich, wie lange sie noch würde ausharren müssen, bevor sie sich verabschieden könnte, ohne unhöflich zu sein. Es war die Verlobungsfeier von Bella Pemberton und Viscount Downham. Also keineswegs ein geschäftliches Zusammentreffen, und deshalb verstand sie nicht, warum sie hier sein musste.
Ihr kleines Schwarzes war einen Hauch zu eng, und auch die Stilettos, die sie trug, waren alles andere als bequem. Ihr dunkles Haar fiel ihr offen über die Schultern, und als einziges Schmuckstück hatte sie sich für eine schimmernde Kette aus Perlen und Diamanten entschieden, die sie selbst entworfen hatte. Ganz bewusst trug sie keinen Schmuck aus der Aurora-Kollektion – wenn sie sich selbst einen Namen als Designerin machen wollte, musste sie auch zeigen, was sie konnte.
Seit beinahe hundert Jahren stand der Name Waltham für Qualität. Der Ausstellungsraum war in der exklusiven Bond Street in London, hier vertrieben sie auch die Schmucklinie des elitären Modehauses Aurora der Familie Pemberton. Und genau aus diesem Grund stand sie jetzt hier am Rande der Tanzfläche, nippte an ihrem Soda mit Limone und wünschte sich, sie könnte sich zu Hause auf dem Sofa ausstrecken. Sie war müde, und ihre Füße in den schmalen hohen Schuhen schmerzten.
Seufzend ging sie zur Bar, um sich einen frischen Drink zu holen. Als sie ihn entgegennahm, hörte sie hinter sich eine wohlklingende Stimme, die sofort die Anspannung in ihren Schultern ein wenig milderte.
„Hallo, Fremde.“
Obwohl Christophe Germain überwiegend in England aufgewachsen war – genauer gesagt auf dem Familiensitz der Pembertons, Chatsworth Manor –, hatte er noch immer einen leicht französischen Dialekt. Lächelnd drehte sie sich zu ihm um. Sie freute sich, ihn zu sehen – samt seinem Lächeln, den dunklen Locken und der rechten Augenbraue, die er gern hob, um seinem Gesicht einen leicht spöttischen und gleichzeitig spitzbübischen Ausdruck zu verleihen.
Insgeheim war Christophe Germain ihr Lieblingsmitglied der Familie Pemberton. Erst vor Kurzem hatte er die Leitung der Aurora-Schmucklinie übernommen. Trotzdem hatte sie ihn seit Monaten nicht gesehen.
„Christophe!“ Sie beugte sich vor, und sie begrüßten sich mit Wangenküssen. „Ich freue mich, dass du auch hier bist.“
„Tust du das? Wie schön.“ Mit einem verschmitzten Lächeln musterte er sie von Kopf bis Fuß. „Du siehst aus wie Holly Golightly“, stellte er fest.
„Danke, das war meine Absicht“, gab sie zurück. Auch wenn sie ihr Haar nicht aufgesteckt trug wie Audrey Hepburn in Frühstück bei Tiffany’s, erinnerten ihr Kleid und der Schmuck tatsächlich an die bekannteste Szene des Filmklassikers.
„Du bist so elegant wie immer.“
Sie wusste, dass einige Frauen das Kompliment „elegant“ langweilig gefunden hätten, doch sie nicht. Ihr bevorzugter Stil war klassisch und dezent, bunte und hypermoderne Kleidung war ihr ein Gräuel.
Um anderen Gästen, die an die Bar drängten, Platz zu machen, suchten sie sich eine Sitzmöglichkeit.
„Ich wollte Waltham schon seit Längerem einen Besuch abstatten“, sagte Christophe. „Aber die vergangenen Monate waren extrem hektisch. Ich hoffe, dass ich es in den kommenden Wochen schaffe, bevor der Weihnachtstrubel anfängt.“
„Mein Vater würde sich freuen, und ich mich auch.“ Auch wenn sie es niemals zugeben würde, schwärmte sie heimlich ein winziges bisschen für Christophe. Aber sie wusste ihre freundschaftliche Beziehung viel zu sehr zu schätzen, um sie aufs Spiel zu setzen. Außerdem hätte er sie mit Sicherheit gnadenlos damit aufgezogen, wenn er geahnt hätte, was sie für ihn empfand. „Mum und er sind zu ihrem Hochzeitstag verreist. Dreiunddreißig Jahre.“
Er hob sein Glas und prostete ihr zu. „Auf deine Eltern und ihre lange, glückliche Ehe.“
Angesichts der Krankheit ihrer Mutter vor einigen Jahren war es tatsächlich ein Grund zu feiern. Seither hatten ihre Eltern die Zeit, die sie gemeinsam verbrachten, nie mehr als selbstverständlich betrachtet. Sie musterte Christophe. Vor nicht allzu langer Zeit war Cedric Pemberton gestorben – der Mann, der viele Jahre wie ein Vater für Christophe gewesen war.
Sie legte ihre Hand auf seinen Arm. „Wie geht es dir seit Cedrics Tod?“ Zwar war Sophie auf der Beerdigung gewesen, doch sie hatte keine Gelegenheit gehabt, mit Christophe zu sprechen. Die ganze Familie Pemberton war damals in absoluter Schockstarre gewesen.
„Es ist okay. Aber natürlich vermisse ich ihn und seinen Rat. Zum Glück ist Tante Aurora eine so starke Frau. Allerdings war es in der letzten Zeit ein bisschen unruhig in der Familie.“
„Ich habe gehört, dass William geheiratet hat und Charlotte ebenfalls.“ Sie hatte beiden bereits gratuliert. Charlotte, die ihr erstes Kind erwartete, sah aus, als müsste sie jeden Moment platzen. Es hatte Sophie wehmütig gestimmt, wie strahlend schön Charlotte wirkte und wie stolz sie ihre Schwangerschaft zeigte. Charlottes Anblick hatte Sophie bewusst gemacht, dass spätestens im Januar keines ihrer Kleider mehr passen würde.
„Ja, und nun noch Bella und Burke“, riss Christophe sie aus ihren Gedanken. „Ich freue mich sehr für sie. Solange der Kelch an mir vorübergeht, bin ich zufrieden.“ Er zwinkerte ihr zu, und sie lachte. Es war kein Geheimnis, dass Christophe ein eingefleischter Junggeselle war.
„Komm schon, du bist einer der begehrtesten Männer in Frankreich, oder?“
„Das bedeutet aber nicht, dass ich vorhabe, mich fest zu binden“, widersprach er fröhlich. „Bei den Pembertons hat es in jüngster Zeit genug Drama gegeben. Andererseits wird es so wenigstens nicht langweilig. Und ich habe Gelegenheit, den Smoking gelegentlich aus dem Schrank zu holen.“
„Was ist mit der Frau, mit der ich dich letztens gesehen habe? Wie hieß sie noch … Elisabeth?“
Christophe ließ seine Augenbraue in die Höhe schnellen. „Was du dir alles merkst. Ja, Lizzy. Das ist schon seit einer Weile vorbei.“ Er seufzte theatralisch. „Irgendwann hat sie nur noch von Heirat und Babys gesprochen.“
Prüfend musterte Sophie ihn. „Und du bist immer noch nicht bereit dazu?“
Energisch schüttelte er den Kopf. „Ganz sicher nicht. Außerdem habe ich im Moment viel zu viel Arbeit, um überhaupt darüber nachzudenken.“
„Hast du so viel mehr zu tun, seit Aurora angefangen hat, sich zurückzuziehen?“
„Eigentlich leite ich nur die Schmuckabteilung, aber im Moment habe ich auch noch einen Teil der Kosmetiklinie von Bella übernommen.“ Lachend zuckte er seine Schultern, und Sophie fiel auf, wie breit sie in dem Smoking wirkten. „Ich und Kosmetik. Das war eine steile Lernkurve.“
Sie fiel in sein Lachen ein, und plötzlich dachte sie gar nicht mehr daran, nach Hause zu gehen.
Sophie kannte Christophe seit vielen Jahren, und er hatte auf sie nie so einschüchternd gewirkt wie der Rest der Familie. Sie wusste, dass die Pembertons ihn aufgenommen hatten, als er neun Jahre alt gewesen war. Er war gemeinsam mit seinen Cousins und Cousinen aufgewachsen und voll in die Familie integriert worden. Doch sie wusste, dass er sich dennoch nie wirklich dazugehörig gefühlt hatte. Stephen, William, Charlotte und Bella waren Cedrics Kinder, hineingeboren in die britische Aristokratie. Stephen trug inzwischen den Titel des Earl of Chatsworth.
Vor Jahren einmal hatte Christophe sich in ihrer Gegenwart als „Bastard-Pemberton“ bezeichnet, und sie hatte ihn scharf zurechtgewiesen, das solle er nie wieder sagen. Und wenn sie ihn jetzt so betrachtete, dann kam sie zu dem Schluss, dass es nichts gab, weswegen sich Christophe Germain benachteiligt fühlen sollte. Er war ein toller Mann, Teil der Familie und ihres Modeimperiums.
„Deine Kette ist wunderschön. Sie stammt nicht von Aurora, nicht wahr?“
„Ich habe sie selbst entworfen.“
Leicht fuhr Christophe mit dem Finger über die doppelte Perlenreihe und den diamantbesetzten Verschluss. „Sie gefällt mir.“
Seine Berührung ließ Sophie erschauern, und sie hoffte, er bemerkte ihre Reaktion nicht. Es sollte ihr kleines Geheimnis bleiben, dass sie für ihn schwärmte. Außerdem hatte er ja selbst gerade gesagt, dass er kein Mann für eine feste Beziehung war. Und Sophie stand im Moment gar nicht der Sinn nach einer lockeren Affäre.
„Hast du sie schon jemandem bei Aurora gezeigt? Das könnte eine fruchtbare Zusammenarbeit werden“, murmelte er nachdenklich.
Sie verschluckte sich und musste husten. Das Wort Fruchtbarkeit wäre ihr in diesem Zusammenhang nicht gerade eingefallen.
Fürsorglich klopfte er ihr auf den Rücken. „Alles in Ordnung?“
„Ja, natürlich. Entschuldige.“
Gerade stimmte die Band ein neues Lied an, und Christophe hielt ihr seine Hand hin. „Komm, lass uns tanzen. Du hast schon viel zu lange am Rand der Tanzfläche gestanden.“
Das war ihm aufgefallen?
Kurz entschlossen ergriff sie seine Hand. Er führte sie zur Tanzfläche, zog sie in seine Arme, und sie fanden mühelos den Gleichklang ihrer Schritte. Er hielt sie fest, und er...




